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Zum Abschied: Stefan Raabs größte Erfolge – und seine schlimmsten Misserfolge

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Ende eines Entertainers – zumindest im TV: Stefan Raab verabschiedete sich tränenreich am letzten Mittwoch, 16. Dezember, mit der finalen "TV Total"-Show vom Publikum. Am Samstag, den 19. Dezember, gibt's kurz vor Weihnachten die letzte Sendung "Schlag den Raab" (20.15 Uhr , live bei ProSieben). Gefühlt geht damit das Zeitalter des reinen Spaßfernsehens zu Ende. MEEDIA zeigt, wie Stefan Raab die Epoche prägte mit seinen Erfolgen – aber auch mit seinen Rückschlägen.

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von Thomas Weiß

Die 5 größten Erfolge

Der Quoten-König:
Die Epoche Gaga-TV begann mit Raabs wöchentlicher „TV Total“-Show 1999. Über 3 Millionen schauten im Schnitt schon im Folgejahr zu, wenn der Raab der Woche an die peinlichsten Ausrutscher im Fernsehen verliehen wurde, der Moderator den Puller-Alarm ausrief oder sich „Raab in Gefahr“ begab. 2001 wurde auf vier Mal die Woche umgeschaltet, mit geringerer, aber bis zuletzt solider Quote. Es folgten eine irre Zahl an Sondersendungen und Specials mit immer neuen Wendungen und Quotenerfolgen: Boxen mit Regina Halmich, Wok-WM, Schlag den Raab, Turmspringen, Stockcar-Rennen, Poker-Nächte, Eisfußball-Pokale, Autoball-Europameisterschaft etc.

Der Talent-Scout:
Raabs führte etwa Showpraktikant Elton als neue Größe bei ProSieben ein. Erst musste der als Sidekick die bizarrsten Aufgaben erfüllen, schließlich trat er in eigenen Shows auf wie „Elton vs. Simon“ und „Elton zockt“. Die Formate, die beide für die Sendung entwickelten, setzte Elton ohne jede Hemmung um und sorgte so für Fremdschämen beim Publikum. So fährt er in einem seiner ersten Clips durch Köln und beschallte Pasanten per Megaphon mit wichtigen Aussagen wie „Achtung, Achtung! Dieter Bohlen ist in der Stadt. Schließen Sie ich ein, er hat gerade Mittagspause.“

Der Meister der Musik:
Aus Frust über den Eurovision Song Contest etablierte Raab ein völlig neues Format, den Bundesvision Song Contest. Jedes Bundesland schickte eine Band ins Rennen, die jeweils in einer Ausgabe von „TV Total“ vorgestellt wurden. 11 Ausgaben wurden durchgeführt, Gewinner waren unter anderem Juli mit „Geile Zeit“ und Revolverheld mit „Lass uns gehen“. Hier zeigte sich Raab Feinfühligkeit musikalischen Trends gegenüber.

Selbst mit US-Musikern richtete er sich in „TV Total“ kuschelig ein. Kylie Minogue traf sich etwa gleich zweimal mit ihm, um Kölsch zu lernen. Heute noch legendär: sein Gesangs-Duell mit Will Smith:

 

 

 

Der Aufpolierer:
Wohl sein größter Erfolg: Er fand und förderte Lena Meyer-Landrut und begleitete ihren Auftritt beim 55. Eurovision Song Contest in Oslo. Hier zeigte sich Raabs Stärke: Alte Sendeformate, die ihn als Kind prägten, mit einem neuen Dreh versehen. Dazu ein Gespür für Talente und die Fähigkeit, sich für sie auch mal selbst zurückzunehmen. Die Demokratisierung des Wahlprozesses bei ESC geht auf ihn zurück. Zuvor nahm der von ihm geförderte Max Mutzke am ESC teil. Für das Konzept von „SSDSGPS – Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star“ bekam Raab den Grimme-Preis.

 

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Der Privatmann:
Raab lebt in Köln und hat mit seiner Lebensgefährtin zwei Kinder. Das war’s dann aber auch schon mit Informationen zu seiner Person. Grundsätzlich führt er keine Interviews mit Bild und RTL, die Fotos seiner Familie tauchen nirgends auf. Das über Jahre hinweg geschafft zu haben, ist eine echte Leistung – nur vergleichbar mit dem ähnlich rigide agierenden Günther Jauch.

 

 

Die 5 größten Misserfolge

Der Angeklagte:
Gerade in den ersten Jahren teile Raab kräftig aus. Beim Verwursten von Clips kamen dabei einige unbedarfte Normalos unter die Räder. So etwa Regina Zindler, die 1999 in der Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“ auftrat. Grund war ein Knallerbsenstrauch ihres Nachbarn, der ihren Maschendrahtzaun beschädigen würde. Zitate aus der Sat.1-Show verwurstete Raab in dem Song „Maschen-Draht-Zaun“ mit der Band Truck Stop, seinem einzigen Nummer-Eins-Hit als Interpret. Zindler erlitt einen Nervenzusammenburch und verkaufte ihr Grundstück.

Die Attacke auf medienunerfahrene Menschen ging weiter. 2001 zog er die Schülerin Lisa Loch durch den Kakao und sagte ihr wegen des Namens gute Chancen im Popgeschäft nach.

Raab wurde auf 70.000 Euro Schadensersatz wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte verklagt.

 

 

Der Rechteverletzer:
Das deutsche Fernseher war in den Jahren von „TV Total“ ein dankbares Opfer für Attacken. Im Privatfunk gaben Trashshows jedermann ein Forum, das öffentlich-rechtliche Fernsehen staubte vor sich hin. Als früher Vorreiter der youtube-Clip-Kultur sammelte die „TV Total“-Redaktion fleißig Clip um Clip. Irgendwann wurde es einigen Sendern zu bunt. So verklagte etwa der NDR die „TV Total“-Produktionsgesellschaft Brainpool wegen des Zeigens von 309 Ausschnitten aus NDR-Sendungen zu 568.000 Euro Schadensersatz. In einem Rechtsstreit mit dem Hessischen Rundfunk hatte Brainpool vorher schon vor dem Bundesgerichtshof verloren.

Das Opfer:
Da wurd’s dann doch mal persönlich. Raab veräppelte Musikproduzent Moses Pelham 1997 in seiner damaligen Sendung „Vivavision“ und ließ Zuschauer Pelham-Masken basteln. Beim Echo 1997 gab’s dafür einen Kopfstoße von Pelham hinter den Kulissen, der Raab das Nasenbein brach. Pelham musste 10.000 Mark Schmerzensgeld an Raab zahlen, 40.000 Mark kamen noch im Strafverfahren dazu.

Der Zeitschriftenmacher:
2001 startete Stefan Raab mit der Brainpool TV AG seine eigene Programmzeitschrift „TV Total“ – und versenkte damit Millionen. Unter Chefredakteur Michael Hopp erschien die Print-Ausgabe wöchentlich als Mix aus Comedy und vollwertigem TV-Listing. Rubriken wie „Das guckt Stefan heute“ und Gaga-Poster bestimmten den Stil des Heftes. Angestrebt wurde eine verkaufte Auflage von 250.000 Heften. Vier Monate nach Erscheinen wurde die Zeitschrift eingestellt. Grund war angeblich der Einbruch im Werbemarkt, jedoch lag auch die Auflage weit unter dem Ziel.

Der Verlierer:
Seit 2006 tritt der Moderator in „Schlag den Raab“ gegen Normalos an. Über 50 Ausgaben wurden bereits ausgestrahlt. Raab gewann in 38 der 54 Shows. Damit hat sich bei 70 Prozent der Sendungen durchgesetzt. Das Schöne an der Sendung ist aber: Raab nimmt die Spiele sehr ernst und man merkt ihm an, wie er sich beim Verlieren richtig ärgert. 2010 stürzte er sogar bei einem Spiel und zog sich eine Gehirnerschütterung mit Gedächtnisverlust zu.

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Alle Kommentare

    1. Lieber gb,
      völlig richtig! Und dort war nun echt auch schon genug „Gaga-TV“ geboten. Ich habe aber trotzdem „TV total“ als Start gewählt, weil dort das Nutzen von Clips anderer TV-Sender massiv eingesetzt wurde. Aber auch ein Einstieg mit „Vivavision“ wäre legitim gewesen. Viel Grüße, Thomas

  1. Der Satz ist ja mal böse von euch:
    „2001 zog er die Schülerin Lisa Loch durch den Kakao und sagte ihr wegen des Namens gute Chancen im Popgeschäft nach.“

    Eindeutig zweideutig mit dem Popgeschäft 🙂

    1. Du weißt schon, dass der Satz so von Raab ist und nur in indirekter Rede wiedergegeben wird?? Langsam glaube ich, die Fähigkeit, einfachste Sätze zu verstehen, hat rapide abgenommen.

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