„Dämonenhaft schön“ – Frauke-Petry-Interview sorgt für Unmut in der Bunte-Redaktion

Streitfall: Bunte-Interview mit AfD-Politikern Frauke Petry und Marcus Pretzell
Streitfall: Bunte-Interview mit AfD-Politikern Frauke Petry und Marcus Pretzell

Burdas Bunte veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe ein Interview mit den beiden AfD-Politikern Frauke Petry und Marcus Pretzell. „Wie gefährlich ist dieses Paar?“ fragt die Titelzeile und zeigt ein extra produziertes Foto des „umstrittenen Power Paares“ (Bunte). Innerhalb der Redaktion soll es Unmut gegeben haben, dass den rechtspopulistischen Politikern eine solche Bühne bereitet wird.

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Die beiden führenden AfD-Politiker, die privat ein Paar sind, äußern sich in dem Bunte-Interview ausführlich über ihre Partei, Politik und ihr Privatleben. Sie habe nie gesagt, dass man auf Flüchtlinge an der Grenze schießen lassen soll, gibt Frauke Petry den beiden Bunte-Mitarbeitern Katrin Sachse und Manfred Otzelberger zu Protokoll. Sie habe lediglich davon gesprochen, dass man „von der Schusswaffe Gebrauch machen“ könne. Dies könne auch ein Warnschuss sein. Die Äußerungen ihrer Parteifreundin Beatrix von Storch zum Thema bezeichnet Petry in Bunte dagegen als „katastrophal“.

Petry wirke neben Pretzell „mädchenhaft und zart“, notiert Bunte, Pretzell bemühe seinen Charme. Der NRW-Chef der AfD attestiert seiner Lebensgefährtin „etwas dämonenhaft Schönes“. Frauke Petry spricht über die Trennung von ihrem Ehemann und Vorurteilen, denen sie wegen ihrer Herkunft aus Ostdeutschland im Ruhrgebiet begegnet sei. Es geht um gemeinsame Urlaube und den Auftritt auf dem Bundespresseball. Ein Kasten informiert in Schlagworten über programmatische Ziele der AfD (u.a. „EU auflösen“, „Frauenquote abschaffen“). Das „Promi-Paar in der Politik“ (Bunte) bekommt drei Seiten eingeräumt, inklusive eines eigens produzierten Aufmacher-Fotos, auf dem Petry und Pretzell lachend auf dem Boden sitzen.

In der Bunte-Redaktion soll es deutliche Kritik im Vorfeld der Veröffentlichung des Interviews gegeben haben, das bereits vor den zurückliegenden Landtagswahlen geführt wurde. Zahlreiche – auch leitende – Redaktionsmitglieder hätten sich gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen, heißt es. Es gab die Besorgnis, den Spitzenpolitikern der rechtspopulistischen AfD eine derartige Bühne zu bieten.

Einem in der Redaktion soll die Veröffentlichung besonders gegen den Strich gegangen sein. Bei Bunte arbeitete bereits seit Mitte September vergangenes Jahr Timur Vermes drei Tage pro Woche als freiberuflicher Textchef. Vermes ist der Autor der kürzlich verfilmten Bestseller-Hitler-Satire „Er ist wieder da“. Buch und Film setzen sich satirisch-kritisch mit immer noch vorhandenen rechtsextremen Tendenzen in Deutschland auseinander. Das ausgerechnet der Autor von „Er ist wieder da“ in einer Redaktion arbeitet, in der rechtspopulistische Politiker interviewt werden, hat selbst schon wieder eine gewisse Ironie.

Von Burda-Seite hieß es dazu auf MEEDIA-Anfrage: „Grundsätzlich sind Meinungsverschiedenheiten und inhaltliche Diskussionen wichtiger Bestandteil einer lebendigen Redaktionskultur – öffentliche Äußerungen über interne Vorgänge gehören nicht dazu.“

Vermes soll – so wird es in der Redaktion erzählt – derart erbost über die Veröffentlichung des Petry/Pretzell-Stücks gewesen sein, dass er bei der Führungsetage beschwerte und seine Arbeit mit sofortiger Wirkung niederlegte. Allerdings wäre sein Vertrag ohnehin in Kürze ausgelaufen. Gegenüber MEEDIA wollte Vermes sich nicht zu Interna seiner Auftraggeber äußern. Er sagte nur: „Dieses Engagement (als Textchef, Anm.d.Red.) war von vorneherein auf meinen Wunsch auf ein halbes Jahr begrenzt und ist nun – sogar ziemlich pünktlich – beendet.“

(red)

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Alle Kommentare

  1. Der ewige Reflex der Linken im Kampf gegen jeden Andersdenkenden den Rechtsstaat zu bemühen und sich als dessen einzigen Verteidiger aufzuschwingen, während man dem Klassenfeind dessen Zerstörung hunterstellt, hat scheinbar historische Tradition und auch regelmäßig keinen Erfolg. Denn wie will man dem Bürger erklären, dass gerade die Linke dies gerade mit Asylmissbrauch, Verschleierung und Vertuschung , Verbotspolitik , Vertragsbrüche und Aussetzung des Grundgesetzes erreichen will.
    Frau Petry und der AfD kann man nur Verständnis und einen dicken Pelz wünschen bei all den kleingeistigen-spießigen Nervensägen die mit großen Worten lediglich ihre eigenen liebgewonnenen politischen Pfründe sichern wollen.

  2. Pfui BUNTE Redaktion!
    Anstatt diese Afd (Aus für Deutschland) tot zu schweigen, meinen Sie und viele Ihrer Medien-Kollegen sie präsentieren zu müssen.

  3. Auch wenn ich jetzt nicht so der Bunte-Leser bin: Diese Partei hat zweistellige Wahlergebnisse erzielt in den letzten drei Landtagswahlen. Sie ist ebenfalls zweistellig in der Sonntagsfrage. Sie ist vielfach dritt- , teilweise sogar zweitstärkste politische Kraft.

    Ich finde es selbstverständlich, dass dann auch die Personen hinter der Partei vorgestellt werden. Insbesondere in einem human-interest-Journal. Daran gibt es zweifelsohne ein erhebliches öffentliches Interesse. Dass das einige linke Dumpfbacken nicht wahrhaben wollen, ist zwar traurig, ändert aber nichts daran. Ich empfehle diesen Kommentatoren, sich vor den Spiegel zu stellen und sich die Frage zu stellen: Bin ich eigentlich noch Demokrat? Oder schon Hassprediger mit Abneigung gegen Andersdenkende?

    Mein Gott, beim besten Willen. Darf ja wohl nicht wahr sein, oder?

  4. Hier versucht BUNTE den Spagat, ein bebildertes Interview, das Viele sehen wollen, aber lt. Meinungsvorschrift eigentlich nicht veröffentlicht werden darf, zwar zu veröffentlichen, sich aber gleichzeitig redaktionell dagegen auszusprechen. Solche Verrenkungen sind eben heute nötig.

  5. Wie man Frauke Petry und die AfD entzaubert? Der britische Journalist Tim Sebastian macht es uns vor. Sachlich, gut vorbereitet, völlig unaufgeregt. Ein großartiges Interview, in dessen Verlauf Petry komplett versenkt wird. Warum ist das so keinem deutschen Journalisten gelungen? Weil nach so einer Entzauberung keine so gute Auflage/Quote mehr mit der AfD gemacht werden könnte.

    https://www.facebook.com/heinrich.schmitz/posts/1089003104454550

    1. Zunächst mal danke für diesen Link. Ich würde dies zunächst mal nicht als ein Interview ansehen. Es erinnert vielmehr stark an ein Verhör eines Angeklagten durch einen Staatsanwalt vor einem US-Gericht (so wie ich es mir nach „Genuss“ einschlägiger US-Serien vorstelle). Beginnend mit dem angeblichen Schießbefehl des Mannheimer Morgens-„Interviews“. Skeptischer Gesichtsausdruck bei jeder Anwort, konstantes Unterbrechen, Konfrontation mit den kritischen Zitaten ehemaliger AfD-ler (Monsterzitat Henkel etc). Ich habe mir das bis zur Hälfte (13 Minunten) angetan. Frauke Petry bat darum, nun mal endlich was zu den Inhalten der AfD gefragt zu werden – vielleicht ist das ja noch gekommen. Hätte eher an den Anfang gehört.

      Versenkt hat sich da meiner Meinung nach eher der das Interview führende Journalist. Ich finde es sehr gut, wenn man scharf fragt. Aber man sollte sich dann schon die Antworten anhören. Und, lieber Maximilian, in einem sind wir uns vielleicht sogar einig: Ich habe da an das Gespräch Anne Wills mit Angela Merkel gedacht. Was für ein Vergleich! Tim Sebastian (der allerdings eine eigene, vorgefasste Meinung zu haben scheint ?) in einem entsprechenden Interview mit Angela Merkel – das wäre doch mal ein Traum. Frau Merkel würde da komplett versenkt werden, nicht wahr? Dieser Vergleich Petry/Merkel (spricht die überhaupt Englisch) mit Sebastian/Will würde überdeutlich machen, welche Zwerge wir da an der Spitze der Regierung und an hervorgehobenen Stellen im ÖRR haben. Angelsächsischer, respektloser und tatsächlich bohrender Journalismus vs. Hofberichterstattung. Gut für England und die US. Schlecht für uns in Deutschland. Traurig!

      Neu war mir im Übrigen, dass Frau Petry Englisch spricht, als wäre es ihre Muttersprache. Mit der werden die eingeschlafenen Füße im BT noch viel Spaß haben, nehme ich mal an.

      1. Um auf Antworten einzugehen müssen Fragen auch erst mal beantwortet werden. Frau Petry hat auch hier versucht, wie so oft in der Vergangenheit, sich um klare Antworten zu drücken und sich in Allgemeinplätze zu flüchten. Diesmal hat Sebastian sie aber nicht so locker von der Angel gelassen. Und dann platzen doch ganze viele Wortblasen und die Souveränität geht flöten. Nahezu flehentlich die Bitte um Fragen nach den Inhalten der AfD. Dabei hat Frau Petry dazu mehr Antworten gegeben als Sie gemerkt hat…..
        Gutes Anschauungsmaterial für viele Journalisten, übrigens nicht nur im Umgang mit der AfD.

  6. Ein Blatt, das vom grenzenlosen Hofieren der Stars und Sternchen lebt sollte die Finger weg lassen von politischen Interviews!
    Bleibt lieber bei Horoskopen und Mode-Trends!

  7. Ich dachte immer für die Bunte und Promiflash schreiben Teeniemädchen. Inhalte, Syntax, Grammatik und Sorgfalt beim Korrekturlesen lassen keine anderen Schlüsse zu.

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