Anzeige

Sex-Business nach YouPorn & Co.: Virtual Reality der Erotik-Trend 2016

vice.jpg

Super-8, VHS, HD, 3D: Alles Techniken, die vor allem ein gigantischer Geschäftszweig vorantrieb und zur Reife brachte – die Porno-Industrie. So jedenfalls der Mythos. Was eher belegbar ist: Zur Zeit treiben Porno-Produzenten ein Business voran, das wieder kurz vor dem Durchbruch steht: Virtual Reality. Was ist dran an der sexy Business-Story? Der Meedia-Check.

Anzeige
Anzeige

Von Thomas Weiß

In den 80ern sahen Pornos noch so aus wie sie im Film „The Big Lebowski“ in einer Szene beschrieben werden. Titelheld Lebowski guckt sich das VHS-Band des Pornos „Logjammin'“ an. Dort betritt ein Fernsehtechniker die Wohnung eines halbnackten Girls und sagt: „Mein Chef sagt, mit ihrem Kabel würde was nicht stimmen.“ „Stimmt! Oh, das ist meine Freundin Sherry. Sie ist gerade rübergekommen, um zu duschen.“ Und die Handlung entwickelt sich entsprechend.

Der Film im Film zeigt die alte (lukrative) Welt der Porno-Industrie: VHS-Bänder mit Filmen, die in so etwas wie eine Handlung Sexszenen einbauen.

Schon 1998, als „The Big Lebowski“ in die Kinos kam, war abzusehen, dass diese Welt – damals angeblich 40 bis 50 Milliarden Dollar schwer – verschwinden würde. Heute ist sie fast völlig zerstört. Porno-Websites wie youporn, pornhub, XHamster oder ampland bieten aus allen Ecken des Internets gesammelte Clips, sortiert nach Vorlieben und Trends. Kostenlos für den Nutzer. Die Zahl der US-Produktionsstudios von Pornos soll von 200 auf 20 gesunken sein. Schauspieler bekommen immer weniger Geld für immer härtere Einsätze.

Pornos bringen Klicks

Klickstark ist der Bereich in jedem Fall: Jede zehnte Websuche hat mit Pornos zu tun. Eine der größten unter den Sammel-Seiten behauptet, 80 Milliarden Ansichten im Jahr zu verzeichnen. 700 bis 800 Millionen Porno-Websites gibt es schätzungsweise. Früh haben einige Industrie-Spezialisten erkannt, dass in der genauen Analyse des Datenverkehrs die Zukunft liegt. Wie der Economist in einem großen Special über die Pornoindustrie herausarbeitete, hat sich nur das Geschäftsmodell geändert. Früher haben Seiten mit Sammlungen von Porno-Links sich die Klicks auf die Links von Zwischenhändlern bezahlen lassen, die die User dann auf Pay-Seiten gelenkt haben. Bei Abschluss eines Abos bekam der Zwischenhändler einen Anteil. Heute werden durch immer raffiniertere Software immer genauere Zielgruppen angesprochen, etwa Homosexuelle in San Fransicso oder Lederfetischsten in Madrid. Pay-Seiten zahlen jetzt den Sammel-Seiten direkt einen Schnitt, wenn später abonniert wird, bis zu 50 Prozent. Die Einführung von HD hat eine kostenpflichtige Nische des Marktes noch kurze Zeit lukrativ gemacht. Aber auch hier gibt es inzwischen genug kostenlose Inhalte. Zeit für die Industrie, neue Wege zu gehen.

Was bringt die Zukunft?

Manche Produzenten wählen den direkten Weg: Per Webcam erlebt man live eine Privatshow für 8 Dollars, die Hälfte, wenn andere zugucken. Der Gründer der Site LiveJasmin.com, die Tausende solche Live-Streams anbietet, wurde zu Ungarns reichstem Mann, Gyorgi Gattyan.

Passender Weise hat Gattyan auch große Erfolg durch eine Firma, die IT-Dienste anbietet und ein Online-Portal, bei dem die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch genommen werden können.

Durch das Auslesen der IP-Adresse können Porno-Produzenten zusätzliche, viel direktere Dienste anpreisen. Zumindest in Europa, wo in vielen Ländern Prostitution nicht strafbar ist.

Eine mögliche Entwicklung führt zur noch tieferen Verschmelzung mit dem Protagonisten der Filme. Virtual Reality (VR), dank neuer Brillen und Techniken 2016 das große Thema der Entertainment-Industrie, bietet sich für Pornos an. Neben Gaming wird es als die stärkste treibende Kraft für VR angesehen. Experten sind sich aber uneins. Die einen schaudert es bei der Vorstellung von virtuellem Sex mit VR-Brille auf dem Kopf. Die anderen sind sich sicher, dass sich die Technik durchsetzt – auch wenn es erst in 5, 10 oder 20 Jahren ist. Schon jetzt werden Sex-Utensilien angeboten, die die noch nicht offiziell erhältliche VR-Brille Oculus Rift ergänzen sollen. VirtualRealPorn.com bietet für einige Dollar im Monat eine VR-Erfahrung an, die mit Sexspielzeugen „verbessert“ wird. Für die Seite ist auch ein Smartphone mit Google Cardboard, eine Samsung Gear VR (benötigt ein Samsung-Smartphone) oder eine Oculus Rift nötig, dann kann jedermann „75+ Exclusive VR Porn videos“ genießen.

Anzeige

Die praktischen Probleme

Die 30minütige „Vice“-Doku „The Digital Love Industry“ zeigt einige erstaunliche interaktive Instrumente, die derzeit getestet werden, um jedermann zusammen mit der Nutzung einer VR-Brille Befriedigung zu verschaffen. Auf der L.A.-Messe VRLA waren solche Porno-Anwendungen schon vertreten. Dort gefiel Messe-Co-Begründer Jonnie Ross vor allem der Fantasy-Aspekt bei VR: „Es ist Zeit, dass wir VR Pornos ernst nehmen. (…) Was besonders bizarr und faszinierend ist: VR Porn ist reine Fantasy, so kann ich etwa den virtuellen Blowjob an Bord des Millennium Falcon erleben.“ Viele der auf der Messe gezeigten VR-Erfahrungen zeigten Fantasy-Welten: Sex mit Meerjungfrauen, eine „begehbare“ 20-Meter-Frau, Treffen mit Porno-Stars oder Manga-Sex. Ross weiter: „Dazu können Menschen über weite Distanzen hinweg intim sein. Es werden sich schlechte Sachen bei VR entwickeln und gute.“ VRLA-Begründer Cosmo Scharf ist sich sicher: „In 20 Jahren haben wir so etwas wie eine Matrix. Wir werden ins virtuelle Leben schlüpfen, dann wieder zurück.“

Projekte wurden vor allem in den USA und in den Niederlanden gestartet. SugarDVD im „PornoValley“ bei Los Angeles produziert Pornos schon seit 2002 und hat sich so den Spitznamen „Netflix der Pornoindustrie“ erarbeitet. Die Firma entwicklet derzeit eine App für die Oculus Rift. Dort soll der Nutzer sich nicht nur in einer virtuellen Welt bewegen, sondern dort auch mitspielen. Ela Darling, ebenfalls in der „Vice“-Doku zu sehen, ist Freelance-Sex-Performerin und filmt mit GoPro-Kameras ihre eigenen VR-Pornos. Sie hält nichts davon, dass Technologie die Menschen immer mehr auseinander treibt: „Das sagen die Leute über jede neue Technologie. Das ist Unsinn. Jemand wird immer sagen, dass diese oder jene neue Technik unsere Kinder zu Verbrechern macht. Ich habe das Vertrauen, dass die Menschheit Pornos in VR sehen kann und trotzdem noch funktioniert.

Weitere Projekte, die den immer noch sehr frühen Stand der „Forschung“ im Bereich VR-Pornos beweisen, sind die Porno-Parodie „Tits & Glass“, die den innovativen Einsatz von Google Glass zeigt und „Kiiro – The first social platform with an intimate touch.“ Die holländische Firma Kiira produziert „Teledildonics“, Sexspielzeuge, die es einem Paar erlauben, Sex zu haben, obwohl eine große Distanz zwischen ihm liegt. Erkenntnis eines der Protagonisten: „Es fühlt sich nicht nach Sex an und nicht nach Selbstbefriedigung, sondern nach etwas dazwischen, im virtuellen Raum.“

Fazit:

Der VR-Trend könnte sich zu einer wichtigen – und lukrativen – Nische der Pornoindustrie entwickeln. Steht genug Content bereit, wird das für viele User ein guter Grund sein, sich eine VR-Brille zuzulegen – oder den VR-Clip wenigstens per Smartphone und Google Cardboard zu testen. Die aktuellen Projekte stecken noch in den Kinderschuhen, doch die schiere Größe des Marktes ist einfach zu verführerisch für die gebeutelten Industrie.

 

Wie Menschen reagieren, die sich auf VR-Pornos einlassen, zeigt dieses über 13 Millionen geklickte youtube-Video:

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Korrigiere: „… die Dienste einer Wahrsagerin in Anspruch genommen werden kann.“ in „… die Dienste … in Anspruch genommen werden können.“

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*