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„Extra3“ lästert über Böhmermann: „Wie ein Gangsterrapper, der sich von seiner Mutti mit Spucke die Backe saubermachen lässt“

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Die Geister, die man rief. Vor drei Wochen brachte „Extra3“ den Streit „der Satiriker gegen Erdogan“ ins Rollen. Seitdem beherrscht kein anderes Thema derart die Berichterstattung. Am gestrigen Donnerstag lief die nächste „Extra3“-Sendung und siehe da: die fiesesten Spitzen bekam nicht Erdogan oder Angela Merkel ab, sondern Jan Böhmermann.

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Zu Beginn merkt Moderator Christian Ehring an, dass man sich inzwischen immerhin in Woche drei der Erdogan-Debatte befinde und es eigentlich an der Zeit sei, sich wieder etwas zu beruhigen. „Es ist mir zu viel. Ich kann nicht mehr“.

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Die persönliche Erschöpfung hielt den NDR-Mann dann aber doch nicht davon ab, recht gehässig über einen ZDF-Kollegen herzuziehen. Beispiel:

Endlich wird einmal diskutiert, wo die Grenzen der Satire in Deutschland sind. Böhmermann, genial wie er ist, hat uns diese Grenze gezeigt. Die Grenze der Satire ist erreicht, wenn man als Satiriker Peter Altmeier um Hilfe bittet.

Einen Politiker um Hilfe bitten?

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Da muss man sich entscheiden. Ist man jetzt der coolste Junge auf dem Schulhof oder trägt man dem Lehrer die Taschen? So wirkt das wie ein Gangsterrapper, der sich von seiner Mutti mit Spucke die Backe saubermachen lässt

Natürlich gab es auch Saures in Richtung des türkischen Ministerpräsidenten. So stellt Moderator Ehring eine neue spezielle Rechtsschutzversicherung für Satiriker vor: die ErdoCard. Zudem wartet er auf die neue „Kusch-Rock“-CD. Immerhin bestehe die Gefahr, dass Merkel vor den Türken kusche.

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Die Reaktion von „Extra3“ in Richtung Böhmermann lässt sich auch als eine kleine Retourkutsche verstehen. Immerhin erweckte die gesamte „Neo Magazin Royale“-Sendung, deren Höhepunkt, das mittlerweile gelöschte Schmähgedicht war, den Eindruck, dass man den lustigen NDR-Jungs mal zeigen wollte, wie richtig bissige Satire geht.

Ein wenig agiert Ehring nach dem Motto: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Allerdings ruft er auch zur „uneingeschränkten Solidarität“ auf. „Natürlich stehen wir alle geschlossen hinter Böhmerman“ – oder war das jetzt auch wieder Ironie?

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Alle Kommentare

  1. Was ist das für ein Staatspräsident, der da nicht drübersteht ?
    Welch ein Armutszeugnis dieses Herrn.
    Ich möchte doch da mal einen Abgeordneten des deutschen Bundestages zitieren, der da sagte: Mit Verlaub, mein Herr, Sie sind ein Arschloch!

  2. @Saltes
    „wegen Themaverfehlung.“
    Ich würde mal sagen genauso Thema verfehlt!
    Was erzählen Sie da von „seiner Partei erhielt 49,5%“?
    ‚Der Buchheimer‘ hat Recht, er wurde mit 52% der Stimmen direkt zum Präsidenten gewählt.
    Nix mit Partei oder sitze, Sie verwechseln da 2 verschiede Wahlen, und zwar die Wahl des Präsidenten mitte 2014 und die Parlamentswahlen vom November 2015.

    1. Hinsichtlich der Wahlen ist ihnen Recht zu geben – die Zahlen habe ich hier durcheinandergebracht.

      In der direkten Präsidentenwahl erhielt Erdogan – wie sie richtig schreiben – knapp 52% der abgegebenen Stimmen. Das sind bezogen auf die Anzahl der Wahlberechtigten bzw. registrierten Wähler mit ca. 21 Mio. Stimmen knapp 38%, was auch nach ‚Buchheimers‘ Rechnung, die Sie sekundieren, immer noch nicht „über die Hälfte aller Türken“ ausmacht. Um diesen Punkt (genauer: dieses Argumentationsdetail) ging es mir; wie daraus eine Themaverfehlung wird, erschließt sich mir nicht ganz.

      1. Na ja, also die statistische Auswertungen von Wahlergebnissen ist immer so eine Sache.
        Als 2013 hier in Leipzig der Bürgermermeister Jung mit 45 % der abgegebenen Stimmen gewählt wurde, sprach die SPD von einem überwältigenden Wahlsieg des neuen Bürgermeisters.
        Fakt war aber, dass nur ca. ein Drittel der Wahl-Bürger zur Wahl gegangen sind, so das Bgm. Jung gerade mal von 15% der Leipziger gewählt wurde.
        Dazu kam das komischerweise 45,1% der Stimmen aus Wahllokalen stammte und 44,4 % von Briefwähler.
        Welche Genossen da die Altenheime abgeklappert haben, verkneif ich mir.
        Aus solchen Betrachtungswinkeln kann man fast jede Wahlen, also auch die von Erdogan runterrechnen.
        Und was bei uns bei Landratswahlen teilweise nach obiger Berechnung abgeht und Parteien jubeln lässt und zum Geschwätz vom ,,Wähler- und Regierungsauftrag,, verleitet, liegt ebenfalls nur im 15 bis 20 % -Bereich.
        Und in Erdogans Reich wird es wohl wie bei uns sein, wo Abgeordnete auch nur Partei- und Fraktionszwanggebundenes Stimmvieh, der obersten Regierungsriege sind, um ihre festgemauerten Listenplätze wieder zu erhalten.
        So gesehen haben hier auch alle obigen Kommentatoren RECHT.
        Aber ändert nichts daran, dass ich Böhmernanns ,,Gedicht,, in seiner Wortwahl voll daneben finde und er es als Berufsjournalist hätte wissen müssen. Wahrscheinlich weis er nicht, dass es kostenlos ist, sich juristisch bedenkliche Artikel von unseren DJV. Verbandsjuristen vorab prüfen zu lassen. Das hätte Böhmermann besser tun sollen, anstatt sich auf die Maulheldensolidarität der ,,Künstlichen-Aufreger-Presse,, zu verlassen.
        Die meisten von denen trauen sich ja noch nicht mal, sein Gedicht in ihren Organen öffentlich zu machen.
        Aber gut, anderseits ist Böhmermann-Berichterstattung immer noch seitenfüllender, als das abgeseibelte Ungeheuer von Loch Ness, oder alternativ ; ,,Mutti,, streichelt Asylantenkind / Papst Franzikus erhält Ehrenloge im Pariser Moulin Rouge /Donald Duck trieb Unsucht mir Daysi / Claudia Roth will Haremsdame bei Erdogan werden oder Donald Trump bekennt entlich sich zur Glatze…

  3. Ich denke mal die meisten der hier soooo mutigen Böhmermann-Solidaristen
    kennen das eigentliche Böhmermanngedicht über Ergodan überhaupt nicht.
    Das übliche Schwarmverhalten der zumeist uninformierten geistlosen Masse
    und der üblichen Solidaritätsschickeria hält eisern BIS ZUM UNTERGANG zu Böhmermann.
    Jawohl ja, wie sind die ,,Helden der Meinungs- und Satirefreiheit,, wird ihnen von der üblichen politisch-korrekten Einheitsbreipresse eingehämmert, weil es gerade angesagt erscheint, gegen diesen komischen Präsidenten Erdogan zu sein .
    Man stelle sich vor ein AFD-naher Journalist hätte ein ähnliches ,,Gedicht,, gegen Obama, den Herrn über Guantanamo und Todesdrohnen geschrieben.
    Oder gar gegen die Heilige aller Flüchtlinge auf der Welt, Angela Merkel ???
    Na da wärs sofort AUS gewesen mit Satire darf alles und Redefreiheit.
    Nee, was der Böhmermann da abgeliefert hat, ist ein blankes Hassgedicht, der Höhepunkt der Fäkalsprache und mutwillig auf Krawall gebürstet.
    Egal wie man zu diesem Erdogan steht, de immerhin von über die Hälfte aller Türken zum Präsidenten gewählt haben.
    Satire kommt durch die Hintertür, durch Zweideutigkeit und Sprachwitz, gepaart mit Ironie oder ,,Schreibfeler,,.
    Aber keinesfalls durch Gossensprache wo das Wort Ficken als geistiger Höhepunkt anzusehen ist.

    1. Ich denke mal, dass umgekehrt ein Schuh draus wird: Die meisten Böhmermann-Kritiker kennen den expliziten Zusammenhang, in dem dieses „Gedicht“ präsentiert wurde, nicht oder stellen diesen einfach in Abrede – aus welchen jeweiligen Gründen auch immer. Damit ist auch das Gegenbeispiel ihres hypothetischen AFD-nahen Journalisten, der Satire kann, hinfällig – wegen Themaverfehlung.

      Es ist Ihnen zuzustimmen: „was der Böhmermann da abgeliefert hat, ist ein blankes Hassgedicht, der Höhepunkt der Fäkalsprache und mutwillig auf Krawall gebürstet.“ Zu dieser Erkenntnis wird man geführt, wenn man dem o.g. expliziten Zusammenhang verstanden hat – oder auch (interessanter Weise), wie in Ihrem Falle, nicht versteht oder verstehen will.

      Im Übrigen ist Erdogan nicht von „über der Hälfte aller Türken zum Präsidenten gewählt worden“ – seine Partei erhielt 49,5% der abgegebenen Stimmen (erkenne den Unterschied) und erhielt dank des türkischen Wahlrechts über 57% der Sitze.

  4. So lange Herr Ehring weiterhin seine Oberstufenlehrer-Satire abliefert, wirkt sein Nachtreten bei Jan Böhmermann etwas schal. Böhmermann hat das wohl zu deutlich aufzeigt und damit Extra3 exakt dahin gestellt, wo es auch hingehört. Konkurrenz belebt das Geschäft. Langweiler wie Ehring und Nuhr haben wir schon genug.

  5. Das ist richtig gut. Genauso ist mir Böhmermann vorgekommen, ohne dass ich das so treffend hätte in Worte fassen können. Wenn ich schon so eine extreme Geschichte mache, stehe ich dazu, lege nach und trage die Konsequenzen – wie es die Titanic auch regelmäßig macht. Oder ich sehe ein, dass ich übers Ziel hinausgeschossen bin, und entschuldige mich. Aber bei Altmeier um Hilfe bitten und abtauchen, während man absichtlich dafür gesorgt hat, dass alle über einen reden, ist schon sehr merkwürdig.

    Oder liegt es daran, dass Böhmermann so naiv war und nicht mit den wenig freundlichen Reaktionen der Erdogan-Anhänger gerechnet hat? Da habe ich wenig Mitleid. Er wäre bei den Ersten gewesen, die „Nazi“ gerufen hätten, wenn jemand davor gewarnt hätte, dass es da Probleme geben könnte.

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