Free-TV wird Pay-TV: die neue Bezahl-Strategie von ProSieben, RTL & Co.

Erst zahlen, dann gucken
Erst zahlen, dann gucken

HD+ hat es vorgemacht: Um deutsche Privatsender hochauflösend zu empfangen, müssen TV-Zuschauer heute schon 60 Euro im Jahr bezahlen. 21 Privatsender sind so per Satellit in HD empfangbar. Jetzt soll auch die bislang frei empfangbare Antennenfrequenz daran glauben: Der neue Standard DVB-T2 bringt bald bessere Bildqualität – und eine Gebühr. Das Ende des klassischen frei empfangbaren Privatfernsehens?

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Von Thomas Weiß

„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ hat es wieder geschafft: Die neue Staffel der Dschungelshow ist eines der klassischen Lagerfeuer des TV-Markts. Eine „Watercooler Show“, wie man in den USA sagt, also eine Sendung, über die man am nächsten Tag in der Arbeit spricht, wenn man die Kollegen am Wasserspender trifft. Bislang kann der Zuschauer die Show noch gratis bei RTL genießen. Wenn er nur die SD-Version (= Standard Definition) sieht. Bei HD-Empfang wird bezahlt. Immer mehr wird das Free-TV-Angebot von den großen Playern unterschwellig zum Pay-TV umgebaut. Hier die vier neuen Einnahmequellen der Privatsender:

Du willst HD? Dann bitte zur Kasse!

Wer per Satellit guckt und „Ich bin ein Star“ in HD sehen will, muss seit Jahren schon den Service HD+ nutzen. Kostenpunkt: 60 Euro im Jahr. Natürlich sei das kein Pay-TV, wie die über 20 Privatsender versichern, die unter dem Label laufen. Es sei eine „technische Servicepauschale“. HD+ entstand aus entavio, der gescheiterten Betreiberplattform von SES, den Betreibern der Astra-Satelliten. Anders als die Kabelnetzbetreiber hatte Astra damals keine direkte Kundenbeziehung und wollte sich diese über eine Verschlüsselung sichern. Das Projekt scheiterte bzw. wurde umgeformt in die Verschlüsselung des HD-Empfangs von deutschen Privatsendern.

Die HD-Qualität ist toll, leider jedoch holt man sich mit dem Abo und der damit verbundenen Kontrolle nicht mehr Service, sondern weniger ins Haus: Aufnehmen auf Festplatte, zeitversetztes Fernsehen, Vor- und Zurückspulen können für HD+-Kunden eingeschränkt werden. So soll das Überspringen der Werbung unterbunden werden. Dieser Zugriff wurde in den letzten Jahren mal mehr mal weniger von den Sendern eingesetzt.

Geld für den Antennenempfang

Auf HD mussten TV-Zuschauer, die ihr Programm per Antennenstandard DVB-T empfangen, bisher verzichten. Das soll ab 2017 anders werden, dann kommt die neue Technik DVB-T2 zum Einsatz. DVB-T wurde 2002 eingeführt, 2008 war der flächendeckende Ausbau in Deutschland abgeschlossen. Im Juni 2015 musste DVB-T allerdings Übertragungfrequenzen abgeben, zu stark ist inzwischen die Nachfrage, etwa von Mobilfunkanbietern. Das Abschalten der alten Technik bedeutet erstmal: Kosten! Die alten DVB-T-Boxen können nicht aufgerüstet werden, ein völlig neues Gerät muss her. Auch Fernseher mit integriertem DVB-T-Tuner können das neue Signal nicht verarbeiten. Selbst die neuesten Geräte benötigen noch zumindest ein Software-Update.

Damit aber noch nicht genug: DVB-T zeigte die Programme in SD, DVB-T2 setzt auf höhere Auflösung – und die kostet. Es wird auch nicht wie bei Satelliten- und Kabelempfang, eine SD- und HD-Version von Sendern angeboten, sondern nur noch die HD-Version. Wer mit DVB-T2 die öffentlich-rechtlichen Sender wie Das Erste oder ZDF guckt, ist gratis dabei (bzw. zahlt schon über den Rundfunkbeitrag). Wer zu RTL, ProSieben, Sat.1 und Co. umschalten will, muss – nach einer Gratis-Probephase – eine Gebühr zahlen.

Immerhin: Auslösung und Bildfrequenz sind sogar besser, als bei der HD-Version über Satellit und Kabel! 40 bis 50 Sender werden ab Frühjahr 2017 verfügbar sein. Einige Privatsender hatten sich bereits aus der DVB-T-Übertragung besonders in ländlichen Gegenden zurückgezogen. Jetzt sind sie aber bei DVB-T2 wieder dabei, schließlich zahlt jetzt ein anderer: der Zuschauer.

Einnahmen durch Mediatheken

Es gibt noch weitere Geldquellen: So ganz kampflos wollen die deutschen Privatsender den Bereich Video-on-Demand nicht US-Playern wie Netflix und Amazon Video überlassen. ProSiebenSat.1 hat sowieso schon die eigene VoD-Plattform Maxdome im Programm, aber auch die RTL Group setzt auf VoD. Wer etwa alte Folgen der Vox-Serie „Club der roten Bänder“ bei VoxNow sehen will, zahlt 0,99 Euro pro Folge bei der Plattformen des Senders. Genauso bei älteren Folgen von „CSI: Den Tätern auf der Spur“. 1,49 Euro kostet hier eine Folge.

Pay-TV-Sender

Neben seinem Sendern im „Free-TV“ verfügt ProSiebenSat.1 auch über eine Reihe von Sendern, die in Pay-TV-Paketen wie dem von Sky, Unitymedia oder Telekom Entertain vertrieben werden. Aktuell sind das ProSieben Fun, Sat.1 Emotions, Kabel Eins Classics. Die RTL Group hat hier im Rennen: RTL Crime, Passion, RTL Living und GEO Television.

Dort ist teilweise ordentliche Ware zu sehen, die bei den großen Sendern unter den Senderschnitt fallen würde, im Pay-TV aber für schöne Zugriffe sorgt. Der Share an den Abogebühren muss hier allerdings immer wieder neu mit den Plattformen wie Sky oder Entertain verhandelt werden.

Auch im Ausland betreiben die Sendergruppen je ein Pay-TV-Programm, die RTL-Gruppe ist hier mit RTL International dabei, ProSiebenSat.1 nennt sein Weltsignal ProSiebenSat.1 Welt.

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Alle Kommentare

  1. Nur mal so am Rande … Die öffentlich-rechtlichen Sender sind nicht kostenlos … die haben eine Zwangsabgabe die sich GEZ nennt und senden trotzdem immer mehr Werbung. Das finde ich noch eine viel größere Schweinerei, weil man es sich da nicht aussuchen kann, will ich oder nicht, man muss zahlen!

  2. Für den bislang angebotenen Mist bezahle ich bestimmt nicht noch extra. Könnt Ihr behalten und Euch selbst abschaffen.

  3. hier ist der staat gefragt .nehmt murdog und co die senderechte für deutschland .aber das können und wollen sie nicht .da sie selber unser volk verraten und verkaufen .werdet endlich wach und wehrt euch mitteln gegen den so genannten freien markt .ich wette als nächstes werden wir für die benutzung unserer straßen bezahlen die uns gehören ,wei lvon unseren steuergeldern finanziert.dies ist keine verschwörungstheorie aber die pläne liegen schon fix und fertig in den schubladen wie bei Bahn und strom dann zahlt ihr für das, was euch gehörte . es verwundert,das die werbe industrie da mit macht .ärgert euch nicht ,seid froh diese seichten verdummungsprogramme die schon pervers ausarten nicht mehr sehen müßt Wer halli galli dschungel usw. schauen möchte soll .ja muß zahlen für so viel blöd- heit so was zu schauen.mit freundlichem gruß an alle die noch klar denken können. Walter

  4. Ich empfinde es als Nötigung für werbeunterbrechungen , die immer länger
    werden und ohnehin sehr viel ,, einspielen“ noch zusätzlich gebühren zu
    zahlen. Mil.von Menschen werden gezwungen noch mal drauf zu zahlen!
    Was für ein krankes System! Neue Reciver , u.s.w.
    HD Qualität o.k. , aber man sollte die ,, Kirche“ im Dorf lassen.
    O.k. man hat die Wahl , ZDF/ARD als ZWANGSBEZAHLFERNSEHEN oder die ,,armen “ Privatsender , deren Profit durch HD – Qualität doch stark geschmälert
    wird ! Aber NEIN , es giebt ja noch Höhlen…………..!!!

  5. Schon seit der Umstellung auf komplett digitale Ausstrahlung habe ich keinen Fernseher mehr.
    Ursprünglich wurde für das Mehrfamilienhaus, in dem ich wohne, eine (1!) qualitativ hochwertige Satellitenschüssel mit Vierfachverteiler angeschafft, die an einem verdeckten Ort hängt, damit sie das Haus nicht verschandelt. Für einen adäquaten Austausch gab uns ein lokaler Fachhändler einen Kostenvoranschlag von über EUR 600. Ich habe nicht nur „Nein!“ gesagt, ich habe „Hell, NO!“ gesagt, bin in den Supermarkt gefahren und habe einen billigen Empfangskopf gekauft und selbst eingebaut (inkl. Receiver 70-80€). Ich verzichte gerne auf die Verdummung!
    Die Häufigkeit, mit der die Standards geändert werden, verbietet geradezu größere Investments. Bei der letzten Änderung saß eine Großtante plötzlich ohne Fernsehen da, weil sie keine Ankündigung mitbekommen hat.
    Btw, sowohl die Programm- als auch die Sendequalität haben abgenommen. Analoge Technik war störresistent, auch bei Gewitter konnte man meistens bei Fußballspielen noch den Ball erkennen und Ton ging fast immer, heute heißt es manchmal bei schönem Wetter „Signal Lost“, weil es bei der ausstrahlenden Bodenstation bereits gewittert (oder auch nur die Luft bereits etwas aufgeladen ist).

    tl,dr: Das Programm ist so schlecht und das ganze Konzept „Fernsehen“ ist so 20. Jahrhundert, dass man ohne Probleme darauf verzichten kann. Mein Schwager und ich schenken uns an Weihnachten die neue Staffel unserer jeweiligen Lieblingsserie, die kann Mann sich ansehen wenn er Zeit hat und verpasst nichts, wenn Frau, Kind, Telefon, etc. unterbrechen.

  6. Ich glaube man testet hier nur wann das lineare tv abgeschafft werden kann.
    Viele junge leute schauen heute tv nicht mehr on air sondern übers internet.
    Lediglich ältere menschen die technisch nicht auf dem neuesten stand sind schauen noch on air. Ich jedenfalls zahle nichts, weder HD+ noch Zwangs-GEZ.
    Notfalls gehe ich ins Gefängnis. Leute zeigt mal das ihr rückgrat habt.
    Wie sang schon Grönemeyer „Wir werden gern regiert“

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