Conflict Zone: AfD-Chefin Frauke Petry wird im Deutsche Welle-Interview gegrillt

AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ging gegenüber Vize Alexander Gauland auf Distanz – der Schaden durch das beleidigende Zitat aber bleibt
AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ging gegenüber Vize Alexander Gauland auf Distanz – der Schaden durch das beleidigende Zitat aber bleibt

Fernsehen Es war das Lieblingsthema der Netz-Gemeinde über die Osterfeiertage: Der denkwürdige Interview-Auftritt von Frauke Petry bei der Deutschen Welle. In der Sendung "Conflict Zone", in der der britische Reporterveteran Tim Sebastian seine Gäste stets mit harten Bandagen angeht, sah sich die AfD-Chefin eine halbe Stunde lang mit so unangenehmen Fragen konfrontiert wie bisher in keinem deutschen Interview. Das Netz sieht Petry – mit wenigen Ausnahmen – als klare Verliererin: Die AfD-Chefin sei "demontiert, auseinandergenommen und entlarvt" worden.

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Damit hatte Frauke Petry wahrscheinlich nicht gerechnet: mit einem Interview wie auf der Anklagebank. Dabei hätte die AfD-Chefin gewarnt sein müssen: Tim Sebastian, der Petry in seinem Talk-Format „Conflict Zone“ bei der Deutschen Welle knapp dreißig Minuten grillte, hat sich im Laufe seiner schillernden Reporterkarriere den Ruf erworben, die ganz harten Fragen zu stellen.

Der frühere Europa-Korrespondent der BBC, der in seiner vierzigjährigen Laufbahn u.a. die US-Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter und Erzbischof Desmond Tutu interviewte, geht Petry frontal an.

Schnell wird klar: Dies Interview läuft so ganz anders als die Wohlfühl-Gespräche mit Samthandschuhen, die ARD und ZDF mit dem Politikbetrieb  in Berlin so oft führen – Sebastian attackiert Petry brachial.

Gleich die erste Frage ist Provokation pur: „Sie haben als einzige führende deutsche Politikerin erklärt, auch der Einsatz von Schusswaffen an der Grenze gegen Flüchtlinge wäre eine letzte Option. Sind Sie stolz darauf?“

Petry kontert sofort, dass sie das kontrovers diskutierte Zitat vom Waffengebrauch zur Sicherung der deutschen Grenze, das im Interview mit dem Mannheimer Morgen am 30. Januar entstanden ist, so nie gebraucht habe. Minutenlang bearbeitet Sebastian Petry zum möglichen Waffengebrauch und wirft der AfD-Chefin vor, dass sie in einer aufgeheizten Atmosphäre mit ihrem Zitat gezündelt habe.

„Sind Sie also nicht verantwortlich dafür, was Sie sagen?“

Petry rudert halb zurück und schanzt den Schwarzen Peter der Presse zu, die die Aussagen der AfD-Chefin im falschen Kontext zitieren würde. „Sind Sie also nicht verantwortlich dafür, was Sie sagen?“ landet Sebastian den ersten Wirkungstreffer.

In der Form geht es 25 Minuten lang weiter: Der 64-jährige Reporter fährt Petry immer wieder mit verkürzten provokativen Unterbrechungen über den Mund, während sich die AfD-Chefin immer wieder in der Rechtfertigsschleife in englischer Sprache verheddert. Petry wirkt dabei zunehmend genervter und verlässt am Ende ohne obligatorischen Handshake das Interview.

Twitter: Petry demontiert, auseinandergenommen und selbst entlarvt

Der Fairness halber muss gesagt werden: Gemessen an den bis heute nicht gerade exzellenten Englischkenntnissen vieler deutscher Politiker, formuliert Petry sauber und fehlerfrei – trotzdem fehlt natürlich die Souveränität und Schlagfertigkeit der Muttersprache, die Medienprofi  Tim Sebastian entsprechend gnadenlos ausnutzt. („Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut.“)

Für Nutzer in den sozialen Medien ist das Petry-Interview entsprechend ein gefundenes Fressen. Der Konsens ist klar: Die AfD-Chefin, die vor zwei Wochen schon für ihre wiederholten Absagen beim ZDF Morgenmagazin verspottet und nach ihrer Attacke gegen Moderatorin Dunja Hayali scharf kritisiert wurde,  wurde nach Meinung der meisten Twitterer demontiert, auseinandergenommen und selbst entlarvt:

Anderer Meinung war dagegen der frühere Spiegel-Redakteur und Ex-Welt-Autor Matthias Matussek, der findet, die AfD-Chefin habe „Sebastian mit seinen vorbereiteten Gehässigkeiten komplett in die Leere laufen lassen“ 

Hier Tim Sebastian im Interview mit Frauke Petry. Tim Sebastian war der schärfste Hund in der BBC, ich hab ihn mal…

Posted by Matthias Matussek on Saturday, March 26, 2016

Auch der Kommunikationsberater Mirko Lange bescheinigt Petry einen guten Auftritt: „Sie ist argumentativ und rhetorisch sehr, sehr stark.“

Also ich halte von den politischen Positionen der AfD gar nichts. Aber vor allem aus professioneller Sicht (als…

Posted by Mirko Lange on Friday, March 25, 2016

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Alle Kommentare

  1. Die AFD ist eine Schande für Deutschland. Sie schadet dem Ansehen
    unseres Landes in der gesamten Welt. Die Vorsitzende dieser Partei
    ist Frauke Petry. Dies sagt viel über diese Person aus.

    1. Die Saschas in diesem Lande sind eine Schande für Deutschland diese Meanstreammedien hörigen nachplappernden Wahrheitsverweigerer die nie das Programm der AFD mal nachgelesen haben sondern in das undemokratische Gebrüll der Etablierten Parteien ohne Nachzudenken mit einstimmen. Übrigens mehr wie Merkel und Konsorten kann man Deutschland nicht Schaden, es ist ein Segen für Deutschland das es die AFD und Petry gibt.

      1. Die Saschas in diesem Lande tun genau das Richtige. Sie gehen der Rhetorik der Neuen Rechten nicht auf den Leim, die in sogenannten „alternativen“ Medien verbreitet wird, sondern stehen ihr skeptisch gegenüber. Und Skepsis ist angebracht.

        Wenn sich die AfD mit den unangenehmen Seiten ihrer Aussagen nicht beschäftigen möchte, liegt das nicht an der Presse. Die Verantwortung für die Aussagen tragen ihre politischen Vertreter.

        „nachplappernden Wahrheitsverweigerer“

        Für mich wird es immer dann unheimlich, wenn es Leute gibt, die sich im Besitz der einzigen und einzigartigen „Wahrheit“ wähnen. Und diese „Wahrheit“ dann allen anderen Mitmenschen aufzwingen wollen. Das hat die Kirche über Jahrhunderte hinweg gemacht. Und die letzte Partei in Deutschland, die die „Wahrheit“ für alle Menschen kannte, war die SED.

        Natürlich ist die AfD keine SED, weil sie in einem anderen politischen Umfeld steht und weil sich die Geschichte nicht einfach wiederholt. Dennoch muss die AfD erst noch beweisen, was sie unter Demokratie versteht. Dabei kann es nur helfen, wenn die Saschas dieses Landes, der Partei nicht alles abkaufen, was ihre Vertreter so von sich geben. Ich glaube der AfD kein Wort, was sie in ihrem vorläufigen Parteiprogramm oder sonstwo geäußert hat.

        Deswegen finde ich es Richtig, dass die Presse da ganz genau hinschaut und die AfD mit den möglichen Folgen ihrer Aussagen konfrontiert. Man will ja wissen, was hinter den ganzen Mehrdeutigkeiten steckt.

  2. Also ich habe die AfD nicht gewählt, weil keine klare Programmatik erkennbar. Aber wer das Interview mit dem Briten Sebastian als eine Demontage Petries interpretiert, hat entweder von der englischen Sprache keinen blassen Dunst oder reine Gehässigkeit treibt ihn dazu, das genaue Gegenteil dessen zu behaupten, was nur Englischkundige verstehen. So klar in brilliantem Oxford-Englisch seine Meinung differenziert zum Ausdruck gebracht hat noch kein deutscher Politiker. Alle Achtung. Als Außenministerin ist sie mein Favorit.

  3. Ha-Ha Haug, brilliantes Oxford-Englisch und die Meinung damit differenziert
    zum Ausdruck gebracht reicht also Ihrer Meinung nach einem deutschen Politiker um Außenminister zu werden. Eine ausserordentlich anspruchslose
    Ansicht, die Sie hier vertreten.
    Mit 100prozentiger Sicherheit wird Frauke Petry noch nicht einmal Landwirt-
    schaftsministerin in diesem unserem Lande.
    Sie wird schneller von der Bildfläche verschwinden, als es alle AFD-Wähler
    glauben.

  4. Frauke Petry im Gespräch mit Tim Sebastian bei „Conflict Zone“
    (aus dem Englischen übersetzt von Pierre Marron)

    Sebastian: Die „conflict zone“ findet diese Woche in Leipzig statt und mein Gast ist Frauke Petry, Anführerin der Anti-Einwanderer-Partei AFD, die in den kürzlich erfolgten regionalen Wahlen große Erfolge feierte. Die Partei warnt mit apokaplyptischen Begriffen davor, dass die deutsche Kultur und Identität von den bereits angekommenen und den noch kommenden Migranten bedroht wird. Eine begründete Sorge oder steckt dahinter etwa etwas Böses?

    Sebastian: Frauke Petry, willkommen bei „Conflict Zone“.

    Petry: Danke.

    Sebastian: Sie sind bekannt als die eine deutsche Anführerin, die die Möglichkeit aufgeworfen hat, als letzten Ausweg auf Flüchtlinge an der Grenze zu schießen. Sind Sie stolz darauf?

    Petry: Nun, sehen Sie, ich habe das eigentlich nie gesagt und die Frage danach, wie die deutschen Grenzen kontrolliert werden sollen, führte zu sehr merkwürdigen Situationen in der Öffentlichkeit, denn es gab überall Schlagzeilen, die das Gegenteil von dem aussagten, was ich gesagt hatte.

    Sebastian: Und was Sie in den Zeitungen gesagt haben – wenn ich Sie erinnern darf – ist, dass „[deutsche Grenzpatrouillen] illegale Grenzübertritte verhindern müssen und wenn nötig sogar mit Waffengewalt. Ich möchte das auch nicht. Waffengewalt ist der letzte Ausweg.“

    Petry: Richtig.

    Sebastian: Das ist genau das, was Sie gesagt haben.

    Petry: Ja, aber…

    Sebastian: Also haben Sie die Möglichkeit auf das Niederschießen von Flüchtlingen aufgeworfen…

    Petry: Warum…

    Sebastian: …als letzten Ausweg.

    Petry: Ja, ich habe im Grunde ein deutsches Gesetz, das immer noch existiert, zitiert und als ein letzter Ausweg ist der Einsatz von Waffengewalt möglich, aber wir stimmen darin überein, wir alle stimmen darin überein, dass wir nicht wollen, dass es zu diesem letzten, äußersten Fall kommt.

    Sebastian: Aber warum bringen Sie in einer so hochgeladenen Atmossphäre dieses Schreckgespenst auf, dass die Leute tatsächlich an der Grenze erschossen werden sollen?

    Petry: Eigentlich – Noch einmal, der Einsatz von Waffen ist nicht das selbe wie der Einsatz von Waffen gegen Menschen. Noch einmal, ich denke, dass es sehr…

    Sebastian: Sie wollen damit doch nicht sagen: Schießt in die Luft.

    Petry: Das wäre das erste, was zu tun wäre, natürlich. Sehen Sie, ich habe dieses Thema noch nicht einmal selbst aufgebracht. Die Frage ist doch, welche Themen von den Journalisten aufgebracht werden, um unsere Partei in einer speziellen Art und Weise dastehen zu lassen. Und wenn es…

    Sebastian: Sie sind nicht verantwortlich für das, was Sie sagen?

    Petry: Aber sicher, ich bin sehr verantwortlich für das, was ich sage, aber noch einmal, die Grenzen zu sichern, sie zu überwachen, wie es jetzt 26 von 28 europäische Staaten tun ohne Deutschlands Hilfe, ist etwas, worüber wir reden müssen. Und wenn eine demokratische Partei das Problem aufzeigt, dass es unseren Grenzpatrouillen, unseren Polizisten nicht erlaubt ist, ihren Job zu machen, weil die Regierung sich im Grunde weigert, die Verantwortung für unsere nationalen Grenzen zu übernehmen, dann ist es nicht eine Partei wie die AFD, die das Problem darstellt, sondern unsere Regierung.

    Sebastian: Ok, aber Sie sind die einzige, die es angesprochen hat. Ich möchte nur…

    Petry: O nein, das, noch einmal, es tut mir leid, das ist nicht wahr. Da gibt es den grünen Politiker Boris Palmer und auch…

    Sebastian: Der über das Niederschießen von Menschen geredet hat?

    Petry: Ja, er sprach über die Sicherung europäischer Grenzen…

    Sebastian: Ja, aber er hat nicht, er hat nicht von Waffengewalt gesprochen.

    Petry: O doch, sicher, das hat er.

    Sebastian: Wann? Wann? Wann?

    Petry: O ja. Vor Wochen in der Öffentlichkeit und Sie können es in einer Reihe von Zeitungen nachlesen.

    Sebastian: Wirklich?

    Petry: Ja.

    Sebastian: Sie haben, Sie haben diese Möglichkeit aufgeworfen und ich würde dieses Thema gerne noch ein wenig mit Ihnen untersuchen, denn…

    Petry: Ja, aber ich denke, wir sollten die Dinge richtig darstellen, denn ich habe dieses Thema nicht aufgebracht. Wir haben deutsches Recht zitiert und es waren hauptsächlich viele Zeitungen in Deutschland, die das ganze Thema verdreht haben und uns nachgesagt haben, dass wir Menschen erschießen wollen…

    Sebastian: Sie haben nicht gegen das Zitat argumentiert, das ich ihnen vorgelegt habe: „Müssen illegale Grenzübertritte verhindern und sogar mit Waffengewalt wenn nötig.“ Das haben Sie gesagt.

    Petry: Ich habe das gesagt…

    Sebastian: Ja.

    Petry: … aber ich habe nicht gesagt, dass auf Menschen geschossen werden soll.

    Sebastian: Aber genau das meint es doch, nicht wahr?

    Petry: … und zudem, nein, tut es nicht, nein, tut es nicht und ihre – das deutsche Gesetz belässt die Verantwortung bei den Grenzpatrouillen, bei den Grenzwächtern und überlässt es ihnen, in welcher Weise sie ihre Waffen nutzen, was…

    Sebastian: Also wenn es jemals die Gelegenheit dazu gäbe, Frauke Petry, wenn so etwas jemals passieren würde, würden Sie den Grenzpatrouillen den Befehl geben als letzten Ausweg auf unbewaffnete Flüchtlinge an ihrer Grenze zu schießen?

    Petry: Sehen Sie…

    Sebastian: Wären Sie in der Lage so etwas zu tun?

    Petry: Sehen Sie, das ist der Unterschied zwischen dem sogenannten „Schießbefehl“, welcher tatsächlich gültig war…

    Sebastian: Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt. Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt.

    Petry: Lassen Sie mich…

    Sebastian: Ich habe Ihnen eine direkte Frage gestellt.

    Petry: Lassen Sie mich…

    Sebastian: Ja oder Nein.

    Petry: Sie müssen meine Antworten auch annehmen.

    Sebastian: Sie wollen keine direkte Antwort geben.

    Petry: O doch, ja bitte, aber…

    Sebastian: Sie wollten die Aufmerksamkeit, nicht wahr?

    Petry: Nein, überhaupt nicht…

    Sebastian: Sie habe es genossen, diese Schlagzeilen zu erhalten.

    Petry: Nein, ich habe diese Schlagzeilen nicht hervorgebracht und ich habe dieses Thema nicht aufgeworfen.

    Sebastian: Aber sie wussten, dass Sie eine Menge Schlagzeile erhalten würden durch die Art und Weise wie sie geantwortet und gesprochen haben.

    Petry: Also soll ich nicht…

    Sebastian: Sie müssen das gewusst haben.

    Petry: Soll ich die Frage nicht beantworten? Ist das…

    Sebastian: Ich bestehe darauf. Denn in einer ihrer geleakten E-mails, die von vice news veröffentlicht wurde, stand, das sagen Sie darin, vielleicht haben Sie es auch nicht gesagt: „Pointierte und manchmal provokative Statements sind notwendig, um die Medien auf uns aufmerksam zu machen, um uns die notwendige Aufmerksamkeit zu sichern.“ Haben Sie das geschrieben?

    Petry: O ja, natürlich, ich habe…

    Sebastian (während Petry ihm ins Wort fallen will): Da haben Sie ihr pointiertes und provokatives Statement, nicht wahr? Sie wollen diese Schlagzeilen, sie sehnten sich verzweifelt danach.

    Petry: Aber Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass dies etwas Neues in der Politik wäre, denn alle Politiker tun das und besonders für eine kleine Partei ist es manchmal schwierig, einen Platz in den Medien zu finden, um ihre Ideen zu erklären. Es ist notwendig…

    Sebastian: O, also sind Sie jetzt das Opfer?

    Petry: O nein, überhaupt nicht. Aber dieses neu zu nennen bedeutet, dass Sie die Medien nicht verstehen. Ja sicher, manchmal ist man provokativ, ich meine, (Sebastian will sie unterbrechen, sie sagt fünfmal „warum macht“), aber noch einmal, Sie stellen es nicht so dar, wie es ist und ich bin überrascht, denn noch einmal, wir haben dieses Thema nicht aufgebracht, aber ich meine, wenn Sie die AFD auf diese Art von Frage reduzieren wollen, dann können wir während Stunden so weitermachen, aber wir werden am Ende keine Ahnung davon haben, wer die AFD wirklich ist, wenn unser Ziel also darin bestehen soll, zu verstehen…

    Sebastian: Wir werden uns noch ganz viel mit der AFD auseinandersetzen.

    Petry: Dann lassen Sie uns bitte nicht auf diesem einen Punkt rumhacken und noch einmal, ich denke, wir sollten differenzieren und die Frage – und tut mir leid, das haben Sie nicht getan.

    Sebastian: O, das hab ich. Ich habe versucht eine direkte Antwort von Ihnen zu erhalten, aber das habe ich nicht geschafft.

    Petry: O doch, das haben Sie.

    Sebastian: In Ordnung, in Ordnung, okay. Ihr vorheriger Anführer, Bernd Lucke, und eine Reihe seiner ehemaligen Kollegen – die sagten wie froh sie seien, die AFD hinter sich gelassen zu haben… – Er sprach davon, dass die Partei infiltriert worden sei von „xenophobischen, rassistischen, nationalistischen, antisemitischen, islamophobischen, homophobischen, rechten und linken Extremisten“. Erkennen Sie Ihre Partei in dieser Beschreibung wieder?

    Petry: Nein, tu ich nicht. Und ich finde es unfair, wenn dies als Frage gedacht war, dann haben sie durch diese Frage erwartet, dass ich mich gegen alle diese Vorurteile wehren würde und das werde ich nicht tun.

    Sebastian: Nein, ich frage Sie, warum ein Mann, der ihre Partei so gut kannte, warum einer ihrer Anführer, warum er so etwas sagen würde, wenn es nicht wahr ist? Und Sie sagen mir ja, dass es nicht stimmt.

    Petry: Wenn man eine Partei verlässt, in der man versagt hat, was sind die Möglichkeiten, die einem bleiben? Alles hinter sich lassen und der Öffentlichkeit mitteilen, dass man versagt hat oder die Partei verlassen und zerstören, was man hinter sich lässt? Das sind die zwei Möglichkeiten, die man hat.

    Sebastian: Aber ich kenne nicht viele Parteimitglieder, die ihre Partei verlassen und solche Dinge über diese verbreiten: Xenophobisch, rassistisch, nationalistisch…

    Petry: Ja, aber das ist Müll, entschuldigen Sie. Die AFD setzt sich zusammen aus vielen Arten von deutschen Bürgern und sogar aus Menschen, die im Ausland leben, die denken, dass Demokratie sehr oft versagt, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa, dass wir Verträge haben, die gebogen, wenn nicht sogar gebrochen werden und dass es notwendig ist, die Bürger wieder dazu zu bringen, sich wie Bürger zu verhalten und nicht nur wie Konsumenten. Es sind im Grunde also Menschen, die die Idee teilen, das zu bewahren, was wir nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

    Sebastian: Ok, alles klar, ok. Hans-Olaf Henkel, ebenfalls ehemaliges Mitglied der Partei, er macht sich Sorgen darüber, so stellt er es dar, dass er dabei geholfen hat, ein Monster auf die Welt zu bringen.

    Petry: Ja, sehen Sie, dürfte ich Ihnen ebenfalls eine Frage stellen: Warum wählen Sie diese Leute aus, die offensichtlich in der Partei versagt haben und präsentieren mir ihre Sichtweisen…?

    Sebastian: Weil sie die Partei ganz genau kannten, nicht wahr? Kannten sie die Partei etwa nicht gut?

    Petry: Ich meine, Bernd Lucke tat es, Olaf Henkel tat das nie.

    Sebastian: Er kannte sie nicht?

    Petry: Nein, er tat es nie, leider nicht.

    Sebastian: Vielleicht…

    Petry: Ich habe es ihm sogar selbst persönlich gesagt, also habe ich kein Problem damit, es in aller Öffentlichkeit zu tun. Also noch einmal, ich meine, sind Sie interessiert an unseren Ideen…?

    Sebastian: Ja, dazu werde ich noch kommen…

    Petry: Das sind Sie offensichtlich nicht, denn alles, was Sie machen, ist mir Zitate zu präsentieren von Menschen, die die Partei augenfällig nicht mögen. Stattdessen sollten Sie mir lieber Fragen stellen, wie wir die deutsche und europäische Politik verändern wollen.

    Sebastian: Sie können die Fragen beantworten, wie Sie wollen, aber ich werde die Fragen stellen, die ich stellen will. Denn das ist es, was eine freie Presse tut.

    Petry: O ja, das können Sie gerne tun…

    Sebastian: Es sei denn, Sie wollen mir ein Skript geben und mich dazu auffordern, es vorzulesen.

    Petry: O nein, nein überhaupt nicht, aber es ist interessant, dass Sie mich nicht fragen, wie ich unsere Partei sehe, dass Sie mir keine Chance geben, sie vorzustellen…

    Sebastian: O, dazu werde ich noch kommen, wir haben massenhaft Zeit.

    Petry: Ok.

    Sebastian: Wir haben massenhaft Zeit. Es ist belegt, dass Sie gesagt haben, dass Toleranz gegenüber oder Kooperation mit extremen Parteien keinen Platz in der AFD hat, ist das richtig?

    Petry: Ja.

    Sebastian: Habe ich Sie korrekt zitiert? Und trotzdem finden Sie Gemeinsamkeiten mit der Pegida, patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlands. Die der Minister, der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, als „Neonazis in Nadelstreifen“ beschreibt. Sind Sie glücklich damit? Glücklich damit, mit denen verglichen zu werden?

    Petry: Was ist die genaue Frage?

    Sebastian: Sind Sie glücklich damit, mit einer Gruppe, die mit dem Etikett „Neonazis in Nadelstreifen“ versehen wird, in Verbindung gebracht zu werden, der Pegida-gruppe, von denen einer ihrer Gründer, Lutz Bachmann, die Flüchtlinge als „Vieh“ und „Abschaum“ bezeichnet?

    Petry: Sehen Sie, das Problem mit Pegida und den Pegida-anhängern ist, dass viele Menschen glauben, sie würden die Ziele dieser Gruppe kennen. Sie stecken all diese unterschiedlichen Bewegungen von vielen verschiedenen Orten in Deutschland in einen Topf und scheinen nicht gelesen zu haben, was die AFD auf der einen Seite und die Pegida-führung auf der anderen Seite eigentlich in der Vergangenheit darüber geschrieben haben. Also zuallererst waren wir diejenigen, die Anfang 2015 für eine Debatte eintraten, für eine offene Debatte mit Pegida, weil viele tausende von Menschen auf eine demokratische Weise für Monate in die Straßen demonstrieren gingen, wenn man jetzt zurückblickt über ein Jahr lang. Niemand von den anderen Parteien wollte überhaupt mit den Menschen reden und wir dachten uns, dass das in einer demokratischen Gesellschaft keine gute Idee ist und…

    Sebastian: Sie sind die selbstverständlichen Verbündeten von Pegida, sagt Alexander Gauland.

    Petry: Nein, sind wir nicht.

    Sebastian: Nun, das hat er gesagt, Alexander Gauland hat das erwiesenermaßen gesagt.

    Petry: Ich weiß, was er gesagt hat, aber er hat gesagt wir sind die selbstverständlichen Verbündeten von Menschen, die in den Straßen demonstrieren. Das ist nicht das gleiche, wie wenn man ein Verbündeter der Organisatoren der Kommission ist. Wir haben nie…

    Sebastian: Sie haben gesagt…

    Petry: Wir haben nie…

    Sebastian: Sie haben gesagt, dass es eine beachtliche Deckungsgleichheit mit ihren Prioritäten gibt…

    Petry: Sehen Sie, die…

    Sebastian: …mit Pegida.

    Petry: Die AFD, die AFD wurde 2013 gegründet und es wurde, damals in 2013 festgesetzt, dass wir zum Beispiel im Hinblick auf Migrationspolitik in einer legalen und legislativen Weise unterscheiden müssen zwischen Asyl-gesetzen und Migrations-gesetzen.

    Sebastian: Ich versuche zu verstehen, wie sehr Sie sich Pegida verbunden fühlen.

    Petry: Wir fühlen uns ihnen gar nicht verbunden. Pegida war immer unabhängig von der AFD.

    Sebastian: Aber Marcus Pretzell, einer ihrer politischen Schlüsselfiguren…

    Petry: Und, und, lassen Sie mich diesen Satz beenden, und unsere Partei hat niemals in irgendeiner Weise mit Pegida zusammengearbeitet, aber wir denken, dass demokratische Parteien sich um die Demonstranten Gedanken machen sollte und offensichtlich…

    Sebastian: Ok, Marcus Pretzell, eines ihrer Parteimitglieder in Nordrhein-Westfalen, er sagte „wir hatten eine Diskussion darüber, ob wir die Euro Partei sind oder die Pegida Partei. Wir sind beides.“

    Petry: „Und wir sind noch viel mehr“. Sie sollten ihn in voller Länge zitieren, wenn sie schon zitieren.

    Sebastian: Ok, aber „wir sind beides“. Also sind sie die Pegida-partei?

    Petry: O nein, wir sind… ja… aber ich meine… das ist…

    Sebastian: Also stimmen Sie diesem Statement zu. Lassen Sie mich zurückkommen auf die Frage, die ich Ihnen gerade gestellt habe: Er beschreibt Flüchtlinge als „Vieh“ und „Abschaum“.

    Petry: Natürlich stimmen wir ihm überhaupt nicht zu und wir haben es viele Male gesagt, ich meine, noch einmal, Ihre Frage zeigt mir, dass Sie eine Verbindung herzustellen versuchen, die niemals existiert hat.

    Sebastian: Aber anstelle meine Motive lesen zu wollen, warum beantworten Sie nicht meine Frage?

    Petry: Ich habe nur gesagt, dass wir ein klares Statement herausgegeben haben, wir stimmen nicht überein mit dieser Art von, mit dieser Art von Stimme, wir haben uns nie in irgendeiner Weise mit Lutz Bachmann verbündet, also noch einmal…

    Sebastian: Der einer der Gründer von Pegida war.

    Petry: Bitte?

    Sebastian: Der einer der Gründer von Pegida war.

    Petry: Noch einmal, die Pegida-bewegung ist eine Bewegung in den deutschen Straßen von vielen, vielen deutschen Bürgern, die sich allein gelassen fühlen von der deutschen Politik, weil ihre Ideen, ihre Sorgen, ihre Probleme von keiner Partei aufgegriffen werden. Und das sollte etwas sein, über das wir reden. Warum müssen deutsche Menschen auf die Straße demonstrieren gehen, warum werden sie nicht berücksichtigt…

    Sebastian: Sie müssen es nicht, nicht wahr? Sie haben es sich ausgesucht.

    Petry: Ja, sie haben es sich ausgesucht, weil viele deutsche Parteien offensichtlich nicht ernst nehmen, was die deutschen Bürger denken. Und das war der Grund, warum wir dann gesagt haben: Ja, wir denken, dass es richtig ist, wenn ihr euer demokratisches Recht ergreift und gegen Regeln zu protestieren, die ihr nicht versteht, ist eine demokratische Art zu handeln und selbst wenn wir nicht mit allem einverstanden sind, was die Menschen in den Straße denken, so sollten wir sie doch ernst nehmen und…

    Sebastian: Ok…

    Petry: Und ich denke immer noch, das ist es, was demokratische Parteien tun sollten.

    Sebastian: Sie haben über die Presse geredet, die Hybris der staatlichen Medien mit ihren möglicherweise korrupten Verbindungen. Sie halten nicht viel von den Medien, nicht wahr?

    Petry: Nun, wir sehen in Deutschland, wir haben es schon vor langer Zeit gesehen, dass wir in vielen Fällen keine neutrale Berichterstattung haben, dass Kommentare und Berichte zusammengemixt werden in einer Weise, die…

    Sebastian: Haben Sie Beweise für diese korrupten Verbindungen?

    Petry: Es wird schwer für die Leser und Zuschauer zu sehen, wo der neutrale Bericht anfängt und wo die persönliche Sicht des Kommentators. Und das sollte nicht passieren, vor allem nicht in öffentlichen Medien, die durch Steuern bezahlt werden.

    Sebastian: Haben Sie Beweise für diese korrupten Verbindungen?

    Petry: Es würde mich interessieren, welches Zitat Sie mir da gerade präsentieren. Ich kann mich nicht daran erinnern irgendetwas wie „korrupt“ gesagt zu haben, ich sagte, ich habe gesagt…

    Sebastian: Sie sagten „möglicherweise korrupte Verbindungen“.

    Petry: Ich habe so oft gesagt, dass wir keine neutralen Medien haben und ja, ich denke, das ist wahr.

    Sebastian: Sie denken, dass die Medien unehrlich sind?

    Petry: Ich denke, dass wir sehr oft nicht neutral betrachtet werden, ja.

    Sebastian: Ok. Lassen Sie uns über den Islam reden, Haltungen gegenüber dem Islam. Der Islam, so sagen Sie, übermittelt eine Sicht vom Staat, die derjenigen, wie wir sie in Europa kennen, völlig fremd ist. Warum beschäftigt Sie das so?

    Petry: Sollten wir uns nicht sorgen um Sichtweisen, die nicht mit unserer demokratischen und liberalen Ordnung des Staates übereinstimmen?

    Sebastian: Welche Sichtweisen im besonderen?

    Petry: Nun, Sie wissen genau so gut wie ich, dass die Idee vom Staat von vielen – ich will mal nicht sagen des Islams als Ganzem, denn es gibt viele verschiedene Wege um den Islam zu leben – dass sie nicht übereinstimmen mit sagen wir mal dem deutschen Grundgesetz und anderen demokratischen Staaten. Sehen Sie sich die Sharia an.

    Sebastian: Also wollen Sie sagen, dass sie keine Wahlen haben, keine Parlamente, keine Staatsoberhäupter?

    Petry: Man erhält seine kulturelle Erziehung und man muss darüber nachdenken, wie diese kulturelle Erziehung, auch im Hinblick auf Religion, mit den demokratischen Gesellschaften im Zentrum Europas vereinbar ist. Und wir sehen sehr wohl, dass es da Unterschiede gibt. Nehmen wir zum Beispiel die Haltung des Islam gegenüber dem Christentum und dem Judentum. Sehr schwierig, nicht wahr?

    Sebastian (macht eine lange Pause): Sie beantworten die Fragen, ich stelle sie. Ich denke nicht, dass die Menschen meine Meinung hören wollen. Ich möchte mit Ihnen über ein Zitat reden, das von Alexander Gauland stammt. Er sagte in einem Fernseh-interview im Juni des letzten Jahres: „Ich möchte dazu imstande sein zu sagen, dass der Islam keinen Platz in Deutschland hat.“ Ist das auch ihre Sichtweise? Dass der Islam keinen Platz in Deutschland hat?

    Petry: Ich glaube, unsere Freunde in Baden-Württemberg haben dies in prägnanter Weise in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Sie sagten: „Der Islam ist kein Teil von Deutschland, aber vollkommen integrierte muslimische Bürger sind ein Teil von Deutschland.“

    Sebastian: Es bleibt der Eindruck, dass der Islam überhaupt keinen Platz darin hat.

    Petry: Ich habe Ihnen gerade nur ein gutes Zitat geliefert.

    Sebastian: Also widersprechen Sie dem, was ich gerade gesagt habe.

    Petry: Nein, ich… ich habe gerade nur das Bild vervollständigt. Sie haben nur einen Satz zitiert und ich habe vervollständigt mit einem Zitat aus unserem Wahlprogramm in Baden-Württemberg. Ich denke, dass… was wir meinen ist eigentlich, dass der Islam allein für sich genommen mit seiner Haltung gegenüber demokratischen Gesellschaften problematisch ist, aber wenn wir über vollkommen integrierte Muslime reden und viele von ihnen leben hier in Deutschland, diese haben sich sehr oft distanziert vom fundamentalistischen Islam. Natürlich gehören sie zu Deutschland.

    Sebastian: Aber wissen Sie, ich habe…

    Petry: Interessanterweise, wenn ich das hinzufügen darf, interessanterweise in Freiburg, wir haben es gerade herausgefunden, Sie können es überall im Internet nachlesen, besonders Menschen mit Migrations-hintergrund haben für die AFD gestimmt und ich habe einige Menschen getroffen, die einen islamischen Hintergrund haben, zum Beispiel aus dem Libanon oder – lassen Sie mich bitte diesen Satz beenden – und sie sagen: Ja, wir sind hier nach Deutschland gekommen, um in einer freien und demokratischen Gesellschaft zu leben und was jetzt passiert mit dieser Art von Migration, das kann dieses Deutschland zerstören. Und wir möchten nicht wieder fliehen müssen.

    Sebastian: Ist ihre Kultur so verletzlich und so empfindlich, dass sie zerstört wird von Menschen mit einer anderen Religion oder die sich anders anziehen oder die anders beten? Denn einige ihrer – ich meine, Sie haben ja bis dato noch kein vollständiges Manifest, so weit ich das verstanden habe, wird dieses ja erst bei ihrer Parteiversammlung im April festgesetzt – aber wir wissen auch, dass Sie keine Minarette in Deutschland wollen, sie wollen nicht, dass Menschen ihr Gesicht verhüllen oder eine Burka anhaben. Warum fühlen Sie sich davon bedroht?

    Petry: Ich denke nicht, dass es sich hierbei um ein Gefühl der Bedrohung handelt, aber wir… Ich denke, in unserem Land und auch in Europa obliegt es unserer Verantwortung zu entscheiden, welche Art von Migration wir in Deutschland akzeptieren wollen.

    Sebastian: Aber warum diese Obsession, Grenzen ziehen zu müssen zwischen dem, was unseres ist und dem, was uns fremd ist? Heutzutage sind alle Länder Schmelztiegel, nicht wahr?

    Petry: Länder sind immer schon Schmelztiegel gewesen, aber ein Schmelztiegel zu sein…

    Sebastian: Warum müssen Sie sagen: Das ist unseres, das ist ihres? Warum müssen Sie Trennungen schaffen?

    Petry: Nein, es ist… die Trennung ist bereits da, wenn wir über Kinder in der Schule reden müssen, die nicht zusammen ihren Schwimmunterricht ausüben können, wenn wir jetzt über getrennte Badezeiten in öffentlichen Schwimmbädern reden müssen, dann sind nicht wir es, die eine Trennung schaffen, die Trennung ist bereits vorhanden, denn es gibt unterschiedliche kulturelle Hintergründe. Ein Schmelztiegel zu sein ist in Ordnung und Deutschland ist während langer Zeit ein Schmelztiegel gewesen, aber es ist eine Frage der Zeit und der Zahlen, nicht wahr, und wenn ich in ein neues Land reisen möchte, wenn ich ein Einwanderer bin, dann denke ich, dass es ziemlich offensichtlich ist, dass sie sich bis zu einem bestimmten Grad an das neue Land anpassen müssen, wenn ich ein Teil davon sein möchte. Es ist immer so gewesen.

    Sebastian: Aber „die Gesundheit unserer Nation ist in Gefahr, weil Millionen Menschen aus unterschiedlichen Ländern zu uns strömen“. Das war Björn Höcke, ihr Parteimitglied in Thüringen. Ist das wirklich der Fall, sind sie wirklich so gefährdet, sind sie wirklich so zerbrechlich, sind sie so bedroht?

    Petry: Sehen Sie, das sind nicht die Worte, die ich verwenden würde, aber ich denke, wenn wir, wenn wir denken, dass es als liberales Land, als demokratisches Land heißt, ohne Grenzen zu leben, dann…

    Sebastian: Wir können gerne weiter über Grenzen reden.

    Petry: Zu entscheiden, wer einwandert und wer nicht, wer ein Teil des Landes zu sein hat, ist am Ende eine Frage von Grenzen, ob man sie nun sehen kann oder nicht. Wenn ich nach Frankreich fahre, sehe ich die Grenze nicht, aber ich weiß, dass sie existiert und ich akzeptiere sie, sei es im Hinblick auf Geschwindigkeitsbegrenzungen oder im Hinblick auf Gesetze.

    Sebastian: Wir sprechen hier aber nicht über Geschwindigkeitsbegrenzungen, sondern darüber, dass eine Kultur die andere unterdrückt, um sich selbst zu stärken, nicht wahr?

    Petry: Nein, das tun wir nicht, außer sie wollen mir erzählen, dass wir jemanden unterdrücken.

    Sebastian: Sie wollen keine Minarette und sie wollen nicht, dass Menschen die Burka tragen.

    Petry: Ah, das ist interessant, wenn wir Gesetze in Deutschland haben und wollen, dass diese deutschen Gesetze eingehalten werden, dann unterdrücken wir jemanden, wollen Sie das damit sagen?

    Sebastian: Nicht die Möglichkeit zu haben, ein Minarett zu haben, sich nicht anziehen zu können wie man will, ist das denn keine Unterdrückung?

    Petry: Also denken Sie…

    Sebastian: Finden Sie das normal?

    Petry: Sie denken also, dass Burkas überall in der Öffentlichkeit in Deutschland getragen werden sollten?

    Sebastian: Warum sollten sie es nicht, sagen Sie es mir.

    Petry: Warum sollten sie denn?

    Sebastian: Warum sollten sie es nicht?

    Petry: Ich denke, dass sie das nicht müssen.

    Sebastian: Nicht müssen, aber Sie untersagen es doch.

    Petry: Wir denken nicht, dass in der deutschen Öffentlichkeit, in Schulen, wir hatten diese Diskussion bereits in Deutschland, dass diese religiösen Kleidungsstücke nicht getragen werden sollten, ja.

    Sebastian: Sie sagen sogar, dass die männliche Beschneidung geächtet werden soll, das ist einer ihrer Punkte in ihrem Entwurf, nicht wahr? Es ist einer der Punkte in ihrem Entwurf. Warum ist eine politische Partei am männlichen Penis interessiert? Warum?

    Petry (hat mehrmals „Nein“ gesagt): Es wird nicht in den Entwurf kommen.

    Sebastian: Tut es nicht?

    Petry: Nein, tut es nicht.

    Sebastian: Aber es steht in dem Entwurf. Sie wollen damit sagen, dass es nicht im finalen Manifest stehen wird, ist das richtig?

    Petry: Sehen Sie, das ist das Problem, wenn individuelle Entwürfe in der Öffentlichkeit zitiert werden, so wie Sie es gerade getan haben. Sie werden in den letzten Tagen vielleicht gelesen haben, dass wir in klarer Weise dargelegt haben, dass dies nicht unser offizieller Entwurf ist. Es mag sie also überraschen, dass dies nicht im Entwurf stehen wird.

    Sebastian: Ok. Und wie steht es um einen anderen Teil des Entwurfs, in dem es heißt: „Therapie-resistente Alkoholiker und Drogenabhängige sollen nicht in Nervenheilanstalten, sondern hinter Schloss und Riegel festgehalten werden.“ Wird das in ihrem finalen Entwurf stehen?
    (Sie protestiert)
    Sebastian: Den Kranken und Leidenden wird gesagt: Geht ins Gefängnis und reißt euch zusammen. Ist das richtig?

    Petry: Vielleicht kommen sie mal zu unserer Parteiversammlung und finden es heraus. Sehen Sie, das ist das Problem mit…

    Sebastian: Aber dies sind ihre Ideen, nicht wahr, das sind die Ideen, die in ihrer Partei zirkulieren. Sie wollen die Kranken zu Verbrechern machen.

    Petry: Wollen wir über Europa sprechen, wollen wir über Europa sprechen, sie picken schon wieder Dinge heraus, es ist immer wieder die selbe Geschichte in fast jedem Interview, sie picken sich Bruchstücke heraus, die nicht einmal bestätigt wurden und versuchen sich daraus ein Bild zu machen.

    Sebastian: Sie fühlen sich unrecht behandelt dadurch, nicht wahr, Frauke Petry?

    Petry: Nein, ich bin daran gewohnt, aber ich meine, es wird nicht helfen ein neutrales und repräsentatives Bild von unserer Partei für die Öffentlichkeit zu zeichnen. Also, wenn das ihr Ziel ist, schön, gut gemacht.

    Sebastian: Sie haben einen sehr guten Eindruck gegeben, was ihre Partei ist.

    Petry: O nein.

    Sebastian: Vielen Dank, dass Sie bei „Conflict Zone“ waren, vielen Dank Ihnen, Frauke Petry.

  5. Jetzt hätte ich gerne, zum Vergleich die anderen spitzen Politiker der jeweiligen Parteien, in einem englisch geführten Interview gehört mit einem Moderator der ähnlich wie Tim Sebastian auf contra geht.

  6. Ich habe dieses Interwiew in Gänze gelesen, vielen Dank dafür.
    Ich muß sagen, früher war Friedmann für mich der unfairste Interviewer, den ich kannte, er wird aber jetzt durch diesen Sebastian in einer Art und Weise getoppt, die kaum noch zu überbieten ist.
    Es geht ihm offensichtlich nicht um Inhalte, sondern um sein Gegenüber irgendwie verbal fertigzumachen, völlig egal ist dabei, wer ihm gegenüber sitzt, der Mann ist für mich persönlich uninteressant.

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