AfD ist Medienanwalts Liebling – der MEEDIA-Wochenrückblick

Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier weiß ganz genau, was er sagt und was nicht
Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier weiß ganz genau, was er sagt und was nicht

Politiker der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland beschäftigen Medienanwälte. Auf beiden Seiten. Der Sohn von Verleger Wolfram Weimer landet einen Viral-Hit mit Berlin-Bashing. Der Spiegel lockt Programmierer mit Büroausstattung und Geo wandelt titeltechnisch auf stern-Pfaden.

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Die Kanzlei von Anwalt Ralf Höcker (er hat u.a. den Wetterexperten Jörg Kachelmann bei dessen Klagen gegen diverse Medien vertreten) hat derzeit gut zu tun mit AfD-Politikern. Höcker vertritt den AfD-Politiker und Lebensgefährten der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, Marcus Pretzell,  im Streit mit dem Journalisten Günther Lachmann, von dem sich die Zeitung Die Welt mittlerweile getrennt hat. Höckers Kanzlei vertritt auch den AfD-Politiker Markus Frohnmaier, Mitglied im Landesvorstand Baden-Württemberg der Partei und Bundesvorsitzender der Jugendorganisation Junge Alternative. Frohnmaier wurde ein bisschen bekannt, weil er nach den Silvester-Übergriffen von Köln gegen die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth stänkerte. Auf Facebook schrieb er sinngemäß, dass Frau Roth in Köln “mitvergewaltigt” habe. Frohnmaier erklärte später, dies sei nur im “übertragenen – nicht juristischen Sinne” gemeint gewesen. Außerdem postete er auf Facebook ein Foto einer bedröppelt dreinschauenden Claudia Roth mit dem Spruch “Ach wäre ich Neujahr nur nach Köln gefahren.” Roth regte sich darüber in der Sendung “Maybrit Illner” auf. Frohnmaiers Posting suggeriere „schade, dass man die Roth nicht gleich mitvergewaltigt hat“”, sagte sie in der ZDF-Talkshow. Frohnmaier wies auf Facebook diese nachvollziehbare Interpretation von sich. Er habe mit seiner Bildmontage Frau Roth dazu auffordern wollen, “sich endlich mit den gepeinigten Frauen von Köln zu solidarisieren, und nicht nur immerzu mit so genannten Flüchtlingen”. Naja. Roth versuchte mit Hilfe des bekannten Medienanwalts Christian Schertz gegen die Aussage von der “Mitvergewaltigung” vorzugehen – bislang ist nichts über einen Erfolg dieser Anstrengung bekannt. Man muss schon genau hinschauen, wenn sich AfD-Leute im Allgemeinen und Herr Frohnmaier im Besonderen äußern. In dieser Woche setzte Frohnmaier mit Hilfe der Kanzlei Höcker ein Unterlassungsbegehren gegen die Website Ulm-News.de durch. Diese darf nun nicht mehr verbreiten, dass Frohnmaier folgendes gesagt habe:

Nichts Geringeres wird unsere Aufgabe sein, als diese volksfeindlichen Parteien sämtlich aus Deutschland herauszutreiben. Wenn wir an die Regierung kommen, Gnade ihnen Gott.

Die Kanzlei Höcker schreibt dazu: “Das Zitat im unverkennbaren NS-Sprachduktus hatte Ulm News nach eigener Angabe einer Pressemitteilung der SPD entnommen und es im Rahmen eines Artikels über den politischen Aschermittwoch der AfD verbreitet.”

Das fragliche Zitat ist mittlerweile im Netz nicht mehr ohne weiteres zu finden. Es tauchte aber auch noch bei einem Aufruf zu einer Veranstaltung “Für ein weltoffenes Biberach – gegen den Rechtspopulismus der AfD” auf, wurde dort aber durch ein anderes Frohnmaier-Zitat ersetzt, als die Runde machte, dass dieser juristisch gegen die Verbreitung des ersten Zitats vorgeht. Das neue Zitat lautet nun: ““Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk.“ Das ist vielleicht jetzt nicht soo viel besser als das erste Zitat aber immerhin nachweisbar O-Ton Frohnmeier. Dieses neue Zitat stammt aus einer Rede Frohnmaiers bei einer AfD-Veranstaltung in Erfurt im Oktober vergangenes Jahr. Der Auftritt ist bei YouTube dokumentiert. Das eine schlimme Zitat hat er also anwaltlich entfernen lassen, weil es erfunden sei. Stattdessen kann man ihm aber ohne Mühe an anderes, kaum weniger schlimmes Zitat, recht problemlos zuweisen. Für Medienanwälte scheint das Thema AfD ein reichhaltiges Betätigungsfeld zu bieten.

Diese Woche machte einer jener allseits beliebten Berlin-Bashing-Texte im Social-Dingsbums die Runde: “Fünf Gründe, warum Berlin eine miserable Hauptstadt ist”. Erschienen ist der Text beim Debatten-Portal The European, Autor ist Valentin Weimer. Das ist ganz interessant, weil sich hier die nächste Weimer-Publizisten-Generation zu Wort meldet. Valentin Weimers Vater ist der frühere Welt- und Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer, zu dessen Weimer Media Group seit einiger Zeit The European gehört. Genau wie Börse am Sonntag und der Wirtschaftskurier, für die Weimer jr. auch schreibt. Laut Autoreninfo wohnt Valentin Weimer am Tegernsee und hat bereits mit 16 Jahren Abitur gemacht. Früh übt sich.

Der Spiegel sucht aktuell keine Kolumnenschreiber, sondern, um es mit den Worten von Ex-Microsoft-CEO Steve Ballmer zu sagen: Developers, Developers, Developers. Beim Spiegel haben sie der neuen, hauseigenen IT-Firma Techlab eine schnieke Website spendiert, auf der die Spiegelaner versuchen, ein bisserl Silicon-Valley-Glamour zu verbreiten. So werden die künftigen Developer u.a. so gelockt: “Eine individuelle Büroausstattung gehört bei uns ebenso dazu wie das kostenfreie Fitness-Center und die coolste Kantine Deutschlands.” Coole Kantine und Gratis-Fitness – okay. Aber was bitte soll an einer “individuellen Büroausstattung” so furchtbar attraktiv sein?

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Ja, was ist das denn: Eine nackte Frau auf dem Cover von Geo und dazu das Thema “Diät”. Geo goes Mainstream? Es geht beim super-duper-anspruchsvollen Geo aber natürlich nicht um eine schnöde Ananas- oder Low-Carb-Diät, sondern um total ganzheitliches “Fasten”. Und die Nackerte auf dem Titel ist ja auch betont geschmackvoll in Szene gesetzt. Mehr so Körper-Konturen-mäßig. Unterm Strich bleibt ‘ne Nackte auf dem Cover aber ‘ne Nackte auf dem Cover. Und “Fasten” und “Diäten” ist das nicht doch auch irgendwie, öhm, ähnlich? Nein, nein, nein. Schon im Edi weiß Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick zu erläutern, dass uns das “intermittierende Fasten” mit den “tieferen Schichten unseres Selbst, solchen, die aus den Hunderttausenden von Jahren stammen, in denen wir – wie alle Tiere – uns nicht mit grenzenlos vielen Kalorien versorgen konnten” verbindet. Gewicht habe er durchs Fasten auch nicht verloren, bescheidet Geo-Chef Kucklick. Letzteres gilt dann aber auch schon wieder für die meisten 08/15-Diäten.

Zum Schluss noch diese wunderbare Titelseite der Financial Times:

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Hintergrund: Die FT brachte eine Kolumne, die sich kritisch mit der Vorstandschefin von Hewlett Packard (HP), Meg Whitman, befasste. Daraufhin drohte der HP-Marketingchef der Zeitung mit Anzeigen-Entzug. Sacre bleu! Die Reaktion reagierte britisch-störrisch. Kolumnen-Autorin Lucy Kellaway schrieb:

My piece was not biased and I fear you misunderstand our business model. It is my editors’ steadfast refusal to consider the impact of stories on advertisers that makes us the decent newspaper we are. It is why I want to go on working here. It is why the FT goes on paying me.

Und, nein, die FT erschien natürlich nicht mit einer Titelseite auf der “Actually, go fuck yourself” neben dem Foto von Meg Whitman stand. Das ist nur eine “Artist’s Impression of what they really were thinking” von der Website Boing Boing.

Aber die Vorstellung, dass so etwas tatsächlich erscheinen würde, das hat schon eine gewisse Faszination.

Schönes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Für mich die AfD die einzige Alternative in der heutigen Zeit.
    Ich und viele Bekannte und Mitarbeiter werden die AfD wählen.
    Es muß in Deutschland wieder Gesetz und Ordnung herschen.

    1. Tja das ist schön dumm….vor allem sollten sie sich mal das Wahlprogramm anschauen und da vor allem was die AFD denn für die Arbeitende Bevölkerung „gutes“ im Sinn hat. Wählen sie ruhig Ihre Partei aber jammern nachher bitte nicht rum, wenn es Ihnen schlechter wie jemals zu vor geht! Also: Bitte vorher einmal wirklich schlau machen ……

    2. CDU und SPD verlieren an Rückhalt, AfD, Linkspartei und Grüne profitieren.

      Die AfD ist auch und gerade von den Sekundärmedien zu dem gemacht worden, was man ihr unter Bernd Lucke unterstellt hat. Unter Bernd Lucke war die AfD die einzige Wert-Alternative für Deutschland.

      Man stelle sich nur vor, die Grünen gewönnen die nächste Wahl, die Linkspartei erstarkte noch mehr und die AfD wäre ebenfalls im Parlament. Das wird ein schöner reaktionärer Haufen werden, der, statt Politik zu machen, nur noch auf sich eindrischt.

      Ich werde die neue Lucke-Partei wählen.

  2. Warum sagt denn hier keiner das die „Finanzämter“ in diesen Scheinstaat faschistische Steuergesetze vom 16.10.1934 aus der NS-Zeit verwenden, unterschrieben von Adolf Hitler, und die seit 1977 ungültige Abgabenordnung,
    um das Volk zu bestehlen. (Schaut im Internet unter faschistische Steuergesetze)
    Die AfD werden als Nazis beschimpft.
    Die Heuchler von der CDU und SPD die sich Volksparteien nennen sind doch die Faschisten, die hinter diesem Volksbetrug stehen!
    „Mindestlöhne und Hungerlöhne“ sind Volks und Finanzkontrolle!

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