Hass-Kommentar in Buchform: das Bild-Machwerk des Ex-Bild-Chefs Peter Bartels im Kopp-Verlag

Peter Bartels (Screenshot: Facebook) hat bei Kopp ein Buch über die Bild geschrieben aber vor allem eines über sich und seinen Kai-Diekmann-Tick
Peter Bartels (Screenshot: Facebook) hat bei Kopp ein Buch über die Bild geschrieben aber vor allem eines über sich und seinen Kai-Diekmann-Tick

Der frühere Bild-Chefredakteur Peter Bartels hat sich zu den Ex-Journalisten gesellt, die bei Kopp eine neue publizistische Heimat gefunden haben. Sein Buch ist eine Abrechnung mit der Bild-Zeitung im Allgemeinen und Bild-Chef Kai Diekmann im Speziellen. Ein 252 Seiten langer Hass-Kommentar eines alten Mannes, der einige wenige diskussionswürdige Kritikpunkte in einer bräunlich-klebrigen Soße aus Ressentiments und Selbst-Verklärung ertränkt.

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Peter Bartels ist ein Relikt aus einer anderen Medienära. Er war Co-Chefredakteur der Bild zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung zusammen mit Hans Hermann Tiedje. Vor der großen Digitalisierung beziehungsweise vor Gates und Apple, wie es Bartels sagen würde. Den beiden wurde der bedingt lustig gemeinte Doppel-Spitzname „Rambo & Django“ zugeschrieben, wobei Tiedje „Rambo“ war und Bartels „Django“. Letzterer scheint stolz auf den Spitznamen zu sein, denn er erwähnt ihn in seinem Kopp-Buch „Bild – Ex-Chefredakteur enthüllt die Wahrheit über den Niedergang einer einst großen Zeitung“ ständig.

Die Masse ist sein Ding

Wie Peter Bartels überhaupt so einiges ständig erwähnt. Zum Beispiel, dass unter seiner Bild-Herrschaft die Auflage noch bei rund fünf Millionen Exemplaren gelegen habe, dass er vom aktuellen Bild-Herausgeber Kai Diekmann als Chefredakteur so gar nichts hält, dass dieser Diekmann die Frechheit besessen hat, auf seine, also Bartels’, Ratschläge nicht zu hören, dass Diekmann die Kern-Leserschaft der Bild vergrault habe, dass die Bild ein Blatt für die Masse gewesen sei.

Der Begriff „Masse“ hat es Bartels besonders angetan. Die Masse, das ist sein Ding. Als er von Tiedje weggejagt wurde, hat er für Burda mit Super! in Ostdeutschland schon wieder eine „Massenzeitung“ geführt usw. Die Bild unter der Führung von Kai Diekmann ist ihm dagegen ein Dorn im Auge. Bartels schwadroniert von Diekmanns „Refugees welcome Gutmenschenclub“, der „Liga der besonders guten Menschen“. Diekmann habe angefangen, „das Bild-Mäntelchen in den Wind des Mainstreams zu hängen“ (S.89). Da ist es, das M-Wort, das Kopp-Fans und Pegida-Freunde so gerne im Munde führen.

Bartels fühlt sich in dieser Gesellschaft wohl. Er macht sich übers Nichtrauchen lustig, über Bio-Eier, Gender-Zeug und über Leute, die gegen Atomstrom sind. Zitat: „Es ist zwar noch nie wirklich ‚was‘ passiert – und in Tschernobyl auch nur, weil systemimmanente, sozialistische Schlamperei schuld war!“ (S.91) Fukushima? Nie gehört oder weggelassen, weil’s gerade nicht passt.

Der Ulfkotte-Fan fragt: hä?

Bartels’ Bild-Buch liest sich anstrengend, weil der Autor sich in immer neuen, geschraubten, selbstverliebten Formulierungs-Kapriolen ergeht, mit denen er vielleicht unter Beweis stellen will, was für ein genialer Texter und/oder Zeilenmacher er ist. Ein Redigat täte Not. Bild-Briefe-Onkel Franz Josef Wagner ist für ihn ein „Wolken Wotan“ (weil er bloß mit Wölkchen haut), er schreibt von „King Kai und seinen Rittern der ewig tafelnden Gutmenschenrunde“ (S.103) und davon, dass die „schweigende Mehrheit auf die Wiederkehr des Grundrauschens ihrer Eiche gewartet“ hat (S.113). Einige Seiten später taucht das ominöse Grundrauschen wieder auf. Aber nicht mehr von einer Eiche, sondern vom „gewaltigen Avatar-Baum unter dem Millionen einst kamen, um am Grundrauschen zu hören, ob ihre Welt noch in Ordnung ist“. Nicht erst hier dürfte sich auch der geneigte Verschwörungstheorist und Ulfkotte-Fan fragen: hä?

Vermutlich meint Bartels den heiligen Lebensbaum aus dem Science-Fiction-Film „Avatar“ – aber mit solch kryptischen Anspielungen ist er ähnlich schwer zu kapieren, wie seiner Meinung nach die verspielten Bild-Schlagzeilen von „King Kais Gutmenschenrunde“.

Kai Diekmann hat nach Bartels‘ Meinung die Bild versaut, indem er sich der herrschenden Kaste an den Hals geworfen und vergessen hat, Anwalt des Lesers zu sein. Die alten Bild-Helden, Peter Boenisch, Günter Prinz, die haben natürlich alles richtig gemacht. Das waren echte Kerle am Balken: „Wenn Peter Boenisch donnerte ‚Schluss mit der Post-Diktatur! Holt den Bundestag aus dem Urlaub!‘ … dann unterbrachen die Volksvertreter panisch ihre ‚schwer verdienten‘ Luxusferien“ (S.103).

Bartels Traum: Bild als Pegida-Vereins-Postille

Bartels bewundert die alte Bild und ganz besonders sich selbst, weil sie in seiner verqueren Sicht ein echtes Massenblatt mit Massenmacht war. Die heutige Bild ist seiner Auffassung nach Teil des Establishments und handwerklich schlecht gemacht. Wenn es nach Bartels ginge, wäre die Bild heute so eine Art Pegida-Vereins-Postille. Ob das der Auflage so zuträglich wäre, wie der Autor meint?

Dabei macht Bartels sogar den einen oder anderen Punkt, über den man diskutieren könnte, würden diese Anflüge einer ernstzunehmenden Kritik nicht in einer bräunlichen, schwer verdaulichen Soße aus Ressentiments, Selbst-Besoffenheit und Neid auf Kai Diekmann ertränkt.

So schreibt er im hinteren Teil des Buches, die Zeilen der Bild seien zu nachrichtlich, zu nah „am Ticker“. Als Beispiel nennt er u.a. die Zeile nach dem Tod Osama bin Ladens:

„Die Papier-Bild geniert sich nicht, 24 Stunden nach dem Ereignis mit der Urnachricht als Schlagzeile zu kommen: Osama bin Laden tot!“

(…)

„Würde eine Lokal- oder Regionalzeitung das so formulieren, wäre es zwar auch langweilig, aber ‚Tradition‘, systemimmanent eben. Eine Boulevardzeitung leistet mit solchen ‚Schlagzeilen‘ ihren handwerklichen Offenbarungseid.“ (S.116, 117)

Solche „korrekten Schlagzeilen“ seien für den Boulevard „einfach nur niederschmetternd. Weil sie beweisen: Der Chefredakteur war mal wieder nicht da. Und die Topredakteure waren zu faul zum Nachdenken.“ (S.118)

Die häufigen Abwesenheiten Kai Diekmanns vom Balken regen Peter Bartels auf. In seiner Welt, der Günter-Prinz-Welt, hat ein Bild-Chef Blatt zu machen und kein Blog vollzuschreiben, keine Penis-Prozesse mit kleinen, linken Zeitungen oder Kleinkriege mit dem Spiegel zu führen, weil der eine Anti-Bild-Story auf den Titel hebt:

„Er (Kai Diekmann, Anmd.d.Red.) hat Bild immer wieder allein gelassen. Aber man darf Bild nie allein lassen. Bild will immer alles oder nichts.“

(…)

„Und hier haben auch Friede Springer und Mathias Döpfner einen großen Fehler gemacht – sie haben ihn einfach zu lange an diesen Klotz gekettet. Kein Chefredakteur der Welt kann dieses Blatt fünfzehn Jahre lang machen, weil es alle fünf Jahre einen großen Teil seiner Leser austauscht – die einen wachsen rein, die anderen wieder raus.“ (S.248)

Da könnte sogar was dran sein, dass Kai Diekmann zu oft weg war und zu lange Chefredakteur. Aber man kann solche Anflüge von diskussionswürdiger Kritik nicht ernst nehmen, wenn Bartels wenige Seiten weiter wieder den Hetzer Udo Ulfkotte in den Himmel lobt und übelste Verschwörungstheorien nährt, dass eine Art muslimische Unterwanderung in Deutschland im Gange sei, weil Helmut Kohls Sohn und ZDF-Intendant Thomas Bellut mit Muslimas verheiratet sind.

Er käut die haarsträubende Ulfkotte-Fantasy wieder, dass türkische Gastarbeiter Bestandteil einer Art Invasionsplan für Deutschland seien (S.111) raunt von einer „Umerziehung der Deutschen“ (S.169) oder dass sich die „Migranten-Mafia“ „kiffend die Hände reibt“, wenn Bild „7 Vorurteile über Flüchtlinge entlarvt“ (S.133) oder er schreibt von „Diekmanns Schranzengespinst der Macht“, in das Friede Springer „wie in einen Kokon verpackt ist“ (S.252).

Bartels, dieser Teufelskerl

Das alles ist stilistisch und inhaltlich derart hanebüchen, dass man lachen könnte, wenn die Vergangenheit nicht gezeigt hätte, dass es leider Leute gibt, die bereit sind, solcherlei Unfug für bare Münze zu nehmen. Darum ist es auch wichtig, sich mit einem solchen Buch wie Bartels‘ „Bild“-Machwerk auseinanderzusetzen. Der Kopp-Verlag führt ihn, der für kurze Zeit Co-Chef war, als „Ex-Chefredakteur“ ein und tut gerade so, als sei die frühere 5-Millionen-Auflage der Bild allein Bartels’ Verdienst gewesen. Dieser „Ex-Chefredakteur“ wird hier als Insider präsentiert, eine Art Kronzeuge, der „enthüllt“, wie es „hinter den Kulissen“ der Bild „wirklich“ zugeht. Huch Gott, jetzt habe ich fast schon so viele Anführungszeichen benutzt, wie Peter Bartels. Hoffentlich ist das nicht ansteckend.

Im Klappentext seines Bild-Buchs steht geschrieben, dass Bartels auch Feuilleton-Chef des Kölner Express war (Feuilleton im Express?), dass er – Bartels – „quasi Schulter an Schulter“ mit Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein für die Wiedervereinigung kämpfte, Berater von „RTL-Erfinder Dr. Thoma“ war, zehn Jahre lang die ZDF Gala „Ein Herz für Kinder“ mit bis zu 21 Millionen Zuschauern (Masse!) und zwei Platin-LPs sowie sechs Goldenen Schallplatten produzierte. Von dem Geld ließ Bartels, vermutlich höchstpersönlich, 450 Spielplätze in Deutschland bauen und 75 Schulwegampeln finanzieren. Dieser Teufelskerl Bartels wurde mit dem Christophorus Preis, dem Großkreuz der Deutschen Verkehrswacht und dem Hemingwaypreis, Venedig, ausgezeichnet. Natürlich. Und ganz bestimmt auch mit dem Friedensnobelpreis, dem Oscar, der Karl Lauer Gedächtnismedaille und noch mit viel, viel mehr. Bloß da war halt dann die Klappe für den Klappentext zu Ende.

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Alle Kommentare

  1. Seltsam, Sie werfen dem Autor des Buches in Ihrem Artikel Hass, schlechten Stil, mangelnden Inhalt, Selbstverliebheit etc. vor und damit eigentlich genau das, was man aus Ihrem Elaborat ebenso herauslesen kann. Ich kenne Ihre Motivlage nicht, aber damit sind Sie nicht besser, als der von Ihnen Kritisierte.
    Zunächst müsste man wohl zugestehen, dass der Erfolg und die seinerzeitigen Rekordauflagen Bartels Recht geben. Dass er über den Absturz, der nach seinem Ausscheiden folgte, nicht erheitert war, ist nur zu verständlich. Sich mit diesem Buch Luft zu machen ebenso. Von daher ist das Buch ein interessanter Blick hinter die Kulissen.

  2. -Stefan Winterbauer hat dem Kopp Verlag gegenüber inzwischen eine Unterlassungserklärung abgegeben. Er will Behauptungen, wonach bei Kopp auch »Holocaust-Leugner und ehemalige NPD-Funktionäre« arbeiten und der Kopp Verlag »Verbindungen zur NPD« habe, nicht mehr verbreiten.-

    Zitat Kopp Online
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/udo-ulfkotte/unterlassungserklaerung-medienjournalist-winterbauer-will-keine-luegen-mehr-ueber-kopp-verbreiten.html

  3. Das Buch von Peter Bartels ist „anstrengend zu lesen“? Das kann ich nicht finden. Wie kommt der Autor dieser Kritik darauf?

  4. Lieber Herr Winterbauer,
    ihr Kommentar trieft nur so von Wut, Hass, Unterstellungen und Gemeinplätzen. Praktisch nichts konkretes, außer dass H. Bartels nun beim Kopp-Verlag schreibt (der soll doch rechts sein. Totschlagsargument!!). Das alleine scheint sie schon so in Rage zu versetzen, dass für eine journalistische Auseinandersetzung kein Platz mehr zu sein scheint. Von Sorgfalt und Recherche ganz zu schweigen. Ich bin weder ein Fan von Bartels, noch diesen Schmierenblatt Bild. Aber die mangelnde Qualität dieses Blattes scheint sie ja nicht zu stören. Lernen Sie doch mal die Grundlagen guten Journalismus. Z.B.: dass unter Diekmann die Auflagenzahl der BLÖD-Zeitung von über fünf auf 1,89 Mio. gefallen ist. Mit diesem an Roland Freisler erinnernden Pamphlet disqualifizieren sie sich selbst.

    HH

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