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Von Tomorrow Focus zur HolidayCheck Group: Wohin geht die Reise bei Burdas Web-Aktivitäten?

Georg Hesse, der CEO der Tomorrow Focus AG, die bald umbenannt wird
Georg Hesse, der CEO der Tomorrow Focus AG, die bald umbenannt wird

"Aufsichtsrat und Vorstand der Tomorrow Focus AG haben beschlossen, die Firmierung der Gesellschaft dem aktuellen Unternehmensgegenstand anzupassen und den Beschluss zu fassen, diese in HolidayCheck Group AG umzubenennen." Mit diesem nüchternen Satz beendet die Burda-nahe Aktiengesellschaft eine Ära und verabschiedet sich zugleich von den Visionen der Vergangenheit. Eine Bestandsaufnahme.

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Unter Verlagsmanagern war es jahrelang ein beliebter Spottspruch, wenn es darum ging, eigene Versäumnisse im Digitalbereich kommentieren: „Wenigstens verkaufen wir nicht Tierfutter oder verdienen unser Geld mit Partnerbörsen.“ Gemeint war dabei stets Hubert Burda Media und damit eins der Medienhäuser, die früh und entschlossen ins Internetgeschäft eingestiegen sind – oder zumindest früher und entschlossener als die allermeisten Konkurrenten.

Der Zeitvorsprung hat Burda indes nicht viel genützt: Zooplus wurde abgestoßen, die Anteile an Elitepartner ebenfalls verkauft. Seit einiger Zeit fokussiert sich Tomorrow Focus auf sein Kerngeschäft. In diesem Wege wurden die News-Portale, allen voran Focus Online, an den Verlag zurückgegeben und das Vermarktungs-Business heruntergefahren. Alle Aktivitäten konzentrieren sich nun auf das einst zugekaufte Reise-Bewertungsportal HolidayCheck, das konsequenterweise demnächst auch den Markennamen bilden wird. Die Tomorrow Focus AG firmiert um und zieht damit auch die Lehre aus einem seit langem vor sich hindümpelnden Aktienkurs. Über die neue Ausrichtung heißt es in der am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung: „Die Vision der Tomorrow Focus-Gruppe ist, das urlauberfreundlichste Unternehmen der Welt aufzubauen.“

Die Börse liebt klare Konzepte mit den dazugehörigen Wachstumsgeschichten. Die konnte die „ToFAG“ nicht in ausreichendem Maße liefern: Als Vermarkter groß, aber nicht groß genug, zudem befrachtet mit Content-Abteilungen ohne befriedigendes Geschäftsmodell. Das Web-Unternehmen war ein Vollsortimenter, und das soll nun anders werden. Unternehmerisch eine sicher richtige Entscheidung, denn die HolidayCheck Group kann eine klare Markenstrategie entwickeln und rund um den Marktführer unter den Urlaubs-Bewertungssites kommerziell lukrative Line Extensions starten.

Allerdings steht das Erfolgsrezept von HolidayCheck auf tönernen Füßen, denn potentielle Rivalen sind stets nur einen Klick entfernt. Und sollten die Silicon Valley-Giganten Google oder Facebook eines Tages die Lust verspüren, das Geschäft mit den Reisebewertungen selbst in die Hand zu nehmen, geriete das Burda-Portal wohl alsbald ins Schlingern. Doch soweit ist es noch nicht. Mit mehr als 16 Millionen Visits monatlich und 6,45 Millionen Unique Usern führt HolidayCheck das Feld im deutschsprachigen Web an – ein Pfund. mit dem sich in der Vermarktung wuchern lässt. Um sein erfolgreichstes Asset stärker zum Glänzen zu bringen, verabschiedete Tomorrow Focus sich von dem Gemischtwarenangebot, das im Verbund keine befriedigende Perspektive mehr bot.

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Mit HolidayCheck und dem florierenden Karriere-Netzwerk Xing hat Burda künftig zwei starke und profitable digitale Eigenmarken außerhalb der klassischen Verlagsinhalte. Parallel dazu muss das Medienhaus für die News-Portale eine nachhaltige Erlösstrategie erarbeiten. Das ganz große Kino der frühen „ToFo“-Jahre ist das alles nicht mehr, aber immerhin ein sauber parzelliertes Business-Modell, das in seiner künftigen Ausprägung auf den früheren Tomorrow Focus-CEO und heutigen Burda-Vorstand Stefan Winners zurückgehen dürfte.

Hinsichtlich der Digitalisierung des Gesamt-Unternehmens, wie sie etwa bei Axel Springer energisch vorangetrieben wird, gibt es bei Burda noch viel zu tun – was erstaunt, wenn man bedenkt, wie frühzeitig und klar Verleger Hubert Burda die Folgen der digitalen Umwälzung vorausgesehen hat. Burda stand schon Ende der 90er Jahre in engem Austausch mit führenden Köpfen im Silicon Valley, u.a. mit den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin. Seine Faszination schlug bald in Sorge um die traditionellen Medien um, der Respekt vor den genialen Informatikern im Valley blieb. Burda wird geahnt haben, dass weder er noch sein Verlag mit den Vordenkern einer neuen Epoche mithalten oder konkurrieren können würde. Die Neuordnung seiner digitalen Aktivitäten und Beteiligungen ist nun ein nach außen sichtbares Zeichen dieser Erkenntnis.

(ga)

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Alle Kommentare

  1. Lieber Herr Altrogge, warum recherchieren Sie eigentlich nie, bevor Sie in die Tasten hauen? Burda erwirtschaftet mehr als 50% seiner Umsätze im Digitalen… Und das dem Vernehmen nach auch mit stark wachsenden Gewinnen. Im Übrigen hat es Burda auch geschafft, das Publishing-Geschäft digital erfolgreich aufzustellen. Focus Online hat Bild.de überholt, die Huffington Post ist nach zwei Jahren etabliert, und Chip.de ist so groß wie Spiegel Online… Und Geld bleibt unter dem Strich dort anscheinend auch hängen – mit Native Advertising, Videowerbung und transaktionsnahen Geschäftsmodellen verdienen die journalistischen Portale mehr Geld als alle anderen in Deutschland.

    1. Der Umbau eines Verlages im laufenden Betrieb zu einem profitabel wachsenden integrierten Digitalkonzern, der auch reifere Geschäftzweige fortentwickelt, hat rund 20 Jahre gedauert, und von außen betrachtet, gab es dabei sicher den einen oder anderen Umweg, den man sich im Rückblick hätte ersparen können. Nun hat es im gleichen Zeitraum manchen Digitalpuristen komplett zerlegt (LycosEurope, Excite), wurde übernommen (CNET, AOL) oder steht kurz davor (Yahoo, Viacom). Da kann Dr. Burda doch recht Stolz sein auf das Erreichte und wie sein Vorbild Redstone denken „the best is yet to come“.

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