Deutscher National Enquirer: Aus nach sechs Wochen statt Nummer 1 nach sechs Monaten

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Alle sechs Ausgaben des deutschen "National Enquirer"

Mit mutigen Worten startete Mitte Januar die deutsche Ausgabe des Boulevardblattes National Enquirer. Innerhalb von sechs Monaten wollte man "das bestverkaufte Promimagazin in Deutschland" sein. Daraus wird nun nichts. Schon nach sechs Wochen nahm der Verlag das Magazin wieder vom Markt. Offenbar waren die Verkaufszahlen zu schlecht.

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Von einem „einzigartigen Neuzugang“ für den deutschen Markt sprach David J. Pecker, CEO von American Media, Inc. zum Start seines Enquirers: „Was die Berichterstattung über die aktuell wichtige Hollywoodprominenz und internationale Figuren angeht, klafft bei den deutschen Promimagazinen eine Lücke und The National Enquirer wird diese Lücke füllen“. Diese Lücke war offenbar doch nicht vorhanden, zumindest hat das Publikum keinen Grund gesehen, statt zu Bunte, Gala, InTouch, Closer, People, In, OK!, usw. zum National Enquirer zu greifen. Nach MEEDIA-Infos verkaufte sich das letzte Heft im deutschen Einzelhandel nur um die 20.000 mal.

Produziert wurde das Blatt, das für einen Euro auf miesem Papier erschien, fast komplett in den USA – im AMI-Headquarter in New York. Die Titelgeschichten der deutschen Ausgabe waren die gewohnten Räuberpistolen im Stile des englischsprachigen Originals: zwei deutsche uneheliche Kinder von Elvis Presley, eine „überraschende Hochzeit“ von Heidi Klum bis hin zur „sterbenden Queen“, die Charles „zwingt, den Thron aufzugeben, während Camilla vor Wut zusammenbricht“, damit William & Kate „König & Königin“ werden. „Es ist offiziell!“ schrieb der Enquirer dazu. Auch die „sexbesessenen Liebesbriefe“ von Tom Cruise, die der Enquirer am 18. Februar „enthüllte“, konnten die deutsche Ausgabe offenbar nicht retten: Es war das letzte Heft, der deutsche National Enquirer wurde eingestellt, wie mehrere deutsche Presse-Großhändler gegenüber MEEDIA bestätigten.

Auch der US-Version geht es im Übrigen längst nicht mehr so gut wie einst. Von 6,7 Mio. verkauften Exemplaren Mitte der 1970er-Jahre sind inzwischen nichtmal mehr 400.000 geblieben, allein in den jüngsten fünf Jahren verlor das Magazin die Hälfte der Käufer. Zudem hat der Enquirer als Marke ein Problem im Netz. Die US-Website (die in Deutschland nicht auf normalem Wege erreichbar ist, sondern auf die ebenfalls zu AMI gehörende Website Radar Online umgeleitet wird) erreicht laut SimilarWeb weltweit nur ein Viertel des Traffics von Bunte.de, auf Facebook hat der Enquirer gerade mal 36.000 Fans.

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