Start-up für konstruktiven Journalismus: „Neben den Nachrichten jeden Tag eine Dosis Perspective Daily“

Neurowissenschaftler Maren Urner, Han Langeslag (re.) und Physikochemiker Bernhard Eickenberg. Es fehlt: Felix Austen
Neurowissenschaftler Maren Urner, Han Langeslag (re.) und Physikochemiker Bernhard Eickenberg. Es fehlt: Felix Austen

Publishing Ist der Journalismus zu wenig lösungsorientiert? Die Gründer von Perspective Daily meinen: Ja. Im Interview mit MEEDIA sprechen sie über ihre Motivation, etwas zu ändern und darüber, was sie an den Medien stört: zu viele Nachrichten, zu große Egos in Redaktionen und zu wenig Fachwissen. Das Startup von Maren Urner, Han Langeslag, Bernhard Eickenberg und Felix Austen soll anders funktionieren.

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Von Nora Burgard-Arp und Marvin Schade

 „Wir sind der Überzeugung, dass Medien mehr tun sollten als Skandale zu produzieren, zusammenhangslos über Einzelereignisse zu berichten und mit reißerischen Schlagzeilen um Aufmerksamkeit zu buhlen.“ Es ist eine ziemlich kühne Ansage, die die Macher von Perspective Daily, Maren Urner, Han Langeslag und Bernhard Eickenberg, auf ihrer Homepage tätigen. Eine journalistische Ausbildung in Form eines Volontariates oder eines Besuches der Journalistenschule haben die drei Theoretiker, die aus der Neurowissenschaft und der Physikochemie stammen, bislang nicht absolviert. Doch sie erkennen eine Fehlentwicklung und wollen etwas ändern. „Wir stehen für einen Journalismus, der nicht nur Probleme beschreibt, sondern auch Lösungen diskutiert. Wir stehen für einen Journalismus, der sowohl negative als auch positive Entwicklungen aufzeigt und so ein ausgewogenes und realistisches Weltbild vermittelt“, werben sie für sich. 

Perspective Daily will mit „Constructive Journalism“ überzeugen. Dem Ansatz liegt die Idee zugrunde, Themen prinzipiell lösungsorientiert anzugehen. Was zählt, sind nach Ansicht der Verfechter nicht nur die Nachricht und die Ausleuchtung ihrer Hintergründe, sondern Mittel und Wege, um den Ist-Zustand in Zukunft zu verändern. Soweit die Theorie. Wie ihr Vorhaben in der Praxis konkret funktionieren soll, haben die Gründer noch nicht gezeigt. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb ihr Crowdfunding-Projekt bislang noch nicht erfolgreich war. Nach Abschluss der eigentlichen Finanzierungsphase am 21. Februar dieses Jahres hatten die Initiatoren des Projektes nach eigenen Angaben nicht einmal die Hälfte der angestrebten 12.000 Unterstützer. Doch Perspective Daily verlängerte das Fundraising um weitere 35 Tage und sucht noch bis Ende März Geldgeber, die einen lösungsorientierten Journalismus vermissen. 

In den vergangenen Wochen war das Team auf Deutschland-Tour, um für seine Idee und den Ansatz zu werben. In Hamburg hat MEEDIA Maren Urner, Han Langeslag, Bernhard Eickenberg und Redaktionsmitglied Felix Austen getroffen und mit ihnen über Constructive Journalism und ihr Projekt diskutiert. 

Was sind die Voraussetzungen, um Autor bei Perspective Daily zu werden?
Eickenberg: Jeder Autor muss wissenschaftliche und auch journalistische Erfahrungen vorweisen können. Das bedeutet, dass die Leute in der Lage sein müssen, Themen journalistisch aufzuarbeiten und auch Studien in ihrem Fachgebiet einzuordnen. Das ist bei vielen Medien nicht der Fall, wie wir anhand der Berichterstattung über unsere eigenen Forschungsgebiete häufig feststellen. Gleiches gilt für die Selektion der Experten, von denen häufig dieselben zitiert werden. Meist jene, die am intensivsten Medienarbeit betreiben. Das sind aber nicht immer die Leute, die man ansprechen muss, um am Ende gute Inhalte zu präsentieren.

Es gibt sicher einige, die Medienarbeit intensiver betreiben als andere. Aber Professoren oder ihre Einrichtungen haben – vor allem – bei wesentlichen Forschungsergebnissen doch ein klares Interesse daran, dieses Wissen nach außen zu tragen.
Eickenberg: Wir schütteln die Köpfe, weil wir es anders kennen. Wissenschaft ist häufig ein Elfenbeinturm. In vielen Fällen muss man Türen eintreten, um überhaupt ein Interview mit Wissenschaftlern zu bekommen, weil sie sich so stark auf ihre Forschung konzentrieren. Verstärkt die Experten heranzuziehen, die ohnehin auf der Matte stehen, und dann vielleicht auch nur drei oder vier verschiedene Meinungen anzuhören, macht selbst noch keinen Fachmann aus. Man muss sein Thema über Jahre hinweg begleiten und immer wieder differenzieren.

Glauben Sie, dass wir im Journalismus zu wenig Fachkompetenz und zu viele vermeintliche Experten haben?
Langeslag: Nach unserem Verständnis bedeutet Fachkompetenz auch eine gewisse Offenheit und Weitblick – auch in die Zukunft. Das heißt, auch über Lösungswege nachzudenken.

Austen: Selbstverständlich sitzen in Verlagen auch studierte und promovierte Naturwissenschaftler, die ihr Fach kennen. Uns geht es um die Kombination aus der Darreichungsform und dem konstruktiven Ansatz.

Urner: Es geht auch darum, das Ego-Ding abzulegen, das Journalisten relativ oft an den Tag legen.

Was für ein Ego-Ding?
Urner: Damit meinen wir das ständige Gerangel, das Journalisten gerne untereinander austragen, um ihre Themen gegenüber anderen durchzusetzen. Dazu sind gerade Freie unter den Wettbewerbsbedingungen oft gezwungen.

Austen: Vielleicht ein Beispiel an dieser Stelle: Fritz Vorholz, der seit fast 30 Jahren bei der Zeit arbeitet und über Umweltthemen schreibt, hat Folgendes während eines Vortrags erzählt: Er meinte, er habe seine Themen oft durchboxen müssen, es habe häufig geheißen, so etwas bringe keine Auflage. Natürlich neigt der Mensch dazu, negative Bedrohung eher wahrzunehmen. Aber unser tiefer ursprünglicher Reflex, dass wir auf Gefahren direkt anspringen, führt in der modernen Medienwelt dazu, dass wir uns viel stärker mit Problemen beschäftigen als mit Lösungen.

Woher kommt diese Erkenntnis?
Urner: Diese Eindrücke bekommen wir reihenweise von außen zugetragen. Für einige Journalisten, die Jahre in diesem System gearbeitet haben, ist unsere Diskussionskultur eine völlig neue Welt. Wenn wir diese Journalisten fragen, berichten gerade die Freien von harten Einzelkämpfen, bei denen die eigentliche Sache in den Hintergrund gerät. Für uns als Wissenschaftler ist es normal, dass alle gemeinsam an einem Tisch sitzen und laut diskutiert wird. Am Ende ist ein besprochener Text aber von vorne bis hinten rot – das zeigt, dass alle mitgedacht haben.

Wie wollen Sie Ihre Themen finden?
Eickenberg: Die Redaktion entscheidet, wir setzen aber auch auf das Feedback und die Vorschläge unserer Mitglieder, um ihre Wünsche zu erfüllen. Perspective Daily möchte zwischendurch auch überraschen.

Sie sprechen auf Ihren Veranstaltungen davon, dass viele Themen nicht auf Seite 1 der Zeitungen thematisiert werden, obwohl sie wichtig sind. Was genau meinen Sie damit?
Urner: Damit meinen wir, dass Themen, die sich nicht unbedingt für den Verkauf eignen, viel zu selten auf der Titelseite, also an erster Stelle, stehen. Ein konkretes Beispiel ist der Klimawandel.

Langeslag: Ein Beispiel aus einer anderen Gattung, aus dem Radio: In Nachrichtensendungen werden meist nur Schlagzeilen mit ein oder zwei knappen Sätzen ohne weitere Infos heruntergespult. Das ist dann das Wichtigste, was gerade in der Welt passiert sein soll. Aber ist es das wirklich? Die Nachrichten wurden von Redakteuren ausgesucht, obwohl sich weltweit sicherlich viele weitere Dinge zugetragen haben. Zu oft hören wir nur von den negativen Ereignissen.

Nun werden mittlerweile verschiedene Mediengattungen und unterschiedliche Formate in einen Topf geworfen. Glauben Sie nicht, der Rezipient ist mündig genug und informiert sich weiter?
Langeslag: Das machen vielleicht einige. Aber was ist mit jenen, die voll berufstätig sind, Familie und Kinder haben und sich dennoch schnell fundiert informieren möchten?

Der Medienkonsum nimmt seit Jahren zu, die Menschen informieren sich mehr.
Eickenberg: Menschen konsumieren aber viel mehr online als früher. Und da gibt es viele Kurzmeldungen und viel zu viele Ablenkungsmöglichkeiten. Online bin ich doch gar nicht in der Lage, entspannt und hintergründig informiert zu werden.

Austen: Noch mal ein Beispiel aus dem Print-Bereich: die Süddeutsche Zeitung, weil ich aus Süddeutschland komme. Fast jeden Tag lesen wir auf Seite 1 Meldungen über neue Schnapsideen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Aber höchstens einmal die Woche bekomme ich auf Seite 3 einen ausführlichen Hintergrundartikel, der das ganze Grundrauschen etwas aufbricht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Seite 3 wesentlich weniger gelesen wird als die erste Seite. Die Frage ist: Warum steht auf Seite 1, was auf Seite 1 steht: Weil es das Wichtigste ist? Das wollen wir hinterfragen.

Dem Leser dürfte wohl bewusst sein, dass er für weitere Informationen eine Zeitung durchaus auch mal aufschlagen muss.
Urner: Das ist richtig. Aber der Gedanke geht noch weiter. Bei der Auswahl des Seite-1-Themas geht es häufig darum, den größten Aha-Effekt oder den größten Aufschrei zu erreichen. Niemand fragt, was die gelieferte Information mit den Lesern macht. Für die Online-Medien gilt das Gleiche. Das ist eine Frage, mit der sich beispielsweise das Marketing oder die PR befassen, um am Ende ein besseres Produkt zu liefern.

Marketing und PR wollen vor allem Produkte oder Ideen verkaufen und begeistern. Der Journalismus hat sich der Aufklärung verschrieben. Ist es wirklich eine kluge Idee, sich als Journalist das Handwerk der Werbung anzueignen?
Urner: Es geht nicht darum, sich das Handwerk der PR anzueignen, sondern darum, sich die Frage zu stellen, was ein Beitrag mit den Lesern, Hörern und Zuschauern macht. Sich als Journalist also auch ganz bewusst die Frage nach den Auswirkungen zu stellen. Dabei beziehen wir uns auf empirische Erkenntnisse, die zum Beispiel zeigen, dass viele Menschen ein zu negatives Weltbild haben und sich durch ihren Medienkonsum gestresst und hilflos fühlen.

Wenn Sie von “den Medien” sprechen, pauschalisieren Sie dann bewusst? *(Anm. der Red.: Weitere Erläuterungen zu dieser Frage am Ende des Textes)
Urner: Wir sprechen nicht von einzelnen, konkreten Medien, sondern von einer allgemeinen Tendenz in der Berichterstattung. Uns werden viele Dinge in den Mund gelegt. Beispielsweise auch, dass wir alles anders und besser machen wollen. Wir werden das Rad nicht neu erfinden. Aber wir wollen unseren Teil zum Journalismus beitragen.

Worauf ich hinaus will: Sie scheren hier sehr viel über einen Kamm, sodass alle Medien schon fast unter Generalverdacht stehen, ihren Job nicht richtig zu machen. Halten Sie alles für schlecht?
Eickenberg: Nein, natürlich nicht. Es gibt sicher Wochenzeitungen und Magazine, die gute Beiträge liefern. Das Problem ist: Online gibt es diese Medien viel zu wenig. Und die empirischen Erkenntnisse beziehen sich tatsächlich häufig auf „alle Medien“. Wenn wir von “den Medien” sprechen, reden wir häufig von Online-Medien. Sie sind neben den technischen Möglichkeiten der Grund, weshalb wir online stattfinden möchten.

Urner: Studien haben gezeigt, dass Artikel, die positive Emotionen transportieren und Lösungen diskutieren, häufiger weitergeleitet werden und zu einer erhöhten Handlungsbereitschaft führen. Die Problematik im Journalismus, auf die wir uns beziehen, ist vor allem, dass Wille und Fachwissen nicht zusammenkommen. Natürlich müssen Emotionen genutzt werden, um das Interesse zu fangen, aber die Leser dürfen damit nicht allein gelassen werden. Beim Leser erweckt das den Eindruck: Es geht alles bergab. Probleme müssen in einen Kontext gebracht werden.

Sie machen ein hintergründiges, erklärendes Magazin, kritisieren aber eben nicht nur andere Magazine, sondern Medien im Generellen. Wie passt das zusammen?
Austen: Unsere Kritik zielt darauf ab, dass die Medienlandschaft zu nachrichtenlastig, zu schnell und zu unreflektiert ist. Unser Anspruch ist es, dass die Leute ihren hyperbeschleunigten Nachrichtenkonsum durch zurückgetretenen und reflektierten konstruktiven Journalismus bereichern können.

Sicherlich hat jeder mal miese Laune nach der Tagesschau, schlechte Nachrichten sind schlecht fürs Gefühl. Sie beweisen anhand von Studien, dass dies den Menschen nicht gut tut. Aber wollen die Menschen denn wirklich das Gegenteil?
Urner: Ja, es gibt eine kritische Masse, die sich genau das wünscht.

Könnte es nicht passieren, dass sich diese kritische Masse Inhalte, die sie braucht, aus bereits bestehenden Medien zusammensucht?
Austen: Natürlich machen das viele. Aber wenn man gezielt sucht, ist es oftmals gar nicht so leicht, etwas Gutes zu finden, und meistens landet man doch wieder bei Wikipedia. In einem so vielfältigen Medienmarkt gibt es eine Nische für uns, davon sind wir überzeugt. Denn der Frust und der Vertrauensverlust in die Medien sind da. Dieses Bedürfnis nach Informationen kann nicht durch Lexika gestillt werden, sondern durch Medien. Man muss sich fragen, warum die Leute sich ihre Informationen gestückelt zusammensuchen. Ich glaube: Egal, wie viel sie suchen, sie finden häufig das Gleiche und lernen wenig. Da könnte man festhalten, dass dieses Zusammensuchen eine Reaktion auf einen Medienmarkt ist, der das Bedürfnis nach Information nicht stillt.

Urner: Wir sehen uns als Ergänzung zur täglichen Tageszeitung und wollen eine neue Routine für die Leser kreieren. Sie bekommen neben den Nachrichten jeden Tag eine Dosis Perspective Daily geliefert, die das Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen befriedigt. So müssen sie weniger suchen.

Wie bereiten Sie beispielsweise den Syrienkrieg konstruktiv auf?
Eickenberg: Indem man sich darauf konzentriert, Verständnis für den ganzen Ablauf zu schaffen. Erst wenn ich das Problem verstehe, kann ich Lösungen finden. Je nach dem, wie ich über Syrien berichte, kann ich auch eine Toleranz für die Menschen schaffen, die hier nach Deutschland fliehen.

Gerade der Syrienkrieg oder die Flüchtlingskrise sind doch gute Beispiel dafür, dass Medien durchaus konstruktiv funktionieren. Ich habe sehr oft Hintergrundberichte gelesen, gesehen und gehört. Auch Berichte, die mir erklären, welche Mittel es geben könnte, den Krieg zu beenden.
Eickenberg: Natürlich gibt es Hintergrundberichte, aber leider nicht genug. Und auch bei diesen fehlt es häufig am Versuch, unvoreingenommen an Fragen heranzugehen, um auch neue Perspektiven aufzeigen zu können und aus der Vergangenheit zu lernen. Sie sind jemand, der sich jeden Tag viele Stunden mit Medien beschäftigt. Ich habe keine Zeit mehr dazu. Ich lese abends vielleicht eine Stunde Zeitung und kriege wenige dieser Berichte. Und ich bekomme auch keine Sonderausgaben. In der Masse gibt es dann nur Bombenanschläge und angebliche Terroristen, die sich unter die syrischen Flüchtlinge mischen. Ich frage mich dann auch: Warum ist das relevant für mich?

Urner: Genau das ist doch die Aufgabe: herauszufinden, was relevant ist. Wir sehen, dass einige Dinge nicht ganz optimal laufen und versuchen, das anders zu machen.

*Anmerkung der Redaktion:

Die Autorisierung des Interviews erwies sich als ungewöhnlich kompliziert. Nachdem das Stück gleich mehrere Freigabeschleifen zwischen Redaktion und Interviewpartnern durchlaufen hatte, strich Perspective Daily eine bereits freigegebene Aussage samt vorheriger Frage. Geschehen sei dies, weil Perspective Daily das Gefühl beschlichen habe, die Redakteure wollten „unbedingt betonen“, dass die Macher ihre Aussagen über Medien pauschalisierten und alle über einen Kamm scheren würde. MEEDIA merkt dazu an: Dieses Vorgehen ist inakzeptabel. Insbesondere steht es Interviewpartnern nicht zu, Fragen der Redaktion aus einem Interviewkontext zu eliminieren. Die Frage nach einer möglichen Pauschalisierung bei der Sicht von Perspective Daily auf die Medien erfolgte aus gutem Grund – denn genau diesen Eindruck vermitteln die Macher des Start-ups, wenn sie ihren Ansatz erklären und dabei die gängige Praxis von Leitmedien bewerten.

Nach Auffassung von MEEDIA ist es nicht nur legitim, sondern sogar dringend erforderlich, die Gründer mit genau diesem Thema zu konfrontieren. Die Redaktion hat deshalb die bereits freigegebene Antwort sowie die entsprechende Frage im Interview belassen. 

In diesem Zusammenhang merkt MEEDIA an, dass Perspective Daily weitere Aussagen – die Grund für diese Nachfrage waren – im Nachhinein entschärft hat. Dies ist mindestens eine Stilfrage und hat in der Redaktion angesichts des Anspruchs der Perspective-Daily-Macher auf Transparenz und Klarheit zu Irritationen geführt. 

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Alle Kommentare

  1. Zwei Neurowissenschaftler und zur Sicherheit (man kann schließlich nie wissen) ein Physikochemiker… 🙂

    Irgendwie eine sehr passende Zusammenstellung, ganz besonders im Hinblick auf das geplante Wirkungsfeld ihres Start Up, den Journalismus nämlich.

    Manchmal wirds unfreiwillig komisch. – Trotzdem alles Gute für das Trio.

    1. Wahrscheinlich haben sie sich gedacht: „Hauptsache kein Geisteswissenschaftler!“ Leider haben Naturwissenschaftler qua Ausbildung wenig Ahnung davon, wie der Mensch (Rezipient) funktioniert (okay, vielleicht, wie er anatomisch funktioniert).

  2. Allein aus der Tatsache heraus, dass sie Konsumenten von Inhalten sind, die Medien produziert haben, leiten sie ab, dass sie es (und vor allem was sie!) „besser“ machen können? Seeehr dünne Ausgangslage, auch für Neurowisssenschaftler, finde ich. Schon fast nobelpreiswürdig scheint mir, ist, dass ausgerechnet sie zu wissen, zu beurteilen und demnach zu bestimmen können glauben, was ein „ausgewogenes“ und „realistisches“ Weltbild überhaupt ist. Sollten sie also nicht besser eine Weltbildbehörde ins Leben rufen? Im besten Falle dürfte meiner unmaßgeblichen Meinung nach „Perspective Daily“ eine elitäre Quasselbude für jene werden, die entweder Wissenschaftsjournalisten sind oder es gern sein möchten. In der man dann so viele schöne Paper produzieren kann, wie man für das eigene Ego oder das weitere wissenschaftliche Fortkommen benötigen zu müssen glaubt.

    1. Die Einschätzung „zu große Egos in Redaktionen“ wird durch die Kommentare hier jedenfalls nicht falsifiziert.

    2. na ja, so spitz, wie dein nick erwarten läßt, war die feder diesmal nicht. eher ein abgeknabberter bleistift, nicht? klar, ihren anspruch äußern die ‚perspective daily‘ leute ganz schön vorlaut – wie krautreporter vor 2 jahren auch – sie kennen also den ’normalen‘ geräuschpegel im deutschen blätterwald. nun können wir zu recht gespannt sein, ob sie den ‚constructive journalism‘ liefern werden, den sie versprechen. denn spitze ohren (+nasen), spitze federn, etcetera haben wir ja unter deutschen journalist:innen bereits genug.

  3. Interessant ist, was die Ausnahme ist, was aussergewöhnlich ist. Wenn die Medien voller Feelgood-Geschichten sind, dann muss das alltägliche Leben schon sehr schlimm geworden sein.

    Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: ich kann mir gut vorstellen, dass es für die in der Nische ein profitables Leben geben kann.

  4. So will ich „konstruktiven Journalismus“ NICHT:
    „Es geht … darum, sich die Frage zu stellen, was ein Beitrag mit den Lesern, Hörern und Zuschauern macht. Sich als Journalist also auch ganz bewusst die Frage nach den Auswirkungen zu stellen. Dabei beziehen wir uns auf empirische Erkenntnisse, die zum Beispiel zeigen, dass viele Menschen ein zu negatives Weltbild haben und sich durch ihren Medienkonsum gestresst und hilflos fühlen.“
    Ich stehe dagegen eher auf dem alten Spruch, der von der New York Times: „All the news that fits we print.“ Wenn etwas eine Nachricht ist und noch ins Blatt/Programm passt, soll es gebracht werden. Über den Nachrichtenbegriff können wir uns gerne jeden Tag streiten. Auch über die Pflicht, dabei konstruktiv zu sein.
    Aber Journalismus als Pädagogik – nein danke. Das würde „die Medien“ vollends unglaubwürdig machen.

    1. Ich kann’s nachvollziehen. „All news that fits“ enthält zwar weniger Hintergedanken, allerdings passiert dabei viel unbewusst.
      Beim „pädagogischen Journalismus“ passiert vielleicht schnell zu viel.
      Aber konstruktiver J. setzt sich lediglich zum Ziel, Artikel analytisch aufzubauen; inklusive Lösungsoptionen. Das ist ein mindestmaß an Quallität. Ist nur die Frage, ob man damit eine Quantität erreichen kann, die nicht bei „All news that fits“ der Konkurrenz untergeht.

  5. Natürlich machen positive Schlagzeilen und positive Nachrichten bessere Laune.

    Geschieht das aber nicht auf Kosten von Leidenden, da über das Leid dann nicht berichtet wird. Bei manchen Themen ist es sowieso schwierig, dass das „Tabu“ gebrochen wird und berichtet wird. Manche Ereignisse wie sexueller Missbrauch an Internaten haben Jahrzehnte gebraucht, bis die Medien bereit waren, darüber zu berichten.

    Wie hätte eine lösungsorientierte Nachricht nach den Silvester-Übergriffen ausgesehen?

    Strengeres Sexualstrafrecht? Mehr Polizei? Weniger Flüchtlinge? Ausländer wegschaffen? Frauen sollen Selbstverteidigung lernen? Mehr Verständnis für Täter? Alles doch nicht so schlimm, ist nur Begrapschen?

  6. Ja, die sind naiv, aber sind sind auch noch jung – und motiviert. Sie werden nach dem Sprung ins kalte Wasser einiges lernen. Wir sollten ihnen wohlwollend begegnen und nicht zu sehr über sie herfallen, bevor sie es denn tatsächlich vergeigt haben. Die Gründungsidee ist allemal nachvollziehbar und hat eine Chance verdient. Ich würde ihnen lediglich raten, rasch einen erfahrenen Profi ins Team zu holen. Als „Unterstützer“ haben sie ja schon ein paar namhafte Leute gewonnen.

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