Anzeige

Das intensive Vice-Interview mit Eagles of Death Metal: Begegnung mit dem Horror im Bataclan

Vice interviewte die Bandmitglieder, die den Anschlag in Paris miterlebten.
Vice interviewte die Bandmitglieder, die den Anschlag in Paris miterlebten.

Die Rockband Eagles of Death Metal stand auf der Bühne, als die Terroristen im Pariser Konzerthaus Bataclan das Feuer eröffneten. Zum ersten Mal sprachen die Musiker jetzt über die Horrornacht. Mit Shane Smith, dem Gründer des Vice-Magazins. Für den rasant wachsenden Medienkonzern mit dem Rebellen-Image ist die Story ein weltweit beachteter Scoop – nicht der erste.

Anzeige
Anzeige

Als am 13. November islamistische Terroristen den Horror über Paris brachten, lag das Zentrum des Schreckens im Bataclan. 90 der 130 Opfer kamen in dem Konzertsaal im 11. Arrondissement ums Leben. Sie waren gekommen, um die US-Rockband Eagles of Death Metal zu sehen. Als die Terroristen das Feuer eröffneten, standen die Bandmitglieder auf der Bühne. Sie alle konnten sich durch einen Hinterausgang retten. Zwar hatte sich die Band nach den Ereignissen schon geäußert, mit der Presse sprachen die Mitglieder bisher aber nicht. Zumindest bis das Magazin Vice die Musiker in sein Büro in Los Angeles zum Gespräch bat.

Es ist nicht das erste Mal, dass dem einstigen Punk-Magazin ein journalistischer Coup gelingt. Einblicke in das totalitäre Regime von Nordkorea, ein Interview mit US-Präsident Barack Obama oder eine Reportage aus dem Herrschaftsgebiet des sogenannten Islamischen Staates – die Plattform kann mehr als nur Sexreports und Einblicke in das Partyleben neurotischer Großstädter. Vice ist zum internationalen Medienkonzern geworden.

Unter Tränen, den Schock immer noch im Gesicht ablesbar, berichten die Bandmitglieder der Eagles of Death Metal von dem Attentat in Paris, das sie nur knapp überlebten. Sie verlieren die Fassung, ringen nach Luft. Wer das Videointerview verfolgt, der spürt die Beklemmung und den Horror dieser Nacht. Es gibt kaum Schnitte, Interviewer Shane Smith unterbricht die Musiker nie, lässt sie die Ereignisse schildern. Der Horror wird auf einmal nahbar.

Es ist diese Nahbarkeit, die zieht. Das Videointerview zeigt, was Vice bei seinem Publikum beliebt und erfolgreich hat werden lassen. Vice ist anders als andere Medien: Sie sind direkt und emotional. Kritiker nennen das oft einmal Gonzo-Journalismus, in dem subjektive Sicht des Autors, Polemik, Realität und Fiktion vermischt werden. Ob es stimmt oder nicht, der Erfolg von Vice ist ungebrochen.

2014 konnte die Vice-Webseite bei der Reichweite in den USA um 173 Prozent zu legen. Zum Vergleich: Das Online-Netzwerk der altehrwürdigen New York Times kam auf eine Steigerung von 105, die Washington Post lag bei 71 Prozent. Im Oktober 2015 kam die deutsche Seite auf 48,52 Millionen Page Impressions im Mobile Web.

Und nicht nur in Deutschland ist Vice vertreten: Im Jahr 2014 zählte das Netzwerk bereits 35 Büros auf der ganzen Welt. Ein rasanter Erfolg seit der Gründung 1994 als kleines Punkmagazin im kanadischen Montreal. Shane Smith, Gründer und mittlerweile CEO eines globalen Medienkonzerns, sieht noch immer so aus, als wäre er eigentlich Chefredakteur dieses kleinen Punkmagazins geblieben: Bart, Tattoos und T-Shirt.

Anzeige

Eben jener Smith war es auch, der die Eagles of Death Metal interviewte. Während Größen wie CNN oder ABC sich wahrscheinlich abmühten, die Musiker vor die Kamera zu bekommen, kamen die Musiker zu Shane Smith und Vice.

Ein Erfolg für das Netzwerk, dass mittlerweile zahlreiche Erfolge vorzuweisen hat. 2008 reiste Smith nach Nordkorea und veröffentlichte „A Vice Guide to Travel: North Korea“, welcher ein spektakulärer Erfolg war. 2013 reiste ein Team des Magazins mit Basketballspieler Dennis Roman erneut nach Nordkorea – und fand sich auf einmal auf einem Empfang des großen Führers Kim Jong-un wieder. Da wo zuvor noch kein westlicher Journalist gewesen war. 2014 reisten Vice-Journalisten in das Territorium des sogenannten Islamischen Staates – immer mit dabei: die Videokamera.

Shane Smith erkannte bereits früh, dass reine Anzeigen zwar auch Geld bringen, aber sich noch mehr mit Videowerbung verdienen lässt. Abgesehen davon, sucht die Vice-Zielgruppe nicht nur nach textlichen Inhalten. Crossmedial hat Vice schon verstanden, da suchten andere Verlage noch nach einer Übersetzung.

Und nicht nur mit Videos lässt sich Geld verdienen, sondern auch durch die richtige Zielgruppe. Und die ist jung: 35 Prozent sind zwischen 18 und 24, 41 Prozent zählen die 25 bis 34-Jährigen, 24 Prozent entfällt auf die Alterskategorie 35 bis 44, so die Mediadaten des deutschen Ablegers.

Nicht nur für Marken ist Vice als Sprachrohr dieser Zielgruppe interessant, sondern auch für Persönlichkeiten. So ließ sich US-Präsident Barack Obama im März 2015 von Gründer Shane Smith interviewen. Über die „richtige“ Zielgruppe konnte sich Obama sicher sein.

Und der Aufstieg von Vice ist noch längst nicht zu Ende: Anfang November besiegelte Smith einen Deal mit dem Medienkonzern A&E Networks und zu den zahlreichen Vice-Seiten und Partnerseiten kommt jetzt noch der eigene Kanal Viceland hinzu. Nach der Bekanntgabe wird der Wert des Medienhauses, das aus einem Punk-Magazin hervorging, auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*