Angriff auf frei! und Grazia: der ironische Konter von G+J und Klambt auf Bauers Kampfblatt Olivia

Klambt-Verleger Lars Rose hat Grazia 2010 gestartet. Inzwischen erscheint das Frauenmagazin im Joint-Venture mit G+J
Klambt-Verleger Lars Rose hat Grazia 2010 gestartet. Inzwischen erscheint das Frauenmagazin im Joint-Venture mit G+J

Publishing Unruhe im People-Segment: Bauer drückt den Lifestyle-Titel Olivia mit einem Kampfpreis von 0,99 Euro in den Markt und greift damit Grazia an, einen von der Mediengruppe Klambt und G + J verlegten Titel. Obwohl die Bauer-Reaktion eher als Retourkutsche auf die Expansion von Gruner + Jahrs neuem Weekly frei! gedacht sein dürfte, kommt kollateral jetzt auch Klambt-Verleger Lars Rose zu Schaden.

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Von Gregory Lipinski

Jetzt melden sich das Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr und die Mediengruppe Klambt hierzu zu Wort und dies in ironischem Tonfall. Zitat „Dass beim Umschlagdruck versehentlich der Name Grazia durch Olivia vertauscht wurde, ist zwar bedauerlich, aber sicher der Kürze der Zeit geschuldet. Es schmälert jedoch in keiner Weise das kreative und unternehmerisch vorbildliche Vorgehen des Hauses Bauer in dieser Angelegenheit. Und da sage noch einer, nur in Asien könne man schnell Luxusprodukte nachproduzieren“, betonen Gruner + Jahr und Klambt in einem gemeinsamen Statement. Fraglich ist, ob sich die Verlage hiermit einen Gefallen tun und damit lediglich provozieren, dass Bauer mit ihrem neuen Produkt den Konkurrenztitel Grazia unter massiven Auflagedruck setzt und damit weiter schadet. Unklar ist auch, ob Gruner + Jahr den Preis von Grazia von derzeit 1 Euro unter das Preisniveau von Olivia absenkt. Eine G+J-Sprecherin wollte sich hierzu nicht äußern.

Hinter dem Frontalangriff von Bauer gegen Grazia wittern Branchenexperten hingegen andere Beweggründe: Die Bauer Media Group will möglicherweise mit dem Magazin-Vorstoß erreichen, dass die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr das Women’s Weekly frei! vom Markt nimmt. Bislang hatte der Verlag in diesem Segment keine Aktien. Es liegt bislang fest in der Hand von Bauer. Offenbar will sich G+J-Produktvorstand Stephan Schäfer mit diesen tradierten Marktverhältnissen nicht mehr abfinden. Er erhofft sich durch den Einstieg in das Niedrigpreis-Segment zusätzliche Vertriebserlöse, die das rückläufige Anzeigengeschäft abfedern sollen. Ob das gut, wird in Branchenkreisen derzeit heiß diskutiert. Denn die Strategie bringt mehr Unruhe und dürfte den Verleger Lars Rose als Joint-Venture-Partner von Gruner + Jahr nicht wirklich freuen.

Dass sich Verlage mit Dumpingpreisen unliebsame Konkurrenz abschütteln wollen, ist nicht neu. 1998 beispielsweise hatte der damalige G+J-Zeitschriftenvorstand Rolf Wickmann den Verkaufspreis des 14täglichen Programmblatts TV Today zeitweise von 2,50 auf eine Mark gedrückt und musste damit für die Bertelsmann-Tochter Verluste in Millionenhöhe in Kauf nehmen. Sein Ziel: Er wollte sich mit dem Dumpingpreis gegen den Konkurrenztitel TV direkt wehren, den der Gong-Verlag mit 1,4 Millionen Exemplaren in den hart umkämpften Markt drückte.

Durch den Bauer-Angriff könnten sich für Grazia die Auflagenprobleme jetzt verschärfen. Das Magazin läuft derzeit so schwach wie nie: 137.874 Exemplare verkaufte das Magazin im vierten Quartal pro Ausgabe – Tiefstwert. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entsprach das einem Minus von von über 10%. Besonders bitter: Im Einzelverkauf ging es sogar um satte 16,5% herab: auf nur noch 46.379 Exemplare. Abonnenten hat Grazia 26.628, der Rest der verkauften Auflage geht auf das Konto von Lesezirkeln (fast 40.000), Bordexemplaren (mehr als 20.000) und sonstigen Verkäufen (rund 5.000).

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Alle Kommentare

  1. Schwache Leistung von MEEDIA dort, wo unangenehme Kommentare kommen könnten, die Kommentarfunktion stillzulegen. Frau Petry versus ZDF und Journalistenverband wäre spannender als dieses Thema hier. Zumindest hat aber der Bauerverlag begriffen, dass der Kunde/Leser umworben werden soll, während ZDF und Journalistenverband wohl ihre eigene Wichtigkeit als hauptsächliches Geschäftsziel ansehen. Dann zu behaupten, sie wären Stellvertreter ihrer Leser ist einfach unverfroren, ich z.B. kann auf dieses Morgenmagazin samt seinen Selbstdarstellern gerne verzichten.

  2. Aber schön, dass sie trotzdem einen Weg gefunden haben von ihrem Grundrecht auf Internetkommentare gebrauch zu machen 😉

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