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Mystery-Serie im 80-Jahre-Stil: „Stranger Things“ – was taugt die Neue von Netflix?

Netflix’ Eigenproduktion „Stranger Things“ geht 2017 in die zweite Staffel.
Netflix’ Eigenproduktion "Stranger Things" geht 2017 in die zweite Staffel.

Erinnern Sie sich an die 80er? Netflix schon: Die Mystery-Serie "Stranger Things" versteht sich als Hommage an jene Zeit, als das schaurig-schöne Storytelling von Steven Spielberg und Stephen King im Kino Wellen schlug – und rundet die Pionierarbeit der Genre-Größen durch die grundlegende Dauerparanoia aus Serien wie "Akte X" und "Heroes" ab. Doch kann die Eigenproduktion, die ab heute weltweit auf Netflix startet, auch jenseits ihrer Vorbilder überzeugen?

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Flackernde Neonröhren. Ein Mann im Kittel stratzt durch verlassene Katakomben. Im Hintergrund hallen rätselhafte Laute durch das sterile Kachelgewölbe. Ein ohrenbetäubender Schrei – und plötzlich ist alles schwarz. Bis die Neonröhren wieder ihr kühles Licht auf die mysteriöse Szenerie werfen. Und ein pulsierendes, grell leuchtendes Etwas freilegen…

… ja, schon in den ersten 120 Sekunden der Auftaktfolge von „Stranger Things“ wird es, nun ja, irgendwie strange. Und doch kommt einem die neue Eigenproduktion von Netflix unheimlich bekannt vor. Aus gutem Grund: Die Mystery-Serie, die heute weltweit bei dem Streaming-Dienst veröffentlicht wird, ist ein Liebesbrief an die übernatürlichen Klassiker der 80er-Jahre – von „Die Goonies“ über „E.T.“ bis „Stand by Me“. Und zwar mit allem, was dazu gehört: Die Story spielt 1983 im US-Bundesstaat Indiana, an der Highschool des verschlafenen Vorstadtnests Hawkins gehört man entweder zu den Nerds oder den coolen Kids – und natürlich gibt es auch den obligatorischen, völlig versprengten Polizei-Chief (grandios gespielt von David Harbour, „James Bond 007 – Ein Quantum Trost“), der vor dem Dienst sein erstes Bier zischt und eigentlich nur in Ruhe gelassen werden will.

Von klösterlicher Ruhe kann bei „Stranger Things“ allerdings kaum die Rede sein: Ein Junge ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Als seine Freunde, Familie sowie die lokale Polizei nach Antworten suchen, stoßen sie auf ein außergewöhnliches Rätsel, das aus geheimen Experimenten der Regierung, furchterregenden Superkräften und einem sehr seltsamen Mädchen besteht.

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Nur: Ist das alles überhaupt noch so übernatürlich? Immerhin haben schon Mystery-Serien wie „Akte X“ das Feld ausführlich beackert. Tatsächlich greift „Stranger Things“ stellenweise zu oft auf abgehangene Stoffe zurück – das fängt bei den obligatorischen, die Spannung hochjazzenden Synthesizer-Klängen an und hört bei der Klischee-Highschool (inklusive einem Teenager-Pärchen, dass sich heimlich zum Knutschen verabredet) auf. Der Groschen, dass die Serie in den 80er-Jahren angesiedelt ist, wäre sicherlich auch ohne die Radio-Hymne „Africa“ von Toto gefallen.

Doch die Mystery-Serie kann dem Genre auch etwas hinzufügen – wenn nicht sogar zurückgeben: Winona Ryder, spätestens bekannt geworden durch die Fantasy-Komödie „Beetlejuice“ (1988), jagt einem nicht nur einmal einen kalten Schauer über den Rücken, wenn sie als sorgenvolle Mutter des verschwundenen Jungen vor Angst fast durchdreht. Und auch die eigentlich unaufgeregte Inszenierung der durchaus packenden Story – die jedoch niemals droht, zu seicht zu werden – kann überzeugen. Das dürfte zumindest in den ersten beiden Folgen Regisseur Shawn Levy zu verdanken sein, der bereits in „Nachts im Museum“ sein Gespür für die richtigen und wichtigen Akzente bewiesen hat.

In Kombination mit ihrem subtilen Humor (Stichwort: Polizei-Chief!) und trotz vieler Klischees bleibt „Stranger Things“ eine gelungene Hommage an das große Mystery-Zeitalter. Anders gesagt: Die Neue von Netflix ist eine schön-schräges Vergnügen.

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