n-tv-Moderator Constantin Schreiber stoppt Engagement bei Al-Jazeera

Constantin Schreiber arbeitet hierzulande für RTL und n-tv, macht aber auch Programme in der arabischen Welt
Constantin Schreiber arbeitet hierzulande für RTL und n-tv, macht aber auch Programme in der arabischen Welt Foto: Amanda Mustard

Fernsehen Constantin Schreiber ist im arabischen Raum bereits seit Jahren ein bekanntes TV-Gesicht. 2015 schloss der Journalist, der sich u.a. mit seiner ntv-Flüchtlingssendung "Marhaba" einen Namen gemacht hat, einen Deal mit dem einflussreichen Kanal Al-Jazeera. Auf Sendung ging er bisher nicht – und wird es auch nicht. Schreiber hat die Zusammenarbeit, offenbar aus politischen Gründen, beendet.

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„SciTech“ heißt das Format, das Schreiber bereits seit einigen Jahren mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes für den ägyptischen Privatsender OnTV moderiert und im Herbst des vergangenen Jahres in abgewandelter Version auch beim größeren Sender Al-Jazeera gesendet werden sollte. Doch das Wissenschaftsformat ist bisher nicht über den Bildschirm gelaufen.

Dem Vernehmen nach gibt es Probleme bei der Abnahme der Sendungsinhalte. Diese scheinen so groß, dass Moderator Schreiber, dessen Treiben in der arabischen Welt auch hierzulande beobachtet wird, besorgt um sein Image ist. Gegenüber MEEDIA bestätigt der Journalist: „Ich habe für mich entschieden, dass ich für die Al-Jazeera-Produktion nicht weiter zur Verfügung stehe.“ Zum Filmmaterial – bisher wurde Stoff für drei von ursprünglich geplanten zwölf Folgen gedreht – gehören auch Aufnahmen aus einem Flüchtlingslager in Jordanien. Schreiber erklärt, er sei besorgt um seine journalistische Unabhängigkeit: „Es hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun, wenn ich mich in Deutschland zu den Entwicklungen im Nahen Osten äußere und auch die dortige Medienberichterstattung analysiere.“ Bei „Scitech“ handele es sich zwar um ein „gänzlich unpolitisches Magazin“, so Schreiber weiter. „Aber die Verbindung mit Al-Jazeera – vor dem Hintergrund der Berichterstattung zum Nahen Osten, der Flüchtlingsthematik und dem generellen Verhältnis des Nahen Ostens zum Westen – möchte ich nicht eingehen.“ 

In Deutschland hat sich für 36-Jährigen in den vergangenen Monaten einiges verändert. Mit dem Nachrichtensender n-tv hat er das Flüchtlingsformat „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ umgesetzt, in dem er in deutscher und arabischer Sprache die deutsche Kultur erklärt und auch mit Flüchtlingen über ihre Ankunft in Europa spricht. Für Schreiber und n-tv ist „Marhaba“ nicht nur ein Erfolg, sondern längst auch ein Prestige-Projekt geworden. Der Journalist ist mittlerweile ein gefragter Gast in Talk-Shows anderer Sender und schreibt über die Flüchtlingsthematik auch für mehrere Medien als Gastautor (auch bei MEEDIA). Ende vergangenen Jahres hob sein Heimatsender das Format – sicherlich auch wegen des umfangreichen Engagements anderer Sender – ins TV-Programm. Der Erfolg in Deutschland steht nun offenbar im Widerspruch mit seiner Tätigkeit für den umstrittenen Broadcaster aus Katar.

Trotz des Ausscheidens Schreiber ist das Al-Jazeera-Projekt „SciTech“ noch nicht gestorben. Die deutsche Produktionsfirma Bökamp und Kriegsheim, mit der Schreiber auch bei OnTV zusammenarbeitet, wolle das Projekt weiterhin umsetzen und sei bemüht, die offenen Fragen zum Programm mit dem Sender in Doha zu klären, so der Journalist.

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Alle Kommentare

    1. Hallo,

      wir haben uns den Credit besorgt und ergänzt. Vielen Dank für den Hinweis.

      Grüße
      Marvin Schade

  1. Ich bin als Ehrenamtliche in einem Flüchtlingsheim in Sangerhausen tätig und habe dort unter anderem eine Journalistin, die sich in Afghanistan für die Durchsetzung der Menschenrechte und v.a. für die Gleichberechtigung der Frauen eingesetzt hat, kennengelernt. Sie lebt seit ca. 3 Monaten hier in Deutschland und hat sich allein mit ihren 4 Töchtern (der Ehemann wurde von den Taliban umgebracht) hierher durchgeschlagen. Sie ist 40 Jahre alt, spricht Englisch, will unbedingt De richtig lernen und ich versuche, dieser Familie der Integration in De ein Stück näher zu kommen. Daher meine Bitte: können Sie mir einen Kontakt zu Constantin Schreiber vermitteln oder sehen Sie andere Perspektiven für diese Journalistin? Meine Kontakte zu deutschen Journalisten hier in unserem Raum habe ich bereits abgeklopft – es sieht schlecht aus!
    Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen – mit freundlichen Grüßen
    F. Raabe

  2. sehr geehrter Constantin Schreiber
    ich habe heute ihren Bericht über den Besuch unseren Bundeskanzlerin Angela Merkel ( Türkeibesuch ) gelesen.
    Ach wenn wir Meinungsfreiheit haben, so darf man aber nicht Beleidigend werden.
    Es gehört einfach zu Anstand eines jeden Menschen einem anderen Menschen gegenüber, ihn zu achten und zu respektieren.
    Es gibt ein Lied ( die Gedanken sind frei ) vielleicht kennen Sie das, und so sollte es auch im richtigen Leben sein
    den auch Sie werden feststellen das man alles essen darf aber, nicht alles sagen darf
    gez. J. J.

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