New York Times-CEO Mark Thompson: „Die Print-Zeitung bleibt noch 10 Jahre profitabel“

Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan
Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan

Publishing Mark Thompson ist CEO der New York Times, der Tageszeitung, die mit innovativen Storytelling-Experimenten wie "Snow Fall" neue digitale Standards gesetzt hat. Doch Thompson glaubt auch weiterhin an den Erfolg von gedruckten Zeitungen – zumindest für das nächste Jahrzehnt. Gleichzeitig müssten sich Zeitungsmacher jedoch Gedanken über "Print-Plattformen in einer Smartphone-Welt" machen.

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Vor 15 Monaten habe die New York Times mit Untersuchungen zum Audience Engagement bekommen, erklärt Mark Thompson im Gespräch mit Adi Ignatius, dem Chefredakteur der Harvard Business Review. Das Ziel dabei sei es, so viele Menschen wie möglich mit dem größtmöglichen journalistischen Wert zu versorgen und ihnen gleichzeitig zu helfen, mit den Journalisten zu interagieren. „Wir versuchen nicht, einfach nur so viele Klicks wie möglich zu bekommen“, erklärt Mark Thompson und distanziert sich ausdrücklich von „den lustigen Katzenvideos überall“. Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass es einen Markt für Qualitätsjournalismus gibt und Menschen, die dafür bezahlen.

Native Advertising: Ein hoch proftables Geschäft

„Zurzeit leben wir in einer Hybrid-Welt: print und digital“, so Thompson. „Im Laufe der Zeit wird das Digitale wachsen und wachsen und wachsen.“ Deshalb sei es essentiell, sich auf das Wachstum der Digitalabos und der Online-Werbeerlöse – vor allem auch für Smartphones – zu konzentrieren. Wie die meisten US-amerikanischen Medienhäuser setzt auch die New York Times völlig selbstverständlich auf Native Advertising und Thompson betont, wie lukrativ die bezahlte Werbung sei: „Es ist ein rapide wachsendes Business“, in dem vor allem hochqualitative Inhalte gut funktionieren würden. Noch 2013 habe es bei der New York Times keine Einnahmen durch Native Advertising gegeben, wohingegen 2014, im ersten Jahr, in dem die Tageszeitung diese Werbeform eingesetzt hat, bereits 13 Millionen US-Dollar flossen. „Und ich glaube, dieses Jahr sind es über 35 Millionen Dollar.“ Der Erfolg von Native Advertising sei für viele Marketer ein Weckruf: „Die Idee, man könne Menschen in einem digitalen Umfeld dazu zwingen, sich schlechte Inhalte anzuschauen, die sie noch nicht mal wirklich interessieren, funktioniert nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei.“

„Wir werden noch viele Jahre proftabel sein“

Trotz der Konzentration der New York Times auf Digitalerlöse glaubt ihr CEO immer noch an eine Zukunft der gedruckten Zeitung – zumindest für die nächsten zehn Jahre. „Wir werden definitiv noch viele Jahre lang an jedem Tag der Woche profitabel sein“, erklärt er. Das Printprodukt müsse sich jedoch weiterentwickeln: „Das Wichtigste in den kommenden Jahren ist herauszufinden, wie unsere Printplattform in einer Smartphone-Welt funktionieren kann.“ Bereits 80 Prozent der Abonnenten der NYT-Printausgabe seien auch Digitalnutzer. „Bis 2020 wird jeder den Großteil seiner Nachrichten auf Smartphones lesen, doch wie passt die physische Print-Plattform dazu?“ Mark Thompson ist sich sicher: Viele Hunderttausend Menschen werden ein solches Produkt haben wollen und jetzt müsse man herausfinden, wie es aussehen kann.

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