Klatschportal Gawker muss 115 Millionen Dollar Schadensersatz für Hulk Hogan-Sex-Video bezahlen

Langes Gesicht: Gawker-Chef Nick Denton
Langes Gesicht: Gawker-Chef Nick Denton

Mehr als eine Million pro Sekunde: So viel kostet das Klatschportal Gawker die Veröffentlichung eines 1:47 Minuten langen Sex-Videos des Wrestlers Hulk Hogan, hat nun eine Jury in Florida entschieden. Hulk Hogan wurden Schadensersatzahlungen in Höhe von 115 Millionen Dollar zugesprochen. Das 2002 von Nick Denton gegründete Klatschportal Gawker kündigte an, in Berufung zu gehen. Ist das Urteil rechtskräftig, könnte es für Gawker um die Existenz gehen.

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Die Häme ist Nick Denton gewiss. Seit Gründung des Klatschportals Gawker gefällt sich der streitbare 49-jährige Brite in der Rolle des Coming out-Machers.

Unvergessen ist etwa die Enthüllungsgeschichte über Tim Cooks Homosexualität vom Januar 2011, als Cook während Steve Jobs’ letzter Auszeit interimsmäßig zum zweiten Mal die Amtsgeschäfte bei Apple übernahm – und Gawker sich die Vorlage nicht nehmen ließ, zu titeln: „Tim Cook, der mächtigste Schwule im Silicon Valley“. 4,5 Jahre vor Cooks eigenem Coming out war das.

Sex-Video führt zurück ins Jahr 2006

Millionen von Werbegeldern verdient das profitabel arbeitende Klatschportal damit, im Leben von Prominenten nach Dreck zu suchen. 2012 war Denton vermeintlich wieder einmal ein spektakulärer Fund gelungen.

Gawker war in Besitz eines heimlich gefilmten Sex-Videos von Hulk Hogan aus dem Jahr 2006 gelangt, das die Wrestling-Legende beim außerehelichen Akt mit der Ehefrau seines besten Freundes zeigte – genau die Zutaten also, die Gawker zum perfekten Skandal hochjazzt.

„Schaut Euch Hulk Hogan beim Sex im Himmelbett an“

Das passierte dann im Oktober 2012, als Gawker mit einem 1:47 Minuten langen Auszug aus dem Sex-Tape aufmachte: „Hulk Hogan beim Sex im Himmelbett auch nur für eine Minute zuzusehen, ist nicht fürs Büro geeignet, schaut es Euch aber trotzdem an“, geiferte Gawker nach Aufmerksamkeit und ließ das Video auch nach richterlicher Anordnung weiter monatelang online.

Es sollte sich als der kostspieligste Post in der 14-jährigen Unternehmensgeschichte herausstellen: Hogan klagte auf 100 Millionen Schadensersatz, und die Jury in Florida sprach der inzwischen 62-jährigen Wrestling-Legende nach dreijähriger Verhandlung nun sogar 115 Millionen Dollar zu – 55 Millionen für den finanziellen und 60 Millionen Dollar für den entstandenen seelischen Schaden.

„Von der als Journalismus verkleideten Invasion in die Privatsphäre angeekelt“

Ein in Tränen aufgelöster Hogan feierte das Urteil unterdessen  als Sieg der Privatsphäre. „Die Öffentlichkeit ist von der als Journalismus verkleideten Invasion in die Privatsphäre angeekelt“, erklärte der frühere Wrestlingstar. Gawker hatte argumentiert, das Sex-Video verdiene seine Veröffentlichung als „kulturelles Phänomen“; entsprechend kündigten die Anwälte des Klatschportals an, in Berufung gehen zu wollen.

Wie hart das vorläufige Urteil Gawker bis dahin trifft, ist umstritten.  „Wir haben keine 100 Millionen auf der Bank“, hatet Denton im vergangenen Sommer erklärt und in Erwartung des Urteils bereits einen Minderheitsanteil am Unternehmen verkauft. Schadensansprüche in Höhe von 50 Millionen Dollar könnten schon bald als Rücklage fällig werden.

Gawker soll 2014 bei einem Umsatz von 45 Millionen Dollar ein Plus von 6,7 Millionen erzielt haben und inzwischen mit etwa 250 Millionen Dollar bewertet werden. Nach Angaben Dentons bringt es das Klatschportal-Konglomerat, zu dem auch die Angebote von Gizmodo und Jezebel gehören, auf 500 Millionen Seitenabrufe und 130 Millionen Besucher im Monat.

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