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Alan Posener zu den „Panama-Papers“-Enthüllungen: „Bisher viel Lärm um sehr wenig“

Alan Posener hat sich zu den „Panama Papers“ geäußert
Alan Posener hat sich zu den "Panama Papers" geäußert

Welt-Autor Alan Posener hat sich auf seiner Facebook-Seite kritisch mit der Veröffentlichung der "Panama Papers" auseinandergesetzt. Dabei kritisert er u.a., dass die SZ das Risiko eingehe, "dass durch die Mitarbeit von Hunderten von Journalisten die echten Kriminellen Wind von der Sache bekommen und ihre Spuren verwischen". MEEDIA sprach mit Posener über seine Kritik an den Panama-Papers.

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Sie haben sich bei Facebook kritisch zu den so genannten „Panama Papers“ geäußert. Was ist Kernpunkt Ihrer Kritik?

Vorweg: Ich rede hier nicht pro domo. Meine Statements sind meine persönliche Meinung und mit niemandem abgesprochen. Ich weiß nicht, wie die Chefredaktion der Welt diese Dinge sieht. Es geht um die Aufbereitung. Es wird als Sensation präsentiert, was wir schon wissen, einerseits. Andererseits werden auf viel zu schmaler Faktenbasis Verdächtigungen ausgesprochen. Also: dass Russland eine Kleptokratie ist, wissen wir. Dass Geld aus dem Land geschafft und gewaschen wird, auch. Wo ist also der Erkenntnisgewinn, wenn man hört, dass Freunde von Putin Briefkastenfirmen betreiben? Andererseits wird die bloße Tatsache, dass etwa Lionel Messi eine solche Firma hat, zum Skandal hochstilisiert, obwohl nicht nachgewiesen wird, dass über diese Firma dubiose Geschäfte abgewickelt wurden. Schließlich empören sich alle über Steuerhinterziehung, obwohl das bisher in keinem Fall nachgewiesen wurde. Viel Lärm um sehr wenig also, bisher jedenfalls.

Jetzt nochmal langsam, damit ich es verstehe: Die SZ bekommt riesige Datenmengen angeboten, bei denen es möglicherweise…

Posted by Alan Posener on Dienstag, 5. April 2016

Sie sprechen bei Facebook auch an, die SZ hätte die Informationen an die Strafverfolgungsbehörden weiterreichen können. Wäre das ein journalistisches Vorgehen? 

Die SZ wäre dazu nicht verpflichtet. Niemand kann nach deutschem Recht gezwungen werden, jemanden anzuzeigen. Aber es geht hier zum Teil um Dinge wie Terrorfinanzierung oder die Umgehung von Sanktionen durch Regimes wie jene in Russland, dem Iran oder Nordkorea. Da gibt es schon eine moralische Frage, nämlich. Was ist wichtiger – mein Scoop oder der Kampf gegen internationale Rechtsbrecher und Terroristen?

Hätte die Welt nicht die Daten der „Panama Papers“ auch gerne veröffentlicht? Spielt bei der Kritik an den Papers nicht auch Neid eine Rolle?

Ob die Welt die Papiere gerne veröffentlicht hätte, weiß ich nicht. Ich spreche nicht für die Welt. Aber das Neid-Argument ist ein Totschlagargument gegen jede kritische Frage von Journalisten, die nicht zum Kartell gehören, das diese illegal beschaffenen Dokumente auswerten durfte. Ich finde es auch bedenklich, dass bei diesem Kartell private und öffentlich-rechtliche, also gebührenfinanzierte Medien zusammenarbeiten. Die SZ ließ ja die riesigen Datenmengen von Journalisten aufarbeiten, deren Gehälter ich als Gebührenzahler auch bezahle, die aber hier indirekt als Unterstützer eines Konkurrenzunternehmens auftreten. Hier wird allerdings eine grundsätzliche Frage berührt, die weit über die aktuellen Ereignisse hinaus reicht. Wenn öffentlich-rechtliche Medien als Recherchehelfer für private Medien unentbehrlich werden, ist es mit der Konkurrenz und der gegenseitigen Kritik vorbei. Dann können wir gleich die privaten Medien durch eine allgemeine Zwangsabgabe subventionieren. Das wäre ehrlicher.

Wie bewerten Sie die bisherigen Enthüllungen aus den „Panama Papers“ inhaltlich?

Wie gesagt: Wenig Neues. Selbst die Tatsache, dass der neue Fifa-Chef Fußballrechte an eine Briefkastenfirma vergeben hat, die sie gleich mit enormem Gewinn weiterverkauft hat, hätte auch ohne die Panama-Papiere auffliegen können und müssen, denn diese Vorgänge waren öffentlich. Nur hat niemand so genau hingeguckt. In jeden James-Bond-Film und jedem zweiten Krimi werden krumme Geschäfte über Briefkastenfirmen abgewickelt. Und jetzt plötzlich will ein CSU-Mann „alle Briefkastenfirmen verbieten“ und gibt antikapitalistische Phrasen von sich. Verbalradikalismus statt sinnvolle Politik. Die Frage ist ja nicht, ob eine Firma in Panama eine Mindestzahl an Personal haben muss, sondern die Frage ist, ob die deutschen, europäischen und internationalen Behörden, die sich mit Wirtschaftskriminalität befassen, ausreichend Personal haben.

Ist es problematisch, dass auch die SZ-Journalisten die Quelle nicht kennen?

Wir wissen nicht, ob sie die Quelle nicht kennen. Vielleicht wollen sie ihren Informanten bloß schützen. Aber „Deep Throat“, der den Watergate-Skandal an die Washington Post verriet, blieb auch anonym. Entscheidend ist, dass die Dokumente echt sind. Und das scheint niemand zu bezweifeln. Problematisch finde ich, dass Hunderte von Journalisten Zugang zu teilweise hochbrisantem Material hatten, die ihrerseits Kontakte zu den Betroffenen haben könnten. Es ist eine Sache, wenn ein westlicher Geheimdienst diese Informationen hat, dessen Mitglieder eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen haben, obwohl es dort auch Lecks geben kann, siehe Edward Snowden, der dem Westen immensen Schaden zugefügt hat. Schlimm genug. Aber wenn Journalisten Zugang zu solchen Materialien haben, bloß weil sie Mitglied in einem „Rechercheverbund“ sind, finde ich das problematisch. Man sagt, niemand habe geplaudert. Aber woher will man das wissen?

Was ist  ganz generell davon zu halten, wenn sich zahlreiche Medien weltweit zu einer solchen konzertierten Aktion insgeheim verabreden?

Grundsätzlich ist nichts dagegen zu sagen. Das Verbrechen agiert international, der Terror auch. Medien müssen auch international kooperieren, mehr noch als bisher. Der Teufel liegt in den Details.

(swi)
Die Fragen an Alan Posener wurden via E-Mail gestellt.

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Alle Kommentare

  1. Der Gesinnungsjournalismis des Rechercheverbundes schafft sich ab. Kann nur gut sein für den seriösen investigativen Journalismus.
    Die Hütte brennt und der Hype um die Neiddebatte glimmt nur noch peinlich vor sich hin. Aber so kommt es wenn man mit populistischen Financiers das Lager teilt. Grüße an Soros und seine Helfer.

  2. „Deep Throat“ hat nicht die Pentagon Papers an die „Washington Post“ verraten, das war Daniel Ellsberg, und der ging zuerst mal zur „New York Times“. „Deep Throat“ war der mit Watergate und der „Post“. Könnte man wissen.

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