Funke Mediengruppe: „Zukunftsprogramm“ der Thüringer Redaktionen kostet 65 Stellen

Michael Tallai führt künftig die Mediengruppe Thüringen für Funke
Michael Tallai führt künftig die Mediengruppe Thüringen für Funke

Publishing Funkes Mediengruppe Thüringen wird gestrafft und zentralisiert in einem "Zukunftsprogramm" Mantelredaktionen wie auch Anzeigenverkauf. Im Gegenzug sollen zwar die Lokalredaktionen personell verstärkt und Stellen für ein neues Online-Portal geschaffen werden. Erst einmal fallen aber 65 Stellen weg, wie das Verlagshaus auf Nachfrage bestätigte. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.

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Das Maßnahmenpaket der Mediengruppe, in der die Zeitungen (Thüringer Allgemeine, Ostthüringer Zeitung, Thüringische Landeszeitung) erscheinen, sei im Zuge sinkender Auflagen- wie auch Anzeigenerlöse notwendig, auch um dem geänderten Nutzungsverhalten hin zu einem größeren Onlinekonsum gerecht zu werden, erklärte der Verlag am Montag in einer Pressemitteilung – eine Veränderung, auf die nicht nur die Funke Mediengruppe reagiert.

Im Rahmen des Umbaus werden alle drei thüring’schen Zeitungen eine neue Blattstruktur erhalten. An Standorten, an denen TA und TLZ beziehungsweise OTZ und TLZ bisher mit zwei Redaktionen vertreten waren, werden Gemeinschaftsredaktionen mit Redakteuren beider Titel eingerichtet. Zentralisiert wird auch in der Mantelproduktion. Ziel sei es, den Wert der Lokalberichterstattung zu steigern und so Unterschiede zwischen den Publikationen deutlicher zu machen. Für die Stärkung der Kompetenzen wolle man in den Lokalredaktionen die Mannschaften vergrößern. Von „mehr als zehn Stellen“ ist hier die Rede. Im Sommer sollen voraussichtlich weitere neue Jobs im Digitalsegment hinzukommen, wenn das Online-Jugend-Portal „Thüringen 24“ umgesetzt wird. Aussagen zur Mannschaftsgröße wurden bislang nicht gemacht.

Insgesamt wird die Mediengruppe Thüringen zukünftig aber mit weniger Personal auskommen müssen als bislang. Wie ein Sprecher auf Nachfrage bestätigte, sieht das Maßnahmenpaket im Mantel einen Abbau von 65 Stellen vor. Die Reduktion soll zwar sozialverträglich stattfinden, was aber offensichtlich nicht garantiert werden kann. Nach MEEDIA-Infos ist in Thüringen von 25 betriebsbedingten Kündigungen die Rede, in der Konzernzentrale in Essen heißt es, am Ende könnten es 20 sein. Ein Sprecher verweist auf Nachfrage darauf, dass Gespräche mit den Betriebsräten gerade erst begonnen hätten. „Die Mediengruppe Thüringen hat sich dieses Programm gegeben, um die Zukunft der Mediengruppe und das Gros der Arbeitsplätze mittel- und langfristig zu sichern.“

Der Umbau des Unternehmens betrifft nicht nur Redaktion, sondern auch Anzeigenabteilung. Im Anzeigenschäft wolle man zukünftig neue Angebote machen, „die die Reichweite des Anzeigenblattes Allgemeiner Anzeiger (AA) mit der zielgruppengenauen Ansprache über die Tageszeitungen verbinden“. Auch dieser Zug hat eine Zusammenlegung der Abteilungen, also Stellenabbau zufolge.

Manager des Wandels wird Michael Tallai, der vergangenes Jahr in die Geschäftsführung eingetreten ist und zum 1. März Klaus Lange als Sprecher ablösen wird. Lange wird sich im Zuge der Neuorganisation schrittweise aus der Mediengruppe Thüringen zurückziehen.

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Alle Kommentare

  1. Ach herje!!

    Da sind bestimmt die PEGIDIOTEN und AfDler und Flüchtlingshasser dran schuld. Empfehle sofortigen Aufmarsch der örtlichen Laut-gegen-Rechts Divisionen, falls einzelne Aktivist_*_Innen dann „über die Stränge schlagen“ ist das keine neue Dimension der Gewalt sondern nur eine lässliche Sünde der tapferen AntiFa-Widerständler gegen Hitler.

    Na nu sagt schon, hab mein Resthirn doch prächtig gewaschen und auf Lamestream gefönt oder etwas nich??

    Hartz bis es quietscht, genau richtig für Qualitätsjournalisten, jeder einzelne hats verdient.

    1. Ihr zu reinigendes Resthirn konnten Sie ohne große Mühe in einem Schnapsglas untertauchen, nicht wahr?

  2. Mit weniger Mitarbeitern mehr und besser.Es ist doch ganz einfach, der Anzeigenmarkt bricht ein, die Vertriebserlöse gehen zurück und eine Trendumkehr ist unwahrscheinlich. Also muss gespart werden und es werden im Organigram Stellen verschoben.
    Darauf wird ein ganz tolles Etikett gepappt und jede Menge euphemische Begrifflichkeiten werden verwendet. Kleiner Tipp: Im zweiten Weltkrieg wurden immer Fronten „begradigt“. Das Wort Rückzug und Niederlage war tabu.
    Warum muss ein Fachportal immer dieses fürchterliche Manager-Neusprech nachplappern? Können die Dinge nicht einfach beim Namen genannt werden??

  3. Uneingeschränkte Zustimmung. Wo ist hier eigentlich die journalistische Leistung von Meedia.de?

    Zwei große Artikel, die praktisch ausschließlich aus dem Blähsprech der Unternehmens-PR bestehen. Eine Entlassungswelle ausschließlich mit dem Ziel, die Qualität zu steigern. Die Streichung der zweiten Redaktionen in allen Städten, um „Unterschiede zwischen den Publikationen deutlicher zu machen“. Ja is klar, ne.

    Als guter Medienjournalist glaube ich das nicht nur inhaltlich, ich verzichte auch auf eigene Fragen und betätige mich noch als Kuli für die manipulativen Euphemismen. Oder?

    Schaa.de

  4. Die meisten Lokalzeitungen sind inzwischen so dünn geworden und haben so wenig Informationsgehalt, dass man sich auf das Lesen der wöchentlichen lokalen Werbeblätter beschränken kann, die es kostenlos gibt. Ich fühle mich dadaurch ausreichend über das Geschehen vor Ort informiert.

  5. Warum gibt das Funke-Haus nicht zu, dass das Vorgänger-Management mit der Einführung der Regio-Desks in Thüringen einen riesen Fehler gemacht hat, den man nun auf Kosten von Mitarbeitern wieder rückgängig machen muss? Jetzt werden lokale Redaktionen zusammengelegt und man will den Lesern weiß machen, dass sich dadurch die Inhalte der drei Blätter wieder unterscheiden. Für wie dumm verkaufen diese hochbezahlten Herren eigentlich die jahrelang treuen Abonenten?

  6. Prinzipiell ist die Konzentration auf den lokalen Bereich gar keine schlechte Idee, vielleicht kommt man dann – gute Nachrichtenlage vorausgesetzt – auch mal auf mehreren Seiten Lokalteil.

    Aber muss man dafür das Land Thüringen mehr oder weniger publizistisch aufgeben? Statt 3 Redaktionen gibt es fortan nur noch 1 Redaktion, die Landesthemen bearbeitet – damit dürfte auch ein großer Teil der Relevanz auf Landesebene weg fallen. Das merken sicher auch die Kunden.

    Und ein Presseangebot für Jugendliche? Das soll die Zukunft sein? Hört sich eher an wie eine sichere Möglichkeit, Geld zu verbrennen …

  7. Hallöchen,
    über das wesentliche wird hier gar nicht geschrieben.
    Also: EINE ZENTRALREDAKTION IN BERLIN?????
    Das Politbüro läßt grüßen oder noch verschärft- das Propagandaministerium.
    Der Unterschied zu beiden genannten besteht darin, das hier Superreiche (Milliardäre wie funke) versuchen ihr asoziales Verhalten in den eigenen Medien zu kaschieren und dies durch Filtern, Weglassen, Verhältnisse verdrehen, unseriös recherchierte Artikel und gezielt gesteuerte Kampagnen
    immer besser händeln zu können.
    Eine gerechte Erbschaftssteuer, faire Arbeitbedingungen und Lohnbedingungen und last but not least, eine überfällige Vermögenssteuer und ein endlich leistungsgerechtes faires Steuerrecht(Kleines Beispiel: warum erhält ein Spitzenverdiener über Kinderfreibeträge im Jahr ca. 600€ mehr für jedes Kind im Vergleich zu einem Normalverdiener, wo er doch eh schon ein größeres Einkommen hat, was soll das???).
    so etwas wird in diesen Zeitungen nie angesprochen und auch public gemacht werden können,dürfen, da sofort der Eigentümer auf irgendeine Art einschreiten wird. Hintenrum aus dem Hintergrund. Für die Drecksarbeit vornherum würden dann seine Manager sich bestimmt nicht zu schade sein unter irgendwelchen feinen drumherum Ausreden.
    Wie ja jetzt gerade bei den Thüringer Zeitungen parademäßig zu beobachten.
    Der ehemalige Chefredakteur der TA Herr Lochthofen kann das bestimmt
    bestätigen.

  8. Nachtrag: Milliardär namens Funke gibts jetzt nicht dierekt .Die eine Eigentümerfamilie Grotkamp hat lt. Liste der reichsten Deutschen 2015 nur ca 950 mio € . ändert aber nichts am Prinzip .

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