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Schlag für CP-Agentur C3: Allianz nimmt Magazinproduktion komplett in die eigene Hand

C3-Köpfe Lukas Kircher, Gregor Vogelsang und Rainer Burkhardt: Verlust eines Vorzeigeobjekts
C3-Köpfe Lukas Kircher, Gregor Vogelsang und Rainer Burkhardt: Verlust eines Vorzeigeobjekts

Von der optischen Gestaltung, Art Direction bis hin zum Druck – vier Jahre lang hat die CP-Agentur C3, ein Zusammenschluss von Kircher Burkhardt und Burda Creative, für den Versicherungskonzern Allianz das Kundenmagazin Allianz 1890 betreut. Jetzt hat sich das Münchener Unternehmen entschlossen, das vielfach prämierte Heft komplett in eigener Regie zu produzieren. Mit ihrem neuen Kurs gilt die Allianz in der Branche als Vorreiter.

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Von Reportagen über den demenzkranken Fußball-Profi Rudi Assauer bis hin zu Fotoreihen zum Thema Schmerzen mit namhaften Schauspielern wie Steffen Wink, der an der Seite von Gerard Depardieu in „Les Miserables“ international bekannt wurde – geschickt setzt das Wissensmagazin Allianz 1890 eigene Themen, um bei ihren Versicherten bekannter zu werden. „Ziel des Magazins ist es, Einblicke in das Unternehmen und in diverse Wissensthemen zu vermitteln“, heißt es in der Eigenwerbung. Viermal im Jahr erscheint das Hochglanz-Magazin in einer Druckauflage von 450.000 Exemplaren. Der Titel gilt in der Branche als Vorzeige-Objekt für Content Marketing, neudeutsch hochwertigen Auftragsjournalismus. Mehrfach wurde das Magazin hierfür beim BCP Award mit Gold ausgezeichnet, zuletzt 2015. Der BCP Award lobt europaweit Print- und Digitalmedien von Unternehmen aus.

Entwickelt und geschrieben werden die Inhalte von Allianz 1890 seit dem Start 2012 von einer eigenen Redaktion, die das Versicherungsunternehmen aufgebaut hat. Ihr Chefredakteur ist Mario Vigl. „Es ist wichtig, Mitarbeiter zu haben, die sich mit den Inhalten auskennen. Allianz 1890 wird daher seit jeher von unserer eigenen Textredaktion betreut. C3 hat als verlängerte Werkbank grandios die Optik geprägt – und jetzt trauen wir uns dies selber zu“, erklärt der Magazin-Macher.

Damit kehrt der Münchener Finanzkonzern dem CP-Giganten C3 den Rücken, der noch weitere Dienstleistungen für Allianz 1890 erbracht hatte. „Seit Juli gestalten wir unser Wissensmagazin Allianz 1890 komplett selber – von der Ideenfindung und der Textredaktion über die Optik bis hin zur Druckabwicklung“, sagt Vigl gegenüber MEEDIA. Dies bleibt auch personell nicht ohne Konsequenzen. Florin Preußler wurde zum Art Director des Magazins berufen. Der Designer ist in der Verlagsbranche kein Unbekannter. Er hat unter anderem GQ, Wired und das SZ-Magazin optisch aufgehübscht. Preußler löst den C3-Mann und Art Director Patrik Amor ab, der das aufwändige Design des Heftes seit der ersten Ausgabe betreut hatte.

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Für C3 ist der Verlust des Kundenmagazins ein herber Schlag. In der CP-Branche galt Allianz 1890 für die Agentur als ein prestigeträchtiger Vorzeige-Auftrag. Es ist nicht der einzige Auftrag, den C3 in jüngster Zeit verloren hat. Erst Anfang des Jahres büßte die Agentur den Etat für das Porsche Kundenmagazin Christophorus ein. Der Titel wird seit Anfang des Jahres von der Verlagsgruppe Delius Klasing komplett betreut, wie ein Verlagssprecher auf MEEDIA-Anfrage bestätigt. Die Zeitschrift erscheint in einer Auflage von knapp 600.000 Exemplaren.

Die Allianz erhofft sich durch das „Inscourcing“ der gesamten Magazin-Produktion kräftige Ersparnisse. „Es ist spürbar kostengünstiger, wenn wir die gesamte Produktion des Magazins selber in die Hand nehmen“, meint der Chefredakteur. Doch die Münchener kehren C3 nicht ganz den Rücken. Die Agentur soll weiterhin Line Extensions betreuen. Dennoch sieht der Chefredakteur die Leistungen von Agenturen wie C3 oder Territory distanziert. „Die Agenturen sind eine gute Starthilfe, um geeignete Strukturen für die Produktion von Heften wie Allianz 1890 aufzubauen. Als Unternehmenskommunikation haben wir noch nie auf Full-Service-Dienstleistungen gesetzt, da haben wir auch schlicht die Etats nicht“, unterstreicht Vigl. Zudem birgt der neue Kurs noch einen weiteren Vorteil: „Wir glauben, dass wir durch unsere Ausrichtung als eigenständige Einheit dauerhaft kreative Köpfe binden können, die Spaß und Lust an der Produktion von guten Geschichten haben, ob für Print oder digital“.

In der Branche gilt die Allianz mit dem Aufbau einer eigenen Produktionseinheit für Allianz 1890 als ein Vorreiter. Andere kapitalkräftige Großkonzerne in Deutschland könnten folgen. Sie bemängeln hinter vorgehaltener Hand, dass die großen CP-/CM-Agenturen inhaltlich zu weit von ihren Auftraggebern entfernt seien. Ihnen fehle das notwendige Gespür, um relevante Themen für ihre Kundenmagazine zu setzen. Zudem seien die Unternehmen trotz der guten konjunkturellen Entwicklung kostenbewusster geworden, heißt es. Viele Unternehmen seien nicht mehr bereit, auch noch die „Wasserköpfe der Agenturen“ zu finanzieren, meint eine namhafte Branchenexpertin, die nicht genannt werden möchte.

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Alle Kommentare

  1. Die Internalisierung kann ich schon verstehen, wenn man schon eine eigene Redaktion hat. Die ist ja vor allem ein Kostenfaktor. Das Layout wird ja nur einmal entwickelt. Entscheidend ist aber die Frage, ob Print und Digital sinnvoll verknüpft wird – ein reines Print-Kundenmagazin schmeichelt doch vor allem der Agentur (nun nicht mehr)

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