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„Wir prüfen die wirtschaftlichen Rahmendaten“: Spiegel verschiebt Daily-Start nach hinten

Cordt Schnibben (li.) und Spiegel-Geschäftsführer Thomas-Hass
Cordt Schnibben (li.) und Spiegel-Geschäftsführer Thomas-Hass

Es ist einer der großen Hoffnungsträger und ambitioniertesten Projekte des Spiegel-Verlags: Spiegel Daily. Spiegel-Reporter Cordt Schnibben und SpOn-CvD Oliver Trenkamp arbeiten fieberhaft daran, die digitale Tageszeitung zur Marktreife zu bringen. Der ursprünglich geplante Starttermin für das 1. Halbjahr wurde jetzt nach hinten verschoben. Viele Fragen sind wohl noch ungeklärt.

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Die Aufgabe ist größer als gedacht, die inhaltlichen und technischen Fragen komplexer. Spiegel-Reporter Cordt Schnibben und SpOn-CvD Oliver Trenkamp arbeiten unter Hochdruck daran, für den Spiegel-Verlag eine täglich erscheinenden Digitalzeitung zu konzipieren. Das Vorhaben könnte in der Branche für viel Wirbel sorgen. Denn mit dem Digital-Produkt, das kostenpflichtig sein soll, würde das Medienhaus an der Ericusspitze Tageszeitungen und ihre Web-Auftritte frontal angreifen.

Doch das ehrgeizige Spiegel-Projekt, das ursprünglichen Planungen zufolge im 1. Halbjahr starten sollte, wird vorerst nicht so schnell das Licht der medialen Öffentlichkeit erblicken. „Wie bei allen aufwendigen digitalen Projekten werden Termine im Projektverlauf immer wieder an die Erfordernisse angepasst. Ein möglicher Starttermin ist das 4. Quartal 2016“, erklärt eine Spiegel-Sprecherin jetzt auf MEEDIA-Anfrage.

Denn das Spiegel-Haus hat noch viele Hürden zu nehmen. „Wir arbeiten weiter an der inhaltlichen und technischen Entwicklung von Spiegel Daily. Wir prüfen auch die wirtschaftlichen Rahmendaten, führen Preis-Marktforschung durch, erstellen den Businessplan und bereiten so die Entscheidung vor, ob wir Spiegel Daily umsetzen werden“, heißt es aus dem Verlag.

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Dreh- und Angelpunkt ist vor allem, ob und in welcher Personalstärke die Daily-Redaktion besetzt werden soll. Denn die Größe der Redaktion ist ein wesentlicher Faktor, ob sich das  Produkt langfristig rechnet. Bislang jedenfalls verfügt Daily über keine eigene Redaktion, wenige Monate vor dem neuen möglichen Starttermin. Und dies stößt verlagsintern auf Kritik, wie MEEDIA erfuhr. So mehren sich im Unternehmen die Stimmen, die Verlagschef Thomas Hass und die Spiegel-Chefredaktion darauf drängen, hier endlich Fakten schaffen. Denn um einen reibungslosen Arbeitsablauf der Daily-Redaktion im Dauerbetrieb zu gewährleisten, sei ein bestimmter Vorlauf notwendig, heißt es. Doch der Verlag ziert sich noch: „Eine Entscheidung über personelle Ressourcen für das Redaktionsteam steht noch aus“, erklärt eine Spiegel-Sprecherin.

Die Zurückhaltung der Unternehmensspitze ist aber verständlich. Denn für den Spiegel-Verlag geht es um viel. Daily ist eines von mehreren Vorhaben der ausgerufenen Agenda 2018, mit denen Hass den Rückgang der Vertriebs- und Vermarktungserlöse bremsen will. Um das Produkt wirtschaftlich erfolgreich am Markt zu positionieren, muss die Vermarktungsstrategie wohl durchdacht sein. Getestet wird deshalb, welchen Preis mögliche Leser/Nutzer für das Produkt akzeptieren würden. Das stellt Hass vor große Herausforderungen. So ist wahrscheinlich, dass das Digital-Angebot nicht mehr als der Netflix-Preis von 9,99 Euro monatlich kosten wird. In Branchenkreisen wird ein Preis zwischen 3 bis 5 Euro als wahrscheinlich gehalten.

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Alle Kommentare

  1. Bei der Curry-Bude und Dönerstand kann man flexibel viel und wenig einkaufen. Ggf. Mindermengen-Aufschlag aber das entfällt ja bei Digital.
    Blöd nur das es immer noch keine Micropayment-Systeme gibt.

    Blendle zeigt ja, das man nur einzelne Titel lesen will. Die Denkweise ist immer noch zu Print: Platzbegrenzte Artikel ohne die möglichkeiten des freien Tableaus für Vollständigkeit zu nutzen. Man kann auch Zeit sparen und Erklärungen usw. wiederverwenden. Stattdessen ist es fast immer wie ein platzbegrenzter Print-Text. Als ob ein Fast-Food-Koch immer noch die kleinen Schalen füllen will statt Teller flexibel nach Kunden-Wunsch zusammenzustellen oder gar – wie beim Buffet – den Leser flexibel auswählen zu lassen ob er nur die Apple-Zahlen, (Auf Euro und Dollar und im Vergleich zu allen Vorjahren usw.) oder auch die Vor-Nachteile der neuen iPhones oder Handy-Kaufempfehlungen lesen will weil man nur draufklicken muss, wohingegen der Text natürlich bei Print in einer anderen Ausgabe war.

    Digital muss man nicht mehr ein konstantes Produkt zum konstanten Preis wie Ziegelsteine anbieten. Tageszeitungen machen Dienstags regelmäßige Beilagen rein weil da wenig zu berichten gibt und am Samstag halt mehr weil man evtl. auch am Sonntag liest oder gar nicht auf der Arbeit ist.
    Sowas ist Digital nicht wirklich nötig.
    RTL macht seine Sendungen auch unterschiedlich lang wohl je nachdem wie viele Werbekunden buchen.
    Dinge wie „Der Sternenhimmel der nächsten 30 Tage“ oder „Was ist im Garten los und zu tun“ oder „Wo sind wann in den nächsten 30 Tagen die nächsten Feiertage und Staus“ kann man halbautomatisch (wie diese Roboter-Chat-Scripte zur Kundenkommunikation) am Wetter, Datum usw. orientiert täglich anbieten.

    Die alte Denkweise für Produkt-Design ist vielleicht zu unflexibel.

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