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„Es müssen noch ein paar tausend Abos mehr sein“ – die erste Übermedien-Bilanz von Boris Rosenkranz

Boris Rosenkranz ist einer der Gründer von Übermedien.de
Boris Rosenkranz ist einer der Gründer von Übermedien.de

Vor rund einem halben Jahr starteten die Medienjournalisten Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz das unabhängige Medienmagazin Übermedien.de als Bezahlangebot im Netz. MEEDIA sprach mit Boris Rosenkranz über das erste halbe Jahr Übermedien, Abo-Zahlen, die Zusammenarbeit mit Blendle und die neue Kooperation mit Spiegel Online.

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Wie zufrieden seid ihr bislang mit Übermedien?

Boris Rosenkranz: Sehr zufrieden. Der Start von Übermedien war super und mit einem großen Interesse und viel Aufmerksamkeit verbunden, was uns sehr gefreut hat. Dementsprechend ging das mit den Abos am Anfang auch schnell. Die ersten 500 waren fix da. Darunter waren natürlich viele Journalisten, auch friends and family. Jetzt, nach einem halben Jahr, sind wir weiter guter Dinge. Wir haben rund 1.700 Abonnenten. Gut, das Wachstum ist jetzt langsamer. Normal. Und da müssen Abonnenten dazukommen, sodass wir uns weiter finanzieren und noch mehr Inhalte anbieten können.

Sind Euch die Abonnenten treu?

Es gibt Leute, die auch wieder abbestellen, weil es ihnen nicht gefällt oder sie nur einen Text lesen wollten. Das ist auch normal. Und eine Lehre aus dem ersten halben Jahr ist übrigens: Wenn wir längere exklusive Geschichten hinter die Paywall packen, merkt man, dass Leute, die von einem Text überzeugt sind, Abonnent werden. Das schreiben die uns dann auch. Und ich bin immer ganz hoffnungsfroh, wenn ich merke, dass wir Leute durch unsere Inhalte begeistern können.

Habt Ihr einen Überblick, wer Eure Leser und Abonnenten sind?

Ich glaube schon, dass wir neben Journalisten auch viele Leser außerhalb der Medienbranche haben. Das kann ich aber nicht in Prozenten ausdrücken, weil wir das noch nicht erhoben haben. Wenn man uns abonniert, muss man nicht viele Angaben machen. Das soll auch so sein. Und bisher haben wir noch keine richtige Umfrage diesbezüglich gemacht.

Wie gestaltet Ihr die Mischung zwischen Pay- und Gratis-Inhalten?

Ein paar Abonnenten haben moniert, dass sie nicht sehen, was exklusiv für sie ist. Das haben wir nun geändert. Jetzt steht über einem Abo-Text: „Exklusiv für Abonnenten“. Und die Einteilung, was Abo-Inhalt ist und was frei für alle, machen wir sehr freihändig. Da gibt es kein festes System. Abgesehen von den Videos, die bisher alle frei zugänglich sind, überlegen wir von Beitrag zu Beitrag, was wir hinter die Schranke packen. Meistens eigene Geschichten und Recherchen, bei denen wir unseren Abonnenten ein Vorleserecht einräumen, eine Woche lang.

Täuscht der Eindruck, dass Ihr aktuell weniger Videos macht als am Anfang?

Es gibt weniger Videos und Bewegtbild als Texte, ja. Das hängt natürlich auch mit dem Aufwand zusammen. Wir haben mittlerweile so rund 25 Gastautoren, die bisher einmal geschrieben haben oder regelmäßig schreiben, wie Michalis Pantelouris mit der Zeitschriftenkolumne, die von Peter Breuer gegründet wurde, der gerade pausiert. Stefan (Niggemeier, Co-Gründer von Übermedien, Anm.d.Red.) und ich produzieren den Content in der Hauptsache aber alleine. Und es ist natürlich aufwändiger, ein Video zu produzieren, als einen Text zu schreiben. Wir wollen aber mehr Videos machen. Erstens haben wir viel Freude daran, wie unsere Zuschauer; zweitens ist das manchmal auch die geeignetere Form, Geschichten zu erzählen.

Wie gut läuft die Abo-Abwicklung mit Blendle?

Gut. Natürlich gibt es schon mal Probleme mit dem Einloggen. So etwas wird bei Blendle aber schnell behoben. Die haben am Anfang eh viel Gas gegeben, um das Abomodell für uns einzurichten. Das gab es ja vorher nicht, und generell läuft das sehr gut. Wir hatten aber schon immer den Wunsch, bei den Preisen flexibler zu sein, so dass Nutzer auch einen frei wählbaren Abo-Preis eintragen können. Daran arbeiten wir. Es gibt Leute, die meinen, vier Euro pro Monat sei zu wenig. Wir wollten das Angebot aber so niedrigschwellig wie möglich machen. Toll wäre deshalb, wenn jemand, dem es das wert ist, auch mehr geben könnte. Verwirrend ist auch ein bisschen, dass unser Abo separat abgerechnet wird und nicht über das Blendle-Guthaben. Auch das haben wir auf dem Zettel. Und anfangs haben wir auch darüber nachgedacht, Artikel einzeln zu verkaufen. Aber für Planungssicherheit ist das Abo besser.

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Ist denn absehbar, dass sich Übermedien irgendwann finanziell trägt?

Blendle bekommt von den 3,99 Euro Abo-Preis im Monat natürlich etwas, der Staat zwackt auch etwas ab – bedeutet also: Bei uns bleiben am Ende keine drei Euro pro Monat und Abo hängen. Dass sich das Ganze einmal trägt und finanziert, ist natürlich das Ziel. Am liebsten wäre es uns, so viele Unterstützer und Abonnenten zu gewinnen, dass wir auf die Paywall ganz verzichten könnten.

Das wäre das ursprüngliche Modell Krautreporter …

Ja, ich finde es nach wie vor reizvoll, darüber nachzudenken. Auf der anderen Seite wollen wir jetzt unseren Abonnenten den Vorteil bieten, dass sie Texte eine Woche früher bekommen. Von dem Geld haben wir im ersten halben Jahr refinanziert, was wir an Kosten hatten: die GmbH gründen, Kamera kaufen, solche Sachen. Außerdem bezahlen wir davon natürlich die Autoren, die für uns arbeiten. Bis jetzt haben wir selbst noch nicht wirklich daran verdient. Wir wollen künftig auch noch viel mehr bieten, da reichen die 1.700 Abos bei weitem nicht, das müssen schon noch ein paar tausend Abonnenten mehr werden. Aber wir sind da guter Dinge. Wir haben seit dem Start auch noch nicht viel Werbung gemacht. Da müssen wir vielleicht noch einmal offensiver werden.

Das Interview mit dem Sprecher der Berliner Bäder lief auch bei Spiegel Online. Sind solche Übernahmen öfter geplant?

Ja, das wird es künftig sicher häufiger geben. Wir schließen ja auch Werbung nicht kategorisch aus. Wenn jemand bei uns Werbung schalten will, dann schauen wir uns das an. Wir haben aber bisher nirgends Werbeflächen auf der Seite eingeplant. Und wenn ein anderes Medium, wie Spiegel Online, auf uns zukommt und einen Text übernehmen will – klar, warum nicht? Erstens bringt uns das eine größere Reichweite, die wir haben wollen, und wir veräußern den Text nochmal. Im Idealfall werden so Leute auf uns aufmerksam und abonnieren Übermedien vielleicht.

Bild Digital-Chef Julian Reichelt hat Euch bei Twitter wegen der Kooperation mit Spiegel Online kritisiert. Nach dem Motto: Ihr lasst Euch nun von denen bezahlen lasst, über die Ihr berichtet. Was sagst Du zu der Kritik? Wird es künftig einen Disclaimer geben, wenn Ihr über den Spiegel schreibt?

Nein. Es ändert sich ja nichts. Wir bleiben weiter unabhängig und produzieren unsere Inhalte. Wer davon etwas übernehmen möchte, soll gerne anfragen. Und keine Angst: Wir werden den Spiegel, Spiegel Online oder wen auch immer deshalb nicht schonen, wenn Kritik notwendig ist. Medienjournalisten werden übrigens meistens von Medien finanziert, auch wenn das Herrn Reichelt vielleicht überrascht. Wir hingegen werden im Kern von unseren Abonnenten finanziert. Das macht uns frei.

Abgesehen von der Reichelt Kritik: Ist das nicht auch in Bezug auf Euer Abo-Modell möglicherweise problematisch mit Artikel-Kooperationen? Immerhin bekommen Spiegel Online-Leser den Text kostenlos, für den Eure Abonnenten zahlen mussten?

Nein. Ein Text, der auch bei Spiegel Online oder irgendwo anders erscheint, ist bei uns nicht hinter der Paywall, sondern offen. Und unsere Abonnenten kaufen mit dem Abo ja ohnehin nicht einzelne Beiträge, sondern ermöglichen insgesamt, dass wir unabhängige Medienkritik machen können.

Was läuft besonders gut und was läuft eher nicht so gut?

Was noch überhaupt nicht gut läuft, ist die Empfehlungsrubrik „Gutes Live“. Da haben wir bisher viel zu wenig reingeschrieben. Dabei war das ja so angedacht von uns, dass wir nicht die ganze Zeit nur kritteln wollten, sondern auch auf gute Texte oder Dokus, also guten Journalismus, hinweisen wollen. Das läuft aber noch nicht und wir kritteln halt bisher meistens. Wir wollen für die Rubrik neben Fritz Wolf mit seinem Doku-Blick noch ein paar weitere Leute reinholen, damit das besser funktioniert. Was gut läuft, sind die Videos. Die werden von den Zuschauern auch gut angenommen. Und das Interview mit Matthias Oloew von den Bäderbetrieben ist wahnsinnig gut gelaufen. Interviews und Texte, die sich mit Lügenpresse, Flüchtlingen, der AfD und Terror befassen, interessieren die Leute derzeit einfach – analog zur Nachrichtenlage.

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Alle Kommentare

  1. Mich wundert es nicht, dass „Übermedien“ so schlecht läuft. Es ist einfach nicht relevant. Wenn Niggemeier angesichts des Terrors, der nun auch Deutschland erreicht hat, nichts besseres zu tun hat, als seine uralte Privatfehde gegen den vielfach erfolgreicheren Bestseller-Autor Broder fortzuführen, dann wundert mich das nicht.
    Hinzu kommt, dass Niggemeier, wie in guten alten Zeiten, nach Lust und Laune Kommentare löscht. Wieso bezahle ich eigentlich, wenn ich nicht einmal kommentieren darf? Heute schrieb ich lediglich „Ach, der Herr Niggemeier…“ und schon verschwand der Kommentar im Nirwana. Mein Geld aber nehmen Niggemeier und Rosenkranz.

    1. Haha, Salman Meier, Butthurt much? Wie kann man denn aus diesen Artikel bitte mitnhehmen, dass Übermedien „so schlecht“ läuft, außer man redet es sich ein? Hört sich bei Ihnen eher nach einer Privatfede an. Bitte verschwinden Sie wieder in Ihr Loch, lesen Sie BILD.de, PI und alle Bücher von Herrn Broder. Ich denke, Sie werden bei Übermedien nicht länger als Abonnement benötigt.

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