„Das ist harter Tobak“: Bild polarisiert im Fall Beck mit „Hitler-Drogen“-Titel

„Grüner mit Hitlerdroge erwischt“: Chefredakteurin Tanit Koch setzt auf Provokation
"Grüner mit Hitlerdroge erwischt": Chefredakteurin Tanit Koch setzt auf Provokation

Die Drogen-Affäre um den Grünen-Politiker Volker Beck ist großes Medienthema. Prominent auf Seite 1 berichtet die Bild-Zeitung, nach deren Informationen es sich beim Drogenfund um Crystal Meth gehandelt haben soll. Mit seiner Schlagzeile setzt das Boulevardblatt auf Provokation und titelt: "Grüner mit Hitler-Droge erwischt". Die Strategie geht auf: Der Titel sorgt für Empörung.

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Was haben der Grünen-Politiker Volker Beck und Adolf Hitler gemeinsam? Sie teilen sich am heutigen Donnerstag den Aufmacher der Bild-Zeitung, weil ersterer bei einer Polizeikontrolle mit Drogen im Gepäck erwischt worden ist. Offenbar mit Crystal Meth, wie die Bild berichtet. Crystal, Beck, Hitler – was ist da los?

ab dem 1.6. ist übrigens Hitler-Wetter.(er mochte den Sommer ja sehr)#VolkerBeck #Bildunfall

Posted by Micky Beisenherz on Wednesday, March 2, 2016

 

Bild erklärt, woher der Hitler-Bezug kommt: „Crystal Meth ist kristallisiertes Methamphetamin. Dieser Wirkstoff war einst Hauptbestandteil eines der populärsten Arzneimittel Deutschlands: Pervitin – in der Nazizeit bekannt als ‚Panzerschokolade'(…) Hitler soll sich regelmäßig Pervitin injiziert haben.“ Crytal Meth darum als „Hitler-Droge“ zu bezeichnen ist dann freilich doch etwas weit hergeholt, passiert aber nicht zum ersten Mal, wie Spiegel Online bereits dokumentierte.

 

 

Die Herleitung sorgt für Verwirrung. Haben die bei der Bild etwa geraucht? Und war das Zeug nicht gut? Das zumindest meinen einige Nutzer von Twitter, die den Bild-Titel am Donnerstagmorgen gesehen haben. Sie zeigen mit ihren Reaktionen: Der Plan von Bild geht auf. Ein Grüner in einer Zeile mit Hitler, dazu noch einer, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder gegen Antisemitismus und für die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzte. Die Schlagzeile ist der provozierte Shitstorm.

 

Träumen von einer Welt, wo alle „Bild“-Verantwortlichen überall ausgelacht werden. Wo sie hinkommen, nur irres, nicht enden wollendes Gelächter.

Posted by Stefan Niggemeier on Wednesday, March 2, 2016

 

Bild begreift sich laut einem vergangenes Jahr aufgelegten Markenevangelium, das an Mitarbeiter verteilte wurde, als „laut“, „selbstbewusst“ und als Medium, „das Reibung erzeugt“ – offenbar auch durch abenteuerliche und ethisch fragwürdige Zuspitzungen. „Wir regen auf“, lautete eine weitere Parole. Aus dem Selbstverständnis heraus dürfte Bild-Chefredakteurin Tanit Koch, die mit Jahreswechsel Kai Diekmann abgelöst hat, also alles richtig gemacht haben.

 

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Alle Kommentare

  1. Aufmerksamkeit um jeden Preis?
    … und wenn sonst nichts mehr hilft, muss Hitler herhalten.

    Bisher fand ich die Titelzeilen von Bild zumindest intelligent zugespitzt. Aber das finde ich nicht mehr schön. Schade Bild.

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