„Ehrverletzend“: Presserat muss sich mit dem Hitler-Drogen-Titel der Bild beschäftigen

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In der vergangenen Woche lieferte die Bild gleich zweimal einen Grund für Beschwerden beim Presserat. Neben der Berichterstattung zur so genannten Segler-Mumie ärgerten sich ebenfalls einige Leser über die Hitler-Zeile zum Drogenfund beim Grünen-Politiker Volker Beck. Wie die Medienwächter gegenüber MEEDIA bestätigten, liegen deshalb mittlerweile sechs Beschwerden vor.

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Nach Einschätzung der empörten Leser würde die Berichterstattung der Boulevard-Redaktion gegen Ziffer 9 des Pressekodexes verstoßen. Darin heißt es:

Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.

Am Donnerstag hatte die Bild-Zeitung in ihrer bundesweiten Ausgabe getitelt: „Grüner mit Hitler-Droge erwischt“.

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Im Innenteil erklären die Berliner dann, wie sie auf den Hitler-Bezug gekommen sind: „Crystal Meth ist kristallisiertes Methamphetamin. Dieser Wirkstoff war einst Hauptbestandteil eines der populärsten Arzneimittel Deutschlands: Pervitin – in der Nazizeit bekannt als ‚Panzerschokolade‘ (…) Hitler soll sich regelmäßig Pervitin injiziert haben.“ Crystal Meth darum als „Hitler-Droge“ zu bezeichnen, ist dann freilich doch etwas weit her geholt, passiert aber nicht zum ersten Mal, wie Spiegel Online bereits dokumentierte.

Für mindestens sechs Leser war der Hitler-Bezug Grund genug, sich bei den Medienwächtern zu beschweren.

Bereits Anfang der Woche hatten die Mitarbeiter des Presserates Arbeit mit der Bild-Berichterstattung zur Segler-Mumie. Allerdings ärgern sich in diesem Fall die Leser unter anderem auch über die taz und Mopo24.de.

Die meisten Beschwerden bezogen sich in diesem Fall auf eine Verletzung des Persönlichkeitsschutzes (Ziffer 8) sowie auf unzulässige Sensationsberichterstattung (Ziffer 11). Der Leichenfund auf hoher See, wo die Segelyacht entdeckt worden war, hatte einen Deutschland-Bezug, weil der Tote aus dem Ruhrgebiet stammt und offenbar vor vielen Jahren zur Weltumsegelung aufgebrochen war.

Im Gegensatz zum Fall der Mumie, provozierte die Beck-Hitler-Zeile vor allem im Social Web viele Beobachter zu kritischen Äußerungen. Selbst der Springer-CEO Mathias Döpfner wurde nach seiner Meinung zur der Titelseite gefragt. Sein Kommentar auf der Springer-Bilanz-Pressekonferenz: „Es ist so: Wenn man große Schlagzeilen macht, dann gibt es gelungene und weniger gelungene. Das gehört zum Tagesgeschäft“.

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Alle Kommentare

  1. Schon sehr lustig.
    Alle Parteien die einem nicht gefallen werden sofort als Nazi Parteien hingestellt und wer rechts wählt, wählt den Krieg und alle rechten Politiker sind sowieso Hitler. Sobald sich das Spiel aber herumdreht fängt das Geflenne an.

    1. Reichlich verquer, Ihre Logik. Was Volker Beck betrifft, ist der Nazi-Bezug ja nun wirklich ziemlich konstruiert, in typischer affekthascherischer Bild-Manier eben. Wer allerdings mit deutlich rechtsextremen Sprüchen auf Stimmenfang geht, muss sich über einen Nazi-Vergleich nicht wundern. Meiner Meinung nach wird dieses Wort aber auch reichlich überstrapaziert und mutiert daher langsam zur leeren Hülse. Wäre also besser, sich ernsthaft mit den Sachverhalten und politischen Absichten zu befassen, statt die Nazi-Keule rauszuholen.

  2. Lustig. Austeilen geht immer, einstecken geht nimmer. Die Beschwerdeführer führen die Tradition unseres lieben Herrn Beck ja weiter. Anscheißen und anzeigen am laufenden Band. Lächerlich.

  3. Wie, nur 6 Beschwerden, weil Hitler, Droge und Grüner in einer Schlagzeile verwendet wurden?
    Normalerweise sind doch aus diesem Klientel der Dauerempörten mehr Hetzer, Hater und Querulanten unterwegs.
    Aber für die Seilschaften reicht es offensichtlich alle Male von Ehrverletzung und Presserat zu sprechen.
    So sind sie unsere moralisch Scheinüberlegenen mit Verbotskeule für jeden Freigeist.

  4. Nochmal zum Mitschreiben: Der „Presserat“ ist ein privater Verein. Der muss sich mit nichts „beschäftigen“ und niemand muss sich um ihn kümmern, schon gar nicht Journalisten, denen – wie allen – Art. 5 GG zur Seite steht. Die Satzung eines Vereins wirkt für und gegen die Mitglieder, sonst niemanden. Der „Presserat“ kann auch besseres Wetter oder Rabatte für Grüne beim Drogen-Kauf fordern – es ist wurscht. Und Meedia sollte nicht so tun, als wären Privatgerichte (vgl. TTIP) plötzlich eine gute Sache, wenn es bekifften grünen Heuchlern hilft.

    Private Vereine können keine allgemeinen Regeln für Dritte, hier für Journalisten, aufstellen. Eine „Medienethik“ gibt es nicht. Jedermann, nicht nur der Journalist, darf (im Rahmen der allgemeinen Gesetze) alles; niemand muss es lesen oder kaufen. Über die Frage, was „geht“, entscheiden nicht bigotte politische Einfaltspinsel und nichtsnutzige linke Gewerkschaftsfunktionäre, sondern der Markt (außer beim zwangsfinanzierten Staatsfernsehen). Wer am Markt im Wettbewerb Erfolg hat, der hat auch Recht.

    Übrigens: Wenn der lächerliche „Presserat“ und seine politisch korrekten Reichsschrifttumskammer-Epigonen ein Medium oder einen Journalisten wirklich härtestmöglich bestrafen wollen, müssen sie die Betroffenen heftig loben. Das überlebt dann kaum keiner.

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