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Datenschutzdebatte: Darf Google Gesprächsdaten von Android-Nutzern erfassen und speichern?

Datenschutzdebatte: Google erfasst und speichert Gesprächsdaten von Android-Nutzern
Datenschutzdebatte: Google erfasst und speichert Gesprächsdaten von Android-Nutzern

Kritik an Google: Die Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V. (NIFIS), eine unabhängige Selbsthilfeorganisation für Sicherheit im Netz, hat die Datenschutzbestimmungen des Web-Konzerns genauer unter die Lupe genommen. Raus kam, dass wer mit einem Android-Smartphone telefoniert, automatisch einwilligt, dass die Metadaten aller seiner Gespräche aufgezeichnet und ausgewertet werden.

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Der deutsche Sicherheitsverein gelangt zu dieser Schlussfolgerung anhand einer gemeinsamen Analyse des Datenschutztextes von Google mit dem internationalen Information Security Forum des Diplomatic Council, eines Think Tank, der die Vereinten Nationen berät.

So räumt sich Google laut Datenschutzerklärung die Möglichkeit ein, die „Telefonnummer, Anrufernummer, Weiterleitungsnummern, Datum und Uhrzeit von Anrufen, Dauer von Anrufen, SMS-Routing-Informationen und Art der Anrufe“ in „Telefonieprotokollen“ zu erfassen und zu speichern. Das Telefonat selbst, also das Gespräch, wird wohl nicht belauscht. „Niemand hört mit“, hatte schon US-Präsident Barack Obama beim Auffliegen der NSA-Affäre abgewiegelt.

„Nichts könnte irreführender sein“, widerspricht der NIFIS-Vorsitzende RA Dr. Thomas Lapp. Er erklärt: „NSA wie Google können aus den Metadaten verknüpft mit weiteren Informationen tief in die Privatsphäre eindringen, Beziehungsgeflechte aufspüren und den sozialen Kontext sowohl des Einzelnen als auch ganzer Bevölkerungsgruppen herausfinden.“

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Allein anhand der Metadaten wären Rückschlüsse etwa auf Geschlechtskrankheiten oder außereheliche Affären möglich. „Wenn jemand die Anonymen Alkoholiker, einen Scheidungsanwalt, eine Abtreibungsklinik oder eine Call-Girl-Nummer anruft, dann lassen sich daraus durchaus Schlussfolgerungen ziehen, ohne die Gespräche mithören zu müssen“, nennt der NIFIS-Vorsitzende Dr. Thomas Lapp plastische Beispiele.

Er erläutert: „Die Datenschutzerklärung von Google dürfte zwar nach deutschem Recht ungültig sein, weil die informierte Einwilligung fehlt. Schließlich ist kaum davon auszugehen, dass die meisten Android-Nutzer verstehen, dass Google sich herausnimmt, die Metadaten aller ihrer Gespräche auszuwerten. Dieses Verständnis wäre aber die Voraussetzung für die Rechtsgültigkeit der Erklärung. Das ändert allerdings nichts daran, dass Google genau dieses Recht für sich in Anspruch nimmt.“

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Alle Kommentare

  1. Mein damaliger Umstieg auf Windows Phone bewahrt mich auch vor solchen Problemen.

    Googles Android hat in DE ca. 80 Prozent Marktanteil, ist also (jedenfalls de facto) sowas wie ein Monopol.

    Monopolen aber ist nie zu trauen, sieht man ja auch hier wieder.

  2. Interessant, aber hat das mal irgendwer nachgeprüft? Oder bei Google nachgefragt? Oder je vorher von NIFIS gehört?

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