Übernahmegerüchte: Greift Apple nach GoPro?

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Es wäre ein Zukauf nach dem Vorbild der Beats-Übernahme: Einfach mal einen trendigen Nischenplayer für ein paar Milliarden einverleiben. Am Freitag kursierte genau dieses Gerücht: Apple könnte nach GoPro greifen! Die Spekulationen ließen die 2015 schwer abgestürzten Aktien des Actioncam-Anbieters schnell um 15 Prozent in die Höhe schießen. Nur: Wie realistisch ist eine GoPro-Akquisition durch Apple wirklich?

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Die Uhr tickt. Wenn nichts Gravierendes mehr passiert, dürfte Tim Cook sein schwächstes Börsenjahr seit Übernahme der Amtsgeschäfte als Apple-CEO 2011 verbuchen. Trotz des erfolgreichsten Geschäftsjahres in der Wirtschaftsgeschichte und einer gigantischen Kurspflege-Aktion in Form von Aktienrückkäufen über fast 50 Milliarden Dollar kommt die Apple-Aktie 2015 einfach nicht vom Fleck, weil die Wall Street weiterhin unterstellt, dass der Kultkonzern aus Cupertino sein Wachstum ausgereizt hat.

Ganze zwei Prozent liegt die Apple-Aktie seit Januar noch vorne – das ist noch dürftiger als im Krisenjahr 2013, als die Gewinne zweistellig erodierten. Actioncam-Anbieter GoPro wäre unterdessen über ein Jahr der Stagnation an der Wall Street heilfroh. Tatsächlich ist der Actioncam-Anbieter 2015 so hart unser die Räder gekommen wie kaum eine andere Aktie: um satte 70 Prozent wurde GoPro an der Börse rasiert.

Nach 70 Prozent-Einbruch: letzte Hoffnung Übernahmespekulation

Der Schrecken will für GoPro-Aktionäre einfach kein Ende nehmen: Nachdem der Hersteller von wasserdichten und stoßsicheren Videokameras vor einem Jahr bei knapp 100 Dollar notiert hatte, sind die Anteilsscheine inzwischen keine 20 Dollar mehr wert. Der Grund: Nach einer schwächeren  Quartalsbilanz und einem enttäuschenden Launch der neuen, kleinen Actioncam Hero4 Session ließen erst die Anleger, dann die Analysten den Börsendebütanten von 2014 wie eine heiße Kartoffel fallen.

Wenn gar nichts mehr hilft, gibt es immer noch die letzte Hoffnung Übernahmespekulation. Die wurde Ende vergangener Woche von der US-Investmentbank FBR geschürt. Analyst Dan Ives erklärte gegenüber dem Finanzportal Marketwatch: „GoPro passt wie ein Handschuh in Apples Produktportfolio.“ Es ist bereits das zweite Mal, dass Apple als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt wird: Im September hatte Northland Capital-Analyst Gus Richard GoPro ebenfalls als potenzielles Akquisitionsziel von Apple genannt.

Apple könnte GoPro mit dem Nettogewinn eines Monats bezahlen

Wie wahrscheinlich erscheint der Zukauf nun? Fest steht: Spätestens seit der 3 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Kopfhörer-Herstellers Beats scheint das Apple unter Tim Cook größeren Akquisitionen nicht mehr abgeneigt. GoPro würde mit seinen hochpreisigen Actioncams scheinbar genau in die Blaupause der Beats-Übernahme passen.

Gegenwärtig wird GoPro an der Börse nur noch mit 2,65 Milliarden Dollar gehandelt. Mit einem gewissen Premiumaufschlag wäre das 13 Jahre alte US-Unternehmen wohl etwa für 3,5 bis 4 Milliarden Dollar zu haben – eine Summe, die Apple mit den Nettogewinnen eines Monats begleichen könnte.

Citi Bank erteilt Übernahmespekulationen Absage

Doch warum sollte Tim Cook eigentlich das Scheckbuch zücken? Mit den trendigen Actioncams und künftig auch Drohnen würde Apple zwar sein Produktportfolio diversifizieren, doch die möglichen Erlöse erscheinen zu marginal, als dass sie zum neuen Wachstumstreiber gereichen könnten – gerade mal 400 Millionen Dollar setzte GoPro im vergangenen Quartal um.

Wenig überraschend goss Citi-Analyst  Jeremy David noch am Freitag  kaltes Wasser auf die Übernahmespekulation, die er als „unwahrscheinlich“ bezeichnete. Der Grund: GoPro hat Apple mit seinem Nischenprodukt und gerade mal 56 Patenten einfach zu wenig zu bieten. Zudem könne der Kultkonzern aus Cupertino jederzeit selbst eine Actioncam entwickeln, wenn das Interesse vorhanden sei, zitiert Forbes David. Doch vielleicht tritt ja irgendwann noch ein anderer Bieter auf den Plan: Bei GoPro-Aktionären regiert nach schnellen Kursgewinnen von 15 Prozent wieder das Prinzip Hoffnung.

 

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