Tiefe Einschnitte beim Modemagazin Burda Style: Chefredakteurin Dagmar Bily verlässt Verlag

Die Wege von Chefredakteurin Dagmar Bily und Burda Style trennen sich
Die Wege von Chefredakteurin Dagmar Bily und Burda Style trennen sich

Die Zeitschrift Burda Style – ehemals Burda Moden – ist eine Art Legende im reichhaltigen Magazin-Portfolio des Münchener Printhauses Hubert Burda Media. Denn Aenne Burda, Mutter des Verlegers Hubert Burda, hatte das Modemagazin 1950 gegründet und damit zum wirtschaftlichen Aufstieg von Hubert Burda Media beigetragen. Jetzt wurde bekannt, dass Chefredakteurin Dagmar Bily das Haus verlassen hat.

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Es war eine revolutionäre Idee von Aenne Burda. 1952 legte die Verlegerin in dem von ihr gegründeten Modemagazin Burda Moden Schnittmuster bei. Zum ersten Mal konnten Frauen im Nachkriegs-Deutschland, Kleider neuester Mode kostengünstig selber anfertigen, die ansonsten nur einer zahlungskräftigen Oberschicht vorbehalten war. Ihr Konzept ging auf. Das Magazin wurde zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg, von dem Hubert Burda Media seit Langem zehrt. Heute erscheint Burda Style in 17 verschiedenen Sprachen und 99 Ländern weltweit.

Jetzt erlebt der Titel offenbar eine Zäsur. Überraschend hat sich der Verlag nach sieben Jahren von der Chefredakteurin Dagmar Bily getrennt, wie MEEDIA aus Konzernkreisen erfuhr. „Der Verlag Aenne Burda, mit seiner internationalen Marke Burda Style, konzentriert sich im Näh- und Craftingmarkt künftig noch stärker auf content-getriebenen Handel in den Kanälen Print und Digital – neben dem Ausbau des bestehenden Retail-Handels“, erklärt eine Burda-Sprecherin den anstehenden Umbau.

Bily gibt daher die Leitung von Burda Style ab, um sich beruflich neu zu orientieren. Ihre Position als Chefredakteurin werde nicht neu besetzt und damit eingespart, heißt es. „Der redaktionelle Inhalt von Burda Style wird ab sofort von einer Redaktionsleitung kanalübergreifend verantwortet – zudem wird eine neue, einheitliche Kollektionsleitung eingeführt“, so die Burda-Sprecherin. Beide Positionen würden zunächst kommissarisch intern besetzt. Rashana Rebecca Jennings, bisher Leitung Kreativressort, übernimmt die Redaktionsleitung als „Head of Content“. Anastasios Voulgaris, bisher stellvertretende Modeleitung, bekommt als „Head of Design“ die Kollektionsleitung.

Dass sich der Verlag von Bily trennt, liegt womöglich auch daran, dass der für den Titel zuständige Geschäftsführer Eckart Bollmann massiv auf die Kostenbremse tritt. Tatsächlich hat der Titel wirtschaftlich schon bessere Zeiten erlebt. Von der Zeitschrift verkaufen sich aktuell laut IVW 1/2016 nur noch rund 116.000 Exemplare. 2003 waren es noch mehr als 200.000 Exemplare. Herausgeberin der Zeitschriften der Burda Style Group ist Patricia Riekel. Die Journalisten hatte erst vor Kurzem die Chefredaktion der Bunten abgegeben.

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Alle Kommentare

  1. ……Finde ich auch: “ Backen und Stricken “ in der burda ? …geht gar nicht

    Mein Hobby ist Nähen , Gestalten…
    Abo seit es die „Pramo“ nicht mehr gab…
    Auch der sporadische Kauf von burda plus ist überflüssig , da diese Modelle weitgehend bereits in den monatl. Ausgaben enthalten sind und hier sehr lange auch keine Kurzgrößen 22-23 vorgestellt wurden

  2. Es ist schade, dass Dagmar Bily nicht mehr Chefredakteurin ist. Die Modelle, die es in der Burda Style nachzuschneidern gab, waren in den allermeisten Fällen aus den aktuellen Modeschauen in der Berlin oder Paris oder Mailand Fashion Week und waren zu dem Zeitpunkt, an dem die Burda Style erschienen ist, natürlich (noch) nicht angesagt. Dafür dann aber ein Jahr später. Außerdem fand ich die Dirndl im Oktoberheft immer sehr schön und die Tipps für Accessoires und Kosmetik auch. Nicht zu vergessen, die Designerschnitte und Reportagen.
    Die Rezepte, die es jetzt gibt, sind auch sehr schön, aber Rezeptzeitschriften und Frauenzeitschriften, die alle „Frauen“-Themen abdecken, gibt es meiner Meinung nach genug.
    Außerdem denke ich, dass der Nähboom, der vor gut 5 Jahren begonnen hat, so langsam wieder abflaut. Mich stört das nicht, weil ich auch schon vor 10 und 20 Jahren genäht habe und das auch weiterhin tun werde.

  3. Die obigen Kommentare kann ich voll und ganz unterschreiben. Das Nähen habe ich mir vor vielen Jahren mit Burda selbst beigebracht, was war das für eine Zeitschrift! Nicht nur die Kolumne von Aenne Burda war lesenswert. Früher konnte man viele Schnitte für sich verwenden. Jahrzehntelang war ich Abonenent. Aber dann…..
    Kein Wunder, dass Frau Furtwängler lieber Kleider von Designern anzieht, als mal ein Modell von Burda.
    Eigentlich wundert man sich eh, dass man jetzt diesen Kommentar noch kostenlos schreiben kann. Wäre das nicht noch eine Einnahme-Quelle für den armen Print-Konzern?
    Kein Kommentar war besser als der, dass sich Aenne Burda im Grab umdreht!
    Aber wir sind wohl eher von der aussterbenden Generation, wer braucht Burda dann eigentlich noch?
    Jammert der Bauer, jetzt hab ich endlich die Kühe so weit gehabt, dass sie nichts mehr zum Fressen brauchen – jetzt sind sie mir gfreckt…..
    A liebs Grüßle
    Heide Lange

  4. Die zwei Damen in den obigen Kommentaren sprechen mir voll aus dem Herzen.
    Ich hatte burda Moden jahrelang abonniert in den ca. 80er bis 90er Jahren und sehr, sehr viel genäht. Von den Kindern, Damen bis Herrenmode. Ich war „nur“ Hobbynäherin neben meinem Berufsleben, aber das mit allergrössten Begeisterung und Freude. Jeden Monat habe ich mich schon alleine auf die sehr hilfreichen Tipps für mein noch junges Leben von Frau Burda gefreut.
    Nun bin ich in Rente und nach über 20 Jahren Nähabstinenz habe ich meine Leidenschaft zum Nähen wieder neu entdeckt. Natürlich suchte ich „Burda Moden“ bis ich feststellen musste, dass es das nicht mehr gibt und als Ersatz burda style existiert. Aber ehrlich …… ein Heft zu kaufen, wo vielleicht 1 Schnitt akzeptabel ist … nein. Einige habe ich erworben aber ich verstand die Welt nicht mehr, was aus burda geworden ist. So ein Werk von Aenne Burda in den Abgrund zu ziehen, was für eine Schande.
    Nun habe ich Enkel, für die ich selbstverständlich auch nähen möchte, aber alleine meine Suche im Dezember für Mädchenkleider brachten mich zum verzweifeln.
    Soeben habe ich in einem „Burda Modemagazin“ von 2009! geblättert und dadurch mal im Internet recherchiert. Dabei bin ich auf die obige Seite gekommen. Nun weiß ich ja mehr Bescheid.
    Vielleicht war die Dame, die jetzt geht, auch nicht am richtigen Platz und ich wünsche Burda, dass es mit einem besseren, brauchbareren Heft weiter geht. Ich würde mich freuen und wünsche den Verantwortlichen eine gute Hand, und sie sollten sich mal in der Praxis orientieren. Dann wüssten sie, was wirklich von den Kunden gewünscht wird.
    Mit freundlichen Grüßen
    Angelika Kramer

  5. Dagmar Bily hat dazu beigetragen, daß Leser die Burda Style immer weniger kaufen bzw. ihre Abos kündigen.
    Es gab / gibt seit Jahren reichlich negatives Feedback von Burda Style Lesern bezügl. des Heftinhaltes, der sich unter Bily leider immer weiter verschlechtert hat, und gleichzeitig Verbesserungsvorschläge. Das hat aber nie jemanden interessiert im Hause Burda. Reaktionen von Burda Style Mitarbeitern auf Kritik am Heft sind, wenn überhaupt jemand reagiert, oft pampig wie bei einem beleidigten verzogenen Kind. Das ist unprofessionell.
    Der Burda Verlag an sich neigt eh zur Überheblichkeit, ich kenne das aus meiner Zeit in der Werbebranche.

    Nicht nur mir ging es so, sondern etlichen anderen Lesern und Leserinnen auch. Von Jahr zu Jahr werden weniger Ausgaben der Zeitschrift Burda Style gekauft. Im Jahr 2003 habe ich persönlich noch jede Ausgabe der Nähzeitschrift gekauft. Seit einigen Jahren kaufe ich nur noch sporadisch, mittlerweile nur noch ca. 3-4 Hefte im Jahr – einfach weil sie inhaltlich so schlecht geworden sind und sich die Schnittmuster ständig wiederholen, was wohl auch den Auswirkungen der Sparmassnahmen des Herrn Bollmann zu verdanken ist.

    Weitere Sparmassnahmen inkl. ständige Schnittmusterwiederholung und das Einsparen einer Chefredakteurin werden Burda Style endgültig das Genick brechen.
    Herr Bollmann mag zwar Erfahrung im internationalen Verlagsgeschäft haben aber bei Burda Style hat er eine absolut falsche Strategie gefahren und ich befürchte es wird noch schlimmer werden.
    Auch der Online-Auftritt der Burda Style ist ein Witz. Ständig Probleme, lange Ladezeiten, Probleme beim Einloggen in die Online Community etc. etc. Und das bei solch einem renommierten Verlagshaus.
    Schade, daß so ein einzigartiges Konzept so an die Wand gefahren wird.

    1. Ihre Kritik trifft den Nagel absolut auf den Kopf!
      Als langjährige Halbprofischneiderin kann ich dem nur beipflichen. In den letzten Jahren ist die Zeitschrift und auch die Schnitte bei Burda Style einfach nur verstaubt. Schade! Mir scheint, dass man nur noch ohne grossen Aufwand so viel wie möglich raus pressen will, bevor das Schiff ganz unter geht. Die Zeitschrift wirkt immer irgendwie selbstgebastelt. Sind denn da keine Profis am Werk? Stehen keine professionelle Modeberater und Schneidermeisterinnen zur Verfügung? UND: Wenn ich nähen will, möchte ich nicht Kuchen backen und auch keine Colaflaschen als Vasen bemalen und ich will auch keine Kosmetiktipps in einer Nähzeitschrift vorfinden. Vielleicht hat die nächste Chefredakteurin so viel Gespür, was es für eine Nähzeitschrift braucht und was nicht rein gehört. In einer Fotofachzeitschrift oder Automobilzeitschrift hat es ja auch keine Häkeltipps drin. Dann könnte es auch sein, dass die Leserinnen wieder kommen.
      Die Homepage wurde in jüngster Zeit mit minimalsten Aufwand ein wenig angepasst, ist aber immer noch echt voll schlimm!!!!! Ich weiss nicht, was die Führung dieses Konzerns studiert. Könnte es sein, dass da einige Verantwortliche sehr selbstzufrieden sind? Oder sind da nähtechnische Laien am Werk? BWL alleine reicht hier eben nicht aus! Wo bleibt die Innovation???? Frau Aenne Burda würde sich im Grab umdrehen! Nähen boomt wie schon seit Jahren nicht mehr und die Zeitschrift geht langsam aber sicher unter. Das kann doch nicht wahr sein! Im Zeitalter des Internets kamen mir vor Jahren schon konzeptionelle Änderungen und Bereicherungen in den Sinn und ich bin mir absolut sicher, dass Burda Style wieder attraktiv und demzufolge für den Konzern auch wieder lukrativ gemacht werden könnte. Ich habe im Burda Style Portal auch schon entsprechende Vorschläge gemacht. Aber die Macher dort schlafen einfach viel zu sehr. Die machen dort einfach nur Dienst nach Vorschrift und dann Ferierabend-Tagesschau…
      Wenn sie könnte, würde Frau Aenne den Verantwortlichen gehörig Feuer unterm Hintern machen…

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