„Episode Nummer Sicher“: Wenig „Star Wars“-Euphorie bei Filmkritikern

„Star Wars“ kehrt zurück auf die Leinwand
"Star Wars" kehrt zurück auf die Leinwand

Um Mitternacht startet der neue "Star Wars"-Film: "Das Erwachen der Macht". Millionen Fans weltweit können es kaum erwarten und auch die Merchandise-Maschinerie läuft seit Monaten auf Hochtouren. Der Großteil der Filmkritiker hingegen ist weniger euphorisch: J. J. Abrams habe eine "liebevolle Hommage" an die erste Trilogie geschaffen – nicht mehr und nicht weniger.

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„Star Wars“ ist zurück: „Das Erwachen der Macht“ setzt 30 Jahre nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ an, im Zentrum des neuen Films steht die junge Rey (Daisy Ridley), die auf dem Wüstenplaneten Jakku Schrott sammelt und – genau wie einst Luke Skywalker – in den Kampf zwischen dunkler und heller Seite der Macht gerät. Skywalker selber hingegen ist verschollen; das Imperium hat sich neu formiert und will die Herrschaft über das Universum an sich reißen.

Die meisten deutschen Filmkritiker sind sich einig: Der neue „Star Wars“-Regisseur J. J. Abrams geht bei der Umsetzung auf Nummer Sicher und gibt mit zahlreichen Anspielungen an vergangene Episoden den Fans genau das, was sie wollen. So schreibt Spiegel Online über die „Episode Nummer Sicher“: „Wann Han, Luke und Leia (und mit ihnen Harrison Ford, Mark Hamill und Carrie Fisher) ihre Szenen haben, wessen Laserschwerter sich wann kreuzen, und wann jemand sagt, dass er ein wirklich schlechtes Gefühl bei der Sache hat, macht den Großteil des Spaßes an diesem „Star Wars“-Film aus“. Leider komme „Das Erwachen der Macht“ die längste Zeit nicht aus diesem Huldigungsmodus heraus. Von der Unbefangenheit, mit der Abrams zuvor das „Star Trek“-Franchise modernisiert hat, sei hier nichts zu spüren und der ganze Film eine „überaus liebevolle Hommage an die ursprüngliche Trilogie“. Gleichermaßen werde aber auch die zweite Trilogie ins rechte Licht setzt: „Im Vergleich zu „Das Erwachen der Macht“ wirken Episode I bis III nun frischer und mutiger als zu ihrer Entstehungszeit, denn von Nostalgie war und ist bei ihnen nichts zu spüren. Gewissermaßen hat George Lucas damals mehr mit dem eigenen Erbe gebrochen, als es Abrams heute gewagt hat.“ Erst ganz kurz vor Schluss setze Episode VII „zu einem erzählerischen Kraftakt an, der eine entscheidende Verbindung kappt. Dann beginnt Episode VII endlich zu fliegen.“

Ähnliche Töne schlägt auch Blickpunkt Film an und betont, die Handlung folge penibel dem übermächtigen Original. Das habe damals „die Spielregeln in Hollywood neu definiert und die Ära des Blockbusterkinos begründet“. Im neuen Film hingegen gehe es mitnichten um Erneuerung oder Veränderung, sondern um das Bewahren, Hegen und Konsolidieren einer Marke. „Was nicht zerbrochen ist, sollte man auch nicht richten, heißt es. Seht her, wir wollen euch nicht verunsichern, sondern unbedingt genau das geben, was ihr wollt (…). Bis man von der Erkenntnis eingeholt wird, dass mit den vielen Déjà-Vu-Effekten nicht einfach nur gespielt wird, sondern sie tatsächlich der gesamte Film sind. So ist ‚Das Erwachen der Macht‘ der Film, den J. J. Abrams machen musste, aber nicht ganz der Klassiker, der er auch hätte sein können.“

Auch Zeit Online schreibt über die „größtmögliche Nummer Sicher eines Hollywoodblockbusters“. Der Film sei „die werkgetreue Fortschreibung eines in sich völlig geschlossenen Narrativs und filmischen Universums, letztlich eine Variation des womöglich viel zu Bekannten, nun verschoben in die nächste, eine neue Generation von Figuren, die Rey, Finn, Poe, Kylo heißen“. J. J. Abrams habe mit dem ersten Film das Erbe geradezu demütig angenommen und stelle sich voll und ganz in den Dienst der Fankultur. „Dass es trotzdem ein Vergnügen ist, der Abarbeitung einer total voraussehbaren Dramaturgie beizuwohnen, liegt vor allem an der Filmästhetik, derer Abrams sich bedient. Er hat als augenscheinlichste Schwäche der noch von Lucas betreuten Prequel-Trilogie, deren Teile zwischen 1999 und 2005 erschienen, die geringe visuelle Halbwertszeit der damaligen digitalen Tricktechnik erkannt.“

Süddeutsche.de bezeichnet „Das Erwachen der Macht“ als „kein überirdisches Ereignis“, sondern als „opulenten Hollywood-Blockbuster – nicht mehr und nicht weniger“. Episode VII sei zwar wilder, selbstironischer und spannender als die letzten drei „Star Wars“-Filme, die George Lucas um die Jahrtausendwende gedreht hat. „Das bedeutet nicht, dass er an den Charme der Urtrilogie heranreichen würde – aber weil das wohl auch gar nicht möglich wäre, hat Regisseur J. J. Abrams einfach seine sehr persönliche Fortschreibung der Reihe gewagt.“

„Die Fans werden es nicht hören wollen“, schreibt derTagesspiegel, „aber bereits im Original angelegte Schwächen wie suboptimale Schauspielleistungen, ein zwischen Stillstand und Schweinsgalopp pendelnder Erzählrhythmus oder der bisweilen alberne Humor der Saga setzen sich auch im Update fort. Dem Erfolg der Sternenkrieger hat derlei irdische Mäkelei bislang nicht im Wege gestanden. Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass sich das ändern wird.“

Tagesschau.de lobt vor allem die schauspielerische Leistung von Daisy Ridley, die mit ihrem Kinodebüt die „echte Entdeckung des Films“ sei. „Und überhaupt sind die Frauenfiguren den Männern durchweg mindestens ebenbürtig.“

Auch Heise  freut sich über das Frauenbild, das in „Das Erwachen der Macht“ transportiert wird. Rey stünde in der „Tradition moderner, unabhängiger Heldinnen wie Katniss Everdeen. Das sind gestandene Frauen, die für ihre Sache kämpfen – und nicht Sidekicks für kindliche Helden, wie sie Lucas zum Spielball seines pseudoreligiösen Mythos gemacht hat.“ Generell habe es dem Film gut getan, dass George Lucas sein Franchise an Walt Disney verkauft und bei Episode VII nur beratend tätig gewesen sei. Mit “Das Erwachen der Macht” habe J.J. Abrams nun den besten “Star Wars” seit Episode V vorgelegt. „Der ‚Krieg der Sterne‘ ist erwachsen geworden. Endlich.“

Die Intro: zeigt sich ebenfalls begeistert(er): „‚Das Erwachen der Macht‘ vermeidet nahezu sämtliche Fehler, die die Episoden eins bis drei zu Hassobjekten der Fangemeinde machten. Konkret bedeutet das: CGI nur, wenn es nicht anders geht und dann wirklich beeindruckend. Ansonsten dominieren Kostüme, Kleinigkeiten und Kauzigkeit. Endlich ist jene verschwenderische Detailverliebtheit zurück, die aufwändigste Puppen und Requisiten für winzige Szenen konstruieren lässt und so eine lebendige Welt erschafft. Am Ende seiner rund 135 Minuten ist ‚Das Erwachen der Macht‘ ein ebenso humor- wie fantasievolles Sci-Fi-Märchen, das es trotz einiger erzählerischer Schwächen schafft, den Geist der Original-Trilogie äußerst stilvoll zu reproduzieren. Wir prognostizieren daher ein kollektives Aufatmen im Kinosaal.“

Einzig die B.Z. ist durch und durch euphorisch: „Machen wir es kurz: Star Wars, Episode 7, ‚Das Erwachen der Macht‘, ist grandios.“

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