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Starke Frauen statt nackter Supermodels: Annie Leibovitz erfindet Pirelli-Kalender neu

Serena Williams, Patti Smith und Amy Schumer im neuen Pirelli-Kalender
Serena Williams, Patti Smith und Amy Schumer im neuen Pirelli-Kalender

Am Montag wurde der neue Pirelli-Kalender in London vorgestellt – und sorgte für einige Überraschungen. Statt nackter Topmodels gibt es 2016 zwölf (zum Großteil) angezogene Frauen aus Wirtschaft, Kultur, Kunst oder Sport zu sehen. Inszeniert von Annie Leibovitz posieren unter anderem Yoko Ono, Serena Williams und Amy Schumer. Die Presse ist begeistert.

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Der jährliche Pirelli-Kalender, auch „The Cal“ genannt, ist der berühmteste Erotik-Kalender der Welt und ein echtes Sammlerstück. Während sich 2015 noch Topmodels wie Gigi Hadid und Adriana Lima halbnackt vor der Kamera räkelten, sieht die Ausgabe für das kommende Jahr grundlegend anders aus. Annie Leibovitz fotografierte dafür Frauen, die „sich beruflich, sozial, kulturell, sportlich und künstlerisch besonders hervorgetan haben“, teilte Pirelli am Montag mit.

Nackte Haut sucht der Betrachter in der neuen Version nahezu vergeblich. Einzig auf dem Dezember-Bild ist Amy Schumer zu sehen, die nur mit einem Slip bekleidet und mit einem Coffee to go in der Hand streng in die Kamera schaut. „Ich bin ein großer Fan von Stand-up-Commediennes. Das Porträt von Amy Schumer brachte eine humorvolle Note in das Ganze. Es war, als habe sie die Mitteilung, dass sie ihre Kleidung anbehalten dürfe, nicht erhalten“, sagt Annie Leibovitz.

Pirelli sei auf sie zugekommen und habe vorgeschlagen, von dem in der Vergangenheit typischen Ansatz abweichen zu wollen, so die Fotografin. „Ich wollte, dass die Frauen auf den Fotos genau so erscheinen, wie sie wirklich sind, ohne irgendwelche Inszenierungen.“

Für diese neue Aufmachung werden Leibovitz und Pirelli schon vor Erscheinen des Kalenders gefeiert. So schreibt Die Welt: „Die trockenen Abbildungen angesehener Frauen im fortgeschrittenen Alter sind ein krasser Bruch mit der Kalendertradition – und wahrscheinlich das Beste, was sich die Marketingabteilung ausdenken konnte. In jedem anderen Kontext wäre der Kalender nicht besonders originell, doch für Pirelli ist es eine Sensation.“ Die 2016-Ausgabe sei eine „Persiflage auf alle bisherigen Pirelli-Kalender“ und rege „nicht die Tagträume der 14-Jährigen an, sondern die ihrer Mütter.“

Spiegel Online lobt vor allem die Beiläufigkeit der Inszenierung: „Ihr (Amy Schumers) Foto ist deshalb großartig, weil sie so beiläufig daherkommt. Als wäre es das selbstverständlichste der Welt, ausgerechnet für diesen Kalender seinen Bauchspeck zu präsentieren. Oder im Rollkragenpullover zu posieren. Oder als 68-Jährige in Jeans. Für viele ist das noch nicht selbstverständlich. Aber das scheint die Frauen zum Glück kein bisschen zu interessieren.“

Die New York TimesAutorin Vanessa Friedmann vermutet sogar, dass durch die neuartige Inszenierung ein Kulturwechsel vollzogen werden könnte. Und sie ist überzeugt, dass der neue Kalender ein politisches Statement sei. Wie The Guardianberichtet, glaubt Annie Leibovitz selber, dass sich das Bild der Frau in der Gesellschaft zurzeit rasant verändert – hin zu einem autonomeren, stärkeren Bild. Und genau dafür will sie mit ihrer Arbeit ein Zeichen setzen.

Dieses Zeichen kommt auch bei Twitter gut an, etliche Nutzer freuen sich dort über die neuartige Inszenierung – mit dabei Leibovitz-Model Amy Schumer selber:

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