Rauswurf per Twitter-Nachricht: Welt trennt sich von AfD-Reporter Günther Lachmann

Welt-Redakteur Günther Lachmann musste wegen seiner übergroßen Nähe zur AfD gehen
Welt-Redakteur Günther Lachmann musste wegen seiner übergroßen Nähe zur AfD gehen

Publishing Überraschende Wende in der Affäre um ein angebliches AfD-Beratungsangebot von Welt-Redakteur Günther Lachmann: Nur wenige Tage nachdem das Medienhaus Axel Springer angekündigt hatte, der Journalist werde juristisch gegen die Behauptung des AfD-Abgeordneten Marcus Pretzell vorgehen, teilte Chefredakteur Stefan Aust am Samstagnachmittag auf Twitter mit: "Die Welt trennt sich von Günther Lachmann."

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Der Trennung vorausgegangen war ein Bericht der Jungen Freiheit, der den Verdacht gegen den Welt-Journalisten erhärtete. Das Blatt zitierte Pretzell, der sich zuvor geweigert hatte, eine Unterlassungserklärung abzugeben, mit der Aussage: „Lachmann sagt die Unwahrheit, er wollte sich sehr wohl für 4.000 EUR monatlich kaufen lassen. Zwei Zeugen können belegen, daß meine Schilderung stimmt. Lachmann wird daher vor Gericht scheitern.“

Pretzell, Partner von AfD-Chefin Frauke Petry, hatte in dem Rechtsstreit den Kölner Medienanwalt Ralf Höcker engagiert. Dieser hatte dem Rechtsvertreter von Lachmann offenbar mehrere E-Mails zukommen lassen, die der Redakteur an Pretzells Sprecherin Kerstin Garbracht geschickt hatte. Die Junge Freiheit zitiert eine Nachricht vom 14. Juli vergangenen Jahres, in der Lachmann nach der Abwahl Bernd  Luckes als Parteichef geschrieben habe: „Wir sprachen gestern darüber, wie die AfD ihr national-konservatives Stigma los wird. Dazu kam mir eine Idee, die ich schnell mal aufgeschrieben habe. Lassen sie sich den Text mal einige Tage durch den Kopf gehen.“ In einem dazugehörigen stichpunktartigen Konzept empfehle der Autor darüberhinaus, die AfD zu einer „Partei der verantwortungsbewußten Demokratie“ zu entwickeln.

Vier Tage später habe Lachmann ein „Konzept für ein Manifest der Verantwortungsdemokratie“ nachgelegt und wörtlich geäußert: „Die Partei braucht dringend einen ideologisch-weltanschaulichem Überbau.“ Und weiter: „Es ist die Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen.“ (Anmerk. der Red.: gemeint war wohl „verorten“) Angefügt habe Lachmann ein fünf Punkte umfassendes Konzept. Anwalt Höcker wertet dies als „eindeutige Grenzübertritte eines angeblich ‚unabhängigen‘ Journalisten und ein eindeutiges Anbiedern“ an Pretzell und die AfD. Zuvor hatte der Journalist offenbar auch von seinem Mail-Account bei WeltN24 eine Artikel-Empfehlung an Garbracht geschickt.

Pikant: Nachdem der AfD-Abgeordnete seine Behauptungen auf seiner Facebook-Seite verbreitet hatte, gab Lachmann eine eidesstattliche Versicherung (EV) ab, wonach die Vorwürfe haltlos seien. Dies könnte für den Welt-Redakteur rechtliche Konsequenzen haben, da die Abgabe einer falschen EV strafbar ist. Chefredakteur Stefan Aust entschied offenbar unter dem Eindruck der neuerlichen Vorwürfe, dass Lachmann als Redakteur nicht mehr zu halten ist. Die Belege für übergroße Nähe des Redakteurs zum Objekt seiner Berichterstattung sollen dem Verlag nach MEEDIA-Informationen bereits vor der Veröffentlichung durch die Junge Freiheit vorgelegen haben. Die Entscheidung zur Entlassung war danach augenscheinlich unumgänglich. Durch die Trennung soll Schaden von der Marke WeltN24 abgewendet werden. Lachmann war bei der Welt auf AfD-Berichterstattung spezialisiert. Um 17 Uhr twitterte Chefredakteur Aust, dass die Welt sich von Lachmann trenne.

Aust hatte zuvor trotz der Unschuldsbeteuerungen von Lachmann darauf bestanden, dass dieser notfalls Klage einreicht, sollte Pretzell von seinen ehrenrührigen Behauptungen nicht abrücken. Dafür sicherte die Welt dem Redakteur die Übernahme von Anwalts- und Gerichtskosten zu. Dass die Zeitung sich zunächst hinter Lachmann gestellt hatte, begründen Verlagskreise mit der Fürsorgepflicht des Medienhauses für seinen Mitarbeiter. Zu einem Prozess wird es nun möglicherweise nicht mehr kommen. Von Günther Lachmann ist noch keine Reaktion auf die neuen Vorwürfe bekannt, er soll aber eingeräumt haben, die brisanten Mails verschickt zu haben.

 

Update, 14.02.: Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kritisierte AfD-Vize Alexander Gauland das Vorgehen Pretzells. Dieser habe über „vertrauliche Gespräche“ in der Öffentlichkeit gesprochen und einen Journalisten damit „beruflich vernichtet“. Der Alleingang von Pretzell, so Gauland, „entspricht nicht unserer Politik“. Der AfD-Politiker betonte jedoch, dass es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Pretzell und Lachmann handele: „Das geht die AfD nichts an.“

 

 

 

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Alle Kommentare

  1. Die Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung ist nicht strafbar, genauso, wie lügen nicht strafbar ist. Es sei denn, die Eidesstattliche Versicherung ist ausdrücklich zur Vorlage bei Gericht vorgesehen.

    1. @Helmut Ullrich: Für was sollte die EV von Herrn Lachmann denn vorgesehen gewesen sein, wenn nicht „zur Vorlage bei Gericht“?

      1. Voraussetzungen für die Strafbarkeit der falschen Eidestattlichen Versicherung (vgl. § 154 StGB):
        1. aus dem Text muss ausdrücklich hervorgehen, dass die Versicherung „zur Vorlage bei Gericht bestimmt“ ist (und nicht nur, wie meist, zum Eindruckmachen beim Gegner);
        2. die Eidesstattliche Versicherung muss tatsächlich bei Gericht (z.B. zur Glaubhaftmachung eines Verfügungsantrags) vorgelegt werden.

        Eine Regelvermutung, dass Eidesstattliche Versicherungen stets zur Verwendung bei Gericht vorgesehen sind, gibt es nicht; niemand ist auch gehalten, eine (hier auf Bitte des Arbeitgebers verfasste) Versicherung bei Gericht vorzulegen.

        Es ist kein gutes Zeichen für die Zukunft, wenn aus der Luft gegriffene „Informationen“ herausposaunt werden, obwohl die Redaktion weder das Dokument vorliegen hat noch sich die Mühe gemacht hat, wenigstens einen der befassten Anwälte danach zu fragen, ob denn ein Verfügungsantrag bei (welchem?) Gericht gestellt wurde. Eine Branche, die bei anderen die läppischsten „Fehler“ routinemäßig zu „Skandalen“ aufbläst, sich aber selbst grobe Schnitzer großmütig verzeiht, hat das Vertrauen des Publikums zu Recht weitgehend verloren.

      2. MANN kann noch LACHen…wenn man jemanden abmahnt,bedarf es keiner eidesstattlichen Versicherung.

        Wenn der Abgemahnte die Unterlassungserklärung nicht unterschreibt,kann man eine Einstweilige Verfügung beantragen,um den Beschuldigten zu zwingen,seine „Behauptungen“zu unterlassen.
        Hierzu bedarf es einer Eidesstattlichen Versicherung,die man mit diesem Antrag dem Gericht vorlegt.
        Dann wird weine einstweilige Verfügung ohne mündliche Verhandlung innerhalb von 24,bzw. 48 Stunden vom Gericht erstellt.
        Gegen diese EV kann man Widerspruch erheben,so dass es dann zu einem Hauptsacheverfahren kommt,wo die Beteiligten zur Verhandlung geladen werden.
        Die im Schriftverfahren erstellte Einstweilige Verfügung hat bis dto. Gültigkeit !
        Herr Lachmann hat wohl aus gutem Grunde keinen Antrag auf eine einstweilige Verfügung stellen lassen.
        Warum er schon vor der Unterlassungserklärung eine eidesstattliche Versicherung abgegeben,bleibt sein Geheimnis.
        Diese ist aber nicht strafbar,sondern allenfalls genauso ein Lügenpapier,wie das Papier gewisser Leitmedien–besser bekannt unter Lügenpresse!

  2. Warum wundert einen das nicht? Durch Uthoff & Friends sensibilisiert, haben wir doch sowieso schon genauer auf die Verbindungen der Journaille geschaut. Lachmann reiht sich jetzt offiziell ein bei Joffe und Konsorten. Lachmann hat es vielleicht ein wenig dilettantisch angefangen, aber sonst? Nichts anderes habe ich erwartet. Ich kann auch diesen spektakulären Rettungsakt von Aust nicht ganz nachvollziehen. Welchen Ruf will er noch retten? Bei Springer!

  3. Teilzitat: Die Welt trennt sich von Günther Lachmann!
    Die ganze Welt oder nur die westliche?
    Das hat ja mittlerweile kosmische Ausmaße.
    Darüber , Lach´t man nicht.

  4. Können die ihre Interna nicht intern regeln? Was zum Geier ist das für eine Firmenkultur über Twitter zu kündigen? „Die Welt“ ist zum Willkürblättchen verkommen. Da kann man ja froh sein nicht mehr dazu zugehören. Als Leser und als Journalist!

  5. Qualitätsjournalismus und die Wahrheit.
    Ob diese in dieser Generation noch zusammenfinden?
    Ich mach mir da keine Hoffnung mehr.

  6. Lustig, dass Herr Conen hier „DJV“ seinem Namen anhängt, so als spräche er irgendwie für den Verband. Ja, er wäre vielleicht gerne Vorsitzender geworden, ist aber bekanntlich nicht dumm und wusste deshalb natürlich, dass man ihn nicht wählen würde.

    „Kandidat Hans Werner Conen, der nicht bei dem Verbandstag anwesend war, erhielt keine Stimme.“
    http://www.bjv.de/news/neuer-djv-vorsitzender

    Juristische Spiegelfechtereien über die (Nicht-)Strafbarkeit falscher EVen tun indes nichts zu Sache (so interessant das Thema grundsätzlich sein mag). Hier geht es darum, dass ein Journalist, der bei einer Zeitung unter Vertrag stand, zugleich verdeckt gegen Geld PR für eine Organisation machen wollte, die Gegenstand seiner Berichterstattung war. Und es geht um Dinge wie die Heuchelei des Herrn Gauland (siehe Update oben). Hätte Gauland einen ethischen Kompass, könnte er solche krummen Sachen nicht herunterspielen. Ich möchte ihn hören, wenn etwas Vergleichbares im linken Lager passierte.

    Nein, wer hier Lachmanns Karriere „vernichtet“ hat, war schon dieser selbst.

  7. Ich kann Gauland schon irgendwie verstehen. Es sind schon genug Menschen arbeitslos geworden, nur weil sie sich gegen den „Mainstream“ öffentlich gestellt haben.

    Das ist aber keinesfalls mit den Fall Lachmann zu vergleichen. Korrupte Journalisten haben wir schon genug. Merkel sitzt doch nur im Sattel, trotz ihrer unfassbaren Fehlentscheidungen und Rechtsbrüche, weil die deutsche Medienwelt ihr parteiisch die Stange hält.
    Da sind noch viel mehr Leichen im Keller, die Aufklärung bedürfen.

  8. 1. Die (Neben-) Frage der von Meedia fälschlich behaupteten und nicht korrigierten Strafbarkeit zeigt exemplarisch den Verfall der journalistischen Professionalität. Es geht nicht (mehr) um wahre Berichterstattung, sondern um das Diffamieren Andersdenkener als mutmaßliche Kriminelle („Legal, illegal, scheißegal“). Die verabsolutierte eigene Gesinnung ersetzt berufliche Kompetenz.

    2. In der Sache Lachmann wird ein Unterschied deutlich: Der Journalist hat sich bei, wie Herr Aust richtig ausführt, „Verstößen gegen journalistische Grundsätze“ erwischen lassen. Das hat richtigerweise seinen Rauswurf beim Springer-Verlag zur Folge. Bemerkenswert ist, dass die politische Partei, über die der Delinquent meist sachlich berichtet hat und das wohl auch weiter getan hätte, das Fehlverhalten öffentlich gemacht und sich um der Sauberkeit des Journalismus willen selbst damit publizistisch geschadet hat. Das sagt Gauland – eben weil er einen „ethischen Kompass“ hat.

    3. Im Staatsfernsehen („Reschke-TV“) und den Gesinnungsmedien („Prantl-Presse“) ist das, was bei Springer zur Kündigung führt, seit langem Alltag und Prinzip. Über Parteitage berichten als Journalisten verkleidete Parteimitglieder, „rot angestrichene Faschisten“ entwerfen ungeniert ganze Parteiprogramme und PR-Kampagnen („Was die SPD jetzt tun muss“) und erledigen (im doppelten Wortsinne) die Konkurrenten ihrer Parteien als „Nazis“, „Pack“ oder „Pöbel“. Das Honorar für die „Drecksarbeit“ treibt die GEZ mit der Flinte ein.

    Noch Fragen zur „Herrschaft des Unrechts“?

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