ProSiebenSat.1 vor Dax-Aufstieg: Neue Wachstums-Fantasien für Thomas Ebeling

ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling
ProSiebenSat.1-Vorstandschef Thomas Ebeling

Fernsehen Als erster Medienkonzern könnte ProSiebenSat.1 demnächst in den Olymp des deutschen Aktienmarktes aufsteigen, falls der Arbeitskreis Aktienindizes der Börse am 3. März hierfür grünes Licht gibt. Für Vorstandschef Thomas Ebeling hätte der Dax Einzug diverse Vorteile. Er zieht nicht nur das Interesse internationaler Investoren an, was den Börsenkurs des Unternehmens beflügeln würde. Viel wichtiger. Ebeling kann sich als Dax-Wert leichter Geld für Mega-Akquisitionen im In- und Ausland beschaffen.

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Von Gregory Lipinski
Vergangenes Jahr hatte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling noch große Pläne. Wochenlang wurde öffentlich darüber spekuliert, ob der Unterföhringer Medienkonzern mit dem Berliner Konkurrenten Axel Springer fusioniert. Beide Konzerne wollten angeblich im Digitalgeschäft eine neue Marktmacht bilden und das Fernseh- sowie Print-Geschäft unter ein Dach vereinen. Doch ebenso schnell wie der Fusionsgerüchte an der Börse die Runde machten, versiegten sie auch wieder. Bis auf ein kleines Gemeinschaftsunternehmen, um Startups zu fördern, passierte nichts.

Wäre ProSiebenSat.1 damals bereits der neue Stern am Dax-Himmel gewesen, hätte P7S1-Chef Ebeling wohl bei einem Zusammenschluss mit Axel Springer eine gewichtigere Rolle gespielt. Denn ein Aufstieg in die erste Liga der Börsenwelt verschafft dem Medienkonzern deutlich mehr Spielraum, einfacher an Geld zu kommen. „Sollte das Medienunternehmen Geld für Wachstum oder größere Zukäufe benötigen, ist eine Kapitalaufnahme im Dax leichter als im M-Dax“, erklärt Marcus Silbe, Analyst beim Wertpapierhandelshaus Oddo Seydler. Derzeit sieht der Aktienexperte zwar keinen Kapitalbedarf für Ebelings Reich. Das Unternehmen sei gut aufgestellt. Wie sich das Unternehmen nach einem Dax-Aufstieg mittel- bis langfristig entwickelt, bleibt spannend.

Ähnlich sieht dies auch Silke Krüger, Head of Corporate Relationship Management bei der Hamburger Privatbank Berenberg: „Da sich zusätzliche Investorengruppen für die Aktie interessieren werden, stehen diese auch als potenzielle Investoren im Rahmen von Kapitalmaßnahmen zur Verfügung. Dies dürfte die Kapitalaufnahme erleichtern“, meint die Expertin.

Doch der Einzug in den Dax hat für Ebeling noch diverse andere Vorteile. Er verleiht dem Unternehmen nicht nur einen deutlichen Image-Schub. Auch an der Börse zeigt er Wirkung. „ProSiebenSat.1 bekommt bei Anlegern eine höhere Aufmerksamkeit, da das Unternehmen Mitglied im wichtigsten deutschen Aktienindex wäre“, erklärt Malte Räther, Analyst bei der Hamburger Privatbank-Gruppe Warburg. Vor allem der Aktienkurs könnte zusätzlichen Schwung bekommen, abhängig von der weiteren Entwicklung an der Börse. „Es sind positive Effekte auf den Kurs denkbar, da Indexfonds die Aktie aus technischen Gründen kaufen müssen“, erläutert der Wertpapier-Spezialist.

Zu dem Urteil kommt auch Krüger von der Berenberg Bank: „Die Aussicht auf einen Dax-Aufstieg gibt den Aktienkursen der betroffenen Unternehmen in der Regel in den Wochen vor der Indexaufnahme zusätzlichen Schwung“, meint sie. Neue Investoren-Gruppen sowie auch größere Fonds, die sich auf die Abbildung von Indizes konzentrieren, würden sich für die Aktie interessieren. Dies hätte einen positiven Effekt auf die Kursentwicklung.

In den vergangenen Jahren hatte der Börsenkurs des Medienhauses bereits ein rasantes Feuerwerk hingelegt. Um sage und schreibe rund 5000 Prozent kletterte die Notierung. Gestern ging der Medienwert dann leicht in die Knie. Das Wertpapier gab um 5 Prozent leichter und fiel auf rund 42,3 Euro, während der Dax insgesamt deutlich nachließ. Das ist eben die Kehrseite der Medaille, wenn man im Dax notiert wäre. Der Kursrückgang könnte an solchen Tagen dann deutlich kräftiger ausfallen, weil das Unternehmen stärker im Fokus der Ableger steht.

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Alle Kommentare

  1. Noch so ein Red., der sich an dem Thema versucht…

    Die Betonung liegt wohl auf „Fantasie“!

    „Um sage und schreibe rund 5000 Prozent kletterte die Notierung.“

    …und dann ging es wieder runter auf 41,50€… in etwa da, wo der Kurs im Jahr 2000 schon einmal lag! KGV und mickrige Dividende sprechen gegen ein „Kursfeuerwerk“! Die Aussichten der Pro7AG sind auch eher negativ. Pro7 hat keinen Raab mehr und die Nachfolger sind durch die Bank Quotenversager. Sat1 ist ein Sorgenkind, dem die letzten Zuschauer weg sterben.

    Momentan haben die beiden Privatsender RTL und Pro7 den Markt unter sich aufgeteilt. Sie blockieren alle frei werdenden Frequenzen mit billigen Schrott-Sendern. Das bleibt aber keine Dauerlösung.

    Wenn bald tausend oder mehr TV-Sender über Breitband-Internet empfangen werden können, dann klappt das nicht mehr. Wenn große TV-Sender wie GLOBO oder RAI eigene Sender für deutschsprachige Zuschauer auf Sendung bringen, dann haben die wieder echte Konkurrenz… das kostet Quote und Werbeeinnahmen.

    Deutsch synchronisierte Telenovelas zur besten Sendezeit, die RTL und Pro7 die Zuschauer weg schnappen…

  2. @k.Einer:
    Fakt ist ja aber der positive Trend seit nunmehr 5 Jahren.
    Beim KGV gebe ich Ihnen recht. Dieser lässt die Aktie etwas überteuert dastehen. An ein Kursfeuerwerk denke ich auch nicht. Wohl aber an ein konstantes Wachstum. Ja, ich weiß: das mögen natürlich wieder Viele nicht an der Börse…

    Zu Ihrer Argumentation im TV-Bereich:
    P7S1 wächst ja auch gerade im nicht TV-relevanten Digitalbereich. Und da sind sie nun deutlich besser aufgestellt als die Konkurrenz.
    Streaming ist und bleibt natürlich für alle Anbieter der Heilige Gral. Aber hier geht doch der Trend gerade hin zur Konkurrenz aus dem nicht-linearen Bereich. Das hier andere internationale Sender via Streaming zum Hauptkonkurrenten werden, halte ich für eine gewagte These.

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