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Welt-Autorin Ronja von Rönne lehnt Springer-Preis für umstrittenen Feminismus-Text ab

Welt-Autorin Ronja von Rönne und der Artikel des Anstoßes
Welt-Autorin Ronja von Rönne und der Artikel des Anstoßes

Überraschung bei Springers Preisverleihung: Welt-Autorin und Schriftstellerin Ronja von Rönne sollte am heutigen Montagabend mit dem Nachwuchspreis des Medienhauses geehrt werden – doch sie lehnte ihn auf der Veranstaltung ab. Nominiert war die 24-Jährige für ihren Artikel "Warum mich der Feminismus anekelt", nach dessen Veröffentlichung sie heftig angegangen wurde.

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Nach MEEDIA-Informationen informierte von Rönne Veranstalter Axel Springer bereits im Vorfeld, dass sie den Nachwuchspreis nicht annehmen werde, setzte aber nicht alle Jury-Mitglieder über ihre Entscheidung in Kenntnis. Über die genauen Gründe war im Vorfeld wenig bekannt. Erläutern wollte sie diese erst bei der Preisverleihung, heißt es aus dem Verlagsumfeld. Die Welt-Autorin, die gerade ihren Debüt-Roman veröffentlicht hat, ist wohl der Meinung, dass ihr Artikel nicht zu ihren besten Stücken zählt.

In ihrem Meinungsbeitrag „Warum mich Feminismus anekelt“ (April 2015) erklärte sie, warum sie mit der modernen Ausprägung des Feminismus, auch Netzfeminismus genannt, nichts anfangen kann. Der Text war Teil einer Pro- und Contra-Debatte in der Welt. Der Beitrag wurde von einigen rechtsradikalen Organisationen in sozialen Netzwerken empfohlen, Abteilung: Applaus von unerwünschter Seite. Als von Rönne für den Ingeborg-Bachmann Literaturpreis nominiert wurde, wies eine Journalistin von tagesschau.de auf den unrühmlichen Beifall hin – was folgte, ist mit einem Shitstorm nicht zu vergleichen.

Das Nachwuchstalent von Rönne wurde auf einen Schlag über die Medienszene hinaus (als Anti-Feministin) bekannt und wurde von feministischer Seite mit Äußerungen und Drohungen überschwemmt, die nur schwer verdaulich sind. Das war wohl zu viel.

Update: 19.04 Uhr: 

Von Rönne bedanke sich für die Entscheidung der Jury und erklärte während der Preisverleihung:

„Mein Plan war nie, die Galionsfigur des Antifeminismus zu werden. Mein Text war eine spontane Wutrede im Kontext einer Debatte und sollte kein lebenslanges Statement sein. Einzelne Sätze sind sehr missverständlich, und für derart Missverständliches kann ich keinen Preis annehmen.“ 

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Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie, sagte:

„Wir finden die selbstkritische Haltung, die dieser Entscheidung zugrunde liegt, vorbildlich. Unabhängig von der heutigen Haltung der Autorin bleibt ihre Arbeit auszeichnungswürdig.“ 

Die Jury sagt:

„Der Essay wird von einer Meinung getragen, die umstritten ist. In einem waren wir uns allerdings einig: dass Ronja von Rönne mit ihrer besonderen Sprache eine Leichtigkeit und einen Witz kreiert, der den Text besonders macht. Die Autorin exponiert sich selbst auf eine unerschrockene Art, die uns imponiert hat.“

Erstmals wurde der Axel Springer Preis nicht nach festen Kategorien ausgelobt, sondern losgelöst von Mediengattungen, um sich lediglich auf die Qualität der Stücke zu beziehen. Von Rönne sollte mit ihrem Artikel die Silber-Medaille erhalten. Der erste Platz ging an Bastian Berbner für seine Reportage „Die Hölle, ist der andere“ aus der Zeit. Bronze ging an Dominik Stawski für seine stern-Crime-Reportage „Komm doch wieder“.

Der Exzellenzpreis Visualisierung ging an Bild-Chefreporter Paul Ronzheimer für seine Periscope-Reportage „Flucht aus der Hölle“. Den Exzellenz-Preis investigative Recherche bekam an Bastian Schlange vom preisgekrönten Correctiv.org. Sein Stück heißt: „Die Tierdiebe – Wie skrupellose Wilderer die deutsche Natur plündern“. 

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Alle Kommentare

  1. Ist die Autokorrektur kaputt? Dies ist der 2. Beitrag im Newsletter, der Fehler enthält. Der andere ist der über Katja Kesslers neues Buch!

  2. Was ich partout verdamme:
    Argumente zählen nur soviel wie derjenige, der sie ebenfalls vorbringt. Nazis oder wen auch immer Bertelsmann-Spiegel, ÖR und Konsorten als solche bezeichnen, haben partiell dieselben Folgerungen gezogen? Dann muss das falsch sein, dann muss ich von meiner Meinung abrücken. Und zwar öffentlichkeitswirksam.

    Natürlich ist es schwer, Fuß zu fassen in der Welt der Journalisten und freien Autoren, wenn eine „einzig korrekte“ Meinung die Chefetagen dirigiert und man nicht einzig für Magazine wie Compact o.ä. schreiben möchte. Aber: Gerade solche Stimmen braucht es; Stimmen, die sachlich und argumentativ konsistent sowie konsequent eine Gegenposition darstellen zu dem, was – ohne Begründung (das ist das Verwerfliche!) – als „böse“ gebrandmarkt wird und zu sozialer Ausgrenzung, zumindest im medialen Bereich, führt. Meinungsfreiheit ist eine conditio sine qua non der Pressefreiheit – und erstere existiert zumeist nicht einmal mehr auf dem Papier (nicht nur bei Springer gibt es politische Konformitätsklauseln).

    Ich will endlich mal ein Printmagazin, das integren Journalismus betreibt. Das gerne mal polarisiert, aber in alle Richtungen. Das keine parteipolitischen oder industriellen Agenden verfolgt – weder so offen wie derzeit ARD, ZDF, Spiegel usw. noch versteckt. Alle bisherigen sind verbrannt. Oder ich verbleibe weiterhin bei Onlinemedien – was allerdings die Gefahr birgt, sich ähnlich selektiv einseitig zu informieren (wenn auch bei weitem nicht so schlimm verzerrt), als ob man bloß Tagesschau und Spiegel behufs „Information“ heranzöge.

    Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass augenscheinlich auch hier der schmierige Wendehalskarrierismus der Autorin obsiegte vor persönlicher und journalistischer Integrität. Wobei man ihr – deren Lebensunterhalt nun mal davon abhängt, die immerselben Schwarzweißschemata propagieren zu müssen – ein zu attestierendes mangelndes Ethos nur begrenzt vorhalten kann. Die Probleme liegen weitaus tiefer und systemischer, sie liegen im Prinzip „Wes Brot ich ess…“ begründet. Auch und vor allem deshalb findet sich bei den Freiwilligen im Netz, die Journalismus ernst nehmen und ihn aus idealistischen und hehren Motiven, nämlich tatsächlich um möglichst umfassend zu informieren, betreiben, die weitaus besseren Informationsquellen als bei Berufsschreibern, die an einem Tag Produkte eines Elektronikkonzerns mit Fotostrecke anpreisen müssen, als sei es das Nonplusultra, um am nächsten Tag der Partei ihres Chefs zu huldigen und eine Hofberichterstattung zu bringen, tags darauf dann politische Gegner ohne auch nur ein einziges Argument, sondern mit Schlagwörtern wie „Nazi“ oder „Stasi“ oder „Wachstum“ oder „Arbeitsplätze“ oder „Diktator“ (bei demokratisch gewählten Regenten!), fertigzumachen. Eine einzige JournalismuSPONne.

  3. Dieser Rückzieher ist nichts anderes als ein Kotau vor dem Zeitgeist und der Dominanz feministischer „Aktivistinnen“. Damit beweist die junge Dame nicht nur mangelndes Stehvermögen, sondern leistet auch der zukünftigen Debatte einen Bärendienst. Wenn ein Shitstorm derart erfolgreich ist, dann kann man sicher davon ausgehen, daß dieses Mittel in Zukunft um so massiver eingesetzt wird. Schade, aber für Schönwetter-Kritiker(innen) habe ich nichts übrig.

  4. erst hnp nun asp: es ist endgültig an der zeit, die rituelle selbstbeweihräucherung der journalisten-szene abzuschaffen. erst dann gewinnt journalismus wieder an glaubwürdigkeit. das gilt für die presse und erst recht für die öffentlich-rechtlichen „anstalten“, inklusive des grimme – was war der noch?

  5. Frau Hybsch,

    bei Frau von Rönne versagt da gar nichts. Sie hat ne Show draus gemacht, Image-Politur im Rampenlicht.

  6. Beinahe hätte ich gesagt, dass da jemand in letzter Sekunde den Schwanz eingezogen hat, aber das Bild passt in diesem Fall wohl nicht…bei den Mädels versagen unabhängig davon aber eben doch immer die Nerven, wenn es darauf ankommt und der Druck zu gross wird.

  7. Meedia sprach zuletzt mit der Leiche… 😉
    „Nach MEEDIA-Informationen informierte von Rönne Veranstalter Axel Springer bereits im Vorfeld, dass sie den Nachwuchspreis nicht annehmen werde, …“

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