Warum Juliane Leopold wirklich bei BuzzFeed hinschmiss (Vorsicht, fieses Clickbaiting!)

Katja Kipping, Frauke Petry, Juliane Leopold (v.l.). Im Hintergrund: Wut-Tweet von J.Reichelt, Wut-Cover vom Focus
Katja Kipping, Frauke Petry, Juliane Leopold (v.l.). Im Hintergrund: Wut-Tweet von J.Reichelt, Wut-Cover vom Focus

Der Presserat hat viel zu tun in jüngerer Zeit und entscheidet in wirklich wichtigen Fragen oft pro Pressefreiheit. So auch in dieser Woche. Die Huffington Post spielt auf Facebook mit Flüchtlingshetze, die Bild reaktiviert einen Haudegen der TV-Kritik und Juliane Leopold erzählt, warum sie bei BuzzFeed aufgehört hat. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Der Presserat, der die Presse für Verfehlungen und Verletzungen des Pressekodex rügen soll, gerät in jüngerer Zeit immer öfter in die Rolle eines Verteidigers der Pressefreiheit. Egal ob es um die Nennung des Namens des Germanwings-Co-Piloten Andreas Lubitz ging, der ein Passagierflugzeug absichtlich zerschellen ließ, um das Zeigen des toten Flüchtlingskindes am Strand oder des Bildes aus der Konzerthalle Bataclan in Paris nach dem Terroranschlag oder ob es um die aktuellen Beschwerden in Zusammenhang mit der Berichterstattung nach der Silvesternacht in Köln geht – in all diesen Fällen hat der Presserat die Berichterstattung beziehungsweise das Zeigen von Bildern abgesegnet und zahlreiche Beschwerden zurückgewiesen. Ein Titelbild wie jenes des Focus, das nach Köln eine weiße Frau zeigt, die dunkle Handabdrücke auf dem Körper hat, kann man geschmacklos und/oder daneben finden. Aber muss man immer gleich zum Presserat rennen und sich beschweren? Ich finde es jedenfalls gut, dass der Presserat, der von manchen als Papiertiger oder überholte Einrichtung empfunden wird, in diesen Fragen für die Medien entschieden hat und gegen die Beschwerdeführer.

Häufiges Ziel von Beschwerden beim Presserat sind Bild und Bild.de. Der dortige Digital-Chef Julian Reichelt regt sich freilich seinerseits auch schon mal über andere Medien auf, nutzt dann aber meist Twitter als Ventil:

Keine Frage, diese Form von Clickbaiting, bei dem mit Ressentiments gegenüber Flüchtlingen geradezu fahrlässig gespielt wird, um ein paar billige Klicks für die nächste Statistik einzusammeln, ist schäbig. Um das Mindeste zu sagen. Sebastian Matthes, Chefredakteur der Huffington Post Deutschland, hat sich auf Twitter für dieses Facebook-Posting entschuldigt:

Allerdings war das Posting kein Einzelfall, wie Übermedien.de und der Bild.de Social-Media-Mann Cristian Mutter in seltener Eintracht festhielten:

Darauf reagierte der HuffPost-Chef dann freilich nicht mehr. Stattdessen war heute schon wieder ein eher befremdliches Clickbaiting-Posting der deutschen HuffPost bei Facebook online.

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In dem Text geht es darum, dass Kindern anhand eines Liedtextes beigebracht wird, mit Meinungsverschiedenheiten respektvoll umzugehen. Und nicht etwa, wie der Facebook-Post andeutet, dass Kindern in der Schule beigebracht wird, dass Arroganz typisch deutsch ist. Wie hat der HuffPost-Deutschland-Chefredakteur das eigentlich gemeint, als er „Wir lernen daraus“ twitterte? Von Arianna Huffington ist dazu übrigens auch keine Reaktion bekannt. Wäre interessant, was die Namensgeberin zu solchen Methoden sagt.

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Besondere Zeiten erfordern besondere Methoden. Offenbar auch in der TV-Kritik. Maybrit Illner sendete diesen Donnerstag im Zett de Eff ein Flüchtlings-Special mit besonderem Augenmerk auf die drei Landtagswahlen an diesem Sonntag. Dabei haben sich besonders die beiden Politikerinnen Frauke Petry von der AfD und Katja Kipping von der Linken in Wortgefechten angekeift, oder wie es Bild.de formulierte: ein „Wort-Gemetzel“ geliefert. Überhaupt liest sich der Text unter der MEEDIA-mäßigen Überschrift „Kipping vs. Petry: Der Mega-Zoff der Flügelfrauen“ wie eine Kampfsport-Reportage von „American Gladiators“. Bei Claudia Roth (Grüne) gibt es „Moralkeulenalarm“, Katja Kipping bedient das „Moral-MG“, Petry ist die „Zoff-Sirene“, das „Zoff-O-Meter“ klingelt und sachlich bleibt es nur, wenn die Talk-Profis „am Ball“ sind. Am Ende kommt „Talk-Dompteuse Illner fast unfallfrei durch die 90 Minuten“. Fast, weil sie am Schluss aus Versehen Patrick statt Christian Lindner gesagt hat. Dieser Talkshow-Spielbericht war zwar ungewohnt zu lesen aber auch recht unterhaltsam. Wer hat’s geschrieben? Josef Nyary war’s, TV-Kritiker-Urgestein der Bild-Zeitung. Die Älteren werden sich erinnern. Seine Tochter Miriam Nyary schreibt übrigens auch für Bild. Manchmal müssen aber eben doch noch die Alten ran.

Die Jüngeren lauschen vielleicht derweil dem Podcast „How’s it going“, in dem die jetzt Ex-BuzzFeed-Deutschland-Gründungschefredakteurin (soviel Platz muss sein) Juliane Leopold exklusiv verraten hat, warum sie „den besten Job, den die deutsche Medienbranche anzubieten hat“ (J.Leopold) aufgab. Auf die Frage also, warum es für sie mit BuzzFeed am Ende nicht geklappt hat (Minute 28.15), sagte sie in dem Podcast:

„Ich würde nicht sagen, dass es nicht geklappt hat. Ich habe am Ende des Jahres innegehalten und mir überlegt: Wo geht das Projekt gerade hin, wo willst du gerade hin? Kannst du gerade das lernen, was Du willst? Und vor allem, wie übereinander liegen diese Blaupausen, also der Juliane-Plan und der BuzzFeed-Deutschland-Plan? Da wollte ich ehrlich zu mir und meinem Team sein und sagen, da gibt es unterschiedliche Vorstellungen auf diesen Blaupausen.“

Ach so war das! Sie sagt dann noch einiges mehr. Dass sie ein bisschen so sei wie ein Profi-Fußballer beispielsweise, und dass sie den Vertrag erfüllen will und dass es ja ihr Auftrag gewesen sei, das Team aufzubauen und ein Büro zu finden. Und das sei dann ja auch erreicht worden, und so weiter. Wissen wir jetzt also, warum sie den Job als BuzzFeed-Chefin nicht mehr hat? Nicht wirklich, wir ahnen es höchstens. Ein neuer Deutschland-Chef oder eine -Chefin für die allseits beliebte Viralschleuder aka „der beste Job, den die deutsche Medienbranche anzubieten hat“ ist übrigens noch nicht in Sicht.

Sonniges Wochenende.

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