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Festanstellung in neuer Tochterfirma: FR holt Ex-Leiharbeiter unter das eigene Dach

Oliver Rohloff ist Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau
Oliver Rohloff ist Geschäftsführer der Frankfurter Rundschau

Die Frankfurter Rundschau gründet eine neue Tochtergesellschaft: In der FR Redaktion GmbH sollen die Mitarbeiter des Pressedienst Frankfurt untergebracht werden. Der bisherige Dienstleister unter Leitung des Geschäftsführers und Journalisten Werner Funk stellt über die Hälfte der redaktionellen Arbeitskräfte. Trotz der Übernahme der Mitarbeiter übt der DJV aufgrund der gleichbleibenden, außertariflichen Konditionen Kritik.

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Die Geschäftsbeziehungen zwischen der Rundschau und dem Pressedienst Frankfurt (PDF) stammen aus dem Jahr 2006, kurz vor dem Einstieg der damaligen Mediengruppe M. DuMont Schauberg (heute DuMont Mediengruppe) als Mehrheitseigner neben der die SPD-Medienholding DDVG. Der PDF wurde damals als Leiharbeitsfirma gegründet, um Pauschalisten  aus der möglichen Scheinselbstständigkeit zu holen. Derzeit beschäftigt der Dienstleister 54 Redaktionsmitglieder, die Inhalte für die Frankfurter Rundschau produzieren.

Die Übernahme der Mitarbeiter erfolgt unter anderem auch, weil Pressedienst-Geschäftsführer Werner Funk eigenen Angaben zufolge zukünftig kürzer treten will. Seitens der Frankfurter Societät gibt es keine weiteren Erläuterungen. Die Parteien hätten verhandelt, dass alle Mitarbeiter zu ihren bisherigen Konditionen übernommen werden. Die FR Redaktion GmbH wird also ebenfalls außertariflich beschäftigen.

Dennoch ist die Übernahme der Mitarbeiter ein Fortschritt, da sich die Organisation der Arbeitsabläufe vereinfachen dürfte. Bisher arbeiteten die Angestellten des PDF zwar im selben Gebäude wie die FR-Journalisten, allerdings waren sie räumlich getrennt. Darüber hinaus hat die Entscheidung nach wirtschaftlich katastrophalen Jahren auch einen symbolischen Charakter. Die FR hat zukünftig wieder mehr eigene Mit- als Leiharbeiter. Mit 54 Arbeitskräften war die Anzahl der vom Dienstleister gestellten Redakteurinnen und Redakteure nämlich größer als die der eigenen Mannschaft. Nach dem Insolvenzverfahren 2012/13 blieben unter den neuen Anteilseignern FAZ und Frankfurter Societäts-Medien nur noch 30 Redaktionsmitglieder übrig.

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Zum Teil bereinigt die Rundschau damit auch Umstände auf, die seit Jahren vom Deutschen Journalistenverband (DJV) kritisiert wird. Als das Blatt für das Geschäftsfjahr 2013 meldete, wieder in der Gewinnzone zu sein, kritisierte der Landesverband Hessen die Geschäftsbeziehungen mit dem Pressedienst als „hässliche Seite“ der FR. Trotz gleicher Arbeit verdienten die Neu-Angestellten bei gleichbleibenden Konditionen brutto bis zu 1.000 Euro weniger. Und auch durch den Transfer unter das FR-Dach ändere sich für die Angestellten kaum etwas, kritisiert DJV-Hessen-Chef Achim Wolff Außer, dass sie einen neuen Arbeitgeber bekämen, gäbe es keine Anzeichen von Unternehmensseite, die wesentlich schlechtere Entlohnung bei der künftigen FR Redaktion GmbH an jene bei der FR GmbH anzupassen, führt er aus. „Die Unternehmensführung verpasst damit eine große Gelegenheit, die Weichen für eine gerechtere Bezahlung der Redakteurinnen und Redakteure bei der FR zu stellen.“

Die Rundschau beschäftigte einst mehr als 500 festangestellte Mitarbeiter Redaktion und Verlag. Mit der Übernahme der PDF-Leute spricht das Blatt nun von „etwa“ 100 festangestellten Redaktionsmitgliedern und feiert: „Alle wesentlichen redaktionellen Inhalte der Frankfurter Rundschau werden in Zukunft aus dem eigenen Hause kommen.“ Die überregionale Berichterstattung aus Politik und Wirtschaft kommt weiterhin von einem anderen Dienstleiter, der Hauptstadtredaktion von DuMont.

 

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