#RIPTwitter: Timeline soll nach Algorithmus geordnet werden, Nutzer drehen durch

Gerüchte: Will Twitter wie Facebook werden?
Gerüchte: Will Twitter wie Facebook werden?

Die Maßnahmen, um den kriselnden Kurznachrichtendienst Twitter wieder auf Spur zu bekommen, werden immer kreativer – oder verzweifelter. BuzzFeed vermeldete gestern eine weitere möglicherweise schwerwiegende Veränderung: Twitter könnte schon in der nächsten Woche die Anordnung seiner Timeline nach einem Algorithmus umstellen. Nutzer sind fassungslos – und beerdigen den 140-Zeichendienst unter dem Hashtag #RIPTwitter. Aus Twitter-Kreisen wird das Gerücht zunächst halbherzig dementiert, bis Gründer Jack Dorsey Klartext spricht.

Anzeige

Die Endzeitstimmung bei Twitter gewinnt täglich weiter an Dynamik. Die Aktie stellt Woche für Woche neue Allzeittiefs auf, die Führungsebene quittiert in selten gesehener Geschlossenheit fluchtartig den Dienst, während Teilzeit-Chef Jack Dorsey in immer hektischeren Manövern den Kurs wechselt.

Es sieht sehr nach  Aktionismus aus.  Was hat Dorsey nicht alles in den sechs Monaten  angestoßen: Das lang erwartete News-Feature Moments wurde in den ersten Ländern ausgerollt, der Favoriten-Stern gegen Herzen ausgetauscht und bereits mit einem neuen Feature namens ‚Reactions‘ experimentiert. Zuletzt stellte Dorsey gar den Verzicht der 140-Zeichen-Grenze in Aussicht und drückt bei der Integration Periscope in Twitter aufs Tempo.

Algorithmus soll künftig über Anzeige der Tweets entscheiden

Doch der Twitter-Mitbegründer ist bei seinem radikalen Erneuerungskurs noch längst nicht am Ende. Am Freitag nach Handelsschluss schockte BuzzFeed mit der Meldung, dass Twitter vor dem bislang schwersten Eingriff seiner knapp zehnjährigen Firmenhistorie stehen könnte: nämlich komplett die Timeline umzukrempeln.

Wie BuzzFeed berichtet, will Twitter bereits in der kommenden Woche seine Timeline neu ordnen und Tweets nicht mehr wie bisher in der chronologischen Reihenfolge der abonnierten Nutzer, sondern nach einem Algorithmus anzeigen, der wie bei Facebooks News Feed automatisch über die Anzeige der vermeintlich relevantesten Tweets entscheidet. Auf diese Weise könnten (werbe-)relevantere Tweets höher in der Timeline erscheinen.

Ob die radikale Veränderung die bisherige chronologische Struktur sofort ersetzt oder zunächst nur als zusätzliches Feature angeboten wird, ist nach Angaben v0n BuzzFeed noch unklar. Techreporter Josh Sternberg von CNBC berichtet mit Verweis auf Twitter, die neue Funktion wäre nur optional.

Auch Twitter-Investor Chris Sacca erteilte einem radikalen Wechsel unterdessen eine Absage. „Die Chance, dass Twitter den chronologischen Feed ersetzt, liegt bei 0 Prozent“, twitterte Sacca.

Bei Twitter-Nutzern kommt diese mutmaßliche Entwarnung indes kaum an, zu groß ist die Entrüstung über eine der möglicherweise einschneidendsten Veränderungen seit Einführung des 140-Zeichen Dienstes 2006. Unter dem Hashtag #RIPTwitter, der zur Stunde auch in Deutschland das meistverwendete Trending Topic ist, machen sich Nutzer Luft und sehen gleichzeitig das Ende des 140-Zeichen-Dienstes gekommen:

Twitter-Gründer Jack Dorsey bemühte sich schließlich, das aufkommende Chaos einzudämmen und dementierte Änderungen in der Timeline in der kommenden Woche. „Twitter ist live. Twitter ist Echtzeit. Bei Twitter geht es darum, wem und was man folgt. Und Twitter wird bleiben. Indem es noch Twitter-hafter wird“, teilte Dorsey in zwei Tweets mit.

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Durch welchen Teil des Textes ist jetzt wohl die Überschrift mit dem so wunderbar meinungsmachenden „drehen durch“ belegt…

  2. Mal sehen, wie lange es Twitter noch geben wird in der jetzigen Form.
    Das Bild mit dem Aktienkurs zeigts ganz gut: Mehr oder weniger alle Features gingen nach hinten los…

    1. Kann man so nicht sagen: Sie haben den Absturz zumindest jeweils für ein paar Tage gebremst, aber letzten Endes nichts genützt.

  3. Twitter sollte als Open Source und/oder dauerhaftes Crowdfunding Projekt betrieben werden. Dann wäre endlich der „Zwang“ vorbei einen Gewinn machen zu müssen oder den Spekulanten an der Börse gefallen zu wollen.

  4. Man sollte den Aktienkurs aber auch nicht überbewerten. Denn die Umsatzentwicklung bei Twitter war ja in den letzten Monaten durchaus positiv.

    Das Unternehmen sollte sich vielleicht einfach mal aus dem Zirkus verabschieden, sich immer an der Größe Facebooks zu orientieren. Das gilt auch für viele andere Digital-Unternehmen.

    Twitter ist beim Thema Geld verdienen anderen Diensten wie etwa Snapchat meilenweit vorraus.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige