„Aufwind“ für die Region: Wie die Lübecker Nachrichten die Windkraft-Lobby hofieren

Rüdiger Kruppa, Anzeigenchef der Lübecker Nachrichten, umstrittene Windkraftanlagen: „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit Lobbyisten
Rüdiger Kruppa, Anzeigenchef der Lübecker Nachrichten, umstrittene Windkraftanlagen: "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Lobbyisten

Publishing Lokal- und Regionalzeitungen haben mit sinkenden Auflagen und Abozahlen zu kämpfen. Das liegt nicht nur an der sich wandelnden Mediennutzung, sondern vielleicht auch daran, was sie ihren Lesern bieten. Statt ausgewogener Berichterstattung, die nah am Leser ist, üben sich manche Blätter in Klientelbedienung. Die Lübecker Nachrichten sind besonders gut darin, die Windkraftbranche zu hofieren.

Werbeanzeige

Im September berichteten die Lübecker Nachrichten unter dem Titel „Aufwind auf dem flachen Land“ über die Onshore-Windenergie in Schleswig-Holstein. „Schleswig-Holstein holt bei der Windenergie im bundesweiten Vergleich immer weiter auf“, so die Unterzeile. Doch leider hätten „die Unternehmen haben ein Problem, ihr Geschäft den Bürgern zu vermitteln“, sorgte sich der Autor. Der Artikel stieg ein mit Zahlen des Lobbyverbands Bundesverband WindEnergie (BWE). Der Artikel liest sich wie eine Werbung für Windenergie: Die regionale Wirtschaft könne „erheblich von dieser Technologie profitieren“. Der Präsident des BWE wird zitiert: „Gerade strukturschwache und ländliche Regionen profitieren davon.“ Der Lobbyist sagt, durch Windkraft lockten Arbeitsplätze, Pachteinnahmen für Landeigentümer sowie Gewerbesteuereinnahmen.

Was in dem die Windenergie lobhudelnden Artikel allerdings nicht vorkommt: Eine kritische Betrachtung der Windenergie oder andere Sichtweisen, etwa von Windkraftgegnern, die es auch in Schleswig-Holstein zuhauf gibt und die sich gegen eine ungezügelte „Verspargelung“ der Landschaft wehren. Mitte des Jahres lagen dem Ministerium nach offiziellen Angaben mehr als 400 Neu-Anträge für Windräder vor, jeden Monat kommen weitere hinzu. Für Landbesitzer ist der Bau der Anlage aufgrund der hohen Subventionen und Abnahme-Garantien der Stromversorger aus Sicht der Windkraftgegner wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Nach Modellrechnungen, die im Internet kursieren, bringt ein 150 Meter hohes Windrad dem Betreiber nach Abzug aller Kosten und Abschreibungen rund 60.000 Euro pro Jahr ein – wer mehrere Anlagen aufstellen kann, hat demnach für sein Auskommen gesorgt, ohne nennenswerten zusätzlichen Aufwand. Kritiker sprechen deshalb schon von „Windrente“. Entsprechend hoch ist der Anreiz für potentielle Land-Verpächter, weitere Anträge zu stellen, obwohl der Anteil des ungenutzten Stroms schon jetzt von Jahr zu Jahr steigt. Die Zeche zahlen die Strom-Verbraucher, also auch die Windkraft-Skeptiker und -Gegner, über eine Kollektiv-Umlage für erneuerbare Energien.

In dem Artikel der Lübecker Nachrichten wird der Kieler Professor für Marketing und Konsumentenpsychologie Ulrich R. Orth zitiert. Gegenüber MEEDIA erklärte Orth auf Anfrage, dass er vom Autor des Artikels, Oliver Schulz, für ein Statement angefragt worden sei. In der Anfrage, die MEEDIA vorliegt, fragte der Journalist suggestiv: „Verstehen Sie die Bedenken der Bürger, die Diskussionen um Windparks? Oder wird hier nicht auch sehr nach dem Sankt-Florian-Prinzip argumentiert: Energiewende ja – aber bitte nicht vor meiner Haustür?“. Orth arbeitete daraufhin für Schulz eine dreiseitige Stellungnahme aus. Orth erklärt heute: „Der Inhalt war jedoch wohl anders als er erwartet hatte, und ich habe dazu nichts mehr gehört.“ Erst durch die Anfrage von MEEDIA erfuhr Orth, dass Schulz seine Aussagen später für seinen Windkraft-Artikel verwendete. Schulz, so Orth, habe aus seiner dreiseitigen Stellungnahme allerdings selektiv Dinge „herausgepickt“.

Im später veröffentlichten Artikel darf Orth als Kronzeuge dafür hinhalten, dass Windkraftgegner einem „motivationalen Spannungszustand“ unterlägen, der sich in „Gefühlen, Gedanken und Verhalten“ äußere. In der Stellungnahme des Professors war jedoch auch die Rede von „den rein wirtschaftlichen Interessen der Windkraft-Unternehmen und Investoren“ und von „Profit der Erbauer, Betreiber und Verpächter“. Vertreter der Ministerialbürokratie, so der Professor in der Ursprungsversion seiner Stellungnahme, reagierten „auf Protestbriefe und Hilferufe an hochrangige Politiker durch eine Flucht in gebetsmühlenartige Wiederholungen von ‚Das hat schon alles seine Richtigkeit‘ und ‚Wir müssen alle unseren Beitrag leisten‘“.

Der Professor analysiert in seinem eigens für die Lübecker Nachrichten verfassten Beitrag weiter: „Als Überzeugungsversuch wahrgenommen wird auch eine verniedlichende Rhetorik, die profitorientierte Investoren und Manager als ‚Windmüller‘ (kleine putzige Männchen mit Zipfelmütze?), Kraftwerke als ‚Parks‘ (naturnahe Oasen der Ruhe und Idylle?) oder Anlagen mit minimaler Beteiligung privater Kleinanleger als ‚Bürger‘-Windparks (Volkseigentum?) bezeichnet. Intelligente Laien, die subjektiv über relevantes Halbwissen zur Windkraft verfügen, haben ein Gespür dafür, ob die politische und wirtschaftliche Rhetorik auf schnelle Überzeugung oder ehrlichen Dialog abzielt.“

Emmissionsgutachten, im Auftrag der Betreiber erstellt, erschienen da „wie Hohn für Menschen, die das Rauschen einer Windkraftanlage im vollen Betrieb aus fünf Kilometern Entfernung erleben“. Verweise auf mangelnde wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Infraschall klängen „denjenigen wie Beschwichtigungsversuche, die die Begriffe ‚wind‘ und ‚infra sound‘ in Suchmaschinen eingeben.“ Und weiter: „Andere sehen Anwohnerfeste und großzügige Spenden an soziale Einrichtungen als Feigenblätter angesichts der medialen Berichterstattung zur weitgehenden Finanzierung der Windkraft durch Verbraucher im Rahmen der EEG.“ In dem Artikel der Lübecker Nachrichten fällt diese kritische Seite komplett unter den Tisch. Den Bericht veröffentlichten die Lübecker Nachrichten nicht nur online, sondern auch in einer Ausgabe ihrer Sonderpublikation „Die Wirtschaft“, die Onshore-Windenergie als Schwerpunktthema hatte.

Die Gemengelage geht über die Berichterstattung der Lübecker Nachrichten hinaus: Orth weist darauf hin, dass Jost de Jager, bis Juni schleswig-holsteinischer Wirtschaftsminister und Vorsitzender der Wirtschaftsministerkonferenz, nach seiner Zeit als Minister nicht nur als Berater aktiv ist, sondern auch seit November 2012 dem Aufsichtsrat des Windkraftunternehmens Denker & Wulf angehört. Das Unternehmen wird auch in dem Windkraft-Artikel der Lübecker Nachrichten erwähnt. Dort ist die Rede davon, dass ein Gemeindebeschluss nur deshalb nötig war, weil Denker & Wulf „aus wirtschaftlichen Gründen die knapp 200 Meter hohen Windkraftanlagen bevorzugt“.

In einem anderen Bericht im Oktober befürchteten die Lübecker Nachrichten: „Große Anlagen der Denker & Wulf AG in Damsdorf, Schmalensee und Hutzfeld geraten in Gefahr, weil sich die Flugsicherung DFS für ein Gelände in Hornsdorf interessiert.“ In dem Artikel darf dann ein Denker & Wulf-Vorstand die Deutsche Flugsicherung kritisieren, die selbst nicht zu Wort kommt. Professor Orth erklärt, ein Brief an den Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Schleswig-Holstein mit der Bitte um Klärung von Fragen zur Genehmigungspraxis des ehemaligen Wirtschaftsministers, den Orth mitunterzeichnete, habe lediglich „eine beschwichtigende Antwort des Referenten“ zur Folge gehabt.

Was den Windkraft-Artikel der Lübecker Nachrichten betrifft, wirft ein Logo des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), das neben dem Artikel prangt, zusätzlich Fragen auf. Über dem Logo des Lobbyverbandes steht: „Bei den Lübecker Nachrichten, als regional marktführendes Medienhaus, haben Sie die Chance ihre Werbung über verschiedene Werbekanäle und Crossmedia-Optionen optimal zu präsentieren!“. An anderer Stelle spricht der Verlag der Lübecker Nachrichten in Bezug auf die Beilage „Die Wirtschaft“ konkret Advertorials an: „Ob klassische Anzeigen, resonanzstarke Advertorials, Beilage Ihres Flyers oder Belegung des Tip-on-Stickers auf der Titelseite – Ihre Werbung kommt gezielt bei rund 10.000 Führungskräften dieser Region an.“

Auf Anfrage wollte man weder bei den Lübecker Nachrichten noch beim Lobbyverband BVMW mitteilen, ob es sich beim dem Logo um eine Werbeanzeige oder gar bei dem ganzen Artikel um ein – in dem Fall nicht ausreichend gekennzeichnetes – Advertorial handelt. Der Lobbyverband BVMW macht, anders als andere Interessenverbände, seine Mitglieder nicht öffentlich; nicht ausgeschlossen, dass darunter auch Unternehmen der Windenergiebranche sind. Rüdiger Kruppa, Leiter Marketing und Anzeigen bei der Lübecker Nachrichten GmbH, erklärte auf Nachfrage lapidar: „Advertorials werden in unserem Zielgruppen-Anzeigenblatt ‚Die Wirtschaft‘ i. d. R.“, das heißt in der Regel, „entsprechend gekennzeichnet“. Man möge Verständnis dafür haben, dass man Informationen über „Geschäftskunden nicht nach außen“ gebe. Auf die Online-Version des Artikels ging er nicht ein, ebenso wenig auf die Frage ob es Ausnahmen von der Regel gibt und ob ein solcher Fall den BVMW betrifft. BVMW-Sprecher Eberhard Vogt erklärte auf Anfrage: „Die Verwendung unseres Verbands-Logos durch die LN erfolgte im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit; es sind dabei keinerlei Gelder geflossen.“

Wesentlich kommunikativer in Bezug auf den BVMW gab man sich beim Verlag der Lübecker Nachrichten allerdings im April dieses Jahres, als „Die Wirtschaft“ einen Artikel über den BVMW zu dessen 40-jährigem Bestehen abdruckte. Darin wurde der BVMW als „einzigartiges Netzwerk“ bezeichnet, dessen Kommissionen dem Verband ermöglichten, „kompetent und erfolgreich die Interessen der kleinen und mittleren Betriebe in der Politik zu vertreten“. Letzten September folgte ein weiterer Artikel dieser Art in der Sonderpublikation. Unter dem Beitrag wurde die Webseite des schleswig-holsteinischen Landesverbandes des BVMW angegeben. In dem Artikel hieß es, der BVMW arbeite mit den Stadtwerken Lübeck zusammen. Diese haben nach eigenen Angaben im Windenergiebereich „mit ihrer Beteiligung an einem laufenden Offshore-Windpark in der Ostsee bundesweit Maßstäbe gesetzt“, Anteile am dänischen Offshore-Windpark Nysted und am Windpark Beltheim II im Hunsrück erworben und das Repowering-Projekt „Lübeck Nord“ fertiggestellt. Beim BVMW heißt es auf Anfrage zusammenfassend: „Für die Veröffentlichungen hat der BVMW weder Geld bezahlt noch Geld bekommen.“

In der September-Ausgabe von „Die Wirtschaft“ berichtet ebenfalls der Autor Oliver Schulz über den Bau einer Stromtrasse von Schleswig-Holstein in Richtung Süden durch den Netzbetreiber Tennet. Auch in diesem Beitrag sind kritische Standpunkte in Bezug auf Windräder rar gesät, obwohl sowohl das Thema Windenergie als auch geplante Stromtrassen in der Öffentlichkeit und auch in den Medien kontrovers diskutiert werden. Neben dem Artikel findet sich eine Grafik mit der Angabe „Grafik: Tennet“. Ob diese eins zu eins von dem Unternehmen übernommen wurde? Auch dazu wollte man bei den Lübecker Nachrichten nichts sagen.

Ende Oktober veröffentlichten die Lübecker Nachrichten dann einen Bericht über „Windpark-Sightseeing in Wulfsfelde“. Darin ging es um die Bauarbeiten für mehrere Windkraftanlagen im Gebiet der schleswig-holsteinischen Gemeinde Pronstorf. „Von ‚Gegenwind‘“ gegen den Aufbau der Windräder sei „gerade im Kreis Segeberg nichts zu spüren“, so der Text. Stattdessen hätten „immer mehr Bürger ein neues Ziel für den Sonntagsspaziergang“. Sogar von „Anlagen-Sightseeing“ spricht der Artikel.

Über weite Strecken kommt in dem Artikel eine Vertreterin des Münchner Windkraftkonzerns BayWare zu Wort. Ein Vertreter des Windenergieunternehmens, äußert in dem Text „Verständnis für die Einwände der Menschen“ und erklärt, dass es „vielgestaltige Bürgerbeteiligungsmodelle“ gebe, dass „Bürger sich selbst einbringen und die Energiewende vor Ort gestalten“ könnten und „Aufklärung und Transparenz“ wichtig seien, „um Vertrauen zu schaffen und etwaige Bedenken vor Ort auszuräumen“. Bayware habe jetzt übrigens „von der Deutschen Flugsicherung eine Ausnahmegenehmigung für ihre sechs Anlagen erhalten.“

Autorin des Beitrages ist Petra Dreu. Die frühere nebenberufliche Journalistin bei den Ruhr Nachrichten ist seit 2004 „Freiberufliche Journalistin und PR-Journalistin für verschiedene Zeitungen und Stormarner Unternehmen aus Wirtschaft, Handel und Handwerk“. Auf ihrer Homepage bietet sie „PR & Pressearbeit mit Weitblick“ an. Zu ihrem Angebot gehören nicht nur Businessbroschüren, Firmenchroniken und Firmenzeitungen, sondern auch Pressearbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Pressemitteilungen. Hier wirbt sie: „Ob eine Pressemitteilung in einer Fachzeitschrift oder der Lokalausgabe einer Tageszeitung gedruckt wird, hängt nicht von Ihnen oder mir, sondern ganz allein von dem Wohlwollen des zuständigen Redakteurs ab. […] Durch meine lange Berufserfahrung als PR-Journalistin und Redakteurin kenne ich die Arbeitsweise einer Redaktion und weiß, worauf es ankommt. Ich suche für Sie den besonderen Anlass, der einen Artikel aus Sicht des Redakteurs rechtfertig. (sic!)“. Als MEEDIA Dreu einige Fragen zu ihrem Text über „Windpark-Sightseeing“ stellte, unter anderem, ob unter ihren PR-Kunden auch Akteure aus der Windkraftbranche sind, antwortete Dreu, es handele sich hierbei um Dinge „die Sie nun wirklich nichts angehen“. Sie wundere sich, „dass Sie als Enthüllungsjournalist überhaupt einen Artikel zustande bekommen“.

Später schrieb sie: „Da wir über den Windpark Obernwohlde eigentlich immer nur am Rande berichtet hatten, bekam ich von meinem Lokalchef den Auftrag, zu gucken, wie weit die Arbeiten sie sind.“ Kurz nach der Anfrage an Dreu verschwand der Artikel über das Windpark-Sightseeing von der Internetseite der Lübecker Nachrichten. „Warum der Artikel nicht mehr zugänglich ist, weiß ich nicht“, so Dreu später. Seltsam. Die Lübecker Nachrichten wollten sich hierzu auf Anfrage ebenfalls nicht äußern.

 

Nachtrag: Auch aktuell finden sich in den Lübecker Nachrichten einseitige und lobhudelnde Berichte zur Windkraft. Am 12. Dezember etwa erschien ein Artikel unter der Überschrift „Neue Hoffnung für Windräder“, in dem es heißt: „Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber die Gemeinde Stockelsdorf hat ihr Geschenk schon bekommen.“ Gemeint sind 14 Windkraftanlagen von bis zu 170 Metern Höhe, deren Baugenehmigung zuvor durch Widerstand auch seitens der Deutschen Flugsicherung auf Eis gelegen hatte – als ob die Anwohner es kaum erwarten könnten, weitere Mega-Windmühlen vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Vier Tage später, am 16. Dezember, veröffentlicht die Redaktion eine weitere Story, die der Windkraft-Lobby prächtig gefallen dürfte: „Werbetag für das neue Windrad: Name für ‚Wahrzeichen‘ gesucht“. Dabei geht es um ein 150 Meter hohes Windrad am Krummbecker Hof, nur wenige hundert Meter von Ortschaften entfernt. Zu Wort kommt fast ausschließlich der Betreiber der Anlage, dagegen keiner der Kritiker. Stattdessen wird ein Anwohner zitiert, bei dessen Aussage man sich fragt, ob die Verfasserin des Artikels ihre Leser für geistig minderbemittelt hält: „‚Wo sich was bewegt, ist Leben‘, sagt der Krumbecker, ‚von meinem Wohnzimmerfenster aus kann ich das Rad sehen, an den Blick habe ich mich schon richtig gewöhnt.‘ Als einmal das Blinklicht nicht geleuchtet hat, habe er sich schon gewundert, ob das Windrad kaputt sei.“

Nur einen Tag später erscheint ein weiterer Artikel: „Ein Windrad namens Klaus-Bärbel“, in dem sich der Betreiber des Riesen-Windrads weiter ausführlich über seine tolle Industrieanlage ausbreiten darf – schließlich hatte er ja beim „Info-Tag“ den Namenswettbewerb gestartet, als habe er ein einzigartiges Kulturdenkmal geschaffen. Und der „Windpark“-Chef, ein gewisser Gerhard Moser, kündigt – unbehelligt von kritischen Reporter-Nachfragen – weitere kulturelle Maßnahmen an; u.a. einen Kinder-Malwettbewerb zum Thema „Gemeinschaft, Zusammenleben, Energie und Landleben“ – und verwendet dabei genau jene „verniedlichende Rhetorik“, die der Kieler Prof. Ulrich R. Orth den „profitorientierten Investoren“ in einem in wesentlichen Teilen unter den Tisch gefallenen Beitrag für die Lübecker Nachrichten vorgeworfen hatte. Die Leser der Regionalzeitung erfuhren davon nämlich: nichts.

 

 

 

Werbeanzeige

Alle Kommentare

  1. Schreiben hier jetzt Windkraftgegner unter dem Deckmäntelchen des „Enthüllungsjournalisten“?
    Das ist ja wirklich knallhart recherchiert, wenn „im Internet kursierende“ Berechnungen zitiert werden. Andererseits übernimmt der Autor die hanebüchene Aussage, es würde etwas „herausgepickt“, wenn aus einem dreiseitigen Gutachten zitiert wird. Soll das im vollen Wortlaut abgedruckt werden, um sich nicht dem Vorwurf der Einseitigkeit auszusetzen?
    Das korrekte Zitieren gehört ja wohl zum journalistischen Handwerk.
    Wie der Autor dagegen Journalismus versteht, davon gibt der Beitrag ja leider einen traurigen Beleg. Auch die Windkraftgegner haben Lobbyisten…

    1. Sehr geehrter Herr Gaul,

      Windkraft ersetzt weder Grundlastkraftwerke noch spart sie Brennstoff und damit Co2 ein! Hier nachzulesen, mit den Links zu den Originalquellen Fraunhofer und Wirtschaftsministerium:

      http://www.gegenwind-straubenhardt.de/Flyer%20Windkraft%20bewirkt%20nichts.pdf

      Windkraft zerstört aber Natur und Landschaft, sie tötet Tiere und gefährdet die Gesundheit empfindlicher Anlieger.

      Kein Nutzen (außer für die Profiteure) – und nur für den kleinen Bürger. Wie kann da ein einziges Medium positiv über Windkraft berichten?

    2. Hallo Herr Gaul, das sehe ich genauso. Zumal der Verfasser des angeblich partiell unterschlagenen Gutachtens sich auch nicht gerade als Windexperte outet: In fünf Kilometer (!) Entfernung das Rauschen einer Windkraftanlage erleben? Das ist ja hanebüchen! Die Anzahl der Suchergebnisse „infra sound“ und „wind“ als Beweis für gesundheitliche Auswirkungen von Windenergie? Vielleicht hätte Prof. Orth einfach mal draufklicken sollen – dann wüsste er, dass es dafür rund um den Globus keinen wissenschaftlich haltbaren Nachweis gibt. Statt dessen mutmaßt der Professor über die Motivation der der Windbranche und stellt als Marketing-Fachmann Profit-Ansprüche in Frage ohne diese überhaupt genau zu kennen. Aus so einem Gutachten darf man wohl guten Gewissens die ein oder andere Aussage unerwähnt lassen.

  2. Sehr geehrter Herr Gaul,

    herzlichen Dank für Ihre differenzierte Berichterstattung zu dem Thema. Als 2. Bürgermeister der Gemeinde Schmalensee habe ich zweierlei Medienerfahrungen machen dürfen: Zuerst die gute Erfahrung: Die Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Nr. 153, Dienstag, 7. Juli 2015 auf Seite 7 über Propeller, „die im Sturm so viel Energie wie nie erzeugen – doch auch der Widerstand“ wachse. Reinhard Christiansen, Schleswig-Holstein-Vorsitzender des Bundesverbandes Windenergie, kam in dem ausgewogenen Artikel ebenso zu Wort wie wir betroffenen Bürger. Thomas Hahn von der SZ, Regionalredaktion Norddeutschland, ließ jede unserer Aussagen autorisieren: Ein beispielhafter Journalismus, der Pro- und Kontrapositionen ausgewogen beleuchtete.
    Anders ergeht es uns Windkraftskeptikern, wenn die Journalisten der Regionalzeitungen über unsere Konflikte berichten: Sie schreiben negativ über Windkraftskeptiker und machen sich zu Sprechern der Windkraftlobby und der Grundstückseigentümer.
    Vor unserem erfolgreichen Bürgerentscheid vom 31.8.14, der die Windräder auf maximal 100 Meter begrenzt, titelte die LN z.B. am 23.8. „Streit um die Windkraft eskaliert“. Ein Bild der Befürworter von 150-Meter-Rädern zierte den Artikel mit ihrem Wahlplakat, unsere 100-Meter-Position wurde nicht abgebildet. Frau Dreu erläuterte lediglich die Sinnlosigkeit unseres Begehrens in dem Artikel : „Sollte der Investor nachweisen können, dass 100 Meter hohe Anlagen in Schmalensee nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten, müsste die Gemeindevertretung aufgrund der gesetzlichen Vorgaben einen Beschluss für 150 Meter hohe Anlagen herbeiführen, egal wie das Votum der Bürger ausgefallen ist.“ Das das Unsinn ist, beweist, dass die Patt-Situation im Gemeinderat bis heute zu einem Stillstand der Planungen geführt hat: Nicht der Investor entscheidet über die Planungen, sondern die Gemeindevertetung! Ich habe als geschäftsführender Bürgermeister in der Sache leider nur erlebt, dass wir unsachgemäß zitiert wurden, während in dem besagten Artikel gleich zwei Landeigentümer, darunter der befangene Bürgermeister, ein von der Kommunalaufsicht am 27.8.14 beanstandetes und indiziertes Plakat der Befürworter großer Anlagen in den LN präsentierten. Der Bürgermeister musste dieses Plakat vor der Abstimmung am 31.8.14 entfernen.

    Statt einer ausgewogenen Berichterstattung üben sich die LN und die Segeberger Zeitung in andauernder Klientelbedienung, wie der Artikel sehr anschaulich zeigt. Ich bin für eine vernünftige Regionalplanung in Sachen Windenergie und für gute Regionalzeitungen. Doch derzeit muss ich weiter die Süddeutsche Zeitung lesen, wenn ich unabhängig informiert werden möchte. Vielleicht ändert sich bald etwas. Dann abonniere ich gern die LN. Der Klientelismus hat Frau Dreu, den LN und Denker&Wulf übrigens bislang nur Probleme bereitet. Vielleicht ändert sich das, wenn die LN für die Leser ein transparentes und objektives Bild der kommunalen Situation zeichnet. Zu dem Zweck lade ich Frau Dreu ein, in einem Gespräch auch einmal die Sicht unserer Mitbürger zu erfahren, das ich gern vermittle.

  3. Sehr geehrter Herr Opping, (Entschuldigung für die Verwechslung mit Herrn Gaul!)

    herzlichen Dank für Ihre differenzierte Berichterstattung zu dem Thema. Als 2. Bürgermeister der Gemeinde Schmalensee habe ich zweierlei Medienerfahrungen machen dürfen: Zuerst die gute Erfahrung: Die Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Nr. 153, Dienstag, 7. Juli 2015 auf Seite 7 über Propeller, „die im Sturm so viel Energie wie nie erzeugen – doch auch der Widerstand“ wachse. Reinhard Christiansen, Schleswig-Holstein-Vorsitzender des Bundesverbandes Windenergie, kam in dem ausgewogenen Artikel ebenso zu Wort wie wir betroffenen Bürger. Thomas Hahn von der SZ, Regionalredaktion Norddeutschland, ließ jede unserer Aussagen autorisieren: Ein beispielhafter Journalismus, der Pro- und Kontrapositionen ausgewogen beleuchtete.
    Anders ergeht es uns Windkraftskeptikern, wenn die Journalisten der Regionalzeitungen über unsere Konflikte berichten: Sie schreiben negativ über Windkraftskeptiker und machen sich zu Sprechern der Windkraftlobby und der Grundstückseigentümer.
    Vor unserem erfolgreichen Bürgerentscheid vom 31.8.14, der die Windräder auf maximal 100 Meter begrenzt, titelte die LN z.B. am 23.8. „Streit um die Windkraft eskaliert“. Ein Bild der Befürworter von 150-Meter-Rädern zierte den Artikel mit ihrem Wahlplakat, unsere 100-Meter-Position wurde nicht abgebildet. Frau Dreu erläuterte lediglich die Sinnlosigkeit unseres Begehrens in dem Artikel : „Sollte der Investor nachweisen können, dass 100 Meter hohe Anlagen in Schmalensee nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten, müsste die Gemeindevertretung aufgrund der gesetzlichen Vorgaben einen Beschluss für 150 Meter hohe Anlagen herbeiführen, egal wie das Votum der Bürger ausgefallen ist.“ Das das Unsinn ist, beweist, dass die Patt-Situation im Gemeinderat bis heute zu einem Stillstand der Planungen geführt hat: Nicht der Investor entscheidet über die Planungen, sondern die Gemeindevertetung! Ich habe als geschäftsführender Bürgermeister in der Sache leider nur erlebt, dass wir unsachgemäß zitiert wurden, während in dem besagten Artikel gleich zwei Landeigentümer, darunter der befangene Bürgermeister, ein von der Kommunalaufsicht am 27.8.14 beanstandetes und indiziertes Plakat der Befürworter großer Anlagen in den LN präsentierten. Der Bürgermeister musste dieses Plakat vor der Abstimmung am 31.8.14 entfernen.

    Statt einer ausgewogenen Berichterstattung üben sich die LN und die Segeberger Zeitung in andauernder Klientelbedienung, wie der Artikel sehr anschaulich zeigt. Ich bin für eine vernünftige Regionalplanung in Sachen Windenergie und für gute Regionalzeitungen. Doch derzeit muss ich weiter die Süddeutsche Zeitung lesen, wenn ich unabhängig informiert werden möchte. Vielleicht ändert sich bald etwas. Dann abonniere ich gern die LN. Der Klientelismus hat Frau Dreu, den LN und Denker&Wulf übrigens bislang nur Probleme bereitet. Vielleicht ändert sich das, wenn die LN für die Leser ein transparentes und objektives Bild der kommunalen Situation zeichnet. Zu dem Zweck lade ich Frau Dreu ein, in einem Gespräch auch einmal die Sicht unserer Mitbürger zu erfahren, das ich gern vermittle.

  4. Was sind das denn für 08-15 Enthüllungen! Damit kann der Autor sich gleich beim Gegenwind-Verein bewerben: Null Ahnung von der Materie aber trotzdem irgendwie sicher, dass es sich hier um einen großen Skandal handelt. Wer die egozentrierte Weltsicht der Nicht-In-Meinem-Garten-Fraktion als Ausdruck journalistischer Ausgewogenheit einfordert, offenbart leider nur, dass er vom Strommarkt nicht mehr versteht, als ein Klimaskeptiker vom Stammtisch um die Ecke. Enthüllungsjournalsimus ist kein Selbstzweck, Herr Oppong.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werbeanzeige

Werbeanzeige