Springers-Prioritäten für 2016: volle Kraft auf Business Insider, Upday und Retale

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Der Springer-Plan für 2016: mit voller Power weiter wie bisher. In Berlin hat das Medienhaus seine Jahresbilanz vorgestellt und klar gemacht, dass 2016 keine großen Zukäufe, keine spektakulären Verkäufe und auch keinen Konzernumbau (wie die abgeblasene Umwandlung in eine KGaA) mit sich bringen werden. Ziel für dieses Jahr sei es, der führende digitale Verlag zu werden – und zwar international.

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So sagte Konzern-Chef Mathias Döpfner bei der Bilanz-Pressekonferenz: „Für 2016 sind keine großen Zukäufe geplant“. Allerdings: „Bei einmaligen Gelegenheiten können wir trotzdem noch reagieren.“

Das vergangene Jahr war für den CEO und sein Team durchaus arbeitsam. Jetzt gilt es erst einmal, die Projekte, wie die Business-Insider-Übernahme, den Start von Politico in Europa oder auch die Kooperation mit Samsung und die Entwicklung des neuen Nachrichten-Aggregators Upday, weiter zu entwickeln.

Für 2015 hatten die Berliner drei Ziele definiert:

  1. Wachstum bei den Rubriken-Angeboten. Mit einem Umsatzplus von 47 Prozent sei das gelungen, meint Döpfner. Das EBITDA stieg ebenfalls. In diesem Bereich um 40 Prozent.
  2. Wachstum bei den digitalen Abos. Hier konnten Bild.de und Welt.de gemeinsam um 26 Prozent auf 384.000 gemeinsame Digital-Abonnenten zulegen. Interessant wird hier die künftige Entwicklung sein. Denn im dritten Quartal will die Welt von einem Metered- auf ein Freemium-Model umstellen. Die Folgen lassen sich jedoch noch nicht seriös abschätzen.
  3. Wachstum im englischsprachigen Raum. Dieses Ziel wurde vor allem mit der Übernahme des Business Insider umgesetzt. Zudem entwickelt sich die US-Ausgabe von KaufDa, Retale, gerade sehr gut.

Das Ergebnis diese Bemühungen lässt sich in der aktuellen Bilanz nachlesen. So erreichte der Verlag 2015 einen bereinigten Gewinn von 279,3 Millionen Euro bei einem Umsatz von 3,29 Milliarden Euro. Das bedeutet bei den Einnahmen ein Plus von 8,5 Prozent. Das operative Ergebnis (EBITDA) verbessert sich um 10,2 Prozent auf 559 Millionen Euro. Dabei stiegen alleine die Werbeerlöse steigen um 16,1 Prozent auf 2,11 Milliarden Euro.

Für 2016 hat die Konzernführung nun wiederum drei Ziele definiert. Diese lauten:

  1. Weiteres Wachstum in den Rubrikenangeboten.
  2. Weiteres Wachstum von Business Insider und bei Upday. Zudem soll ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag in Retale gesteckt werden. In diesem Bereich wittern die Manager ein gutes Geschäft. „Alleine Walmart gibt pro Jahr über eine Milliarde Dollar für gedruckte Prospekte aus. Jetzt konnten wir gerade einen ersten siebenstelligen Deal mit denen eintüten“, erklärte Finanzvorstand Julian Deutz auf der PK. Die Investitionen werden vor allem ins App-Marketing gepumpt.
    Beim Business Insider hoffen die Berliner auf ein Anhalten des massiven Wachstums. Alleine 2015 stieg der Umsatz, den die rund 150 Journalisten in New York erschrieben, um 41 Prozent im vergleich zum Vorjahr.
    Bei Upday ist die Zielsetzung klar. Hier will Springer das Angebot erst einmal auf zehn Millionen Smartphones bekommen.
  3. Das Segment Bezahlangebote soll ebenfalls gestärkt werden. In diesem Bereich geht es vor allem um die Gewinnung weiterer Digital-Abonnenten. Ob die Bild dafür auch wieder bei den Bundesligarechten mitbietet, ist noch unklar. Ebenfalls in diesem Bereich fällt das Springer-Engagement bei Blendle. Zum Konzept des Startups sagte Döpfner, dass Blendle „eine der Lösungen, aber nicht die Lösung“ sei.

Bei einer erfolgreichen Umsetzung dieser drei Top-Prioritäten, hoffen die Berliner am Ende des Jahres 2016, beim Umsatz um einen niedrigen einstelligen Prozentbereich gewachsen zu sein und einen ähnlichen Wert beim EBITDA zu erreichen. Das große Ziel des Hauses lautet dabei weiterhin, der führende Digital-Verlag zu werden.

In der Bilanz-Pressekonferenz äußerte sich der Vorstand noch zu einigen weiteren Themen, die den Verlag gerade umtreiben:

– So verteidigte er noch einmal die abgeblasene Umwandlung des Konzerns in eine KGaA. Am Ende hätte man sich mit den Plänen nicht mehr wohl gefühlt. Jetzt würden Alternativen geprüft. Wie lange das dauert, wollte der CEO jedoch nicht sagen. Ein Grund für die geplante Umwandlung war, dass es in der neuen Struktur einfacher gewesen wäre, sehr große Investitionen zu stemmen.

– Bei der Vermarktung erwarten die Berliner eine weitere Konsolidierung des Marktes. Hier könne man vor allem mit Größe punkten.

– Neben dem Job-Abbau bei der Welt, sind in den anderen Redaktionen keine Stellenkürzungen geplant. Allerdings sagte Vorstand Jan Bayer auch, dass die Situation in der Branche gerade „sehr labil“ sei. Deshalb können er Restrukturierungen nie ganz ausschließen.

Den Umbau bei der Welt erklärte er damit, dass in den vergangenen Jahren so viel in neue Autoren und ein großes Social-Media-Team investiert worden war, dass der neue Chefredakteur, Stefan Aust, nun erst einmal die Strukturen straffen will.

– Zum Thema Welt-Chefredaktion hieß es, das man derzeit mit keinem potentiellen Aust-Nachfolger im Gespräch sei, auch wenn der jetzige Chef den Job offiziell nur interimistisch ausführe. „Wir wünschen uns, dass er es noch lange macht“, sagte Bayer.

– Besonders zufrieden zeigte sich der Vorstand von den Resultaten des strikten Vorgehens von Bild.de gegenüber Ad-Blocker-Nutzern. Laut Döpfner ist durch das neue Konzept die Rate der eingeschalteten Werbe-Blocker beim Boulevard-Portal um 80 Prozent gesungen. Die vermarktbare Reichweite stieg dagegen um zehn Prozent.

Die gesamte Bilanz-Pressekonferenz zeigte, dass man bei Springer mit sich zufrieden ist und arbeitsreiche Monate vor dem Haus liegen. In diesem Prozess ist der Glamour der ganz großen Visionen ein bisschen verloren gegangen. Trotzdem oder gerade deshalb steht der Konzern besser denn je da.

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