Beschwerden wegen Abdruck von Amokopfer-Fotos: BamS wird Fall für Presserat

Gegenüber MEEDIA erklärt Vize-Chef Thomas Drechsler, wieso BamS Fotos der Opfer von München druckte
Gegenüber MEEDIA erklärt Vize-Chef Thomas Drechsler, wieso BamS Fotos der Opfer von München druckte

Die Berichterstattung zum Amoklauf in München wird den Deutschen Presserat beschäftigen. Nach dem Attentat, bei dem zehn Menschen ums Leben gekommen sind, wird sich das Kontroll-Gremium demnächst mit dem Abdruck von Opferfotos in der Bild am Sonntag sowie bei Bild.de beschäftigen. Die Medien hatten die Bilder unverpixelt veröffentlicht und damit erste Beschwerden ausgelöst.

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Die Beschwerden beim Presserat zielen auf die Verletzung von Persönlichkeitsrechten (nach Ziffer 8 im deutschen Pressekodex) ab. Darin heißt es zum Opferschutz:

Die Identität von Opfern ist besonders zu schützen. Für das Verständnis eines Unfallgeschehens, Unglücks- bzw. Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Name und Foto eines Opfers können veröffentlicht werden, wenn das Opfer bzw. Angehörige oder sonstige befugte Personen zugestimmt haben, oder wenn es sich bei dem Opfer um eine Person des öffentlichen Lebens handelt.

Bild

Die Titelseite der Bild am Sonntag vom 24. Juli 2016

Mit dem zweiten Punkt argumentiert die Bild am Sonntag für den Abdruck. Gegenüber MEEDIA erklärt Thomas Drechsler, Stellvertreter der Chefredakteurin Marion Horn: „Die Wucht, die Dimension der Tat, macht die Toten zu Personen der Zeitgeschichte. Auch wenn sie so jung sind.“ Darüber hinaus weist Drechsler darauf hin, dass nicht nur BamS, sondern auch „praktisch jede internationale Zeitung“ so gehandelt und Fotos auf Titel wie auch im Heftinnern gedruckt habe. Von „praktisch jeder Zeitung“ kann freilich nicht die Rede sein. Am Sonntag veröffentlichte neben BamS auch die Sunday Times Opferfotos auf der Titelseite genauso wie die Boulevardzeitung Star on Sunday. Einige andere, darunter La Republica, die Sunday- und Daily Mail, sollen Fotos im Heftinnern gezeigt haben.

So berichtete die BamS am 24. Juli 2016 im Heftinnern

So berichtete die BamS am 24. Juli 2016 im Heftinnern

Ethisch berechtigt wäre der Abdruck von Opferfotos bislang in nur einem Fall gewesen. Ein Vater zeigte Fotografen und Journalisten einen Tag nach der Tat ein Foto seines verstorbenen Sohnes. Auch andere Medien wie die tz München oder auch Süddeutsche haben darüber berichtet.

Wie die BamS in ihrer Geschichte schreibt, seien einige Opferfotos am Tatort ausgestellt gewesen, um um die Getöteten zu trauern. Auf Nachfrage bestätigte ein Sprecher aber: Eine Einwilligung für den Abdruck aller Fotos habe nicht vorgelegen.

Trotz der immer wiederkehrenden Debatte, ob Medien nach Anschlägen wie in München Fotos der Opfer drucken dürfen oder vielleicht sogar sollten, hält sich die Empörung über das Handeln der Bild-Medien dieses Mal offenbar in Grenzen. Auf den Tweet, in dem die BamS ihre Titelseite zeigte, gab es zwar einige Reaktionen…

… allerdings spiegelt sich die Empörung bislang nicht in den Anzeigen beim Presserat wieder. Dort verzeichnete man bis Montagmittag drei Beschwerden. Allerdings, so zeigt es die Erfahrung, erreichen den Presserat in der Regel die meisten Beschwerden erst einige Tage nach Veröffentlichung umstrittener Beiträge.

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Alle Kommentare

  1. Wer hat diesen Twitterern – darunter gogenannte „bekannte“ Wichtig-Namen – eigentlich ins Hirn getackert, dass man Opfer solcher Taten nie zeigen darf, dass dies „pietätlos“ sei. WAS soll am Mitgefühl der BamS-Leser beim Anblick dieser sehr jungen Opfer falsch sein? Ich verstehe das nicht? Der Vater hat uns seinen Sohn gezeigt,, wollte, dass wir ihn uns anschauen. Ein Bruder hat die Schwester den ganzen Tag lang gesucht und hat uns im TV das Bild seiner geliebten Schwester gezeigt und an seiner Trauer teilhaben lassen. So oft sagen Angehörige von Opfern, dass man ihre Kinder einfach vergisst. Bei Verbrechen betroffene Opfer sagen, niemand interessiert sich für uns Opfer. Das ist die Kehrseite der Medaille. Also was soll das Getue. Woher kommt dieses Getue. Auf keinen Fall darf man verletzten Opfer zeigen! Aber ein schönes Bild von den jungen Menschen und ein Gespräch, eine Information, wer sie waren, was sie wollten ist eine wunderbare Möglichkeit der Anteilnahme und definitiv kein Voyeurismus.

  2. Der Presserat ist ein Witz. Ohne Beschwerde, keine Alimente. Denen geht es sicher nicht um die Würde der Menschen, sondern eher um die politisch unbequemen „Ressentiments“ die gegen die aktuelle Politik des Regimes entstehen könnten. Am besten man berichtet dieser Tage weder über die Täter noch über die Opfer. Man berichtet am besten gar nicht. Das soll ja auch gegen den IS helfen und passt besser zur Willkommenskultur.

  3. Beschwerde beim Presserat? Gäääääähn!
    Man kann sich auch darüber beschweren, dass ein Fußgänger bei Rot über die Ampel gelaufen ist, weil gerade kein Auto kam. Hat in etwa die gleichen Konsequenzen.

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