ARD rechtfertigt ESC-Entscheidung: „Xavier Naidoo steht für Toleranz“

ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber
ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber Foto: dpa

Fernsehen Mit der Ankündigung, den umstrittenen Popsänger Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest 2016 für Deutschland nach Stockholm zu schicken, hat die ARD Staub aufgewirbelt. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur steht Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber zu seiner Entscheidung.

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Von Carsten Rave, dpa

Haben Xavier Naidoos umstrittene Äußerungen in der Vergangenheit bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt? Es wurden ihm Homophobie, Antisemitismus und Rechtslastigkeit vorgeworfen.
SCHREIBER: Dass Xavier Naidoo polarisiert, wussten wir. Die Frage ist, ob alle Hassäußerungen, die es in den sozialen Netzwerken gibt, eine sachliche Grundlage haben. Zu den einzelnen Vorwürfen: Xavier Naidoo steht für Toleranz allen Lebensentwürfen gegenüber, die es in dieser Republik gibt.

Er hat vor kurzem die Resolution an die Kanzlerin unterschrieben, die die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe fordert. In dem Interview mit uns auf eurovision.de wirbt er für die Toleranz für die Religion und die Toleranz für Lebensentwürfe. Er arbeitet mit Künstlern zusammen, die unterschiedlichste sexuelle Orientierungen leben, er hat als junger Mann als Türsteher in Schwulen-Discos gearbeitet.

Zum Thema Antisemitismus: In der vierstündigen Dokumentation bei Vox hat sich Marek Lieberberg, der wunderbare Konzertveranstalter aus Frankfurt, der seit 20 Jahren mit Xavier Naidoo arbeitet, sehr eindeutig dazu geäußert. Xavier Naidoo setzt sich seit vielen Jahren für die deutsch-israelische Freundschaft ein, unter anderem, weil er weiß, dass sein Vater nur aufgrund der Hilfe eines jüdischen Onkels nach Deutschland kommen konnte. Hat Xavier Naidoo keine Fehler in seinem Leben gemacht? Sicher hat er – wie wir alle – nicht nur in jedem Moment alles richtig gemacht.

Ist es trotz allem denn sinnvoll, einen Kandidaten zu nominieren, der die Menschen so polarisiert?
Zuerst einmal haben wir einen der besten Sänger Deutschlands nominiert, und ich habe im Zusammenhang mit den TV-Shows „The Voice of Germany“ oder „Sing meinen Song“ diese Frage nicht gehört. Für mich ist entscheidend, dass Xavier Naidoo sich auf die Idee einlässt, das Publikum entscheiden zu lassen, mit welchem Lied er nach Stockholm zum Eurovision Song Contest fährt.

Warum präsentieren Sie dem Publikum nur einen Kandidaten und lassen es nicht – ganz demokratisch – aus einer Schar mehrerer (Nachwuchs-)Kandidaten auswählen?
Für uns war es wichtig, mit jemandem anzutreten, der über eine hervorragende Bühnenpräsenz verfügt, der ein sehr guter Sänger ist und der mit uns auf die Suche nach einem Lied geht – und bei dem das Lied nicht von vornherein feststeht, weil es die neue Single ist. Außerdem wird das Publikum ja entscheiden: über den Song und auch – wir wollen mit Studenten der deutschen Film- und Kunsthochschulen einen neuen Weg gehen – über die fernsehgerechte Präsentation des deutschen Songs auf der ESC-Bühne in Stockholm. Schließlich ist der ESC zuerst einmal eine große, weltweite Fernsehshow.

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Alle Kommentare

  1. Für Toleranz?! Dem dementen Herrn Schreiber ist wohl nicht mehr zu helfen! Ein explizit Homophober Kiffer, der auf dem schwulsten Event des Jahres auftreten soll, für ein Land (Bundesrepublik Deutschland), das er rechtlich nicht anerkennt? Haha, der Lacher des Jahres. Wenn der für Toleranz steht, ist der so genannte IS eine Friedensinitiative.

  2. Herr Schreiber ist ein Beleg dafür, dass längst nicht jeder in diesem Lande weiß, was Verschwörungstheorien sind und dass sie allesamt mehr oder weniger direkt im Antisemitismus münden. Ohne Henryk M. Broder wäre Ken Jebsen vermutlich noch heute auf Sendung. Sollte man doch noch zur Besinnung kommen und von Naidoo ablassen, werden die rechten Deppen es wieder als Bestätigung dafür ansehen, dass die Wahrheit™ unterdrückt wird.

  3. Die Entscheidung für Xavier ist sehr zu begrüßen in Zeiten des Meinungsterrors in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen. Ihn als rechtsradikal und schwulenfeindlich zu bezeichnen ist lächerlich und typisch für Menschen die Toleranz einfordern aber nur ihre eigene Ideologie akzeptieren! Bravo ARD

  4. Die ARD ist gebuehren finanziert, dann sollte man den Protest einer Gruppe wie der Gay-Community die den ESC ja wieder zu einer Kult-Veranstaltung gemacht hat ernster nehmen und nicht einfach als Spinnerei abtun Herr Schreiber.
    Sarah Connor waere ne Alternative und die kann sogar singen.

  5. Ich will diese frömmlerische Heulboje mit ihrem Psalmen-Gesabber sowie ihren Attacken gegen Schwule nicht auf einem ESC sehen. Hab noch sehr gut seine politischen Ausfälle im Gedächtnis.
    Bin viel mit dem Auto unterwegs und wenn aus dem Radio das meine Ohren belästigende Geseiher ertönt, switche ich reflexhaft weiter.
    Was kommt als Nächstes? Übernimmt die ARD auch Bibel TV? Moderiert Akif Pirincci Mona Lisa?
    W I D E R L I C H !!!

    1. Eine einsame ARD-Entscheidung, die völlig daneben gegangen ist. Jeder möchte nach den vielen Protesten sein Gesicht wahren um ja nicht zugeben zu müssen, Mist gebaut zu haben….

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