„Print steht eine gesunde Zukunft bevor“: 1843-Chefin Emma Duncan über den neuen Economist-Ableger

Emma Duncan ist die leitende Redakteurin von 1843
Emma Duncan ist die leitende Redakteurin von 1843

The Economis hat sein Kulturmagazin relauncht: Aus Intelligent Life wurde 1843. Das überarbeitete Heft ist nach dem Gründungsjahr des Wirtschaft-Magazins benannt und behandelt die neuen Themenbereiche Technik, Essen & Trinken, Kunst und Körper & Geist. Im MEEDIA-Interview spricht die verantwortliche Redakteurin, Emma Duncan, über ihr Konzept, die Zusammenarbeit von Print und Online und die Zukunft gedruckter Magazine.

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Frau Duncan, wofür steht der Name 1843?
Emma Duncan: Der offensichtlichste Grund ist natürlich, dass The Economist im Jahr 1843 gegründet wurde. Darüber hinaus hat die britische Aristokratin Ada Lovelace in diesem Jahr The Analytical Engine erfunden, den ersten Entwurf einer Rechenmaschine und den Vorläufer für unsere heutigen Computer. Unser Magazin ist demnach eine Hommage sowohl an das Magazin The Economist als auch an den Fortschritt im Allgemeinen.

Mit welcher Motivation haben Sie entschieden, The Intelligent Life als 1843 zu relaunchen?
Im Januar 2015 wurde Zanny Minton Bedos zur neuen Chefredakteurin des Economist ernannt. Als sie durch Intelligent Life blätterte, fiel ihr auf: Viele von den Themen darin interessieren sicherlich auch die The-Economist-Leser. Also kam ihr die Idee, die Publikation neu aufzulegen und mit Inhalten des Economist zu bündeln. Ich habe daraufhin die Redaktionsleitung übernommen und noch einige grundlegende redaktionelle Veränderungen vorgenommen.

Wie sehen diese Veränderungen aus? Wie wird sich 1843 konkret von Intelligent Life auf der einen und vom Economist auf der anderen Seite unterscheiden
1843 ist deutlich globaler. Intelligent Life hat sich hauptsächlich mit Themen aus Großbritannien und Westeuropa beschäftigt; in der Neuauflage kommen auch die Gebiete USA und Asien dazu. Wir richten uns an eine internationale Leserschaft. Vom Economist unterscheidet sich das Magazin vor allem durch die langen Feature-Geschichten. Diese sind in ihrer Machart deutlich entschleunigter. Während The Economist seinen Lesern möglichst effizient zeigen will, was in der Welt passiert, informiert 1843 etwas zurückgenommener, mit einem leichteren, farbenfroheren Schreibstil.

Wie sieht die Zusammensetzung aus Nachrichten und Hintergrundstücken aus?
Da 1843 nur sechsmal im Jahr erscheint, wird es bei uns keine Nachrichten geben. Unsere Inhalte sind unterteilt in sieben verschiedene Kapitel, wie beispielsweise Kultur, Style, Reisen oder Essen & Trinken. Das Herzstück des jeweiligen Heftes bildet dann eine Ansammlung mehrerer Features, den langen Lesestücken. In der ersten Ausgabe haben wir beispielsweise ein ausführliches Feature über Arbeit in unserer modernen Welt.

Wie viele Redakteure arbeiten für 1843?
Ingesamt sind wir 18 Personen, davon sind zehn in Vollzeit angestellt und acht in Teilzeit. Dazu kommen noch jede Menge Freelancer. Einige freie Autoren des Economist werden auch für uns schreiben.

Wie arbeiten davon für Print und wie viele für Online?
Auf redaktioneller Seite gibt es sechs Redakteure für den Print-Bereich und zwei für den Online-Bereich. Außerdem werden unregelmäßig auch Economist-Redakteure zum Einsatz kommen, insbesondere für Social-Media-Themen.

Wie werden Ihre Print- und Online-Aktivitäten miteinander verknüpft?
Wir arbeiten Tür and Tür und eng miteinander verzahnt. So sind beispielsweise Mitarbeiter, die am Design der Webseite arbeiten auch für das Design des gedruckten Magazins zuständig. Wir stehen alle in ständigem Austausch, das ist essentiell. Außerdem ist das Magazin nicht nur gedruckt erhältlich, sondern auch auf unserer Webseite und in unserer App. Für die Webseite produzieren wir außerdem jeden Tag frischen Content, in den Kategorien, die sich auch im Heft finden.

Das heißt, die komplette Print-Ausgabe von 1843 steht jeweils auch online zur Verfügung?
Ja, doch es ist nur für Abonnenten verfügbar.

Wie viel kostet ein Abo?
Der Preis für ein Jahres-Abo liegt bei 34 Euro

Wie wird sich 1843 finanzieren?
Wir sind Teil der The Economist Group, das heißt wir haben dadurch ein bestimmtes Budget zur Verfügung. Einkommen generieren wollen wir außerdem natürlich durch die Verkäufe am Kiosk sowie durch unser Abomodell und Anzeigenverkäufe – für das gedruckte Magazin, die Webseite und die App.

Wie viele Anzeigen konnten für die erste Ausgabe verkauft werden?
Für die erste Ausgabe von 1843 wurden 49 Seiten Anzeigen an 30 verschiedene Kunden verkauft

Werden Sie online auch auf Native Advertising setzen?
Nein, wir werden eine klare Trennlinie zwischen Redaktion und Werbung ziehen.

Wie schätzen Sie die Zukunft von Print im Allgemeinen ein?
Ich bin sehr optimistisch und glaube, dass Print eine gesunde Zukunft bevorsteht. Wenn man sich mal die Demografie der Economist-Leser beispielsweise anschaut, fällt auf, dass viele Leser der Print-Ausgabe tatsächlich relativ jung sind. Sie wertschätzen ein gedrucktes Magazin genauso wie es die Älteren tun. Von daher wäre ich sehr überrascht, wenn wir Print in 20 Jahren beerdigt hätten.

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Alle Kommentare

  1. Duncan: „Von daher wäre ich sehr überrascht, wenn wir Print in 20 Jahren beerdigt hätten.“

    Na ja, unverhofft kommt bekanntlich oft.

    Trotzdem wünsche ich mir aber, das Frau Duncan in diesem Punkt nicht „überrascht“ werden möge, denn ein gedrucktes Buch oder auch eine gedruckte Zeitung/Zeitschrift ist durch nichts zu ersetzen.

    Das Hauptproblem scheint mir persönlich aber nicht mal das ach so böse Internet an sich zu sein, sondern die vielen Gratis-Angebote, die es dort zuhauf gibt – und damit meine ich jetzt mal ausschließlich die legalen.

    Warum soll ich mir eine Zeitung kaufen, wenn ich doch alle Inhalte auch gratis im Internet bekomme?

    Weil es ein schöneres Gefühl ist, eine Zeitung oder Illustrierte in der Hand zu haben?

    Na ja, eine Uhr von Lange und Söhne ist ohne Zweifel auch schöner, als eine Quartzuhr für 10 Euro aus der Glasvitrine im Zeitungsladen. – Trotzdem erfüllen beide zuverlässig ihren Zweck.

    Was darüber hinausgeht ist Luxus.

    Und mal ganz ehrlich:

    Die ständig steigenden Abo- und auch die Einzelverkaufspreise selbst für eine normale Tageszeitung, sind nun nicht gerade dazu geeignet diesem Trend etwas entgegenzusetzen.

    Der Mehrwert einer gedruckten Zeitung gegenüber Gratis-Angeboten im Web ist zwar da – aber für immer mehr hält nicht groß genug, als das er solche Preise rechtfertigen würde.

    Und wenn dann noch hinzukommt, das man sich für das viele Geld in eben diesen Printmedien noch nicht mal mehr wieder findet, dann ist das Ende der Fahnenstange irgendwann auch erreicht.

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