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Nannen Preis: Spiegel gewinnt mit Sommermärchen, stern siegt in Hauptkategorie mit „Drei Krieger“

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Endlich wieder Nannen-Preise: Nach einem Jahr Pause verleiht Gruner + Jahr wieder seinen „Journalismus-Oscar“. Der Egon Erwin Kisch-Preis für die beste Reportage geht an Jan Christoph Wiechmann vom stern. Als beste Investigation wurde das Spiegel-Team hinter den Recherchen zur Vergabe der WM 2006 ausgezeichnet. Ein Überraschungserfolg gelang der Berliner Morgenpost mit einer interaktiven Busfahrt.

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Insgesamt schaltet der Verlag bei seinem Renommier-Event mindestens einen Gang runter. Statt im Schauspielhaus mit Smoking und viel Hollywood-Flair, zog die Festgesellschaft in eine kleinere Location: dem Curio Haus im Hamburger Grindel-Viertel. Bei der Moderation spart man allerdings nicht. „Tagesthemen“-Frontfrau Caren Miosga führte professionell, entspannt und mit bester Laune durch den Abend. Das Rätsel, wer die Preisträger sein würden, blieb diesmal selbst unter Eingeweihten ungelöst. Selbst die Juroren wussten nicht, welche Beiträge gewonnen hatten. Grund: Nach der Diskussion hatte ein Notar die Stimmzettel eingesammelt und bis zum Tag der Gala unter Verschluss gehalten. Und da einige der Entscheidungen äußerst knapp ausgegangen waren, war die Spannung am Donnerstagabend besonders groß.

Gleich zu Beginn versprachen die Gastgeber, stern-Chefredakteur Christian Krug und sein Geschäftsführer Soheil Dastyari: „Wir haben die Veranstaltung gestrafft – auch zeitlich. Intern haben wir gesagt: weniger Kinderchöre, mehr Texte“. Deshalb sollten nun die Nominierten in den Vordergrund gestellt werden und nicht das Rahmenprogram. Das gelang.

Insgesamt waren 982 Beiträge, Foto-Arbeiten und Web-Reportagen eingereicht worden. So viele wie noch nie.

Die Auszeichnung für die beste Reportage, den Egon Erwin Kisch-Preis, geht an Jan Christoph Wiechmann für seinen Text „Drei Krieger“. Erschienen war das Stück im stern.

Den Preis für die beste Investigation ging an den Spiegel. Für ihre Recherchen zum „zerstörten Sommermärchen“ wurden Jürgen Dahlkamp, Rafael Buschmann, Gunther Latsch, Udo Ludwig, Jörg Schmitt und Jens Weinreich ausgezeichnet. Die Jury bezeichnet die Arbeit der Hamburger als „den Scoop den Jahres 2015“.

Die Auszeichnung für die beste Foto-Reportage geht an Arne Svenson für eine Arbeit im Zeit Magazin. Der Fotograf hielt alltägliche Momente im Leben seiner Nachbarn in New York fest, die er durch ihre Fenster hindurch fotografierte.

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Der Preis für die beste Web-Reportage geht an Theresa Rentsch, Julius Tröger, Moritz Klack, Andre Pätzold, David Wendler, Max Boenke von der Berliner Morgenpost für M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede. Das Regionalblatt war der große Überraschungssieger. Unter Chefredakteur Carsten Erdmann hatte sich die Zeitung früh den neuen Medien geöffnet und gilt als einer der Vorreiter bei digitalen Experimenten.

In der Kategorie Dokumentation zeichnete die Jury Wolfgang Bauer für seine Arbeit „Ich bin jetzt eine andere. Das spüre ich. Jemand, den ich nicht kenne“. Erschienen ist die Geschichte über Frauen, denen die Flucht aus der Gewalt von Boko Haram-Kämpfern gelungen war, im Zeit Magazin.

Der Nannen Preis für Inszenierte Fotografie ging an Adrian Sonderegger und Jojakim Cortis für die Bilder-Strecke „Trauen Sie Ihren Augen nicht!“. Gedruckt wurde die Strecke in Geo.

Der Sonderpreis geht an Hosam Katan für seine Bilder aus Aleppo. Der junge Fotograf zeigt vor allem den Alltag der umkämpften syrischen Stadt. In seiner Laudatio sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier: „Seine Bilder sind beindruckend und bedrückend“

Bonus-Info für potentielle Rebellen unter den Preisträgern: Trotz des Eklats nach dem letzten Nannen Preis, lässt sich auch die neue Auszeichnung einschmelzen: Sie ist aus Bronze.

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Alle Kommentare

  1. Ich bin ja kein Journalist – Gott sei Dank (im Wortsinn!).

    Aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass der Gewinn eines Henri-Nannen-Preises heute irgendwie als eher negativ besetzt anzusehen ist.

    Soweit ich die Preisträger dem Namen nach überhaupt kenne – es sind nur ganz wenige – scheinen die meine Meinung zu bestätigen …

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