„Rabauken-Urteil“: Landgericht bestätigt Geldstrafe gegen Nordkurier-Redakteur

Nordkurier-Chefredakteur Lutz Schumacher
Nordkurier-Chefredakteur Lutz Schumacher

Das Landgericht Neubrandenburg hat die Geldstrafe gegen einen Journalisten wegen Beleidigung eines Jägers im sogenannten "Rabaukenjäger-Fall" bestätigt. Das Amtsgericht Pasewalk hatte den Nordkurier-Redakteur zu einer Zahlung von 1000 Euro verurteilt. Mit dem Urteil wollen sich weder Reporter noch Chefredakteur Lutz Schumacher zufrieden geben. Der Fall geht nun ans Oberlandesgericht in Rostock.

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Der Richter des Landgerichts nannte den Artikel „maximale Verunglimpfung bei minimaler Beweislage“. Der Jäger aus Vorpommern hatte als Zeuge erstmals vor Gericht geschildert, dass er 2014 ein bei einem Unfall getötetes Reh 100 Meter per Auto von der Straße gezogen und vergraben hatte. Das Vorgehen wurde fotografiert und verbreitete sich in den sozialen Medien, bevor es auch die mecklenburgische Regionalzeitung Nordkurier veröffentlichte und den Jäger als „Rabauken“ bezeichnete. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gegenüber MEEDIA erklärte Nordkurier-Chefredakteur Lutz Schumacher, dass der Reporter mit Unterstützung seines Arbeitgebers weiter gegen das Urteil vorgehen werde. „Ein so absurdes Urteil gegen die Meinungsfreiheit darf nicht stehen bleiben.“ Die nächsthöhere Instanz ist das Oberlandesgericht in Rostock.

Von Beginn an war schwer nachvollziehbar, weshalb der Jäger nicht presserechtlich gegen die Zeitung vorging, sondern Strafanzeige gegen den Reporter wegen Beleidigung stellte. Noch immer verweist die Zeitung zudem darauf, dass das Verhalten des Jägers als unwaidmännisch zu bewerten sei und stützt sichd abei auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Greifswald, das dem Jäger den Jagdschein entzog.

Der Rabaukenjägerfall und die Klage machten bundesweit Schlagzeilen und riefen sogar die Bild-Zeitung auf den Plan, die dem Nordkurier zur Seite sprang. Deutschlands größte Tageszeitung übernahm den beanstandeten Text und veröffentlichte ihn im Blatt wie online.

Darüber hinaus sorgte der Fall zunächst auch für weitere Rechtstreitigkeiten. Ein Kommentar des Chefredakteurs Schumacher hatte zur Folge, dass der ermittelnde Staatsanwalt Strafantrag gegen ihn stellte. Schumacher mutmaßte, dass Gericht wie auch Staatsanwaltschaft das Grundgesetz, in dem die freie Meinungsäußerung verankert ist, „verschludert“ haben könnten. Mittlerweile wurde der Strafantrag wieder fallen gelassen. In der Zwischenzeit machte auch der Rostocker Generalstaatsanwalt Helmut Trost Schlagzeilen, als er sich schriftlich an einen Rechtsexperten gewandt hatte, der sein Verhalten in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierte. Das Schreiben wertete der Rechtsexperte als Einschüchterungsversuch. Der Staatsanwalt widersprach.

Dadurch wurde der Fall auch zum Politikum, da die dem Generalstaatsanwalt vorgesetzte Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) nicht reagierte. Das Verhalten der Politikerin führte dazu, dass sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) laut Nordkurier von seiner Justizministerin mittlerweile distanzierte. In diesem Jahr stehen in Mecklenburg-Vorpommern Neuwahlen an.

Mit Material der dpa

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Alle Kommentare

  1. Wenn diese Kommentare ein Querschnitt durch Deutschlands Gedankenwelt sind, dann wird mir echt Angst.
    Wohltuend nur Herr Schumacher.
    Gruß aus dem Vogtland

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