Anzeige

Nach China: Öko-Test soll auch in Indien einen Digitalableger bekommen

oeko-test-indien2.jpg

Im Mai vergangenen Jahres hat die deutsche Zeitschrift „Öko-Test“ nach langer Vorbereitungszeit ein Verbraucherportal in China gestartet. Inzwischen ist das Interesse an den unabhängigen Produkttests aus Deutschland im Land der Mitte riesig. Jetzt will die SPD-Medienholding DDVG mit dem Webdienst Anfang nächsten Jahres kräftig Geld verdienen. Auch eine weitere Expansion ins bevölkerungsreiche Indien ist vorgesehen.

Anzeige
Anzeige

Kross gebacken und goldgelb – Kartoffelscheiben aus dem Kessel gehören für viele Deutsche dazu, wenn sie ihre Lieblingssendung im Fernsehen schauen. Doch der kleine Snack ist für den Verzehr nicht unbedenklich. „In allen Kesselchips hat das Labor Acrylamid nachgewiesen. Acrylamid ist eine toxische Substanz, die als unerwünschtes Nebenprodukt beim Backen, Braten, Rösten und Frittieren stärkehaltiger Lebensmittel entsteht. Es löst im Tierversuch Krebs aus und schädigt das Erbgut. Bereits kleine Mengen stellen ein Risiko dar“, heißt es auf der Webseite von Öko-Test. Die Verbraucherzeitschrift kann daher nur zwei von 19 Produkten „halbwegs guten Gewissens“ für den Konsum empfehlen.

Monat für Monat testet die zur SPD-Medienholding DDVG gehörende Zeitschrift Öko-Test Artikel aller Art: vom Babyöl bis zum Mottenmittel, von Vitamin-Präparaten für Schwangere bis zu Rasierschaum. Alles kommt auf dem Prüfstand. In Deutschland gilt das 1985 gegründete Magazin neben der Zeitschrift Test der Stiftung Warentest als die wichtige Informationsquelle für Verbraucher. Nun will Öko-Test international weiter wachsen. „Wir prüfen derzeit, nach China auch in Indien ein Portal zu starten“, sagt DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen gegenüber MEEDIA. Auch in Indonesien sieht er gute Chancen, einen Digitalableger des Verbraucher-Portals zu etablieren.

Grund für die weltweiten Expansionspläne von Öko-Test ist das schnell wachsende Interesse der User an dem im Mai vergangenen Jahres gestarteten Digitalableger okoer.com in China. Zählte die Webseite hier noch im Dezember 2015 rund 2,4 Millionen Unique Visitors, vervielfachte sich die Nutzerzahl ein halbes Jahr später bereits auf rund zwölf Millionen. Dabei soll es aber nicht bleiben. „Unser Ziel ist es, mit der Plattform okoer.com bis zum Jahresende rund 45 Millionen Unique Visitors zu erreichen“, sagt Berendsen. Und das Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt. Denn für die rund 300 Millionen Menschen zählenden Mittelschicht in China wird die Produktqualität von Nahrungsmitteln und Konsumgütern immer wichtiger. Entsprechend wächst auch das Interesse an den unabhängigen Produkttests von okoer.com. Daher will das Portal am 4. August mit einer eigenen App auf den Markt kommen. „okoer.com-User können dann beim Einkauf auch Bewertungen und Empfehlungen von Produkten erhalten, wenn sie ihr Smartphone über das gewünschte Produkt halten“, nennt der DDVG-Geschäftsführer die Vorteile. Langfristig ist zudem denkbar, dass die Verbraucher die zuvor getesteten Waren auch über die App bezahlen können.

Damit könnte das Portal in China für die Hamburger SPD-Medienholding zu einer der wichtigen Einnahmequelle werden, deren Jahresüberschuss 2014 auf 6,4 (7,3) Millionen Euro zurückging. „Wir wollen Anfang nächsten Jahres damit beginnen, das Portal zu monetarisieren“, erklärt Berendsen. Geplant ist unter anderem, dass die Hersteller für die Testsiegel zahlen. „Wir überlegen, Erlöse über das Labeln der Produkte zu erzielen“, sagt der Medienmanager. Auch Bannerwerbung schließt er nicht aus.

Anzeige

Für das Engagement in China kooperiert die DDVG mit dem Öko-Test-Verlag, der mehrheitlich zur SPD-Medienholding gehört. Herausgeber des Portals ist Luo Changping. Der Blogger und Journalist ist im Land der Mitte kein Unbekannter. Er deckte 2012 unter anderem einen Korruptionsfall auf, in den ein hoher chinesischer Beamter verwickelt war. Als erster Chinese erhielt der Blogger 2013 den International Award von Transparency International.

Bislang hat Öko-Test in China lediglich Produkte internationaler Hersteller unter die Lupe genommen. Doch seit Mai testet oekor.com auch Waren chinesischer Firmen. Dazu werden die Produkte per Luftfracht an deutsche Labore geschickt. Zuvor legen die Öko-Test-Ingenieure wichtige Prüf-Parameter und Stückzahlen fest. Seit dem Start hat der chinesische Webdienst bereits mehr als zwei Dutzend Testreihen veröffentlicht – darunter sind Babylotionen, Vitaminpillen, Lippenstifte, Zahncreme, Tafelwasser, Olivenöl und Kosmetik. Zunächst hatte das Portal aber als erstes neun Produkte von internationalen Milchpulver-Herstellern untersucht. Das Urteil fiel verheerend aus: Fünf der Produkte stufte okoer.ocm wegen hoher Mineralbestandteile und Fettschadstoffen sowie Rückständen von Reinigungsmitteln als ungenügend ein.

In China hatten die Milchpulver-Tests aus Deutschland für viel Aufsehen gesorgt. Und dies aus gutem Grund: 2008 hatte ein Skandal um verunreinigtes Milchpulver das Land schwer erschüttert. Damals hatten diverse Hersteller dem weißen Pulver die verbotene Chemikalie Melamin beigemischt. Die Folge: Mehrere Säuglinge starben und fast 300.000 Kleinkinder erkrankten an Nierensteinen. Seither sind die Chinesen skeptisch, ob die im Land der Mitte vertriebenen Produkte heimischer und ausländischer Unternehmen keine Schadstoffe enthalten. Die Bevölkerung ist daher mehr denn je an unabhängigen Verbraucherinformationen interessiert.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*