Diese Startuper stecken hinter der mysteriösen „Helden-Partei“ aus Berlin

Sehen so Helden aus? Die Startup- und Partei-Gründer Henning Kruthaup und Christian Hellrung
Sehen so Helden aus? Die Startup- und Partei-Gründer Henning Kruthaup und Christian Hellrung

Digital Economy Springer- und dpa-Mitarbeiter staunten am Wochenende nicht schlecht. Direkt vor dem Verlagshochhaus stand ein Anhänger mit der kritischen Aufschrift: „Hört auf uns zu 'BILDen'. Fangt an, uns zu Informieren“. Absender der Botschaft ist eine gewisse "Helden Partei". Auch vor der ARD und der AfD parkten ähnliche Anhänger. Die Aktion samt Website und Facebook-Präsenz riecht nach einer PR-Aktion für das Startup Sparhelden.

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Die Verbindung zwischen der Partei und der Web-Company, die sich selbst als „Deutschlands großes Gutschein-Portal“ beschreibt, ist offensichtlich. Das Logo von Partei und Startup ähneln sich sehr, die Partei- und die Firmen-Gründer sind identisch und die Adressen von Parteizentrale und Firmen-Headquarter in Berlin Kreuzberg teilen sich einen Briefkasten.

Gegenüber MEEDIA verneinen die Macher allerdings die Frage nach einer PR-Partei vehement: „Meine Tätigkeit und die von Herrn Kruthaup bei Sparheld.de sind unabhängig von unseren politischen Aktivitäten!“, erklärt Christian Hellrung, „Wir haben die Helden Partei ins Leben gerufen – wobei wir uns noch in der Gründungsphase befinden – weil wir etwas verändern wollen.“ Allerdings muss auch er eine „gewisse Nähe“ bei den Namen einräumen.

Tatsächlich existiert die Partei noch nicht. Doch sobald das Wahlprogramm fertig und die offizielle Registrierung abgeschlossen seien, wollen die Berliner angeblich bei den „kommenden Wahlen“ antreten. „Seit dem offiziellen Start der Helden Partei am Montag melden sich kontinuierlich neue Mitglieder an“. Genaue Zahlen will Hellrung nicht nennen.

Für ihren ersten PR-Aufschlag erdachten die beiden Startup-Politiker erst einmal eine aufmerksamkeitsstarke Aktion. Sie parkten vor dem ARD-Hauptstadtbüro, vor dem Springer-Hochhaus oder auch vor den Parteizentralen der Linken und der AfD jeweils Anhänger, auf deren Abdeckplanen sie provozierende Botschaften gedruckt hatten.

Vor dem Springer-Hochhaus hieß es:

Volksverhetzung ist kein Grundrecht. Auch nicht für Journalisten“. Oder: Hört auf uns zu „BILDen“. Fangt an, uns zu Informieren.

Eine richtig stichhaltige Begründung für die Kritik an der Boulevard-Zeitung liefern die Startup-Politiker jedoch nicht. So habe die Bild als Deutschlands größte Zeitung, „diverse Pflichten. Unserer Meinung nach kommt die Bild diesen Verpflichtungen nicht nach und das ist Grund genug für uns die Zeitung anzuprangern.“ Welche Pflichten genau gemeint sind, verrät Hellrung jedoch nicht.

Die ARD bekam den Spruch ab:

Eine öffentlichrechtliche Sendeanstalt reicht. Hört endlich auf unsere Gebühren zu verschwenden.

Wozu brauchen wir so viele öffentlich-rechtliche TV- & Radiosender? Hilft uns wirklich diese Masse uns unabhängiger zu…

Posted by Helden Partei on Dienstag, 8. März 2016

Vor der AfD parkte der Satz: „Die AfD ist einfach nur alterNAIV. Wir sind alternativlos“.

Liebe Dr. Frauke Petry, es wurde bei der Polizei Berlin gemunkelt, dass die Alternative für Deutschland AfD nicht sehr…

Posted by Helden Partei on Montag, 7. März 2016

Was denn nun so „alternativlos“ an der Heldenpartei ist, lässt sich noch nicht feststellen. Das „Wahlprogramm“ ist ja noch nicht fertig. Auf der Webseite der „Helden Partei“ heißt es:

Der Staat Deutschland ist ein großes Unternehmen. Das Unternehmen muss Wohlstand für die Gesellschaft erwirtschaften, unsere Bevölkerung in schwächeren Phasen sozial zur Seite stehen und nach einem glücklichen Miteinander streben.

Damit nehmen die beiden Web-Gründer einen Standpunkt ein, der durchaus diskussionswürdig ist. Die meisten jungen Startuper in der Hauptstadt dürften sich und ihre Weltsicht sowieso kaum in den Programmen der arrivierten Parteien wiederfinden. Hellrung sagt, er will wirklich „etwas verändern“. So hätten alle Parteien bislang eins gemeinsam: „Sie haben unserer Meinung nach vergessen, dass es um das Gesamtwohl der Bevölkerung geht. Leider streiten sich unsere Politiker wie kleine Kinder untereinander. Stattdessen sollten sie sich an einen Tisch setzen und gemeinsam zum Wohle unserer Bevölkerung und des Landes eine sinnvolle Lösung finden und dieses transparent, umfassend und verständlich zu kommunizieren.“

Beim Blick auf das Facebook-Profil oder auch die Webseite der jungen Partei dürften dann jedoch schnell wieder Zweifel kommen, ob die beiden Gründer das mit der Politik wirklich ernst nehmen. Die Fotos wirken eher wie eine Persiflage aktueller Politiker-Bilder. Seriös geht anders.

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Alle Kommentare

  1. Wenn Sie das schon nicht seriös finden, was halten Sie dann erst von den Kinderschändern, Drogenjunkies und Doktorarbeitbetrügern in der aktuellen Politik??? Die politisieren doch komplett an der Jugend und Ihren Problemen vorbei. Die beiden Jungs wissen wenigstens noch einen Hauch angenehme Aufmerksamkeit zu erregen. Auf die „Inhalte“ bin ich allerdings auch sehr gespannt, Startup-Publicity hin oder her…

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