Time Warner-CEO Bewkes: „Offen für den Verkauf“

CEO von Time Warner: Jeff Bewkes
CEO von Time Warner: Jeff Bewkes

Fernsehen Der große Paradigmenwechsel in der TV-Industrie könnte drastische Folgen haben: Branchenprimus Time Warner könnte zum Verkauf stehen. Seit Tagen kursieren die Gerüchte um eine Aufspaltung oder den Verkauf von Sendern wie HBO oder CNN. CEO Jeff Bewkes soll diese Optionen in einem internen Meeting verworfen, sich aber offen für einen Komplettverkauf gezeigt haben – womit Aktionärsaktivist Carl Icahn, Erzrivale Rupert Murdoch und sogar Amazon ins Spiel kommen könnten.

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Der große Tag jährte sich vorgestern zum 16. Mal. Tatsächlich, am 10. Januar 2000 war es, als AOL die wohl legendärste Übernahme der Mediengeschichte verkündete: Beflügelt durch den Höhenrausch an der Börse schluckte der Internet-Emporkömmling den Branchenprimus der alten Medien-Ära für unfassbare 160 Milliarden Dollar.

Schon wenige Jahre später war klar: Der Mega-Merger sollte beiden Unternehmen nicht gut bekommen – AOL verlor im Zuge des Internetcrashs der Nullerjahre schnell die Kontrolle über das Gemeinschaftsunternehmen und wurde schließlich 2009 für den Bruchteil des einstigen Börsenwertes abgespalten.

Schwerer Kurseinbruch: 74 Prozent unter dem AOL-Übernahme-Allzeithoch

Doch auch Time Warner hat nie wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen können. Nur noch 56 Milliarden Dollar ist der einst größte Medienkonzern der Welt noch wert – die Aktie notiert entsprechend fast 75 Prozent unter den einstigen Höchstkursen.

Grund für den jüngsten  Niedergang, der im vergangenen Börsenjahr allein 25 Prozent des Börsenwertes vernichtete: der sich immer deutlicher abzeichnende Paradigmenwechsel in der Fernsehlandschaft – weg zum kostspieligen Kabel-Abo hin zu günstigeren und flexibleren Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon, die inzwischen auch regelmäßig mit Auszeichnungen überschüttetet werden.

Carl Icahn könnte investieren

Allerdings verdient TimeWarner, das die Nachrichtensender CNN und die Kabelkanäle HBO, TNT, TBS, Cartoon Network besitzt, trotz des sich abzeichnenden Trendwechsels immer noch gut. Die Umsätze zogen in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres um 6 Prozent an, während die operativen Gewinne sogar um 19 Prozent im Plus liegen. Pro Quartal verdient Time Warner unter dem Strich immer noch knapp eine Milliarde Dollar.

Das sind Dimensionen, die Groß-Investoren auf den Plan locken könnten. Seit Tagen kursiert das Gerücht, dass Carl Icahn, der wohl berüchtigste Aktionärsaktivist der Welt, in Time Warner investieren und dementsprechend Druck auf das Management aufbauen könnte – wie bereits einmal (erfolglos) vor zehn Jahren  gesehen. Icahn dementierte allerdings gegenüber Reuters zumindest, dass es bislang keine Position besitze.

21st Century Fox oder Amazon an Übernahme interessiert?

Doch möglicherweise könnte es gleich zu einer Großübernahme könnte: Wie die New York Post berichtet, sollen Time Warners Großaktionäre auf einen Verkauf  drängen. Als möglicher Käufer kommt automatisch Rupert Murdoch 21st Century Fox in Spiel, das im vergangenen Jahr bereits einen erfolglosen Vorstoß wagte.

Nicht weniger interessant: Die New York Post nennt auch eine Wiederauflage des 2000er-Szenarios als Option – und nennt als möglichen Bieter aus der Internet-Industrie Amazon! 2014 investierte Amazon allein 1,3 Milliarden Dollar, um seinen Streaming-Dienst Prime Video mit Qualitätscontent und Eigenproduktionen auszustatten.

Bewkes gegen Teilverkauf von HBO oder CNN – nur Gesamtverkauf möglich

Dass CEO Jeff Bewkes einem Verkauf unterdessen nicht mehr abgeneigt scheint, sickerte nach mehreren Meetings mit Investoren am Montag durch. Wie abermals die New York Post mit Verweis auf gut unterrichtete Kreise berichtet, habe sich Bewkes gegenüber einem Gesamtverkauf bei entsprechenden Offerten offen gezeigt.

Eine Teilverkauf von Filetstücken wie dem beliebten Kabelkanal HBO (Game of Thrones) oder CNN schloss Bewkes dagegen kategorisch aus. Investoren befinden sich angesichts der möglichen Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur seit Tagen in Lauerstellung: Seit Jahresanfang liegt die Time Warner-Aktie bereits gegen den Markttrend um 9 Prozent im Plus.

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