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Neues Format mit Branchen-Promis: wie Xing zur Stimme der Wirtschaft werden soll

Klartext- und Brancheninsider-Macher Jennifer Lachman und Roland Tichy
Klartext- und Brancheninsider-Macher Jennifer Lachman und Roland Tichy

Vom Debattenformat Klartext, Nachrichtenseiten von 200 Medienmarken bis zu Branchen-Newslettern - Ex-WiWo-Chef Roland Tichy und die frühere FTD-Reporterin Jennifer Lachman bieten seit 2015 mit einer kleinen Redaktions-Mannschaft ein breites journalistisches Angebot für Nutzer des Karriere-Netzwerks Xing. Jetzt soll ein weiteres Format dazu kommen. Doch auch Xing-Konkurrent LinkedIn ist nicht untätig. Die frisch von Microsoft übernommene Plattform will ihre Deutschland-Redaktion ausbauen.

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Von Alkohol am Arbeitsplatz bis zu Brexit, vom Scheitern hoffnungsvoller Startups bis zur richtigen Kindererziehung – bunt gemischt stoßen jeden Tag die Klartext-Chefredakteurin Jennifer Lachman und Herausgeber Roland Tichy für die Nutzer des Karriere-Netzwerks Xing Debatten an. „Klartext ist ein journalistisches Produkt. Es besetzt alle Themen, die man in jeder guten Wirtschaftszeitung findet“, sagt Herausgeber Roland Tichy und ergänzt: „Wir entscheiden nach Relevanz sowie Aktualität und suchen nach Antagonisten, die zu dem Thema etwas zu sagen haben.“

Und die „Antagonisten“ sind hochkärätig. Zu Wort kommen Top-Größen aus Industrie und Hochfinanz wie Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, Postvorstand Frank Appel, Deutsche Bank-Finanzvorstand Marcus Schenck oder Rüdiger Grube, Herr der Deutschen Bahn. Aber auch Politiker finden Gehör – von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bis hin zur Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht. Sie können ihre Positionen zu den von Tichy & Lachman gesetzten Debatten des Tages äußern. Zusätzlich befeuert werden die Diskussionen durch Meinungs- und Erfahrungsbeiträge von Wirtschaftsfachleuten – darunter Vertretern von Organisationen, Verbänden oder Forschungsinstituten. „Wir wollen gute journalistische Stücke, die die gesetzten Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten“, betont Lachman.

Besonders gefragt sind jedoch Kommentare der über 10 Millionen Xing-Mitglieder. Wer sich hier fundiert äußert, hat gute Chancen, dass die Redaktion den Beitrag prominent platziert. Dann steht der Kommentar eines Users schnell mal neben dem von Konzerngrößen a la Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dies ist besonders für das Xing-Mitglied interessant. Headhunter könnten auf den User aufmerksam werden, seine Job-Aussichten steigen. „Wir sind an möglichst vielen Leserkommentare interessiert. Sind sie gelungen, ziehen wir sie auf die Ebene der Ursprungs-Beiträge“, betont der Herausgeber.

Denn Roland Tichy und Jennifer Lachman kennen sich mit wirtschafts- und unternehmenspolitischen Debatten bestens aus. Tichy arbeitete jahrelang als Chefredakteur der Düsseldorfer Wirtschaftswoche, kommentiert heute bissig und scharf Ereignisse auf seinem Blog „Tichys Einblick“, Jennifer Lachman war Unternehmens-Redakteurin der Financial Times Deutschland (FTD). Seit Oktober vergangenen Jahres leiten sie nun die siebenköpfige Klartext-Redaktion. Und ihr Ziel ist klar: Xing soll die neue Stimme der Wirtschaft sein, die gehört wird. Dies gelingt ihnen offenbar zusehends. Ob die Deutsche Presse-Agentur, Manager Magazin oder Business Punk – immer häufiger werden Xing-Beiträge von etablierten Medien zitiert.

Jetzt wollen Tichy und Lachman das journalistische Angebot durch ein neues Format ausweiten – dem Xing Brancheninsider. Promis aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen sollen Fachbeträge und ihre persönlichen Einblicke auf dem Karriere-Netzwerk veröffentlichen. 63 Experten haben die beiden Klartext-Macher hierfür bislang verpflichtet. Auf ihrer Liste stehen SAP-Finanzchef Carl-Christian von Weyhe, Thomas-Frank Dapp von der Deutschen Bank Research, Melanie Flößer, Chefredakteurin von finanzen.net, Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter Prognose beim Institut für Weltwirtschaft. Darunter sind aber auch Größen, der nur Kennern der Branche bekannt sind – beispielsweise Tina Egolf, Business Analystin bei ThoughtWorks – einem international tätigen Software-Entwickler. Oder: Anna-Katharina Alex, Mitgründerin der Modeplattform Outfittery.

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Für Xing-CEO Thomas Vollmoeller passt das neue Angebot in die bisherige Strategie: „Die Branchen-Insider sind die logische Fortsetzung unserer erfolgreich gestarteten Content-Offensive. Neben den weit verbreiteten Xing-Newslettern und dem themenzentrierten Debattenformat Klartext positionieren wir ein neues, auf Experten fokussiertes News-Format“, erklärt er. Zunächst konzentrieren sich Tichy und Lachman auf vier Branchen: Banken und Finanzen, Internet und Technologie, Medien, Marketing und Werbung sowie Wirtschaft und Management. Rasch sollen namhafte Stimmen aus weiteren Wirtschaftszweigen folgen.

Dass Xing sein journalistisches Angebot ausdehnt, hat klare wirtschaftliche Gründe. Denn die Burda-Plattform will als Informations-Dienstleister attraktiver werden, um mehr zahlende Premium-Nutzer zu gewinnen. Zuletzt hatte das Netzwerk rund 903.000 Premium-Mitglieder gemeldet. Insgesamt weist das Hamburger Unternehmen rund 10 Millionen Mitglieder aus, im Oktober 2015 waren es noch 9,3 Millionen. Angesichts steigender Mitgliedszahlen erwirtschafteten die Hamburger im vergangenen Jahr 30 Prozent operative Umsatzrendite, der Gewinn verdreifachte sich.

Ob das Burda-Netzwerk auch in den nächsten Jahren solch große Gewinnsprünge hinlegt, ist allerdings fraglich. Grund hierfür ist der Konkurrent LinkedIn, der jüngst von der milliardenschweren US-Software-Schmiede Microsoft aufgekauft wurde. Denn mit dem finanziellen Polster des neuen Anteilseigners im Rücken könnte LinkedIn dem bisherigen Platzhirschen Xing auf dem deutschen Markt kräftig Paroli bieten. Denn auch LinkedIn ist eifrig dabei, „Content“ aufzubauen. So hat die Microsoft-Tochter im September 2015 eine eigene Redaktion in Deutschland gegründet, wenige Tage vor Xing. Das LinkedIn-Angebot besteht bislang aus einer Blog-Funktion, dem Nachrichten-Kanal Pulse sowie einem deutschsprachigen Influencer-Programm. Doch dabei muss es nicht bleiben. „Wir suchen derzeit zur Verstärkung der Redaktion einen Senior-Redakteur und einen Redakteur, da alle drei Programme seit Einführung ein stetiges Wachstum sehen“, sagt eine LinkedIn-Sprecherin gegenüber MEEDIA.

Klartext-Herausgeber Tichy lässt dies kalt: „Xing entwickelt sich weiter zu einem Informationsmedium“. Er geht jedenfalls nicht davon aus, dass LinkedIn den Weg von Xing einschlägt. Denn Microsoft sei lediglich am Datenstamm von LinkedIn interessiert, um hierdurch mehr Dienstleistungen und Services zu verkaufen, meint der Wirtschaftsjournalist. Ob der frühere WiWo-Chef mit seiner Einschätzung richtig liegt, wird die Zeit zeigen.

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Alle Kommentare

  1. „Headhunter könnten auf den User aufmerksam werden, seine Job-Aussichten steigen.“
    Als 20jähriger Leistungs-Träger muss man vielleicht in Höchstpreis-Mietgebieten für Hype-Firmen und vermeintlich gute Arbeitgeber arbeiten damit deren Boni weiter steigen.
    Ein Haustarif-Vertrag bei einem Mittelständler wo man was Vernünftiges Reales macht, ist allerdings wohl auf Dauer profitabler als für Cash-Burner und Subventions-Empfänger zu arbeiten und oft genug eher nicht dem Volk zu nutzen und dank der hohen Mieten nichts sparen zu können.
    Auch die größten Firmen streichen z.B. 14.000 Stellen wie Microsoft obwohl Win10 frisch verkauft wird und die Wirtschaft (sicher dank überlegener Politiker, Boni-Managern und natürlich Lobbyisten) leicht wächst und wie üblich keiner auf die Rezession vorbereitet ist und mit Steuer-Zilliarden gerettet werden muss während sogar Katzen ohne Kalender sich ein Winter- und Sommerfell wachsen lassen und das sogar vorher.

    Die Eltern und Großeltern könnten auch mal helfen und verhindern, das immer wieder neue Generationen auf dieselben Dinge hereinfallen und die Reichen immer reicher werden und die Armut wächst. Wer ist besser ? Die Dopingkontrolle im Radsport oder Russland oder die Wirksamkeit der Kontrollfunktion der Presse zur Austrocknung von Miswirtschaft und ewigen Leistungs-Steigerung ?

    Was man vermutlich besser mal lernen sollte um vermutlich auskömmlich zu leben, sieht man an den Kindern der Politikern oder von Bill Gates und von Obama…

    Davon abgesehen warten wir bei Microsoft schon seit Jahren auf den Ausbau von Skype.
    Übernahmen sind oft wohl leider nur Abschreibungs-Objekte. So wie auch viele Startups. Die passen nicht zur Unternehmenskultur und gehen zugrunde wie die meisten Übernahmen und Projekte von z.B. Google wo fast nur Google Mail und Youtube positiv herausragen.
    Branson sagt ja auch das für kleine Kunden Übernahmen oft wenig bringen:
    http://meedia.de/2016/04/05/uebernahme-von-virgin-america-alaska-air-entreisst-medien-mogul-richard-branson-teil-des-lebenswerks/
    Und für Kleinaktionäre vielleicht auch oft nicht. Dient vielleicht eher zur Bilanz-Vergrößerung also Boni-Steigerung…

    Gesellschaften welche von Boni-Managern oder Lobby-Geschenk-Empfängern regiert werden, erinnern oft eher an Serien und Filme…
    Kunden, Kollegen, Kommunen, Kleinaktionäre,… sind denen oft wohl egal.
    Daraus ergibt sich der ganze Rest und das immer schlechter werdende Resultat… So wie Holzfasern welche beim Recycling immer kürzer werden und immer weniger Beitrag bringen gilt das für schlanke Ketten beim Mittelständler vs. immer höhere Hierarchie-Pyramiden und die sogenannte Management-Lehmschicht… Kurze(=kleine) Verantwortung gibt kleines Ergebnis genau so wie kurze Orientierung auf die nächsten Boni. Davon abgesehen scheint die Abendsonne gerne auch für wenig Leistung und viele Schulden…

    Bei Fußball sieht man wer auf der Ersatzbank sitzt und somit wohl nicht ganz so gut ist und nicht zu den Besten gehört. Wird bei Xing auch auf Werthaltigkeit fürs Volk und Wirtschaft geachtet oder dürfen Leisungs-Bleigewichte, systematische Schuldenmacher und ständige Mismanager davon auch profitieren ? Bei Formel-1-Teams werden die Autos fast jedes Rennen schneller. Wie viel besser wird Deutschland dank Xing also jedes Jahr ? BWLer können das von Berufs wegen vorrechnen und Data-Journalisten und Wirtschafts-Journalisten dann die zugehörige Agenturmeldung rezitieren. Inzwischen soll es hin und wieder sogar ganz neu Fakten-Checks geben welche es im Umkehrschluss vorher anscheinend nicht gab.

    Ergänzung: Quora ist auch eine nette Info wenn auch eher US-Orientiert und nicht nur Job-Fragen. Die Anreisser in der Email-Zusammenfassung kann man die Fragen und Antwort-Anfänge quasi wie einen Newsletter überfliegen und ggf. anklicken falls das entsprechende Thema interessieren. Ist ja auch viel Standard-Kram für Verhalten im Job, Bewerbung, Geschäfts-Verhalten usw. dabei. Social Skills bzw. kurze Lernkurve im Berufsverhalten sind in der Ausbildung ja oft nicht so schwerpunktmäßig vertreten.

    Das Grundproblem vieler Frage/Antwort-Sites aber auch Foren ist, das Fragen immer wieder kommen so wie Diskussionen z.b. GEZ vs. WerbeTV in Foren. Lösungs-Ideen gibt es. Leider lebt nicht jeder in einem guten Land wo man sowas programmieren darf um davon zu leben…

    Ich finde es übrigens nicht gut, das die neue Xing-Wochen-Email die Besucher-Anzahl nicht mehr anzeigt. Die Tabelle oben hingegen ist keine schlechte Idee.

    Für Acquise sollen die Xing-Foren auch ganz ok sein. IHKs freuen sich aber auch über Vorträge und haben gelegentlich Veranstaltungen wo man Kunden in der Nähe finden kann.
    Amazon vermittelt leider keine Dienstleistungen wie Fernseher aufbauen, Senderliste einprogrammieren, Bedienungs-App auf allen Tabletts und Handies einrichten helfen usw. Für Zufriedenheitsbewertung mit Handwerkern (Business-Bedarf ist oft recht teuer) wäre Xing hingegen vielleicht gut nutzbar. Der Kunde und sein Steuerberater könnten das dann bestätigen und jeweils einen halben Plus-Chip geben welche nach 12-15 Monaten (also einem Sommer und Winter oder einer Saison und Ruhephase) erneuert werden müssen. Die TV-Sender sind voll mit Schrott-Häusern und schlechten Handwerkern…

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