„Verheerendes Signal“: DJV und Verdi machen Front gegen Spiegel-Reform

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Spiegel-Verlagsgebäude in der Hamburger Hafencity

Am Dienstag hatte der Spiegel ein in der Geschichte des Magazins beispielloses Sparprogramm angekündigt: 149 Stellen von 727 Stellen sollen abgebaut werden. Mit dem Maßnahmenpaket reagiert das Management auf die sinkenden Umsätze und Erlöse. Die Gewerkschaften kritisieren die Pläne und fordern den Verzicht auf Kündigungen. Auch Medienkommentatoren sehen den Spiegel in schwierigem Fahrwasser.

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Sparen ja, betriebsbedingte Kündigungen nein. Der Deutsche Journalistenverband und Verdi reagieren angesichts der Sparpläne beim Spiegel alarmiert. DJV-Chef Frank Überall fürchtet vor allen Dingen um die Qualität des anerkannten Nachrichtenmagazins. „Mir ist nicht klar, wie der Spiegel nach dem geplanten Aderlass an qualifizierten Journalistinnen und Journalisten seine eigenen journalistischen  Qualitätsstandards noch halten will.“

Der Spiegel-Verlag plant die Streichung von 149 Vollzeitstellen, davon 35 in der Redaktion und 14 in der Dokumentation. Von den Sparmaßnahmen betroffen sein könnten weitaus mehr Mitarbeiter. Im redaktionellen Bereich bis zu einem Drittel, befürchtet der DJV. „Ich erwarte von den Verantwortlichen den vollständigen Verzicht auf Kündigungen“, fordert Überall.

Kritik kommt auch von der Gewerkschaft Verdi. Sie spricht von einem „Abriss“, gegen den man sich wehren werde. „Für eine Neuausrichtung ist der Spiegel-Verlag wirtschaftlich stark genug, um auf Kündigungen und Stellenabbau zu verzichten“, heißt es. Als Gewerkschaft werde sich ver.di aktiv für „Alternativen zum Abriss“ einsetzen.

ver.di sieht im Stellenabbau beim Spiegel ein „verheerendes Signal“Hamburg, 1. Dezember. Die Vereinte…

Posted by ver.di Medien und Kultur im Norden on Tuesday, December 1, 2015

 

Während die Gewerkschaften auf die Spiegel-„Reform“ mit Forderungen reagieren, versuchen die Medien die ersten Sparmaßnahmen beim Magazin einzuordnen und zu kommentieren.

Die taz  beschäftigt sich vor allem die Verteilung der Sparmaßnahmen sowie die fortwährenden Unterschiede zwischen Jung- und Alt- sowie Online- und Print-Redakteuren: „Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer würde diese interne Hierarchie gern ändern, dafür sei aber in der aktuellen Reform kein Platz gewesen, sagte er am Dienstag. Das ist eine vertane Chance. Denn so schmerzlich die Einschnitte beim Spiegel nun auch sind, sie hätten für mehr Gerechtigkeit im Haus sorgen können.“

Um die Verteilung der Kostenstreichungen geht es auch beim Branchendienst Horizont. Dort schreibt Roland Pimpl: „Alles das, was den Spiegel besonders auszeichnet und abhebt von anderen (Medien-) Unternehmen, soll im Haus verbleiben und möglichst geschont werden – also diejenigen, die das Produkt verantworten, die Redaktion. Diejenigen Dienstleistungen, die der Markt ebenso gut (und vielleicht sogar besser oder billiger?) anbieten kann, könnten dagegen ausgegliedert werden. Ist das gerecht? Schwierige Frage. Aber – in dieser Situation – gerechtfertigt vielleicht schon.“

In seinem Medienblog schreibt Welt-Redakteur Christian Meier über die Entscheidungsfindung der Sparmaßnahmen und zweifelt daran, dass die Augstein-Erben die Pläne der Spiegel-Macher unterstützen: „Über den Grund für die Gegenstimme ist bisher nichts bekannt. Es lässt sich zumindest vermuten, dass es den Erben weniger um das ‚Ob‘ denn um das ‚Wie‘ des Sparprozesses geht.“ Des Weiteren berichtet er über Stimmen der „Skeptiker“, die „schon weitere Einschnitte auf den Spiegel zukommen“ sehen. „Und immer lauert im Hintergrund die Frage, ob ein Verlag mit nur einer großen Medienmarke auf Dauer überlebensfähig ist. Es drohe der ‚last exit Bertelsmann'“. Und weiter: „Die restliche Verlagsbranche wird kaum unbeteiligt zuschauen – die Krise hat den Spiegel mit Zeitverzögerung erreicht, sie ist aber nur ein Symptom der großen Herausforderungen, vor denen alle Verlagshäuser stehen.“

Eine Stellungnahme der Augstein-Erben gab es bis Mittwochvormittag noch nicht. Eine Reaktion kam allerdings von Erbe und Spiegel-Kolumnist Jakob Augstein. Er teilte bei Twitter den Welt-Beitrag, der die Rolle der Augsteins thematisiert.

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