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Wie ein Fußball dem anderen – wie sich die EM-Beilagen von Funke und Madsack gleichen …

EM-Doppel, Keylogger, „Mensch Gottschalk“, Udo und Uwe
EM-Doppel, Keylogger, "Mensch Gottschalk", Udo und Uwe

Was kommt dabei raus, wenn ein Redaktionsdienstleister einem anderen Redaktionsdienstleister Redaktionsdienstleistungen verkauft? Zum Beispiel zwei erstaunlich ähnliche EM-Beilagen! Außerdem in diesem Wochenrückblick: Wie die taz ihre Keylogger-Affäre aufarbeitete, alkoholische Anekdoten von Ex-Bild-Machern und: Warum SpOn keine „Mensch Gottschalk“-Kritik brachte.

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Am vergangenen Sonntag holte sich Show-Dino Thomas Gottschalk mit der von Spiegel TV und dctp produzierten Show „Mensch Gottschalk“ quotenmäßig eine blutige Nase. Fortsetzung: unwahrscheinlich. Wer sich bei Spiegel Online montags über den Verlauf der Sendung informieren wollte, schaute allerdings in die Röhre. Spiegel Online berichtete zwar vorab mit einem Gottschalk-Interview, sparte sich aber eine Sendungs-Kritik und thematisierte auch das Quotenproblem nicht. Grund war natürlich, dass das eigene Haus Produzent der Show war. SpOn-Chefredakteur Florian Harms sagte dazu auf MEEDIA-Nachfrage: „Auf eine klassische TV-Kritik nach der Show haben wir verzichtet, da diese ja eine Spiegel TV-Produktion war, wir als Haus also selbst der ‚Absender’ waren.“

Wäre die Besprechung positiv ausgefallen, wäre Spiegel Online als Lobhudler in eigener Sache dagestanden. Hätte man einen Verriss geschrieben, wäre man der Nestbeschmutzer gewesen. Aus redaktioneller Sicht war die Entscheidung also nachvollziehbar. Aber aus Leser-Sicht? Ein SpOn-Leser muss sich solche Gedanken nicht machen und kapiert vielleicht nicht, warum eine führende Nachrichten-Website, die sonst so ziemlich jede TV-Show ausführlich bespricht, ausgerechnet zu der Gottschalk-Show nix bringt. Souveräner wäre es vielleicht gewesen, man hätte einen externen Autoren beauftragt und einen Disclaimer unter den Text gesetzt, dass Spiegel TV die Show produziert hat.

Recht souverän in eigener Sache hat die taz die Keylogger-Affäre in einem langen Recherche-Stück aufgearbeitet. Wir erinnern uns: Im Februar vergangenes Jahr flog auf, dass der taz-Mitarbeiter Sebastian Heiser Computer von Redaktions-Kollegen mit Hilfe eines so genannten Keyloggers ausgespäht hat. Das ist ein Gerät, das aussieht wie ein USB-Stick, aber im Geheimen all Tastatur-Anschläge aufzeichnet, also auch Passworte und Login-Daten. Die taz rollte den Fall nun in einem lesenswerten Stück auf und hat Heiser sogar an seinem neuen Wohnort im fernen Ausland, wohin er sich abgesetzt hat, aufgespürt. Komisch dabei fand ich nur, dass in dem taz-Text zunächst Heisers Name nicht genannt wird, es ist immer vom „Beschuldigten“ die Rede. Dann plötzlich wird der Name doch genannt. „Es ist auch kaum möglich, sich ausführlich mit dem Keyloggerfund zu beschäftigen und dabei die Person auszublenden“, schreibt die taz. Wohl wahr. Für diese Erkenntnis hat es aber recht lange gebraucht.

EM-2016

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Die Funke Mediengruppe ist mächtig stolz auf ihr EM-Special, das als Hochglanz-Beilage in einer Auflage von 900.000 Exemplaren Zeitungen beiliegt. Dies teilt die Funke Gruppe recht großsprecherisch via Pressemitteilung mit. Klein am Ende stand zu lesen, dass „Teile des Inhalts“ vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) stammen. Das wiederum ist der Mantelteil-Produzent der Madsack-Mediengruppe. Legt man die EM-Beilage des RND neben die von Funke, so ergibt sich eine erstaunliche Ähnlichkeit. Wie zu hören ist, war beim RND zunächst auch „Auf nach Paris!“ als Titelzeile vorgesehen. Die Zeile wurde aber angeblich als zu martialisch sowie geschichtlich vorbelastet empfunden und durch ein „Auf zum Titel!“ ersetzt. Offenbar erfolgte die Titeländerung zu spät für die Funke-Beilage. Nun sind ja sowohl Funke-Sport, Funke Redaktions Services und Madsacks Redaktionsnetzwerk Deutschland Dienstleister, die ihre redaktionellen Dienste auch anderen Verlagen anbieten. Dass nun der eine Redaktionsdienstleister dem anderen Redaktionsdienstleister aber Redaktionsdienstleistungen verkauft und der Käufer sich damit auch noch via Pressemitteilung brüstet, das offenbart schon wieder eine ganz neue Qualität im Synergie-Karussell.

Sowohl bei Funke als auch bei Madsack sind übrigens frühere Bild-Leute im Dienst. Der frühere Sportbild-Chef Pit Gottschalk ist Chefredakteur Sport bei Funke. Der frühere Bild-Chefredakteur Udo Röbel leitet die Berliner Redaktion des RND und der frühere Bild-Vize Uwe Dulias ist Entwicklungs-Chefredakteur beim RND-Mutterhaus Madsack. Röbel und Dulias gaben sich auch anlässlich des 20. Bild.de-Jubiläums ein Stelldichein vor laufender Kamera und erzählten die amüsante Schnurre, wie der damalige Telekom-Chef Ron Sommer samt Medienanwalt Matthias Prinz unter Einfluss von reichlich Bier und Wodka von der Kooperation Bild-T-Online.de „überzeugt“ wurden. Das waren noch Zeiten …

Ein Prosit der Gemütlichkeit und ein schönes Wochenende!

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