WDR-Journalistin Zimmermann: „Ich habe doch nur ausgedrückt, was alle wussten“

Claudia Zimmermann hat der RP ein Interview gegeben.
Claudia Zimmermann hat der RP ein Interview gegeben.

Audio Die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann hat sich erstmals in einem Interview zu dem missglückten Auftritt im niederländischen Radio geäußert. In einer Talkrunde hatte sie erklärt, dass die Reporter des WDR angewiesen worden wären, im Sinne der Regierung zu berichten. Gegenüber der Rheinischen Post entschuldigte sie sich nun erneut dafür, kritisierte aber auch das Verhalten der Medien. "Unausgesprochen haben sich fast alle Journalisten über Jahre einen Maulkorb auferlegt."

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Die Medien hätten bezüglich des Tenors in der Flüchtlingsberichterstattung alle die „political correctness falsch verstanden“: „Wir haben doch alle die Tatsachen verschwiegen.“ Dabei sei auch klar, „dass wir Journalisten, egal ob wir regierungsfreundlich oder regierungsfeindlich eingestellt sind, auch in einer gewissen Euphorie zu diesem ausgegebenen Slogan der Willkommenskultur standen“, so Zimmermann weiter. „Wer wollte denn Merkel stoppen, als sie so mutig vorpreschte? Ich habe doch nur ausgedrückt, was alle wussten.“

Dass es nach dem Interview im niederländischen Radio zu Missverständnissen gekommen ist, sei einer Unterbrechung geschuldet. Zimmermann stellte noch einmal klar: „Niemals gab es senderintern Anweisungen, merkelfreundlich zu berichten. Nur, es gibt auch eine gefühlte Wirklichkeit. Ich habe das eben so empfunden, dass man als Journalist in diesen Monaten, als die Flüchtlinge kamen und manche dann auch straffällig wurden, nicht allzu kritisch berichten sollte.“

Auch ihre Aussage, dass Meinungen von „Ausschüssen“ vorgegeben werden, sei ein Missverständnis. „Das war mein missglückter Versuch, auf Niederländisch zu erklären, was in Deutschland öffentlich-rechtliche Sender und Rundfunkräte für Organe sind. Ich habe versucht, den Pressekodex in Niederländisch zu erklären.“ Bei der Entschuldigung via Pressemitteilung ihres Auftraggebers WDR habe man sie nicht unter Druck gesetzt, so Zimmermann auf Nachfrage. „Ich habe mich ja tatsächlich vergaloppiert, insofern war die Reaktion des WDR nur verständlich.“

Zimmermann sorgte zu Beginn der Woche für Irritationen und Aufregung, weil sie in einer Talkrunde des niederländischen Senders L1 zum Ausdruck brachte, den Journalisten des WDR sei ihre Berichterstattung pro Regierung diktiert worden. Kurz darauf hatten sich Zimmermann und der WDR von den Äußerungen distanziert, freie Mitarbeiter des Senders hatten am Mittwoch in einem offenen Brief betont, dass ihnen in ihrer Berichterstattung keine Vorgaben gemacht würden. Doch die Aktion war auch diese Aktion unter den freien Journalisten umstritten. 

 

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Alle Kommentare

  1. Frau Zimmermann wohnt in Limburg/Niederlande..spricht und versteht perfekt die niederländische Landessprache ,usw.
    Das Interview wurde in den Niederlanden und auf Niederländisch in einem Radiosender geführt.
    Frau Zimmermann sprach fließend,deutlich und zusammenhängend.Sie holperte keinen Satz heraus,sondern erklärte stets die Zusammenhänge,warum es beim WDR so ist und zwar klar und deutlich.
    Ich wohne selbst in der Nähe von Maastricht und bin der niederländischen Sprache mächtig.
    Und jetzt verniedlicht Frau Zimmermann auf Regie-Anweisung,auch wenn diese es dementiert.Verdenken kann Ihr das niemand.
    Wenn Journalisten vor lauter Euphorie nicht mehr unabhängig berichten,sondern gesteuert und pro Merkel bei der Flüchtlingspolitik,so scheint bei der Einseitigkeit der Berichterstattung des WDR wohl jeden Tag Euphorie zu herrschen,da man stets vor lauter Freude vergisst,die Wahrheit zu verkünden.
    Und die Reaktionen gewisser Freier Mitarbeiter auf „Marvin Oppung“Artikel zeigen doch deutlich,dass man entsetzt ist,dass es mit der Vertuschung nicht geklappt hat.
    Herr Oppung ist ein anderes Kaliber und lässt sich nicht weichklopfen,wie die wahrscheinlich vom WDR finanziell abhängige Frau Zimmermann1

    1. Mit Ihrer Einschätzung gehe ich insgesamt konform. Nachtragen möchte ich, dass der WDR Claudia Zimmermann zunächst als (freie) Mitarbeiterin sicher behalten wird. Sie unmittelbar zu schassen, wäre zu auffällig. Vermutlich wird sie aber in 1-2 Jahren rausfliegen. Könnte danach relativ bitter werden, sie ist 54 Jahre alt und im ÖR-Medien-Komplex nun mit dem unausgesprochenen Bann belegt. Eventuell später Möglichkeiten bei den Privaten, aber auch dies scheint fraglich.

  2. Die Wahrheit kommt also doch ans Licht – früher oder später.

    Und ja: Es hat tatsächlich jeder gewußt, nicht nur die Journalisten selber, sondern auch die Leser, bzw. Zuschauer.

    Den Begriff von der „Schere im Kopf“ kennt doch wohl wirklich jeder und den gab es ja auch schon (sehr) lange vor Köln – warum wohl?

    Wie gehts nun aber weiter?

    Ich bin Pessimist und vermute, es wird nach den altbekannten Mustern verfahren:

    Möglichst verschweigen, wenn das nicht geht Kleinhalten und ansonsten einfach Aussitzen.

    Irgendwann wird der ganze Sturm vorüber sein und alles ist wieder richtig schön und ruhig im Tele-Tubbi-Land.

    So ist es schließlich immer gewesen und so wird es auch diesmal wieder sein. Ganz sicher. – Man muss nur fest dran glauben 😉

  3. Die Erklärung klingt sehr plausibel. Ich möchte hier eine eigene Erfahrung schildern: Ich berichtete von einer rechten Demo und der obligatorischen Gegendemo. Auf der Demo wurde ein Flugblatt der Linken beschlagnahmt mit der (aus meiner Sicht zutreffenden) Begründung, dass es zur Gewalt aufrief.
    In dem Bericht brachte ich ein Zitat von der rechten Seite. Dieses wurde mit Hinweis auf Platzmangel gestrichen. Stattessen wurde wortwörtlich eine vierspaltige Stellungnahme der Linken abgedruckt, indem indirekt die „faschistische“ Staatswillkür beklagt wurde. Die Diskussion um die Äußerungen der WDR-Reporterin ist auch das Ringen um die richtigen Worte im Umgang mit dem Phänomen der „linken Medien“, die in ihrem „Kampf gegen Rechts“ gleich alle anderen unliebsamen politischen Meinungen mitentsorgen. Wir brauchen mehr Neutralität, mehr Balance, mehr Offenheit.

  4. Seit ihrem Talk im niederländischen Rundfunk über angebliche Vorgaben des WDR in der Flüchtling-Berichtserstattung bangt Claudia Zimmermann um ihren Job!
    So steht es heute in der Rheinischen Post.
    Damit ist alles gesagt und erklärt das „SO NICHT GESAGT“ deutlich.
    Wer würde nicht so handeln,wenn man Angst haben muss,seine Existenz zu verlieren?
    Ein gelenkter Staatssender im Gewand der „angeblich so Unabhängigen“
    Letzteres ist wohl eher als Tarnung zu sehen!

    http://www.rp-online.de/panorama/fernsehen/claudia-zimmermann-vom-wdr-wir-haben-doch-alle-die-tatsachen-verschwiegen-aid-1.5709516

  5. Leute, die Schere im Kopf = Selbstzensur gibt es überall, nicht nur im WDR. Die gibt es genauso bei „Russia Today“ oder der „Jungen Freiheit“, nur eben andersrum. Da braucht es keine Anweisungen von oben, das geht automatisch. Wer finanziell abhängig ist, berichtet so, wie er denkt, daß es dem Brötchengeber gefällt. Das ist auch menschlich verständlich.

    1. Hallo Ditmar Pauke,

      ob es bei der Jungen Freiheit,oder RT genauso gehandhabt wird,kann ich nicht beurteilen.
      Fakt ist aber,dass man für diese Genannten keine Zwangsgebühren entrichten muss!
      Ob man für gewisse Lügen bezahlen muss,oder sich diese freiwillig antut,ist ja ein großer Unterschied!

    2. Das Problem ist ja, dass die Willkommenskultur-Journalisten selbst massiv gegen Kollegen vorgehen, die die Schere im Kopf eben nicht haben. Da wird dann so lange öffentlich und hinter den Kulissen Stimmung gemacht, bis die ihren Job verlieren oder die entsprechenden Medien, die die Schere nicht entsprechend der gewünschten linie im Kopf haben, boykottiert werden. Der SWR hat doch eben erst bei Werbekunden von – meiner Meinung nach ziemlich spinnerten – Internetseiten Druck gemacht, damit die dort keine Werbung mehr schalten. Man sieht man keinen großen Unterschied mehr zwischen manchen, die den Faschismus bekämpfen wollen, und dem, was sie bekämpfen wollen.

      1. Es ist definitiv so! Einige der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten funktionieren wie `ne Sekte und nicht wenige in den Führungsetagen haben ein Parteibuch. Wir sehen alle immer oft das große Ganze, aber es grundsätzlich wesentlich subtiler. Meist sind es die wenigen Einzelnen an der Spitze, die die Richtung vorgeben. Und die sind meist so „mächtig“, dass sich von den normalen Mitarbeitern kaum einer mit ihnen anlegen will. Aber jenen geht es selten um Politik oder ein tolles, kritisch- journalistisches Gesamtbild sondern ausschließlich nur um sie selbst und ihren eigenen Vorteil. Ich vermute mal, dass es neben Politik, Kultur und einigen hohen Wirtschafts-/Finanzfunktionen kaum eine Branche geben dürfte, in der die Anzahl von intelligenten, aber meist völlig empathielos-egoistischen Narzissten in Führungspositionen so überrepräsentiert ist. Falls der „normale“ Medienbetrieb durch diese Leute tatsächlich mal profitieren sollte, hat er allenfalls Glück gehabt. Und natürlich gibt es sehr kurze Wege zwischen dieser Personengruppe und der Politik. Oft sind das langjährige Bedarfsfreundschaften, die beiden Seiten maximal nutzen. Ich war lange genug dabei! Klar, dass Frau Zimmermann jetzt unter mega Druck steht!

  6. Das mag ZUM TEIL durchaus so sein wie Frau Zimmermann sagt – in Sachen selbstauferlegter politischer Korrektheit. Erste (formale) Konsequenz müsste sein, die Richtlinie 12.1, die Journalisten ja irgendwann mal selbst da rein geschrieben haben, so schnell wie möglich aus dem Pressekodex zu streichen. Solange wir uns da aus lauter politischer Korrektheit sprachlich einen abbrechen und nicht ganz klar und eindeutig die Herkunft benennen (also das ganze Gegenteil machen, von dem, was aktuell da drin steht) wird es weiter den Vorwurf geben, dass wir etwas verschweigen wollen.

    Selbst bei dieser formalen Sache ist die Verbindung zur Politik vorhanden. Diese „Verschleierungstaktik“ haben uns vor sehr langer Zeit, durch ständige Erneuerung und Wiederholung, mal die Grünen fast aufgenötigt – so lange bis es vermeintlich allgemeine (politisch korrekte) Meinung war. Und denkt mal nur ganz kurze Zeit zurück. Auch der Begriff Willkommenskultur (ständig wiederholter Satz: „Wir müssen endlich eine Willkommenskultur schaffen.“ ist uns durch ständige Wiederholung von Grünen und Linken aufgenötigt worden, solange bis ihn Politiker -und auch wir (bis auf wenige Ausnahmen) in den Medien- einfach so übernommen haben.

    Konkret im Fall von Frau Zimmermann weiß ich nicht, ob sie jetzt in Limburg ihre persönliche Erfahrung wiedergegeben und damit dort die Wahrheit gesagt hat oder ob sie persönlich diese Erfahrung (Vorgaben zu bekommen) tatsächlich noch nicht gemacht hat. (In der Tendenz bin ich bei Rolf Berger, Kommentar 11.45 Uhr) Fakt ist, dass es solche Vorgaben direkt und indirekt gibt. Das ging und geht so weit (Ich kenne selbst Beispiele), bei denen Kollegen mindestens an den Rand oder ganz rausgedrängt wurden (ihren Job verloren haben), die nicht „auf Linie“ waren.

    Zimmermanns Satz „Wir haben doch alle die Tatsachen verschwiegen.“ ist aber definitiv falsch. Es hat durchaus Journalisten gegeben, die von vornherein vor dieser „Willkommenskultur“ gewarnt und auf die Einhaltung bestehender Gesetze und internationaler Verträge (vom Grundgesetz angefangen bis zum Aufenthaltsgesetz) hingewiesen haben. (Da sind wir Journalisten sonst ganz schnell wenn irgendwo Gesetze verletzt werden, hier nicht.) Doch diese Kollegen wurden an den Rand geschoben, teilweise übelst diffamiert (Wo bleiben die Entschuldigungen dafür – heute, wo mehr Kollegen etwas klarer sehen?) und durften ihre Beiträge nicht machen, diese Meinung nicht in journalistischen Beiträgen äußern.

    Der eine Hinweis von Frau Zimmermann in der RP (sinngemäß, dass man einigen Kollegen gar keine Vorgabe machen muss weil die ohnehin politisch so orientiert sind) ist aber durchaus richtig. Dazu gibt es von mir den Hinweis auf diverse Studien, dass sich in Deutschland über zwei Drittel der Journalisten selbst links verortet sehen, vor allem bei den Grünen plus Linke und SPD – und das (zum Zeitpunkt der Studien) bei komplett entgegengesetzten Mehrheitsverhältnissen im Bundestag, dessen Zusammensetzung ja irgendwie die Meinung der Gesamtbevölkerung wiedergibt.

  7. Volle Zustimmung zu Karl Auer – siehe mein Beitrag unten. Den SWR-Beitrag in report Mainz (betreffs der Anzeigen im Internet) habe ich auch gesehen. Ich bin fast vom Stuhl gekippt. Da haben sich Journalisten (und auch Politiker wie Herr Pistorius) gar nicht einzumischen. Ich hoffe, dass sich der eine oder andere Betroffene findet, der genügend Rechtsschutz hat und gegen die Autorin und den Sender auf Schadenersatz klagt. (Man kann report Mainz ja mal googeln und die Reaktionen auch vieler Medienkollegen auf diesen Beitrag nachlesen.)

    Etwas ironisch könnte ich jetzt sagen: Das kommt davon, wenn die ARD immer mehr „kleine Mädchen“ auf die Sender lässt. Dafür, dass die Strategie „Hauptsache jung und weiblich“ nicht die beste ist, gibt es ja nun genügend Beispiele. Da fehlt es der jungen Kollegin selbst mit 34 Jahren wohl noch etwas an Erfahrung und eventuell auch an Ausbildung – ihre journalistische beschränkt sich auf den SWR und das Hauptstadtstudio. Soll man da Schlüsse draus ziehen?

    Kurz zu Nighhawk. Das Problem ist nicht, dass auch Journalisten ein Parteibuch haben können. Das Problem ist, dass diese Journalisten das Parteibuch – und auch ohne Parteibuch ihre eigene politische Ausrichtung / Verbundenheit- bei ihrer Arbeit ausblenden müssen und das anstehende Thema einfach sachlich, fachlich bearbeiten müssen. Wer das kann, bei dem ist auch das Parteibuch kein Problem. Aber das können die wenigsten. Und viele, das ist auch richtig, haben sich das Parteibuch zugelegt, um ihre Karriere zu befördern. Es gibt Sender, bei denen muss ein Kollege gar nicht bei der „anderen Fraktion“ verortet sein, da reicht es wenn man sich nicht offen zur „maßgebenden Fraktion“ bekennt, um an den Rand geschoben zu werden und die „Karriere“ eher flach verläuft.

  8. „Normaler“ Mensch: Wie kann ich eigene Skills und Fähigkeiten am besten mit wertvollen Lebenszielen verknüpfen? Bin ich in der Lage, mir angetragene Aufgaben gewissenhaft, sorgfältig und mit notwendiger Kraft und Überzeugung zu erfüllen?

    „Narzisst: Wie schaffe ich es am schnellsten ohne viel Aufwand nach ganz oben? Wen und was kann ich dafür benutzen, wer ist wichtig und wer muss weg? Welcher Studiengang, der nicht so viel Stress macht und bei dem ich möglichst nur ein bissel lernen muss, bringt mir am schnellsten Ansehen und ’nen Doktortitel?

    Wird einem „normalen“ Mensch eine Führungsaufgabe angeboten, wird er sich im Vorfeld erstmal gewissenhaft damit auseinandersetzen, alle Für und Widers genau abwägen und selbstkritisch hinterfragen, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist. Ein Narzisst funktioniert ganz anders und zögert keine Sekunde: „Au fein, ich mache jetzt Karriere, habe dann Macht, Einfluss und alle lieben und bewundern mich. Den Rest werde ich schon irgendwie hinbekommen. Gibt ja dann genug Skills bei meinen Mitarbeitern.“

    Und da diese Leute sich meist hervorragend selbst inszenieren und bei den richtigen Leuten anbiedern, machen sie auch Karriere und landen in teils höchstens Positionen selbst wenn eine Anstalt dafür einen neuen hochdotierten Posten schaffen muss. Aber viele von ihnen bleiben trotzdem „schwache“ und oft hochambivalente Chefs, die ständig irgendwelchen Machtspielchen nachgehen, Mitarbeiter schikanieren oder [aus Konkurrenzangst/Eifersucht/Launen] „entsorgen“ (gibt ausreichend prominente Beispiele dafür), gravierende Fehlentscheidungen fällen, die anschließend mit allen Mitteln, enormen Druck auf die eigenen Strukturen und bei worst case mit den Hausjustiziaren vertuscht werden müssen.

    So funktioniert leider der ganze Apparat seit Anfang der 90er!

  9. Tssss,
    seit Tagen verfolge ich diese Diskussion und kann gar nicht glauben, wie viel Selbstbestrug heute offenbar möglich ist. Als ich als freier Mitarbeiter für ARD-Sender arbeitete, sprach man ganz offen darüber, wer auf einem „schwarzen“ oder einem „rotem“ Ticket fährt, wer welche Chancen auf ein Volontariat oder eine Festanstellung hat, weil der Abteilungsleiter von dieser oder jener Redaktion doch dies oder jenes Parteibuch hat. Ungünstig war, wenn man gar nicht in eine der beiden Schubladen einsortiert werden konnte (wie ich, irgendwie unabhängig). Dann wurde einem nahegelegt, sich doch einer Seite zuzuordnen. Konsequenterweise habe ich mir dann einen privaten Arbeitgeber gesucht, da weiß man, woran man ist. Kein Proporz-Herumgeeiere mehr.
    Und zur Debatte über die Euphorie zur „Willkommenskultur“: Ich hoffe, dass sich sehr bald etliche Publizistikstudenten finden, die wissenschaftlich dokumentieren wie deutsche Medien sich 2015/2016 in brave Volksbelehrungsanstalten verwandelt haben und von ihrem eigentlichen Auftrag, nämlich konsequent a l l e s kritisch zu hinterfragen, abgerückt sind (Beispiel: „Der Zorn über die Übergriffe in Köln ist verständlich – aber er darf nicht zu vereiligen Schlüssen verleiten“ – in einem normalen Bericht, nicht in einem Kommentar. Wieviel Angst steckt in so einem Satz! Die Deutschen sind einfach ein Volk von angepassten Strebern, sorry. Mutti hat gesagt, wir schaffen das, und deshalb müssen wir uns jetzt alle ganz doll Mühe geben und diese Hausaufgaben erledigen und wir Journalisten müssen uns auch anstrengen und das Volk dazu bringen).

    1. Zur Auswertung kann ich was beitragen: Ich habe von Anfang an sehr viel aufgezeichnet, was zum Thema in den Ö-R gesendet worden ist. Ich schätze mal 80 Prozent der Beiträge habe ich.

      Ich fürchte nur, im Studentenalter fehlt noch ein wenig der Blick für die Details, auf die es ankommt. Da verstehen viele, aufgrund der eigenen Weltsicht, nicht, was es denn da zu analysieren oder gar zu kritisieren gäbe. Ich erlebe es ja immer wieder bei den Studienanfängern: Bei der Frage, warum sie Journalist werden wollen, kommt als Antwort allzu oft der Weltverbesserungs-Anspruch / -Absicht.

      Wenn ich dann antworte, dass sie dann besser Entwicklungshelfer oder Sozialarbeiter werden sollten, werde ich meistens ganz verständnislos angesehen – in der Art, was ich denn damit sagen wolle / meinen würde.

      Aber interessant ist meine Sammlung schon. Wenn ich mal Zeit haben sollte, schreibe ich mir mal auf, wer wann welche Position bezogen hat – nicht nur von den Politikern, sondern auch von den vielen „Experten“ und auch von den lieben Kollegen.

  10. Fragende:
    Als NIcht-Journalistin, aber Leserin vieler Zeitungen und TV -Politik-Zuschauerin hätte ich gerne aus Ihrem Kennerkreis erfahren, wie Sie die Sendung „Hart aber fair“ -Thema Lügenpresse- bewerten.

    Ich empfand es so, dass Herr Plasberg- Frau Reschke öffentlich demontierte; in meinen Augen zu Recht.
    Ihre selbstgefällige und apodiktische Moderation, meist ohne Fakten, ließ mich nach den Sendungen oftmals nur kopfschüttelnd zurück.
    -War das ein ehrlicher Versuch des Herrn Plasberg die TV Berichterstattung einmal auf eine kritische Ebene zu heben?
    D.h. war die ENTRÜSTUNG von Frau Reschke , die ich meinte wahrzunehmen, nur gespielt? Das ist die Frage, wieweit sich Kollegen absprechen und eine Inszenierung abhalten oder in Konkurrenz treten.
    Seit dieser „hippy “ Willkommenskulturberichterstattung ist mein Vertrauen in d. Medien gänzlich zusammengebrochen. Setzt die Sendung v. Plasberg eine kleine Hoffnung auf e. Berichterstattung, die den Namen verdient, zu-
    oder war alles Show ? Würde mich über IHRE Einschätzungen freuen.
    ( Für mich ist eine Qualitäts-Presse -so wichtig -wie sauberes Wasser und das Grün der Bäume )

    1. Ja die Reschkes dieser Welt …Das kommt halt raus, wenn Leute wie
      Claudia Roth und die K. Göring E. in einflussreiche Positionen kommen. Dann bekommt man die passenden Medien dazu…
      Warum wundert das denn nun jemanden ? Mülltrennzwang, Glühbirnenverbot, allerorten Sprachpolizei, Genderwahn …usw. Im Durchsetzen des eigenen beschränkten Weltbildes sind sie halt genau so rigide wie die Konkurrenz von der CSU. Regenbogenfahnen statt Trachten- Janker- mehr hat sich nicht geändert.
      Politik halt.

  11. Hätte ja mal jemand am besagten Flashmob-Abend beim Kölner WDR-Funkhaus am Wallrafpl. 5 anklopfen können zwecks Themeanregung; es befindet sich schliesslich nur knapp 200 Meter entfernt von der Domplatte.

  12. Seit dem damals Schröder an die Macht kam, hat der unter Kohl oftmals (staats)kritisch berichtende NDR dann nur noch Friede Fraude Eierkuchen produziert. Seit damals bin ich auf eigene Audiokonserven ausgewichen.
    Fernsehen schaue ich auch schon lange nicht mehr. Allerdings bezahle ich auch nicht für Koch, Zoo, Talk, Volksmusik, Leipziger Südamerikanisch Staatsanleihen, Erfurter Kika Unbemerkt Millonen Verzocker, Drehbuchklüngel, Dümmlicher Quote (egal ob Frauen- oder Einschalt-), und überhaupt dieses ganze Volksverblödungsfernsehen.

  13. Ich finde das wir als Deutsche von unserer Presse denunziert, als Lügner abgestraft und als dumme Schwätzer dargestellt werden.

  14. Können Sie mir erläutern, was der grammatikalisch völlig verunglückte Schlußsatz Ihres Beitrages – Zitat- „Doch die Aktion war auch diese Aktion unter den freien Journalisten umstritten“ aussagen soll? –
    Die sprachliche Unbeholfenheit dieser Website entspricht freilich der intellektuellen Simplizität ihres Berichterstattungsobjektes. Es bedurfte wohl nachgerade der schier kindlichen Orientierung einer Frau Zimmermann auf etwelche vermeintliche „Autoritäten“ respektive übergeordnete Instanzen, um derlei hilflos naives, geistige Unselbstständigkeit manifestierendes, Untertanengeschwurbel mit dem Subtext vorauseilend wetterwendischen Gehorsams hervorzubringen, welches nunmehr der völkischen und jeglicher sonstigen Verschwörungsideologenszene zum ultimativen „Beweise“ ihrer Lieblingsparole von der „Lügenpresse“ dient. Dabei scheint die verehrliche Kollegin von nicht allzuviel Wissen über Genese, Historie und systemische Zwecksetzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angekränkelt zu sein, sonst wäre ihr doch wohl bewußt, daß dieser eine öffentliche Angelegenheit zur Beförderung des demokratischen Diskurses sein soll, auf der Basis strikter Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben oder Zensurregularien, nicht jedoch ein Sprachrohr der jeweiligen „Regierung“, auf deren gemutmaßte Erwartungen freilich nicht nur Frau Zimmermann sich nach Maßgabe des Opportunitätsprinzips fokussiert. Legt man diese Logik zugrunde, so wäre es jedoch auch denkbar, daß sich die Berichterstattung chamäleonhaft anzupassen hätte, wenn beispielsweise die AFD die „Macht ergreifen“ würde. Die meisten Kollegen würden das, denke ich, allerdings ebenso ablehnen wie überhaupt jegliche Entgegennahme irgendeiner „Richtlinie“ oder „Sprachregelung“. Desgleichen sei die Kollektivität solcher Inanspruchnahmen zurückgewiesen wie etwa der, „wir alle“ hätten im Kontext des Flüchtlingsthemas „die Wahrheit“ verschwiegen, welch diffuse „Wahrheit“, respektive welches als „Wahrheit“ sich gerierendes populistisches Ressentiment, damit auch immer gemeint sein soll.

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