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„Flaggschiff des Online-Journalismus als Billiglohn-Redaktion“: SpOn, DuMont & Co. für Höllepreis nominiert

Sind für den „Höllepreis“ der Freischreiber nominiert: DuMont, Gruner + Jahr, Spiegel Online und Der Tagesspiegel
Sind für den "Höllepreis" der Freischreiber nominiert: DuMont, Gruner + Jahr, Spiegel Online und Der Tagesspiegel

Es ist wieder soweit: Die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalisten, vergeben auch in diesem Jahr den "Himmel- und Höllepreis" an deutsche Redaktionen. In der Kategorie "Hölle" sind Spiegel Online, DuMont Schauberg, Gruner + Jahr und Der Tagesspiegel nominiert. Im Fokus steht hier der Umgang der Verlagshäuser mit Scheinselbstständigkeit und Pauschalisten.

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2015 hielt das Thema Scheinselbstständigkeit freie Journalisten und Verlage gleichermaßen auf Trab. Insbesondere DuMontSchauberg stand hier unter Druck und bot seinen sogenannten „festen Freien“ Ende des vergangenen Jahres Festanstellungen an. Unter den Mitarbeitern wunderte man sich damals über Lauf- und Probezeiten der Verträge, weil einige von den freien Journalisten bereits seit vielen Jahren im Haus arbeiten. Bemerkenswert waren neben diesen Konditionen die offenbar angebotenen Gehälter. Ihre Vorgesetzten hätten den Journalisten mitgeteilt, dass ihre Bruttoeinkommen zukünftig 20 bis 30 Prozent unter ihren derzeitigen Honoraren liegen sollen, erklären Mitarbeiter gegenüber MEEDIA. „Unterirdische Vertragsbedingungen für Journalisten, die zum Teil schon seit Jahren für das Haus arbeiten“, findet Freischreiber. „Gute Chancen für DuMont Schauberg auf den Höllepreis 2016.“

Auch Spiegel Online sehe sich unter dem Druck des Gesetzgebers und habe seine Vertragsbedingungen für freie Mitarbeiter, die in einen redaktionellen Arbeitsablauf eingebunden waren, verändert, so die Freischreiber. Befristete Verträge würden maximal auf zwei Jahre verlängert. Außerdem würden in der Regel für die Mitarbeit im Schichtdienst ein Stundensatz von 21 Euro brutto bezahlt. „Das starre System unterscheidet zwischen inhaltlich arbeitenden Mitarbeitern und sogenannten inhaltsnah arbeitenden Kollegen, die dann mit etwa 18 Euro noch einmal wesentlich geringer entlohnt werden. Das Flaggschiff des Online Journalismus als Billiglohn-Redaktion? Traurig, aber wahr und uns eine Nominierung für den Höllepreis wert.“

Bei Gruner + Jahr wolle man sich nach den Festangestellten nun auch von vielen Freien trennen, weil sie möglicherweise scheinselbstständig beschäftigt seien, heißt es in der Mitteilung der Freischreiber zum „Himmel- und Höllepreis“. Das Verlagshaus habe viele Wochen gezögert, die betroffenen Freien zu informieren. „Freie als Verschiebemasse in einem Konzern ohne Strategie. Wir finden dafür hat sich Gruner + Jahr zum zweiten Mal in Folge die Nominierung für den Höllepreis redlich verdient.“

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Als vierter im Bunde ist Der Tagesspiegel für den „Höllepreis“ nominiert. Die Zeitung sorgte Ende 2015 mit massiven Sparmaßnahmen für Aufregung. Im Oktober wurden alle freien Autoren mit sofortiger Wirkung von ihrer Arbeit freigestellt. „Ein kleiner sechsstelliger Betrag“ solle dadurch in der Tagesspiegel-Redaktion eingespart werden. Die Freischreiber dazu: „Wir nominieren den Tagesspiegel für den Umgang mit freien Mitarbeitern in einer bisher beispiellosen Aktion im vergangenen Herbst für den Höllepreis 2016.“

Doch auch positive Beispiele in der deutschen Verlagsbranche sollen durch den Preis belohnt werden. Für den „Himmelpreis“ ist zum einen Martin Vogel nominiert, wegen seines „uneigennützigen und kostenintensiven Einsatzes für uns Urheber“. Und zum anderen Konrad Schwingenstein wegen der Gründung gemeinnütziger Projekte wie Torial und Piqd.

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Alle Kommentare

  1. „Außerdem würden in der Regel für die Mitarbeit im Schichtdienst ein Stundensatz von 21 Euro brutto bezahlt. „Das starre System unterscheidet zwischen inhaltlich arbeitenden Mitarbeitern und sogenannten inhaltsnah arbeitenden Kollegen, die dann mit etwa 18 Euro noch einmal wesentlich geringer entlohnt werden. “

    Drei Euro Unterschied sind wesentlich? Außerdem ist das mehr als doppelt so viel wie der Mindestlohn.

  2. Der Spiegel ist schon seit Jahren nicht mehr links. Das war spätestens mit Augstein als Chefredakteur gegessen.

  3. Wenn ich mit abstimmen dürfte, dann würde ich den Spiegel für den Höllepreis wählen.

    Die anderen drei Nominierten sind zwar genauso mies, allerdings gibt es einen sehr wichtigen Unterschied:

    Sie heucheln wenigstens nicht noch und geben sich großspurig sozial oder gar links, wie das der Spiegel ja tut.

    Bei keinem der anderen Kandidaten klaffen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie beim Spiegel und das wird man hoffentlich bei der Wahl dann auch „honorieren“.

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